Titel: Wiedersehen
Team: Sonne
Challenge: Hurt/Comfort: Verloren/(Wieder)Gefunden - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Slash, h/c
Warnungen: None
Zusammenfassung: Jupp und Klaus sehen sich nach vielen Jahren wieder...
Wörter: ~1700
Anmerkung1: Eine kleine Szene für ein größeres Projekt mit den beiden, an den ich seit längerem herumbastele. Zum Verständnis sollte man nur wissen, dass Klaus in der Serie Köln irgendwann verlassen hat. Es wurden keine Gründe angegeben und dieses Projekt widmet sich eben der Frage, warum er gegangen ist und was wohl passiert, wenn die beiden sich nach einigen Jahren wiedersehen.
Anmerkung2: Weltherrschaft Nr. 7! YEAH!!!
Widmung: Für
nachanca, weil sie sich mit dem Virus hat infizieren lassen. Es ist noch nicht das Happy End, was du dir gewünscht hattest, aber ich hoffe es gefällt trotzdem.
Unschlüssig stand Klaus in der Tür zu Jupps Wohnzimmer. Die anderen waren vor einer ganzen Weile schon gegangen und auch er hatte sich schon seinen Mantel übergeworfen und war in Begriff zu gehen, doch irgendetwas hielt ihn zurück. Stumm beobachtete er Jupp, der vor dem Fenster stand und gedankenverloren hinaus in die Dunkelheit starrte. Er hatte die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, die Schultern so hochgezogen, dass es schon fast schmerzhaft sein musste. Sein Gesicht spiegelte sich im Fenster, das Mienenspiel vollkommen undeutbar, verschlossen, fast abweisend, wie immer, wenn ihn etwas bewegte und er nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. Er wirkte einsam, fast schon verloren, wie er da so stumm und allein vor dem Fenster stand. Dieses Bild berührte etwas in Klaus, auch wenn er nicht recht sagen konnte, was eigentlich. Es schien ihm, als läge eine Bitte in Jupps Haltung, seinem Gesichtsausdruck. Eine stumme Bitte, Jupp jetzt nicht allein zu lassen. Aber war diese Bitte wirklich an ihn gerichtet?
Klaus wusste es nicht. Sie hatten sich so lange nicht gesehen. Über fünf Jahre war es jetzt her, dass er Köln, die Mordkommission und vor allem Jupp und Flo verlassen hatte. Damals hatte er geglaubt, keine andere Wahl zu haben, heute war er sich nicht mehr so sicher. Aber das ließ sich nicht mehr ungeschehen machen und diese fünf Jahre, die standen jetzt zwischen Jupp und ihm, das hatte er den ganzen Abend über gespürt. Der Umgang miteinander war anders gewesen als früher. Nicht mehr so entspannt, so vertraut, irgendwie fast befangen, auch wenn das alten Gefühl in manchen Moment aufgeblitzt war.
Er sollte jetzt gehen, dass wusste Klaus, doch er konnte einfach nicht. Jupp so dort stehen zu sehen, so einsam und verloren, ungewohnt offen und verletzbar, das brach ihm schier das Herz. Ungebeten rührten sich alte Gefühle in ihm, die er, wenn nicht überwunden, so doch tief in sich verschlossen gewähnt hatte. Ein irrationaler Gedanken sagte ihm, dass er Jupp jetzt nicht allein lassen durfte. Wenn er jetzt ging, dann ging er für immer, dann gab es kein Zurück mehr. Leise ließ er seinen Mantel wieder von den Schultern gleiten und achtlos zu Boden fallen. Dann ging er auf Jupp zu, ganz langsam, einen Fuß vor den anderen setzen. Er fühlte sich so unglaublich hilflos. Was sollte er sagen? Was konnte, was durfte er tun, nach allem, was passiert war. Das hier war keine Situation, die er mit kühlem Verstand und kluger Analyse bewältigen konnte. Die beste psychologische Ausbildung, seine ganze Erfahrung nutzte ihm hier nicht. Hier ging es um Jupp und um ihn selbst. Da hatte sein Verstand vom ersten Moment an ausgesetzt, sonst wäre er niemals in Köln geblieben. Aber er es auch all die Jahre immer vermieden, sich mit diesem irrationalen Konglomerat aus Gefühlen, Wünschen und Träumen auseinanderzusetzen, das hinter ihrer seltsamen Beziehung lauerte. Vielleicht war das der wahre Grund gewesen, aus dem er gegangen war. Weil ihm unbewusst klar gewesen war, dass er die Fassade nicht mehr lange würde aufrechterhalten können.
