Titel: Mittagessen mit Gesellschaft
Team: Sonne
Challenge: Ohne Worte: Diner - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Slash,
Warnungen: None
Zusammenfassung: Jupp und Klaus wollen eigentlich nur ganz in Ruhe Mittagessen...
Wörter: ~2100
Anmerkung1: Ich feile schon mal fleißig am Sequel für meine BigBang-Story und teste gerade so ein bisschen Szenen aus. Da ich meine beiden Lieblinge zum Mittagessen schicken wollte, haben sie sich das Bild natürlich sofort unter den Nagel gerissen. Was soll ich sagen, es ist nicht mal annähernd so geworden, wie ich es haben wollte, aber manchmal hilft es ja auch, zu wissen wie es nicht funktioniert.
Anmerkung2: Weil ich ja vollkommen bekloppt bin war das jetzt mein 50. Beitrag für die Challenge.
Skeptisch betrachtete Klaus die Fassade des Etablissements in das Jupp ihn zu ziehen versuchte. Es war jetzt nicht unbedingt so, dass es hässlich oder heruntergekommen aussah, eher das Gegenteil. Das Gebäude war sehr gepflegt und auch neu – das wusste Klaus, weil er die Bauarbeiten aus seinem Bürofenster hatte beobachten können. Trotzdem wirkte es hier völlig fehl am Platze, irgendwie aus der Zeit gefallen und er fühlte sich in diesem Moment ein bisschen wie Marty McFly zurückversetzt in die Fünfzigerjahre. Das Restaurant vor ihm sah jedenfalls von außen ziemlich exakt aus wie eine Kopie des Diners aus Zurück in die Zukunft. Er warf Jupp einen fragenden Blick zu.
„Jupp, was soll das werden?“
„Naja, ich hatte mal wieder Hunger auf Burger und Pommes, aber du magst ja kein Fast-Food. Und Gino und Achim haben gesagt, hier gibt es auch richtiges Essen.“
Klaus zog die Augenbraue hoch. Er war sich nicht sicher, ob das, was Achim und Gino unter ‚richtigem Essen‘ verstanden, sich mit seiner Definition desselbigen deckte. Achim tendierte ja doch eher zu Jupps Ernährungsgewohnheiten und für Gino war alles gut, solange es Pasta oder mit Käse überbacken war – oder beides. Dann gab er sich aber doch einen Ruck und ließ sich von Jupp die drei Stufen vor dem Eingang hochziehen. Jupp hatte in letzter Zeit nicht einmal mehr gemurrt, wenn sie mittags etwas ‚Anständiges‘ essen gegangen waren, anstatt sich eben schnell Pommes oder Pizza zu holen, da war es nur recht und billig, dass er jetzt auch mal Zugeständnisse machte. Außerdem hatte sein Partner sich ganz offensichtlich bemüht, einen Kompromiss zu finden, mit dem sie beide gut leben konnten.
Als sie durch die gläserne Eingangstür trat und einen Blick durch das Restaurant warf, geriet sein Entschluss allerdings für einen Augenblick doch nochmal ins Wanken. War es ihm von draußen noch so erschienen, als sei das Gebäude völlig aus seiner Zeit gefallen, so hatte er jetzt plötzlich das Gefühl, als wäre er mit dem Überschreiten der Schwelle so eben gute fünfzig Jahre in der Zeit zurückgereist. Vom schwarz-weiß gefliesten Fußboden über die Stühle und Bänke mit den roten Kunstlederbezügen, die schwarzen Tische mit dem kleinen hellblauen Platzdeckchen, die Bilder und Werbeplakate bis hin zur Juke-Box hinten in der Ecke schrie alles förmlich Fünfzigerjahre. Selbst die Musik, die aus den Boxen drang und die Kleider der Bedienungen hinter der Theke schienen geradewegs aus den Fünfzigern zu kommen.
Klaus warf einen Blick zu Jupp hinüber. Der schaute sich fasziniert um und wirkte ein bisschen wie ein kleines Kind, dass einen neuen Spielplatz entdeckt hatte. Seine Augen hatten diesem eigentümlichen Glanz kindlicher Begeisterung und allein dafür hatte dich der Besuch nach Klaus’ Meinung schon gelohnt. Wenn Jupp nicht so schrecklich unsicher in der Öffentlichkeit wäre, er hätte ihn jetzt direkt in seine Arme gezogen und geküsst. Jupp strahlte ihn begeistert an.
