[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Zerbrochen
Team: Sonne
Challenge: Hurt/Comfort: Scherben - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P16
Genre: Preslash, h/c
Warnungen: Implied Domestic Violence!
Zusammenfassung: Jupp wacht über Klaus...
Wörter: ~ 1300
Anmerkungen: Gehört zu "Blaue Flecken", "Zuhause", "Widerspruchslos" und "Die Anzeichen waren da...". Irgendwie lässt mich diese Idee nicht los und ich sollte der Serie wohl mal einen Namen geben. Mir fällt nur nix ein.
Ich entschuldige mich schon mal präventiv für alle unregelmäßigkeiten in der Zeitstruktur. Irgendwie schaffe ich es bei dieser Serie nicht, mich eindeutig für Präsens oder Präteritum zu entscheiden und es springt beim Schreiben ständig hin und her.



„Herr Schatz? Sie können dann jetzt zu ihm.“

Die leise Stimme der Nachtschwester riss Jupp aus seinen Gedanken. Er hatte keine Ahnung, wie lange er hier jetzt schon gesessen und sinnlos vor sich hin gegrübelt hatte, aber das Ziehen in seinem Nacken und das kribbelige Gefühl in seinem Bein sagten ihm, dass es schon eine ganze Weile gewesen sein musste. Er rieb sich durchs Gesicht und streckte sich, um die Steifigkeit aus seinen Gliedern zu vertreiben.

„Wie geht es ihm?“
„Er schläft im Moment. Die Narkose wirkt noch nach und die Schmerzmittel machen auch müde. Kommen Sie.“

Mühsam stemmte Jupp sich von der unbequemen Bank in Wartebereich hoch und folgte der Schwester steifbeinig den Gang hinunter. Ihm war mulmig zumute und er hatte keine Ahnung, was ihn erwarten würde. Viel zu schnell blieb die Schwester stehen und wies auf eine Tür.

„Wenn etwas ist, klingeln Sie einfach.“
„Danke.“

Sie nickte nur knapp, dann wandte sie sich um und verschwand im Schwesternzimmer. Zögerlich legte Jupp die Hand auf die Türklinke. Er wollte nichts dringender, als jetzt bei Klaus sein und gleichzeitig hatte er unendliche Angst davor, die Tür zu öffnen. Er straffte die Schultern, atmete noch einmal tief durch, dann drückte er die Klinke herunter und öffnete die Tür.

Im Zimmer war es dämmrig, nur das kleine Notlicht knapp über der Fußleiste spendete ein wenig Licht. Jupp zog die Tür hinter sich zu und wartete, bis die Augen sich an das Dämmerlicht gewöhnt hatte. Langsam schälten die die Details aus der Dunkelheit. Das Zimmer war nicht besonders groß, aber immerhin ein Einzelzimmer. Rechts neben ihm war das Waschbecken und die Tür zur Toilette, gegen über war ein Fenster, und darunter stand ein Tisch mit zwei Stühlen. Das Bett stand hinten rechts in der Ecke und lag weitgehend im Dunkeln. Von der Tür aus konnten Jupp fast nicht erkennen, nur das Brett am Fußende und ein kleines Stück der Bettdecke. Das flaue Gefühl in seiner Brust wurde stärker und er spürte, sie seine Finger zitterten. Es waren nur ein paar Schritte, bis zum Bett, aber er konnte sich nicht überwinden, sie zu machen. Bis eben, im grellen Neonlicht der Krankenhausflure, hatte er es geschafft, die Bilder im Zaum zu halten, aber jetzt, hier, ganz allein in der Dunkelheit standen sie ihm mit einem Mal wieder lebhaft vor Augen.