Dicht hinter Jupp blieb er schließlich stehen. Sie berührten sich nicht, und doch war Klaus ihm so nahe, dass er glaubte, Jupps Körperwärme auf seiner Haut zu spüren. Nur mit Mühe widerstand er dem Drang, seine Hände auf Jupps Schultern zu legen. Stattdessen schob er sie in die Hosentaschen, spiegelte Jupps Haltung. So stand er stumm hinter Jupp und wartete. Er wusste nicht genau worauf, aber er wusste auch nichts anderes zu tun oder zu sagen. Die Stille zwischen ihnen schien sich unendlich zu dehnen. Sie war nicht feindselig, aber auch nicht angenehm.
„Warum bist du gegangen?“
Die Frage riss Klaus aus seinen Gedanken. Jupps Stimme hatte rau geklungen, irgendwie zittrig, so als fürchtete er sich vor der Antwort. Glaubte Jupp etwa, es wäre seine Schuld gewesen? Klaus atmete tief durch, suchte nach Worten, um Jupp diese Befürchtung zu nehmen, aber ihm wollte nichts einfallen. Wie sollte er auch erklären, was er selbst nicht mehr wirklich verstand? Damals hatte er keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Köln war ihm in diesen vier Jahren mehr Heimat gewesen, als jede andere Stadt zuvor, obwohl er mit Fußball, Kölsch und Karneval nie etwas anfangen konnte. Aber hier hatte er Wiesbaden, das BKA, Andreas und all die schmerzvollen Erinnerungen die damit zusammenhingen hinter sich lassen können. Hier war er glücklich gewesen und hier hatte er in Jupp und Flo so etwas wie eine Familie gefunden, die ihm jene Geborgenheit vermittelte, nach der er sich so lange gesehnt hatte. Doch dann hatte sich dieses kleine Glück als trügerisch und zerbrechlich erwiesen. Der Sexualmord an dem kleinen Jungen hatte die Stadt damals in einem Taumel schwulenfeindlicher Gewalt versinken lassen. Am Ende hatte Unbekannte sogar seine Wohnung in Brand gesetzt und nur wenige Tage später war Flo in der Schule krankenhausreif geprügelt worden, weil irgendjemand herausgefunden hatte, das sein Vater mit einer ‚schwulen Sau‘ zusammenarbeitete. Die Stadt hatte für ihn ihre Unschuld verloren und er hatte reagiert wie er immer reagiert hatte: Er war geflüchtet. Einmal mehr hatte er sich feige davon gemacht, so wie damals, nach dem Desaster in Washington und später dann, als er von Wiesbaden nach Köln gewechselt war. Er hatte sich eingeredet, dass er Jupp und Flo hatte schützen wollen. Sie sollten nicht jenen ständigen Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt sein, mit denen er leben musste, seitdem der erste erfahren hatte, dass er schwul war. Also hatte er keine andere Möglichkeit gesehen, als sie zu verlassen. Aber war das nicht Selbstbetrug gewesen? Die Stimmung in der Stadt hatte sic beruhigt, nachdem der Mörder gefasst worden war und nur wenige Wochen später war es hier wieder kaum anders gewesen, als in jeder anderen deutschen Großstadt. Vielleicht sogar noch ein wenig besser, weil die Verantwortlichen entschlossen waren, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Trotzdem war er gegangen, geradezu geflüchtet. Vor seinen Gefühlen für Jupp? Er konnte er nicht sagen.
