Titel: Mann, sieht der gut aus
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: Verstehen ohne Worte - Fürs Team
Fandom: Alphateam
Rating: P12
Genre: Slash, Fluff, Humor
Warnungen: None
Zusammenfassung: Wenn Dr. Jaspers und Schwester Dorothea wüssten, wen sie da so anschmachten...
Wörter: ~1700
Anmerkungen: Es ist irgendwie vorne und hinten nicht so geworden, wie ich es haben wollte und die ganzen wortlosen Kommunikationen kommen nicht mal halb so schön raus, wie das in meinem Kopf aussieht, aber besser wird es nicht mehr. Wer die Szene sehen will, der schaue hier ab Minute 1:33. Alle Dialogzeilen außer der ersten sind original aus der Folge, der restliche Schrott ist von mir. Und ja, das Ende ist voll Schreiße.
„Doktor Scheu, Doktor Jaspers, Schwester Dorothea, bitte zur Einlieferung. Doktor Scheu, Doktor Jaspers, Schwester Dorothea, bitte.“
Mit einem leichten Seufzen stellte Eberhard seinen Kaffee wieder weg ohne auch nur einen Schluck getrunken zu haben, als die Giselas Stimme aus den Lautsprechern klang. Der dritte Notfall seit Schichtbeginn und das war kaum eine Stunde her. Heute war wohl wieder eine dieser Nächte, in denen schon ein Schluck Kaffee zwischen zwei Patienten zum Luxus wurde, von einer Zigarette oder ein paar Minuten Ruhe ganz zu schweigen. Der einzige Lichtblick war, dass jeder Notfall die Chance barg, Erich wenigstens für ein paar Minuten zu sehen. Wenn ihm jemand vor ein paar Monaten gesagt hätte, dass er sich in seinem Alter nochmal derart verlieben würde, er hätte denjenigen für verrückt erklärt. Aber jetzt…
Mit einem Kopfschütteln über sich selbst, eilte er aus dem Aufenthaltsraum und joggte im leichten Laufschritt in Richtung Einlieferung. Von der Seite schloss Doktor Jaspers zu ihm auf, die gerade noch dabei war, ihren Kittel überzuziehen. Anscheinend war sie mal wieder etwas spät gewesen. Im Vorbeilaufen zog Eberhard ein paar Handschuhe aus der bereitstehenden Box und streifte sie über. Die Besatzung des NAW hatte die Trage mit dem jungen Mann gerade ausgeladen und kam ihnen zügig entgegen. Der junge Notarzt drückte Eberhard sofort ein Klemmbrett mit den Falldetails in die Hand und begann, die wichtigsten Informationen herunterzurattern.
„Männlich, circa siebzehn. Primär ansprechbar. Verdacht auf Rippenserienfraktur und Hämatopneumothorax.“
Die vertraute Stimme ließ Eberhards Kopf augenblicklich hochrucken. Er war so auf den Patienten fixiert gewesen, dass er die Besatzung des NAW nur ganz am Rande wahrgenommen hatte. Erst jetzt realisierte er, dass tatsächlich Erich vor ihm stand. Er hatte sich zwar gerade eben noch gewünscht, seinen Freund wenigstens kurz bei der Übergabe zu sehen, aber dass sein Wunsch so schnell in Erfüllung gehen würde, damit hatte er dann doch nicht gerechnet. Für einen Augenblick war er sprachlos, dann schluckte er trocken und versuchte sich wieder zu sammeln. Die Jaspers war zu Glück viel zu sehr damit beschäftigt, Erich anzustarren, als das sie seinen Aussetzer mitbekommen hätte. Die Routine von fast fünfzehn Jahren in der Notaufnahme half ihm, die Situation schnell zu überspielen. Er holte einmal tief Luft und machte einfach weiter, als sei nichts geschehen.
„Wie sind die Werte?“
Eberhard konzentrierte sich nur auf Erich, trotzdem registrierte er aus dem Augenwinkel, dass die Jaspers Erich von oben bis unten musterte, wie eine Katze den Sahnetopf. Er wusste zwar, dass ihm von der Seite garantiert keine Gefahr drohte – Erich hatte in seinem ganzen Leben noch nie etwas mit einer Frau gehabt –, trotzdem konnte er nicht leugnen, dass es ihm missfiel, wie die werte Kollegin seinen Freund taxierten.
