(no subject)
Jan. 3rd, 2008 09:16 pmFandom: Original
Challenge: Warteraum [Steven Brust – Yendi]
Wörter: 662
Warnung: hochgradig unsinnig
Charaktere: Charlotte, ihr kleiner Bruder und wer sich halt so in Wartezimmern rumtreibt.
A/N: Hach, ich liebe diese Experimente.&hearts – Und aus diesem habe ich gelernt, dass die ersten Substantive auf Seite 86 immer toller sind als die auf Seite 87. ...Aber Yendi ist trotzdem das erste Buch, mit dem ich es versucht habe, also: Here we go!
Was das soll? Wenn ich das nur wüsste...
Er nannte sie pervers.
Sie fand, dass sie lediglich ein etwas... unorthodoxes Hobby hatte. – Er wiederum meinte, dass „pervers“ genau das heiße.
Er war ihr kleiner Bruder, ihr Gewissen, seit zwei Wochen Vater und damit heillos überfordert, aber wirklich unendlich süß, wenn er Mark junior im Arm hielt, als handele es sich bei ihm um zwei Kilo Plutonium. Sie wiederum... nun, sie verbrachte die Hälfte ihres Tages damit, Kaugummi zu kauen, an den Ohrstöpseln ihres mp3-Players rumzuspielen und die Menschen um sich herum zu beobachten.
Angefangen hatte sie damit, als sie noch Kunst studiert hatte. Damals hatte sie mit einem Skizzenbuch und einem Kohlestück in der U-Bahn gesessen und den alten Mann mit dem Anglerhut oder den Jungen, der an seiner Unterlippe kaute, bis sie blutig war, gezeichnet. – Damals hatte Mark nichts dagegen gehabt. Jetzt hatte sie ihr „Grafik Design“-Studium abgebrochen, kellnerte in einer billigen Strip-Bar und hatte ihren Skizzenblock auf dem Balkon von Marks Wohnung verbrannt.
Und sie saß in Wartezimmern von Ärzten, Wartehallen in Bahnhöfen und beobachtete die Menschen. Die Geschäftsfrau, die sich die ganze Zeit durch ihren Bubikopf strich, als wollte sie lange Haare aus dem Gesicht streifen. Den Mittfünfziger, dessen Finger sich permanent bewegten, als würde er Klavier spielen. Das Kind, dass am Hosenbein seiner Mutter zerrte. Die Mutter, die der Sprechstundenhilfe einen pädagogischen Ansatz aus den Neunzigern erklärte, und wie sie ja an ihrem kleinen Malte Thorben sehen könnte, wie gut der funktionieren würde und dabei großzügig Speicheltropfen durch den Flur verteilte.
Ja, das war nicht unbedingt interessant, wirklich nicht, es machte nicht einmal Spaß, aber... irgendetwas musste man halt tun.
Das linke Augenlied der alten Frau ihr gegenüber zuckte.
Das Mädchen mit den Plateauschuhen pulte sich den Dreck aus den Fingernägeln.
Die Sprechstundenhilfe zuckte mit dem weiße Birkenstocksandalen tragenden Fuß.
Sie fummelte am linken ihrer Kopfhörer-Stöpsel herum.
Der Mann neben dem Fingernagel-Mädchen starrte sie unverwandt an.
Der blutjunge Priester hatte die Hände auf dem Schoß gefalten und saß viel zu grade.
Malte Thorben begann mit einem Wachsmalstift an Mamas Hose herumzureiben.
Sie summte das Lied mit.
Jemand legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Lass uns nach Hause gehen, Charlie.“ Mark. Natürlich. Es war immer Mark.
„Ist deine Schlampe auch da?“
„Meine ‚Schlampe’ heißt Yvonne.“
„Und ist erst siebzehn.“
„Und ja, sie ist zu Hause bei dem Jungen. Lass uns gehen.“ Sie stand auf. Mark war groß, hatte Lachfalten an den Augen, obwohl er erst neunzehn war, und wenn er die Augenbrauen zusammenzog bildeten sich drei Falten über seiner Nase. Und er ließ sie bei sich wohnen und manchmal erinnerte er sie sogar daran, dass sie arbeiten musste.