„Ich weiß es nicht“, antwortete er schließlich zögernd. „Vielleicht, weil ich euch schützen wollte.“
„Schützen? Wovor?“, fragte Jupp heftig. „Vor dir?“
Er zog die Schultern noch ein wenig höher, kippte sie leicht nach vorn. Klaus glaubte ein leichtes Schaudern zu erkennen, aber er war sich nicht ganz sicher.
„Nach allem, was passiert war…“, begann er langsam, brach dann aber ab.
„… hätten wir dich hier gebraucht“, vollendete Jupp den angefangenen Satz. „Flo hätte dich gebraucht.“
Der Vorwurf in Jupps Stimme war unüberhörbar, aber da war noch etwas anderes, etwas, das viel schwerer wog. Jupp klang unzweifelhaft verletzt.
„Und ich hätte dich auch gebraucht“, setzte er nach kurzem Schweigen ganz leise hinzu.
Klaus wusste nicht, was er auf dieses Geständnis sagen sollte. Dieses paar Worte schienen mit einem Mal in greifbare Nähe zu rücken, was immer völlig unerreichbar erschienen war. Da war plötzlich dieses uralte Kribbeln in der Magengegend, das er so oft schon gespürt hatte, aber das er sich bei Jupp immer verboten hatte. Zögerlich hob er die Hände. Mehrmals überlegte er, ob das wirklich richtig war, was er hier tat. Sein Verstand sagte ihm, dass er schleunigst verschwinden sollte. Gehen, so lange er noch konnte, bevor Dinge geschahen, die sie am Ende beide bitter bereuen würden. Doch heute mochte er der Vernunft nicht gehorchen, denn sein Gefühl sagte ihm, dass er es für den Rest seines Lebens bereuen würde, wenn er jetzt einfach ging. Und das wog schwerer als alle Vernunft.
Seine Hände näherten sich Jupps Schultern, drückten sie schließlich sanft. Er spürte, wie Jupp sich unter der Geste für einen Augenblick verkrampfte. Dann entspannte er sich wieder, ließ die Schultern fallen, lehnte sich vorsichtig in die Berührung. Der Abstand zwischen ihren Körpern schwand bis Jupps Oberkörper schließlich an Klaus’ Brust ruhte. Klaus strich mit seinen Händen langsam Jupps Oberarme hinab, dann weiter, an den Innenseiten der Unterarme entlang und ließ sie schließlich auf Jupps Hüften ruhen. Er bettete den Kopf vorsichtig an Jupps Schulter, roch dessen Haar, diesen vertrauten und zugleich so fremden Duft. Jupp seufzte leise und ließ seinen Kopf gegen Klaus’ Schläfe sinken. So standen sie vor dem Fenster, schweigend, aneinander gelehnt, einander Halt gebend und starrten hinaus in die Nacht. In der Ferne leuchtete der Dom und Klaus verstand plötzlich, was er all die Jahre vermisst hatte.
Er konnte später nie mehr so richtig sagen, wie lange sie da gestanden hatten. Was in Wirklichkeit wohl nur ein paar Minuten waren, schien ihm eine kleine Ewigkeit zu sein. Irgendwann begann Jupp plötzlich sich zu bewegen. Er zog die Hände aus den Hosentaschen und Klaus wollte schon seinerseits die Hände von Jupps Hüften nehmen, doch der griff danach, hielt sie fest, verschränkte ihre Finger, unsicher, ein wenig unbeholfen und mit jener eigentümlichen Zärtlichkeit, die Jupp sonst nur bei Ellen gezeigt hatte. Klaus wagte es kaum mehr zu atmen, aus Angst Jupp zu erschrecken. Das Herz hämmerte ihm gegen die Rippen, sein Mund schien ausgedörrt und sein Kopf war wie leergefegt. Er war nicht mehr in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, konnte einfach nur zusehen und geschehen lassen, was auch immer Jupp jetzt vorhatte.