„Frequenz 130, Blutdruck 100 zu 70, Sättigung 100 Prozent zu 100 Prozent Sauerstoff.“
Erich würdigte die Jaspers keines Blickes. Wäre da nicht dieses dezente Grinsen auf seinen Lippen gewesen, Eberhard hätte ihm fast geglaubt, dass er nur auf seine Arbeit konzentriert war und die schmachtenden Blicke gar nicht wahrnahm. Aber so… Erich wusste genau, wie die Jaspers ihn anstarrten und amüsierte sich offensichtlich großartig darüber. Eberhard zog die Augenbrauen hoch, sagte aber nicht weiter. Er bedachte die Jaspers mit einem leicht missbilligenden Blick, während er ihm Kopf durchging, was Erich ihm über den Patienten geschildert hatte, und über das weitere Vorgehen entschied.
„Schockraum“
Er nahm das Klemmbrett, das er eben auf den Beinen des Patienten abgelegt hatte wieder auf und warf einen Blick darauf, nur um festzustellen, dass Erich eine noch viel schlimmere Sauklaue hatte, als er selbst. Es war einfacher, ihn eben zu fragen, als dieses Gekrakel zu entziffern.
„Was habt ihr ihm gegeben?“
„Nur drei Milligramm Phenta, fünf Milligramm Dormicum, je ein Liter Haes und Ringer, eine Bülau rechts, 500 Milliliter Blut initial gelaufen.“
Ruhig und routiniert zählt Erich die therapeutischen Maßnahmen auf, die er bereits eingeleitet hatte, während die den Patienten in den Schockraum transferierten. Die Jaspers schaute Erich immer noch mit riesigen Augen an und es war schon ein Wunder, dass sie nicht über ihre eigenen Füße stolperte. Jetzt erlaubte Eberhard sich doch ein dezentes Lächeln. Abgesehen davon, dass er Erichs Stimme den ganzen Tag lauschen könnte, stellte er sich gerade ihr Gesicht vor, wenn sie erfuhr, wen sie da so anschmachtete.
„Sind Sie neu hier? Ich hab’ Sie noch nie gesehen.“
Ah, die Frau Kollegin hatte ihre Stimme wiedergefunden. Immerhin etwas. Das klang allerdings sehr nach vorsichtigem Austesten des Reviers. War die Jaspers nicht eigentlich mit Bennacef liiert? Erich warf ihr einen kurzen Blick über den Patienten hinweg zu und schenkte ihr ein leichtes Lächeln. Die Jaspers erwiderte es strahlend, aber Eberhard sah das leichte Zucken in Erichs Mundwinkeln. Er amüsierte sich prächtig und kämpfte damit, sich nicht zu verraten.
„Ja. Sie werden mich jetzt wohl öfter sehen.“
„Nichts dagegen.“
So, so, die Frau Kollegin hatte nichts dagegen, wenn Erich jetzt öfter hier war. Na, mal sehen wie lange das anhielt. Eberhard drückte auf den Türöffner und schob Erich, der sich noch mit der Jaspers unterhielt, einen Schritt beiseite, damit er nicht zwischen Tür und Trage geriet. Er nutzte die Chance, ihm kurz über die Hüfte zu streichen, dann trat auch er beiseite, damit die beiden Rettungsassistenten die Trage in den Raum schieben konnten. Von der Seite gesellte sich noch Schwester Dorothea zu ihnen und auch sie nahm Erich erst mal genau in Augenschein.