Sie schob sich einen neuen Kaugummi in den Mund. „Hast du den Priester gesehen?“
„Ja.“
„Er ist verliebt.“
„Er ist verliebt?“
„Natürlich. Und jetzt zweifelt er natürlich an seinem Gelübde. Und das Mädchen mit den Plateauschuhen hat ihren Freund verlassen. Er hat mit ihrer besten Freundin rumgeknutscht und sie hat die beiden dabei erwischt.“
„Ist das so?“
„Das ist doch offensichtlich. Der Dackel von der alten Frau ist gestorben und sie hat niemanden mehr. Und sie geht immer noch zum Arzt und verkneift sich krampfhaft das Weinen. Ich weiß nicht, ob ich so stark wäre...“
„Bist du dir sicher, dass es nicht vielleicht eine Katze war?“
„Es war ein Dackel, Idiot. Der Kerl mit dem nervösen Tick wollte als Kind immer Konzertpianist werden, aber er hat’s nie geschafft. Jetzt arbeitet er als Buchhalter und ist depressiv. Die Sprechstundenhilfe hat zwei kleine Töchter, Zwillinge, eineiig, aber der Vater hat das Sorgerecht bekommen. Sie vermisst sie furchtbar.“
„Du solltest wieder anfangen, zu studieren.“
„Hat keinen Sinn. – Gott, es ist so traurig, dass sich all diese Menschen in einem Raum treffen und keiner weiß, dass es den anderen genauso scheiße geht, wie ihnen selbst. – Wenn die Oma jetzt losheulen würde, Plateauschuh würde sie in den Arm nehmen und der Buchhalter würde einen Kaffee holen gehen...“
„Und was ist mit der Mutter? Was für ein Problem hat die?“
„Gar keins, die hat einfach nur einen Knall.“
„Ehrlich, Charlie...“
Und ja, der Cut-Titel ist einer von den letzten Challenges.
Challenge: Warteraum [Steven Brust – Yendi]
Wörter: 662
Warnung: hochgradig unsinnig
Charaktere: Charlotte, ihr kleiner Bruder und wer sich halt so in Wartezimmern rumtreibt.
A/N: Hach, ich liebe diese Experimente.&hearts – Und aus diesem habe ich gelernt, dass die ersten Substantive auf Seite 86 immer toller sind als die auf Seite 87. ...Aber Yendi ist trotzdem das erste Buch, mit dem ich es versucht habe, also: Here we go!
Was das soll? Wenn ich das nur wüsste...
Er nannte sie pervers.
Sie fand, dass sie lediglich ein etwas... unorthodoxes Hobby hatte. – Er wiederum meinte, dass „pervers“ genau das heiße.
Er war ihr kleiner Bruder, ihr Gewissen, seit zwei Wochen Vater und damit heillos überfordert, aber wirklich unendlich süß, wenn er Mark junior im Arm hielt, als handele es sich bei ihm um zwei Kilo Plutonium. Sie wiederum... nun, sie verbrachte die Hälfte ihres Tages damit, Kaugummi zu kauen, an den Ohrstöpseln ihres mp3-Players rumzuspielen und die Menschen um sich herum zu beobachten.
Angefangen hatte sie damit, als sie noch Kunst studiert hatte. Damals hatte sie mit einem Skizzenbuch und einem Kohlestück in der U-Bahn gesessen und den alten Mann mit dem Anglerhut oder den Jungen, der an seiner Unterlippe kaute, bis sie blutig war, gezeichnet. – Damals hatte Mark nichts dagegen gehabt. Jetzt hatte sie ihr „Grafik Design“-Studium abgebrochen, kellnerte in einer billigen Strip-Bar und hatte ihren Skizzenblock auf dem Balkon von Marks Wohnung verbrannt.
Und sie saß in Wartezimmern von Ärzten, Wartehallen in Bahnhöfen und beobachtete die Menschen. Die Geschäftsfrau, die sich die ganze Zeit durch ihren Bubikopf strich, als wollte sie lange Haare aus dem Gesicht streifen. Den Mittfünfziger, dessen Finger sich permanent bewegten, als würde er Klavier spielen. Das Kind, dass am Hosenbein seiner Mutter zerrte. Die Mutter, die der Sprechstundenhilfe einen pädagogischen Ansatz aus den Neunzigern erklärte, und wie sie ja an ihrem kleinen Malte Thorben sehen könnte, wie gut der funktionieren würde und dabei großzügig Speicheltropfen durch den Flur verteilte.