Jupp drehte sich langsam aus Klaus’ loser Umarmung heraus, wandte ihm schließlich das Gesicht zu. Einen Moment standen sie so schweigend voreinander, die Finger verschränkt, einander einfach nur anschauend. Das löste Jupp seine Hände von Klaus’, strich nun seinerseits zärtlich an Klaus’ Unterarmen entlang, glitt durch die Ellenbeuge hinüber zum Brustkorb, dann unter de Armen hindurch zum Rücken. Eine Hand kam knapp über Klaus’ Hosenbund zur Ruhe, die andere glitt hinauf bis zu seinen Schultern. Jupp spreizte die Finger ein wenig auseinander, ganz so, als wollte er noch mehr von Klaus zu fassen bekommen, dann zog er ihn sanft zu sich heran, bis ihre Hüften sich berührten. So standen sie Brust an Brust, die Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt und Jupps Lippen viel zu nah. Bevor Klaus sich richtig bewusst werden konnte, was er da tat, hatte er den letzten Abstand überwunden und ihre Lippen trafen sich zu einem erstem zarten Kuss. Jupps Lippen waren weich und sanft und er erwiderte den Kuss ohne zu zögern. Für einen kurzen Augenblick fragte Klaus sich noch, warum sie das nicht schon viel, viel früher getan hatten, doch er ahnte irgendwie, dass sie beide eher nicht bereit dafür gewesen wären und dann dachte er für lange Zeit einfach gar nichts mehr.
Team: Sonne
Challenge: Hurt/Comfort: Verloren/(Wieder)Gefunden - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Slash, h/c
Warnungen: None
Zusammenfassung: Jupp und Klaus sehen sich nach vielen Jahren wieder...
Wörter: ~1700
Anmerkung1: Eine kleine Szene für ein größeres Projekt mit den beiden, an den ich seit längerem herumbastele. Zum Verständnis sollte man nur wissen, dass Klaus in der Serie Köln irgendwann verlassen hat. Es wurden keine Gründe angegeben und dieses Projekt widmet sich eben der Frage, warum er gegangen ist und was wohl passiert, wenn die beiden sich nach einigen Jahren wiedersehen.
Anmerkung2: Weltherrschaft Nr. 7! YEAH!!!
Widmung: Für
Unschlüssig stand Klaus in der Tür zu Jupps Wohnzimmer. Die anderen waren vor einer ganzen Weile schon gegangen und auch er hatte sich schon seinen Mantel übergeworfen und war in Begriff zu gehen, doch irgendetwas hielt ihn zurück. Stumm beobachtete er Jupp, der vor dem Fenster stand und gedankenverloren hinaus in die Dunkelheit starrte. Er hatte die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, die Schultern so hochgezogen, dass es schon fast schmerzhaft sein musste. Sein Gesicht spiegelte sich im Fenster, das Mienenspiel vollkommen undeutbar, verschlossen, fast abweisend, wie immer, wenn ihn etwas bewegte und er nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. Er wirkte einsam, fast schon verloren, wie er da so stumm und allein vor dem Fenster stand. Dieses Bild berührte etwas in Klaus, auch wenn er nicht recht sagen konnte, was eigentlich. Es schien ihm, als läge eine Bitte in Jupps Haltung, seinem Gesichtsausdruck. Eine stumme Bitte, Jupp jetzt nicht allein zu lassen. Aber war diese Bitte wirklich an ihn gerichtet?
Klaus wusste es nicht. Sie hatten sich so lange nicht gesehen. Über fünf Jahre war es jetzt her, dass er Köln, die Mordkommission und vor allem Jupp und Flo verlassen hatte. Damals hatte er geglaubt, keine andere Wahl zu haben, heute war er sich nicht mehr so sicher. Aber das ließ sich nicht mehr ungeschehen machen und diese fünf Jahre, die standen jetzt zwischen Jupp und ihm, das hatte er den ganzen Abend über gespürt. Der Umgang miteinander war anders gewesen als früher. Nicht mehr so entspannt, so vertraut, irgendwie fast befangen, auch wenn das alten Gefühl in manchen Moment aufgeblitzt war.