„Den würd’ ich auch nicht von der Bettkante schubsen.“
„Mhmm…“
Erich schnaubte leise und Eberhard fiel fast das Klemmbrett aus der Hand. Er glaubte sich verhört zu haben. Dorothea sinniert ernsthaft laut darüber nach, ob sie Erich von der Bettkante schubsen würde und Doktor Jaspers stimmte ihr zu? In Erichs Gegenwart? Jetzt war das Maß voll. Ein bisschen Schmachten in allen Ehren, aber das war respektlos. Er wollte die beiden gerade zurechtweisen, doch Erichs Hand auf seinem Unterarm stoppte ihn. Grinsend zwinkerte er ihm zu und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Er hatte ganz offensichtlich Spaß an diesem Spielchen und wollte es noch nicht beenden. Eberhard verdrehte die Augen gen Decke, sagte aber nichts. Er war es ja nicht, der hier von den Kolleginnen mit den Augen ausgezogen wurde. Wenn es Erich amüsierte, sollte er doch seinen Spaß haben. So lange Eberhard der einzige blieb, der Erich ganz real auszog, war alles in Ordnung.
Die beiden Rettungsassistenten hatten die Trage in der Zwischenzeit parallel zur Untersuchungsliege geschoben. Eberhard warf das Klemmbrett mit einer knappen Handbewegung auf die Ablage an der Seite und trat zu den Anderen, die sich bereits um den Patienten positioniert hatten.
„Fertig, … eins, zwei, drei …“
Gemeinsam hievten sie den Patienten mit dem Rettungstuch von der Trage auf die Liege. Die beiden Rettungsassistenten verschwanden mit der Trage wieder Richtung NAW, während die Jaspers den Tubus kontrollierte. Eberhard schritt um die liege herum, um von der anderen Seite an den Patienten zu gelangen. Nach dem, was Erich geschildert hatte, sollte er sich dringend einen ersten Eindruck von den Rippen verschafften. Er schob Erich, der gerade das Blut, das er schon im NAW abgenommen hatte, an Dorothea übergab, ein Stück nach vorn. Seine Hand ruhte einem Moment länger an Erichs Rücken, als streng genommen nötig gewesen wäre, aber das bekam zum Glück niemand mit.
„Notfalllabor, Kreuzblut und vier EK fertig machen lassen.“
Sieh an, Kollegin Jaspers hatte nicht nur ihre Stimme wiedergefunden, sie schaffte es auch sich trotz Erichs Anwesenheit auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Wie schön!
„Der Junge ist offenbar von einem Baugerüst gefallen. Passanten haben uns verständigt.“
Während er Erichs Schilderung zum Unfallhergang lauschte, betastete Eberhard den Brustkorb des Patienten. Der schien extrem instabil und er schloss sich Erichs erstem Verdacht durchaus an, auch wenn sie erst noch die Bilder abwarten musste, um ganz sicher zu sein. Trotzdem schien es ihm ziemlich wahrscheinlich, dass eine Operation unumgänglich war.
„Da fließt ’ne Menge Blut durch die Drainage ab. Wir werden eine Thorakotomie durchführen müssen.“
Eberhard war sich nicht sicher, ob die Jaspers mitbekommen hatte, was er gerade gesagt hatte. Sie schmachtete Erich schon wieder mit großen Augen an. Erich verstand immerhin sofort, was das bedeutete und antwortete entsprechend.
„Vielleicht findet ihr ja in seinem noch seine Personalien.“
Nicht viel, aber immerhin ein Versuch wert. Dann konnte Gisela die Angehörigen informieren, immerhin brauchten sie deren Einwilligung für die OP. Im absoluten Notfall ging es natürlich auch ohne, aber so wäre es ihm lieber. Leider schien sich keine der Kolleginnen zuständig zu fühlen. Die Jaspers schmachtete und Dorothea betrachtete fasziniert Erichs Ring.
„Sie haben aber einen schönen Ring.“
„Danke.“
Eberhard schaute erstaunt auf. Ihm war bisher gar nicht aufgefallen, dass Erich keine Handschuhe anhatte. Erich drehte die Hand ein wenig, dass man den Ring auch richtig sehen konnte und strich mit dem Daumen leicht darüber. Eberhard war froh, dass sein eigener Ring in diesem Moment unter den Handschuhen verborgen war, aber der Blick, den Dorothea ihm zuwarf ließ ihn doch leicht schlucken. Sollte ihm dieses etwas zweideutige Grinsen sagen, was er dachte, das es sagen sollte, oder war er gerade nur etwas paranoid? Bevor er zu einem Schluss kommen konnte, unterbrach allerdings Erich seine Gedanken.
