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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Mond
Challenge: Romantik/Intimität - etwas teilen
Fandom: Our Own World
Charaktere: Verena, Liang
Anmerkung: Ich muss zugeben… ich vermisse die Truppe mehr als mir lieb ist *hust*


Es war eine Stille, die sie in der Form gar nicht mehr kannte. Irgendwie unwirklich, als wären sie die einzigen Menschen auf dieser Welt. Und über ihnen breitete sich der Himmel scheinbar unendlich aus und versprach eine sternenklare Nacht. Hoffentlich auch eine dunkle Nacht, es waren schließlich keine größeren Orte in der Nähe. Aber sie hatte auch eine gute Strecke zurückgelegt, um hierherzukommen. In Deutschland noch halbwegs dunkle Flecken zu finden war ziemlich schwierig geworden, gerade in ihrer Region. Am Ende waren sie gut eine Stunde mit dem Auto gefahren, um eine Stelle mitten in der Pampa zu erreichen, die laut ihren Recherchen gut zum Sternegucken geeignet war. Ob es stimmte, würden sie wohl herausfinden.
Zumindest konnte man es sich ganz gut auf einer Wiese bequem machen und dem Sonnenuntergang zugucken. Mehr oder weniger motiviert, Liang jedenfalls gähnte. “Warum hab ich mich nochmal drauf eingelassen?”
“Weil du mich lieb hast und wir viel zu selten noch Gelegenheit haben, was gemeinsam zu unternehmen?” Verdammtes Berufsleben. Okay, sie war nicht ganz unschuldig. Schließlich war ihr Brüderchen Lehrer und hatte damit in der Regel einen brauchbaren Zeitplan. Mehr oder weniger. Sie war die Archäologin, die gefälligst dankbar zu sein hatte, wenn sie bei einer Grabung mitarbeiten konnte und dann monatelang sonstwo in der Provinz im Dreck wühlen durfte. Gott, wie sie es liebte. Dass sie Liang und ihre Freunde deswegen nur noch selten sah… das war die Kehrseite der Medaille.
“Ich überleg mir das mit dem Liebhaben nochmal, wenn es zur Gewohnheit wird, dass du mich eine Nacht durchmachen lässt, nachdem ich um fünf Uhr aufstehen musste.” Das Gähnen war jetzt eher demonstrativ und Verena grinste. “Mal sehen. Die Perseiden kommen ja zum Glück nur einmal im Jahr. Aber es gibt ja noch andere Sternschnuppen.” Sie kramte in ihrem Rucksack und gab Liang eine Thermosflasche. “Kaffee für die Schlafmütze.”
“Hast du ihn gemacht?”
“Klar, wer sonst. Keine Sorge, er ist stark.” Hoffte sie. Sie hatte keine Probleme damit, zuzugeben dass Kaffee kochen ihr nicht lag. Dafür hatte man ja auch einen Coffeeshop an jeder Ecke oder diese fancy Kapselmaschinen, die sie aber aus ökologischen Grunden ablehnte. Das hielt ihre Mitbewohnerin nicht davon ab, eine zu verwenden. Konnte Verena mit leben. Sie hatte ihren Becher und Coffeeshops ihres Vertrauens, die da Kaffee reintaten. Was brauchte man mehr?
Als Liang sie immer noch skeptisch ansah, seufzte sie. “Ich probiere auch zuerst, wenn du willst.”
“Will ich.”
Ehrlich, von jedem anderen als ihrem Bruder hätte sie dieses Misstrauen als Beleidigung empfunden. Jetzt verdrehte sie nur die Augen, grinste und nahm einen Schluck. Es kostete sie einiges an Selbstbeherrschung, den nicht sofort wieder auszuspucken. Irgendwie brachte sie es sogar herunter. Vielleicht tat sie ihrem Herz damit keinen Gefallen, aber sie hatte auch ihren Stolz. Trotzdem klang ihre Stimme etwas gequält, als sie sagte: “Er ist jedenfalls nicht zu schwach.” Wie zum Teufel hatte sie dieses Teufelszeug hingekriegt? Hatte sie zu viel Kaffeepulver genommen? Oder war die alte Maschine, die bei ihren Eltern noch stand und hin und wieder noch benutzt wurde, einfach zu launisch?
Liangs Blick sprach Bände, aber er wäre nicht ihr Zwilling, wenn er jetzt nicht neugierig geworden wäre. Also reichte sie ihm die Flasche und ein paar Sekunden später wurde der schöne Rasen mit ihrem Kaffee gedüngt. “Willst du uns umbringen?”
“War keine Absicht?” Sie grinste.
“Da bin ich mir nicht so sicher…”, murrte er und kippte den restlichen Kaffee auch weg.
“Und ich bin mir nicht sicher, ob das so gut für die Pflanzen ist…” Entweder brachte Liang sie gerade um (nicht, dass da noch viel zu töten wäre, trocken wie es im Moment war), oder sorgt für einen phänomenalen Wachstumschub. Er tat ihr jedenfalls nicht den Gefallen, da irgendwie drauf zu reagieren, sondern deutete auf einen hellen Punkt, der am Himmel auftauchte. Ganz in der Nähe von der Stelle, wo vorhin die Sonne untergegangen war. “Das müsste Venus sein.”