Er sollte jetzt gehen, dass wusste Klaus, doch er konnte einfach nicht. Jupp so dort stehen zu sehen, so einsam und verloren, ungewohnt offen und verletzbar, das brach ihm schier das Herz. Ungebeten rührten sich alte Gefühle in ihm, die er, wenn nicht überwunden, so doch tief in sich verschlossen gewähnt hatte. Ein irrationaler Gedanken sagte ihm, dass er Jupp jetzt nicht allein lassen durfte. Wenn er jetzt ging, dann ging er für immer, dann gab es kein Zurück mehr. Leise ließ er seinen Mantel wieder von den Schultern gleiten und achtlos zu Boden fallen. Dann ging er auf Jupp zu, ganz langsam, einen Fuß vor den anderen setzen. Er fühlte sich so unglaublich hilflos. Was sollte er sagen? Was konnte, was durfte er tun, nach allem, was passiert war. Das hier war keine Situation, die er mit kühlem Verstand und kluger Analyse bewältigen konnte. Die beste psychologische Ausbildung, seine ganze Erfahrung nutzte ihm hier nicht. Hier ging es um Jupp und um ihn selbst. Da hatte sein Verstand vom ersten Moment an ausgesetzt, sonst wäre er niemals in Köln geblieben. Aber er es auch all die Jahre immer vermieden, sich mit diesem irrationalen Konglomerat aus Gefühlen, Wünschen und Träumen auseinanderzusetzen, das hinter ihrer seltsamen Beziehung lauerte. Vielleicht war das der wahre Grund gewesen, aus dem er gegangen war. Weil ihm unbewusst klar gewesen war, dass er die Fassade nicht mehr lange würde aufrechterhalten können.
Dicht hinter Jupp blieb er schließlich stehen. Sie berührten sich nicht, und doch war Klaus ihm so nahe, dass er glaubte, Jupps Körperwärme auf seiner Haut zu spüren. Nur mit Mühe widerstand er dem Drang, seine Hände auf Jupps Schultern zu legen. Stattdessen schob er sie in die Hosentaschen, spiegelte Jupps Haltung. So stand er stumm hinter Jupp und wartete. Er wusste nicht genau worauf, aber er wusste auch nichts anderes zu tun oder zu sagen. Die Stille zwischen ihnen schien sich unendlich zu dehnen. Sie war nicht feindselig, aber auch nicht angenehm.
„Warum bist du gegangen?“
Die Frage riss Klaus aus seinen Gedanken. Jupps Stimme hatte rau geklungen, irgendwie zittrig, so als fürchtete er sich vor der Antwort. Glaubte Jupp etwa, es wäre seine Schuld gewesen? Klaus atmete tief durch, suchte nach Worten, um Jupp diese Befürchtung zu nehmen, aber ihm wollte nichts einfallen. Wie sollte er auch erklären, was er selbst nicht mehr wirklich verstand? Damals hatte er keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Köln war ihm in diesen vier Jahren mehr Heimat gewesen, als jede andere Stadt zuvor, obwohl er mit Fußball, Kölsch und Karneval nie etwas anfangen konnte. Aber hier hatte er Wiesbaden, das BKA, Andreas und all die schmerzvollen Erinnerungen die damit zusammenhingen hinter sich lassen können. Hier war er glücklich gewesen und hier hatte er in Jupp und Flo so etwas wie eine Familie gefunden, die ihm jene Geborgenheit vermittelte, nach der er sich so lange gesehnt hatte. Doch dann hatte sich dieses kleine Glück