„Brauchen Sie mich noch.“
Prinzipiell gab es eigentlich immer etwas, wofür Eberhard Erich brauchte, aber nichts von dem, was ihm spontan einfiel, hätte er jetzt laut sagen wollen. Die Gerüchteküche des Alphateams konnte ruhig noch ein bisschen länger ohne Erich und ihn als Hauptzutaten auskommen. Das hatte er damals mit Christian zur Genüge gehabt.
„Im Moment nicht.“
Erich schenkte ihm ein hintergründiges Lächeln – Eberhard war sich ziemlich sicher, dass sein Freund sich ungefähr das gleiche dachte, wie er selbst gerade eben –, grüßte kurz in die Runde und verschwand. Dorothea nickte kurz zum Abschied und die Jaspers schmachtete schon wieder. So langsam war es fast ein Wunder, dass sie noch nicht sabberte, wie ein Hund, der einen besonders feinen Leckerbissen gefunden hatte.
„Mann, sieht der gut aus.“
Eberhard verdrehte die Augen und warf der Jaspers abermals einen missbilligenden Blick zu. Ja, Erich sah gut aus, und im Gegensatz zu ihr wusste er auch, was sich unter der eher unvorteilhaften Einsatzkluft verbarg, aber das war noch lange kein Grund, hier so eine Pflichten zu vernachlässigen. Es war an der Zeit, dass er sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholte.
„Schädel- und Thorax-CT, dazu Wirbelsäule und Becken.“
Dorothea und die Jaspers tauschen einen Blick aus, als wollten sie sagen, er müsste ja blind, taub und senil sein, um diesen Mann nicht attraktiv zu finden. War er nicht, aber das würde er den beiden jetzt garantiert nicht auf die Nase binden. Wenn die beiden wüssten, mit wem Erich morgen früh nach Hause gehen würde...
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: Verstehen ohne Worte - Fürs Team
Fandom: Alphateam
Rating: P12
Genre: Slash, Fluff, Humor
Warnungen: None
Zusammenfassung: Wenn Dr. Jaspers und Schwester Dorothea wüssten, wen sie da so anschmachten...
Wörter: ~1700
Anmerkungen: Es ist irgendwie vorne und hinten nicht so geworden, wie ich es haben wollte und die ganzen wortlosen Kommunikationen kommen nicht mal halb so schön raus, wie das in meinem Kopf aussieht, aber besser wird es nicht mehr. Wer die Szene sehen will, der schaue hier ab Minute 1:33. Alle Dialogzeilen außer der ersten sind original aus der Folge, der restliche Schrott ist von mir. Und ja, das Ende ist voll Schreiße.
„Doktor Scheu, Doktor Jaspers, Schwester Dorothea, bitte zur Einlieferung. Doktor Scheu, Doktor Jaspers, Schwester Dorothea, bitte.“
Mit einem leichten Seufzen stellte Eberhard seinen Kaffee wieder weg ohne auch nur einen Schluck getrunken zu haben, als die Giselas Stimme aus den Lautsprechern klang. Der dritte Notfall seit Schichtbeginn und das war kaum eine Stunde her. Heute war wohl wieder eine dieser Nächte, in denen schon ein Schluck Kaffee zwischen zwei Patienten zum Luxus wurde, von einer Zigarette oder ein paar Minuten Ruhe ganz zu schweigen. Der einzige Lichtblick war, dass jeder Notfall die Chance barg, Erich wenigstens für ein paar Minuten zu sehen. Wenn ihm jemand vor ein paar Monaten gesagt hätte, dass er sich in seinem Alter nochmal derart verlieben würde, er hätte denjenigen für verrückt erklärt. Aber jetzt…
Mit einem Kopfschütteln über sich selbst, eilte er aus dem Aufenthaltsraum und joggte im leichten Laufschritt in Richtung Einlieferung. Von der Seite schloss Doktor Jaspers zu ihm auf, die gerade noch dabei war, ihren Kittel überzuziehen. Anscheinend war sie mal wieder etwas spät gewesen. Im Vorbeilaufen zog Eberhard ein paar Handschuhe aus der bereitstehenden Box und streifte sie über. Die Besatzung des NAW hatte die Trage mit dem jungen Mann gerade ausgeladen und kam ihnen zügig entgegen. Der junge Notarzt drückte Eberhard sofort ein Klemmbrett mit den Falldetails in die Hand und begann, die wichtigsten Informationen herunterzurattern.