* * *

Zwei Stufen auf einmal nehmend stürmte Jupp die Treppen zu Klaus Wohnung hinauf. Er hoffte verzweifelt, dass er sich geirrt hatte, das alles nur ein riesiges Missverständnis war, doch er wusste, dass die Chancen minimal waren. Die Anzeichen der letzten Wochen, die verzweifelte, flehende Stimme am Telefon, sein Bauchgefühl, das alles zeigte in dieselbe Richtung, eine Richtung, die Jupp sich eigentlich nicht einmal in seinen finstersten Albträumen ausmalen wollte. Er biss die Zähne zusammen, beschleunigte seinen Schritt noch einmal, obwohl seine Beine schon brannten. Eine Etage noch, dann hatte er es geschafft – warum musste Klaus auch im vierten Stock wohnen? Schon auf dem vorletzten Treppenabsatz konnte er erkennen, dass Klaus’ Wohnungstür nur angelehnt war. Auf der letzten Treppe nahm er drei Stufen auf einmal, stürmte mit zwei langen Schritten über den Treppenabsatz, stieß die Tür auf – und blieb wie angewurzelt stehen.

Auf dem Fußboden vor der Kommode lag ein Mensch, klein zusammengerollt, nur mit Boxershorts und einen T-Shirt bekleidet. Schon auf den ersten Blick erkannte Jupp, dass er übel zugerichtet worden war. Jedes Stückchen Haut war übersäht mit Hämatomen, das eine Knie war dick angeschwollen, er presste den rechten Arm vor die Brust und der Winkel, in dem er die Hand dabei hielt war einfach vollkommen falsch. Sein Atem ging unregelmäßig, abgehackt und irgendwie gurgelnd, und unter ihm war eine Blutlache zu sehen. Alles in Jupp hoffte, dass diese Mensch nicht Klaus war, auch wenn er längst wusste, dass diese Hoffnung vergebens war. Wer sollte es denn sonst auch sein. Ein Zittern lief durch Klaus’ Körper, es schien, als versuchte er sich zu bewegen, womöglich gar auf die Beine zu kommen, aber er schaffte es nicht. Schließlich hob er nur den Kopf, schaute vage in Jupps Richtung, murmelte irgendetwas unverständliches. Sein Gesicht sah fast schlimmer aus als der Rest. Die eine Hälfte war dunkelviolett verfärbt, das Auge vollkommen zugeschwollen, die Lippe aufgeplatzt und blutverklebt. Das schlimmste aber war dieser flehende Ausdruck in den Augen. Klaus hatte Angst, begriff Jupp, panische Angst.

„Klaus! Scheiße, was ist passiert?“

Dämliche Frage, wirklich. Als ob das nicht offensichtlich wäre. Mit ein paar schnellen Schritten war Jupp bei Klaus, ließ sich neben ihm auf die Knie sinken. Er sah, wie der Ausdruck in Klaus’ Augen ganz langsam von Panik in Erleichterung wechselte, aber das tröstete ihn in diesem Moment kaum. Es war so falsch, dass Klaus überhaupt solche Angst hatte. Er wusste, dass er irgendetwas sagen sollte, mit Klaus reden sollte, aber er konnte nicht. Seine Kehle war wie zugeschnürt vor Entsetzen. Vorsichtig griff er nach Klaus Schultern, versuchte ihn ein wenig herumzudrehen, um zu sehen, wo das ganze Blut herkam. Klaus zuckte unter der Berührung zusammen, ob vor Angst oder vor Schmerzen, vermochte Jupp nicht zu sagen, aber es war am Ende auch egal. Es war beides gleich falsch. Mörderische Wut stieg in ihm auf und er war unendlich froh, dass Klaus’ Freund jetzt gerade nicht greifbar war. Sonst wäre er die längste Zeit Polizist gewesen.



* * *

Ein verzweifeltes, schmerzerfülltes Stöhnen drang an sein Ohr und Jupp brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es nicht zu den Bildern in seinem Kopf gehörte, dass es real war. Jetzt endlich überwand er seine Angst, setzte sich in Bewegung, eilte an Klaus’ Seite. Klaus brauchte ihn jetzt, das war alles, was zählte. Trotzdem traf ihn der Anblick, der sich ihm bot, bis ins Mark.