als trügerisch und zerbrechlich erwiesen. Der Sexualmord an dem kleinen Jungen hatte die Stadt damals in einem Taumel schwulenfeindlicher Gewalt versinken lassen. Am Ende hatte Unbekannte sogar seine Wohnung in Brand gesetzt und nur wenige Tage später war Flo in der Schule krankenhausreif geprügelt worden, weil irgendjemand herausgefunden hatte, das sein Vater mit einer ‚schwulen Sau‘ zusammenarbeitete. Die Stadt hatte für ihn ihre Unschuld verloren und er hatte reagiert wie er immer reagiert hatte: Er war geflüchtet. Einmal mehr hatte er sich feige davon gemacht, so wie damals, nach dem Desaster in Washington und später dann, als er von Wiesbaden nach Köln gewechselt war. Er hatte sich eingeredet, dass er Jupp und Flo hatte schützen wollen. Sie sollten nicht jenen ständigen Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt sein, mit denen er leben musste, seitdem der erste erfahren hatte, dass er schwul war. Also hatte er keine andere Möglichkeit gesehen, als sie zu verlassen. Aber war das nicht Selbstbetrug gewesen? Die Stimmung in der Stadt hatte sic beruhigt, nachdem der Mörder gefasst worden war und nur wenige Wochen später war es hier wieder kaum anders gewesen, als in jeder anderen deutschen Großstadt. Vielleicht sogar noch ein wenig besser, weil die Verantwortlichen entschlossen waren, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Trotzdem war er gegangen, geradezu geflüchtet. Vor seinen Gefühlen für Jupp? Er konnte er nicht sagen.
„Ich weiß es nicht“, antwortete er schließlich zögernd. „Vielleicht, weil ich euch schützen wollte.“
„Schützen? Wovor?“, fragte Jupp heftig. „Vor dir?“
Er zog die Schultern noch ein wenig höher, kippte sie leicht nach vorn. Klaus glaubte ein leichtes Schaudern zu erkennen, aber er war sich nicht ganz sicher.
„Nach allem, was passiert war…“, begann er langsam, brach dann aber ab.
„… hätten wir dich hier gebraucht“, vollendete Jupp den angefangenen Satz. „Flo hätte dich gebraucht.“
Der Vorwurf in Jupps Stimme war unüberhörbar, aber da war noch etwas anderes, etwas, das viel schwerer wog. Jupp klang unzweifelhaft verletzt.
„Und ich hätte dich auch gebraucht“, setzte er nach kurzem Schweigen ganz leise hinzu.
Klaus wusste nicht, was er auf dieses Geständnis sagen sollte. Dieses paar Worte schienen mit einem Mal in greifbare Nähe zu rücken, was immer völlig unerreichbar erschienen war. Da war plötzlich dieses uralte Kribbeln in der Magengegend, das er so oft schon gespürt hatte, aber das er sich bei Jupp immer verboten hatte. Zögerlich hob er die Hände. Mehrmals überlegte er, ob das wirklich richtig war, was er hier tat. Sein Verstand sagte ihm, dass er schleunigst verschwinden sollte. Gehen, so lange er noch konnte, bevor Dinge geschahen, die sie am Ende beide bitter bereuen würden. Doch heute mochte er der Vernunft nicht gehorchen, denn sein Gefühl sagte ihm, dass er es für den Rest seines Lebens bereuen würde, wenn er jetzt einfach ging. Und das wog schwerer als alle Vernunft.