“Woher willst du das wissen?”
“Ein bisschen was weiß ich über den Sternenhimmel, stell dir vor. Außerdem hab ich eine App.” Er hielt sein Handy hoch, wo eine recht detaillerte Sternenkarte zu sehen war.
Verena verdrehte die Augen. “Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?”
“Doch. Okay, sie hakt hier in der Einöde ziemlich, aber die Sternschnuppen finden wir wohl auch so.” Er grinste und sie konnte nicht lange ernst bleiben. “Meinst du?”
“So gerne eben, ja.” Er warf ihr eine Dose mit irgendeinem Energydrink zu und sie streckte ihm die Zunge heraus. “Hättest du das nicht eher sagen können?”
“Nö. Warum sollte ich? Vielleicht wär dein Kaffee ja doch was geworden.”
“Seit wann bist du so ein Optimist?” Verena schüttelte grinsend den Kopf und sah sich um, als sie eine Bewegung aus dem Augenwinkel bemerkte. “Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die hier Sternschnuppen gucken wollen.”
Liang folgte ihrem Blick und wirkte nur etwas verstimmt darüber, dass ihre Ruhe unterbrochen wurde. “Und sie haben sogar ein Teleskop dabei.”
Ein wenig beneidete Verena sie darum, aber diese Nacht würden sie kaum eins brauchen. Hoffte sie. Und selbst wenn waren die Sternschnuppen ohnehin viel zu schnell weg, bevor die Neuankömmlinge sie mit dem kleinen Teleskop erfassen konnten. Ein wenig fand sie es aber schon süß, wie die beiden Kinder, die bei der Gruppe dabei waren, sich darum stritten, wer als erstes hindurchsehen durfte. Aber überwiegend hoffte sie eher, dass die sich schnell einigten oder einer der Erwachsenen ein Machtwort sprach.
Irgendwann kehrte aber mehr oder weniger Ruhe ein und sie konnten es sich auf der Decke bequem machten, die sie in weiter Vorraussicht mitgebracht hatten. Allzu groß war sie nicht, aber für zwei Personen und einen Rucksack mit Verpflegung (Energydrinks, Dosenkaffee und was zu essen das die Temperaturen derzeit ein paar Stunden aushalten würde) reichte es allemal.
Keiner sagte mehr etwas, als sie einfach dalagen und den dunkler werdenden Himmel beobachteten, auf dem mehr und mehr Sterne auftauchten. Anfangs hatte Liang noch mit seinem Handy versucht, den Überblick zu behalten, aber das Internet war hier wirklich nicht sehr gut. Also beschloss er, dass es ihm egal war, was für Sterne zu sehen waren und ob da Sternbilder dabei waren, die nicht jedes Kind kannte, und legte das Handy einfach weg. Nachdem er nochmal auf Nachrichten überprüft hatte, die aber nicht gekommen waren.
Mit halbem Ohr lauschte Verena, was einer der anderen Sterngucker erzählte, vermutlich den Kindern. Irgendwann hörte sie leises Lachen aus der Richtung und ein gedämpftes: “Eingeschlafen.”
Mit schlafenden Kindern konnte sie in der Tat leben. Und dann… “Liang!”, machte sie ihren Bruder auf den schmalen Lichtstreifen aufmerksam, der über ihnen hinwegjagte. Da war es aber auch schon zu spät, die Sternschnuppe war wieder weg. Die nächste ließ aber nicht allzu lang auf sich warten und sie hörte auch schon die beiden Kinder wieder. Vermutlich hatte man sie geweckt. Schade. Aber mit der Zeit stellte sie fest, dass es weniger schlimm war als befürchtet, zwei Kindern zuzuhören, wie sie über den klaren Sternenhimmel und die Perseiden staunten. Die entsprachen zwar nicht dem Klischee, eines ununterbrochenen weißem Feuerwerk über ihnen, aber sie kamen oft genug, um es schwer zu machen, den Blick auch nur für wenige Sekunden abzuwenden.
Wie lange sie schweigend zugesehen hatten, wusste sie nicht einmal, aber als Liang plötzlich ihre Hand nahm und kurz drückte, musste sie lächeln. “Wir sollten das öfter machen.”
Ja. Das fand sie auch.

Date: 2018-08-20 08:43 am (UTC)
From: [identity profile] leiyahime.livejournal.com
Jaa Geschwister-Bonding!!!
Aber ich glaub Verena sollte es aufgeben kaffee zu kochen xD für ihren Bruder und das arme eh schon vertrocknete Gras.
Aber schön zu sehen, dass sie trotz allem Berufsstress trotzsdem noch ab ud an Zeit haben Sternschnuppen zu gucken!!
Wie immer echt schön geschrieben. Ich mag die ruhige Stimmung sehr!!!

Date: 2018-08-20 11:39 am (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Das Gras ist jetzt definitiv toter als tot! :D Aber das Geschwister-Bonding war echt schön und die Kinder waren dann ja doch ganz niedlich. :)

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