„Männlich, circa siebzehn. Primär ansprechbar. Verdacht auf Rippenserienfraktur und Hämatopneumothorax.“
Die vertraute Stimme ließ Eberhards Kopf augenblicklich hochrucken. Er war so auf den Patienten fixiert gewesen, dass er die Besatzung des NAW nur ganz am Rande wahrgenommen hatte. Erst jetzt realisierte er, dass tatsächlich Erich vor ihm stand. Er hatte sich zwar gerade eben noch gewünscht, seinen Freund wenigstens kurz bei der Übergabe zu sehen, aber dass sein Wunsch so schnell in Erfüllung gehen würde, damit hatte er dann doch nicht gerechnet. Für einen Augenblick war er sprachlos, dann schluckte er trocken und versuchte sich wieder zu sammeln. Die Jaspers war zu Glück viel zu sehr damit beschäftigt, Erich anzustarren, als das sie seinen Aussetzer mitbekommen hätte. Die Routine von fast fünfzehn Jahren in der Notaufnahme half ihm, die Situation schnell zu überspielen. Er holte einmal tief Luft und machte einfach weiter, als sei nichts geschehen.
„Wie sind die Werte?“
Eberhard konzentrierte sich nur auf Erich, trotzdem registrierte er aus dem Augenwinkel, dass die Jaspers Erich von oben bis unten musterte, wie eine Katze den Sahnetopf. Er wusste zwar, dass ihm von der Seite garantiert keine Gefahr drohte – Erich hatte in seinem ganzen Leben noch nie etwas mit einer Frau gehabt –, trotzdem konnte er nicht leugnen, dass es ihm missfiel, wie die werte Kollegin seinen Freund taxierten.
„Frequenz 130, Blutdruck 100 zu 70, Sättigung 100 Prozent zu 100 Prozent Sauerstoff.“
Erich würdigte die Jaspers keines Blickes. Wäre da nicht dieses dezente Grinsen auf seinen Lippen gewesen, Eberhard hätte ihm fast geglaubt, dass er nur auf seine Arbeit konzentriert war und die schmachtenden Blicke gar nicht wahrnahm. Aber so… Erich wusste genau, wie die Jaspers ihn anstarrten und amüsierte sich offensichtlich großartig darüber. Eberhard zog die Augenbrauen hoch, sagte aber nicht weiter. Er bedachte die Jaspers mit einem leicht missbilligenden Blick, während er ihm Kopf durchging, was Erich ihm über den Patienten geschildert hatte, und über das weitere Vorgehen entschied.
„Schockraum“
Er nahm das Klemmbrett, das er eben auf den Beinen des Patienten abgelegt hatte wieder auf und warf einen Blick darauf, nur um festzustellen, dass Erich eine noch viel schlimmere Sauklaue hatte, als er selbst. Es war einfacher, ihn eben zu fragen, als dieses Gekrakel zu entziffern.
„Was habt ihr ihm gegeben?“
„Nur drei Milligramm Phenta, fünf Milligramm Dormicum, je ein Liter Haes und Ringer, eine Bülau rechts, 500 Milliliter Blut initial gelaufen.“
Ruhig und routiniert zählt Erich die therapeutischen Maßnahmen auf, die er bereits eingeleitet hatte, während die den Patienten in den Schockraum transferierten. Die Jaspers schaute Erich immer noch mit riesigen Augen an und es war schon ein Wunder, dass sie nicht über ihre eigenen Füße stolperte. Jetzt erlaubte Eberhard sich doch ein dezentes Lächeln. Abgesehen davon, dass er Erichs Stimme den ganzen Tag lauschen könnte, stellte er sich gerade ihr Gesicht vor, wenn sie erfuhr, wen sie da so anschmachtete.