Auf dem hellen Laken, mit den Verbänden und Pflastern sah Klaus noch viel schlimmer aus. Er war so totenblass, jeder einzelne blaue Fleck zeichnete sich schwarz und überdeutlich ab. Sein rechtes Handgelenk war geschient und unter dem weißen Krankenhaushemd lugten die Ränder den Verbands hervor, der die gebrochenen Rippen stützen sollte. Klaus warf sich unruhig im Bett hin und her, atmete ganz hektisch, stöhnte und wimmerte und immer wieder murmelte er etwas. Jupp konnte nur einzelne Wörter ausmachen – ‚Nicht!‘, ‚Bitte‘, ‚Alex‘ – aber zusammen mit dem flehentlichen Ton reichten sie vollkommen aus, um zu begreifen, das Klaus einen Albtraum hatte. Wieder stieg diese mörderische Wut in Jupp auf. Er ballte die Hände zu Fäusten, atmete einmal tief durch, versuchte sich so gut es ging unter Kontrolle zu bekommen. Klaus war jetzt in keiner Verfassung, mit seiner Wut umgehen zu können. Vorsichtig trat er an das Bett heran und griff nach Klaus’ unverletzter Hand.

„Shhhhh, Klaus... ist gut. Alles ist gut. Keine Angst. Du bist in Sicherheit. Alles ist gut.“

Wieder und wieder murmelte es die Worte, wiederholte sie wie ein Mantra. Er wusste nicht, wen er damit eigentlich beruhigen wollte, Klaus oder auch sich selbst, aber letztlich war es ihm auch egal. Es zählte nur, dass Klaus langsam ruhiger wurde. Sein Atem ging wieder ruhiger und regelmäßiger, das Wimmern wurde immer weniger, bis es schließlich verstummte. Nur hin und wieder lief noch ein leichtes Zittern durch seinen Körper. Seine Augenlider flatterten leicht, aber er bekam die Augen nicht richtig auf. Jupp beugte sich zu ihm herunter, legte ganz vorsichtig eine Hand an seine Wange und gab ihm einen ganz leichten Kuss auf die Stirn. Erst als Klaus zusammenzuckte, wurde ihm klar, was er gerade getan hat. Aber jetzt war es zu spät. Klaus’ Atem wurde wieder hektischer und er versuchte, von ihm wegzurutschen.

„Alex, bitte…“
„Shhhhh… ich bin’s, Jupp.“

Es kostete Jupp unendlich viel Mühe, seine Stimme ruhig zu halten, Klaus die Wut die in ihm loderte, nicht spüren zu lassen. Was musste passiert sein, dass ein kleiner Kuss, eine unschuldige, kleine Berührung so viel Angst hervorruft? Er mochte es sich gar nicht vorstellen, aber Klaus Anblick sprach Bände und den Rest ergänzten fast fünfundzwanzig Jahre Polizeidienst mühelos.

„Jupp…?“
„Ja. Ich bin hier. Schlaf’ dich aus. Ich passe auf.“

Klaus murmelte noch etwas, dann sank er zurück in den Schlaf. Jupp drückte sanft seine Hand und ab ihn noch einen leichten Kuss auf den Handrücken. Ohne Klaus’ Hand auch nur einen Moment loszulassen, zog er sich den Besucherstuhl heran, setzte sich und wachte über seinen Partner, wie er versprochen hatte.

Date: 2018-08-21 06:25 pm (UTC)
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From: [personal profile] servena
Jetzt hab ich mich schon von dieser Reihe inspirieren lassen und was geschrieben, aber dann festgestellt, dass du deine Beiträge gar nicht mit 'inspiration' taggst, argh! Wärst du evtl bereit, das nachzutragen? <3

Date: 2018-08-22 05:23 am (UTC)
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From: [personal profile] servena
Danke für den Tag, habe gepostet! :D

(Und evtl hast du mich so inspirierst, dass ich schon auf der Arbeit angefangen habe zu schreiben...)

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