Ja, das war nicht unbedingt interessant, wirklich nicht, es machte nicht einmal Spaß, aber... irgendetwas musste man halt tun.
Das linke Augenlied der alten Frau ihr gegenüber zuckte.
Das Mädchen mit den Plateauschuhen pulte sich den Dreck aus den Fingernägeln.
Die Sprechstundenhilfe zuckte mit dem weiße Birkenstocksandalen tragenden Fuß.
Sie fummelte am linken ihrer Kopfhörer-Stöpsel herum.
Der Mann neben dem Fingernagel-Mädchen starrte sie unverwandt an.
Der blutjunge Priester hatte die Hände auf dem Schoß gefalten und saß viel zu grade.
Malte Thorben begann mit einem Wachsmalstift an Mamas Hose herumzureiben.
Sie summte das Lied mit.
Jemand legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Lass uns nach Hause gehen, Charlie.“ Mark. Natürlich. Es war immer Mark.
„Ist deine Schlampe auch da?“
„Meine ‚Schlampe’ heißt Yvonne.“
„Und ist erst siebzehn.“
„Und ja, sie ist zu Hause bei dem Jungen. Lass uns gehen.“ Sie stand auf. Mark war groß, hatte Lachfalten an den Augen, obwohl er erst neunzehn war, und wenn er die Augenbrauen zusammenzog bildeten sich drei Falten über seiner Nase. Und er ließ sie bei sich wohnen und manchmal erinnerte er sie sogar daran, dass sie arbeiten musste.
Sie schob sich einen neuen Kaugummi in den Mund. „Hast du den Priester gesehen?“
„Ja.“
„Er ist verliebt.“
„Er ist verliebt?“
„Natürlich. Und jetzt zweifelt er natürlich an seinem Gelübde. Und das Mädchen mit den Plateauschuhen hat ihren Freund verlassen. Er hat mit ihrer besten Freundin rumgeknutscht und sie hat die beiden dabei erwischt.“
„Ist das so?“
„Das ist doch offensichtlich. Der Dackel von der alten Frau ist gestorben und sie hat niemanden mehr. Und sie geht immer noch zum Arzt und verkneift sich krampfhaft das Weinen. Ich weiß nicht, ob ich so stark wäre...“
„Bist du dir sicher, dass es nicht vielleicht eine Katze war?“
„Es war ein Dackel, Idiot. Der Kerl mit dem nervösen Tick wollte als Kind immer Konzertpianist werden, aber er hat’s nie geschafft. Jetzt arbeitet er als Buchhalter und ist depressiv. Die Sprechstundenhilfe hat zwei kleine Töchter, Zwillinge, eineiig, aber der Vater hat das Sorgerecht bekommen. Sie vermisst sie furchtbar.“
„Du solltest wieder anfangen, zu studieren.“
„Hat keinen Sinn. – Gott, es ist so traurig, dass sich all diese Menschen in einem Raum treffen und keiner weiß, dass es den anderen genauso scheiße geht, wie ihnen selbst. – Wenn die Oma jetzt losheulen würde, Plateauschuh würde sie in den Arm nehmen und der Buchhalter würde einen Kaffee holen gehen...“
„Und was ist mit der Mutter? Was für ein Problem hat die?“
„Gar keins, die hat einfach nur einen Knall.“
„Ehrlich, Charlie...“
Und ja, der Cut-Titel ist einer von den letzten Challenges.
no subject
Date: 2008-02-19 10:07 pm (UTC)Irgendwie fehlen mir weitere kluge Worte, aber die Geschichte hat mich irgendwie beeindruckt (und verstört ;-)
no subject
Date: 2008-02-20 05:07 pm (UTC)Freut mich sehr, das zu hören. Das "verstört" vielleicht nicht so, aber der Rest. ;) - Danke.