Seine Hände näherten sich Jupps Schultern, drückten sie schließlich sanft. Er spürte, wie Jupp sich unter der Geste für einen Augenblick verkrampfte. Dann entspannte er sich wieder, ließ die Schultern fallen, lehnte sich vorsichtig in die Berührung. Der Abstand zwischen ihren Körpern schwand bis Jupps Oberkörper schließlich an Klaus’ Brust ruhte. Klaus strich mit seinen Händen langsam Jupps Oberarme hinab, dann weiter, an den Innenseiten der Unterarme entlang und ließ sie schließlich auf Jupps Hüften ruhen. Er bettete den Kopf vorsichtig an Jupps Schulter, roch dessen Haar, diesen vertrauten und zugleich so fremden Duft. Jupp seufzte leise und ließ seinen Kopf gegen Klaus’ Schläfe sinken. So standen sie vor dem Fenster, schweigend, aneinander gelehnt, einander Halt gebend und starrten hinaus in die Nacht. In der Ferne leuchtete der Dom und Klaus verstand plötzlich, was er all die Jahre vermisst hatte.
Er konnte später nie mehr so richtig sagen, wie lange sie da gestanden hatten. Was in Wirklichkeit wohl nur ein paar Minuten waren, schien ihm eine kleine Ewigkeit zu sein. Irgendwann begann Jupp plötzlich sich zu bewegen. Er zog die Hände aus den Hosentaschen und Klaus wollte schon seinerseits die Hände von Jupps Hüften nehmen, doch der griff danach, hielt sie fest, verschränkte ihre Finger, unsicher, ein wenig unbeholfen und mit jener eigentümlichen Zärtlichkeit, die Jupp sonst nur bei Ellen gezeigt hatte. Klaus wagte es kaum mehr zu atmen, aus Angst Jupp zu erschrecken. Das Herz hämmerte ihm gegen die Rippen, sein Mund schien ausgedörrt und sein Kopf war wie leergefegt. Er war nicht mehr in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, konnte einfach nur zusehen und geschehen lassen, was auch immer Jupp jetzt vorhatte.
Jupp drehte sich langsam aus Klaus’ loser Umarmung heraus, wandte ihm schließlich das Gesicht zu. Einen Moment standen sie so schweigend voreinander, die Finger verschränkt, einander einfach nur anschauend. Das löste Jupp seine Hände von Klaus’, strich nun seinerseits zärtlich an Klaus’ Unterarmen entlang, glitt durch die Ellenbeuge hinüber zum Brustkorb, dann unter de Armen hindurch zum Rücken. Eine Hand kam knapp über Klaus’ Hosenbund zur Ruhe, die andere glitt hinauf bis zu seinen Schultern. Jupp spreizte die Finger ein wenig auseinander, ganz so, als wollte er noch mehr von Klaus zu fassen bekommen, dann zog er ihn sanft zu sich heran, bis ihre Hüften sich berührten. So standen sie Brust an Brust, die Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt und Jupps Lippen viel zu nah. Bevor Klaus sich richtig bewusst werden konnte, was er da tat, hatte er den letzten Abstand überwunden und ihre Lippen trafen sich zu einem erstem zarten Kuss. Jupps Lippen waren weich und sanft und er erwiderte den Kuss ohne zu zögern. Für einen kurzen Augenblick fragte Klaus sich noch, warum sie das nicht schon viel, viel früher getan hatten, doch er ahnte irgendwie, dass sie beide eher nicht bereit dafür gewesen wären und dann dachte er für lange Zeit einfach gar nichts mehr.
no subject
Date: 2018-09-05 07:55 am (UTC)Dennoch muss ich ja sagen, dieses Happy-End zählt nur so halb. ;) Aber trotzdem danke! :)
no subject
Date: 2018-09-05 08:04 am (UTC)Dennoch muss ich ja sagen, dieses Happy-End zählt nur so halb. ;)
Du kannst doch nicht erst jammern, dass ihr den Rückstand nie wieder aufholt und mich dann anstacheln, noch mehr zu schreiben. ;-)
Aber sei unbesorgt, das andere Happy End ist schon in Arbeit (und auch noch ein fieses kleines Angst-Piece aus der Serie) und letztlich sollt ihr ja auch gar nicht aufholen... ;-)
no subject
Date: 2018-09-05 09:58 am (UTC)Und es motiviert mich ja auch, und selbst wenn wir nicht gewinnen, wollen wir zumindest ehrenvoll verlieren! :D