„Sind Sie neu hier? Ich hab’ Sie noch nie gesehen.“
Ah, die Frau Kollegin hatte ihre Stimme wiedergefunden. Immerhin etwas. Das klang allerdings sehr nach vorsichtigem Austesten des Reviers. War die Jaspers nicht eigentlich mit Bennacef liiert? Erich warf ihr einen kurzen Blick über den Patienten hinweg zu und schenkte ihr ein leichtes Lächeln. Die Jaspers erwiderte es strahlend, aber Eberhard sah das leichte Zucken in Erichs Mundwinkeln. Er amüsierte sich prächtig und kämpfte damit, sich nicht zu verraten.
„Ja. Sie werden mich jetzt wohl öfter sehen.“
„Nichts dagegen.“
So, so, die Frau Kollegin hatte nichts dagegen, wenn Erich jetzt öfter hier war. Na, mal sehen wie lange das anhielt. Eberhard drückte auf den Türöffner und schob Erich, der sich noch mit der Jaspers unterhielt, einen Schritt beiseite, damit er nicht zwischen Tür und Trage geriet. Er nutzte die Chance, ihm kurz über die Hüfte zu streichen, dann trat auch er beiseite, damit die beiden Rettungsassistenten die Trage in den Raum schieben konnten. Von der Seite gesellte sich noch Schwester Dorothea zu ihnen und auch sie nahm Erich erst mal genau in Augenschein.
„Den würd’ ich auch nicht von der Bettkante schubsen.“
„Mhmm…“
Erich schnaubte leise und Eberhard fiel fast das Klemmbrett aus der Hand. Er glaubte sich verhört zu haben. Dorothea sinniert ernsthaft laut darüber nach, ob sie Erich von der Bettkante schubsen würde und Doktor Jaspers stimmte ihr zu? In Erichs Gegenwart? Jetzt war das Maß voll. Ein bisschen Schmachten in allen Ehren, aber das war respektlos. Er wollte die beiden gerade zurechtweisen, doch Erichs Hand auf seinem Unterarm stoppte ihn. Grinsend zwinkerte er ihm zu und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Er hatte ganz offensichtlich Spaß an diesem Spielchen und wollte es noch nicht beenden. Eberhard verdrehte die Augen gen Decke, sagte aber nichts. Er war es ja nicht, der hier von den Kolleginnen mit den Augen ausgezogen wurde. Wenn es Erich amüsierte, sollte er doch seinen Spaß haben. So lange Eberhard der einzige blieb, der Erich ganz real auszog, war alles in Ordnung.
Die beiden Rettungsassistenten hatten die Trage in der Zwischenzeit parallel zur Untersuchungsliege geschoben. Eberhard warf das Klemmbrett mit einer knappen Handbewegung auf die Ablage an der Seite und trat zu den Anderen, die sich bereits um den Patienten positioniert hatten.
„Fertig, … eins, zwei, drei …“
Gemeinsam hievten sie den Patienten mit dem Rettungstuch von der Trage auf die Liege. Die beiden Rettungsassistenten verschwanden mit der Trage wieder Richtung NAW, während die Jaspers den Tubus kontrollierte. Eberhard schritt um die liege herum, um von der anderen Seite an den Patienten zu gelangen. Nach dem, was Erich geschildert hatte, sollte er sich dringend einen ersten Eindruck von den Rippen verschafften. Er schob Erich, der gerade das Blut, das er schon im NAW abgenommen hatte, an Dorothea übergab, ein Stück nach vorn. Seine Hand ruhte einem Moment länger an Erichs Rücken, als streng genommen nötig gewesen wäre, aber das bekam zum Glück niemand mit.
„Notfalllabor, Kreuzblut und vier EK fertig machen lassen.“
Sieh an, Kollegin Jaspers hatte nicht nur ihre Stimme wiedergefunden, sie schaffte es auch sich trotz Erichs Anwesenheit auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Wie schön!
„Der Junge ist offenbar von einem Baugerüst gefallen. Passanten haben uns verständigt.“
Während er Erichs Schilderung zum Unfallhergang lauschte, betastete Eberhard den Brustkorb des Patienten. Der schien extrem instabil und er schloss sich Erichs erstem Verdacht durchaus an, auch wenn sie erst noch die Bilder abwarten musste, um ganz sicher zu sein. Trotzdem schien es ihm ziemlich wahrscheinlich, dass eine Operation unumgänglich war.
„Da fließt ’ne Menge Blut durch die Drainage ab. Wir werden eine Thorakotomie durchführen müssen.“
Eberhard war sich nicht sicher, ob die Jaspers mitbekommen hatte, was er gerade gesagt hatte. Sie schmachtete Erich schon wieder mit großen Augen an. Erich verstand immerhin sofort, was das bedeutete und antwortete entsprechend.
„Vielleicht findet ihr ja in seinem noch seine Personalien.“
Nicht viel, aber immerhin ein Versuch wert. Dann konnte Gisela die Angehörigen informieren, immerhin brauchten sie deren Einwilligung für die OP. Im absoluten Notfall ging es natürlich auch ohne, aber so wäre es ihm lieber. Leider schien sich keine der Kolleginnen zuständig zu fühlen. Die Jaspers schmachtete und Dorothea betrachtete fasziniert Erichs Ring.
„Sie haben aber einen schönen Ring.“
„Danke.“
Eberhard schaute erstaunt auf. Ihm war bisher gar nicht aufgefallen, dass Erich keine Handschuhe anhatte. Erich drehte die Hand ein wenig, dass man den Ring auch richtig sehen konnte und strich mit dem Daumen leicht darüber. Eberhard war froh, dass sein eigener Ring in diesem Moment unter den Handschuhen verborgen war, aber der Blick, den Dorothea ihm zuwarf ließ ihn doch leicht schlucken. Sollte ihm dieses etwas zweideutige Grinsen sagen, was er dachte, das es sagen sollte, oder war er gerade nur etwas paranoid? Bevor er zu einem Schluss kommen konnte, unterbrach allerdings Erich seine Gedanken.
„Brauchen Sie mich noch.“
Prinzipiell gab es eigentlich immer etwas, wofür Eberhard Erich brauchte, aber nichts von dem, was ihm spontan einfiel, hätte er jetzt laut sagen wollen. Die Gerüchteküche des Alphateams konnte ruhig noch ein bisschen länger ohne Erich und ihn als Hauptzutaten auskommen. Das hatte er damals mit Christian zur Genüge gehabt.
„Im Moment nicht.“
Erich schenkte ihm ein hintergründiges Lächeln – Eberhard war sich ziemlich sicher, dass sein Freund sich ungefähr das gleiche dachte, wie er selbst gerade eben –, grüßte kurz in die Runde und verschwand. Dorothea nickte kurz zum Abschied und die Jaspers schmachtete schon wieder. So langsam war es fast ein Wunder, dass sie noch nicht sabberte, wie ein Hund, der einen besonders feinen Leckerbissen gefunden hatte.
„Mann, sieht der gut aus.“
Eberhard verdrehte die Augen und warf der Jaspers abermals einen missbilligenden Blick zu. Ja, Erich sah gut aus, und im Gegensatz zu ihr wusste er auch, was sich unter der eher unvorteilhaften Einsatzkluft verbarg, aber das war noch lange kein Grund, hier so eine Pflichten zu vernachlässigen. Es war an der Zeit, dass er sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholte.
„Schädel- und Thorax-CT, dazu Wirbelsäule und Becken.“
Dorothea und die Jaspers tauschen einen Blick aus, als wollten sie sagen, er müsste ja blind, taub und senil sein, um diesen Mann nicht attraktiv zu finden. War er nicht, aber das würde er den beiden jetzt garantiert nicht auf die Nase binden. Wenn die beiden wüssten, mit wem Erich morgen früh nach Hause gehen würde...