„Sieht doch toll aus, oder?“
„Mhmm. Direkt aus den Fünfzigern. Fehlt nur noch, dass Marty McFly jetzt zur Tür hereinkommt.“
„Marty wer?“
„Marty McFly.“
„Kenn’ ich nicht.“
„Der Junge aus ‚Zurück in die Zukunft‘.“
„Ach der. Sag das doch gleich, Mann.“
„Hab’ ich doch.“
„Nee, haste nicht.“
Jupp grinste breit, knuffte Klaus scherzhaft gegen die Schulter und ergriff dann seine Hand. Er zog ihn zu einem Tisch relativ weit hinten in der Ecke. Für einen Augenblick schaute Klaus erstaunt auf ihre verschränkten Finger. Das Diner war jetzt nicht unbedingt übervoll, aber besonders leer war es jetzt auch nicht und auch nah genug am Präsidium, dass sich durchaus der eine oder andere Kollege hierher verirren konnte, von daher überraschte ihn diese eindeutige Geste der Verbundenheit dann doch etwas. Nicht dass er sich beschweren wollte, ganz im Gegenteil, er genoss es durchaus, aber verwundert war er schon – erst recht, als Jupp seine Hand auch dann nicht losließ, nachdem sie einander gegenüber an dem kleinen, etwas verborgenen Ecktisch platz genommen hatten. Spätestens jetzt, war die Geste vollkommen eindeutig, da konnte auch niemand mehr behaupten, das sei nur freundschaftlich. Nicht so wie Jupp seine Hand hielt und mit dem Daumen kleine Kreise auf seinen Handrücken malte. Erst als die Bedienung die Karten brachte, ließ Jupp seine Hand widerwillig los.
Klaus nahm die Karte auf und studierte sie eingehend. Neben den obligatorischen Burgern und Chicken Nuggets mit Pommes, fand sich tatsächlich eine Reihe Gerichte darauf, die durchaus seinem Verständnis von ‚richtigem Essen‘ entsprachen – zumindest, wenn sie mit frischen Zutaten zubereitet wurden. Klaus schaute sich um, was die anderen Gäste so aßen oder bestellten, um das Essen zumindest optisch einmal zu überprüfen. Was er sah, schien ihm durchaus positiv. Am Nachbartisch brachte die Bedienung gerade zwei große Cheeseburger mit Pommes und Salatbeilage. Jupp bekam ganz große Augen und auch Klaus musste gestehen, dass der Burger wirklich gut aussah – sogar mit echtem, frischen Salat. Jupp klappte die Karte zu – offenbar war für ihn die Entscheidung in diesem Moment gefallen – und Klaus tat es ihm gleich. Eigentlich war so ein Burger zwischendurch doch gar nicht so verkehrt. Kaum hatten sie die Karten abgelegt, stand auch schon eine Bedienung an ihrem Tisch.
„So, was darf ich Ihnen bringen?“
„Für mich einmal den großen Cheeseburger mit Pommes und Salat und eine große Cola.“
„Und für Sie?“
„Das gleiche, bitte.“
„Seit wann isst du Burger?“
„Ab und an ist mir danach.“
„Aha.“
„Majo oder Ketchup zu den Pommes?“
„Beides.“
„Für Sie auch?“
„Gerne.“
„Gut. Zwei große Cheeseburger mit Pommes und Salat. Kommt sofort.“
„Danke.“
„Ach, könnten Sie uns noch einen Aschenbecher bringen?“
„Natürlich.“
„Muss das sein, Jupp?“
„Nur eine, vorm Essen, okay?“
Klaus verzog das Gesicht, nickte aber schließlich. Die Raucherei war das einzige, was ihn an Jupp manchmal wirklich sehr störte. Obwohl er auch da zugestehen musste, dass Jupp sich in letzter Zeit wirklich bemühte, sich nicht mehr immer und überall eine Zigarette anzustecken. Jupp ergriff seine Hand, drückte sie kurz und strich ihm mit dem Daumen über den Handrücken. Dann kramte er seinen Tabak aus der Tasche und drehte sich eine Zigarette. Klaus gab ihm Feuer, als er fertig war. Jupp nahm einen tiefen Zug, ließ den Rauch genussvoll zwischen den halbgeöffneten Lippen entweichen und grinste Klaus schließlich an.
„Und, war es jetzt so eine schlechte Idee herzukommen?“
„Wenn das Essen so gut schmeckt, wie es…“
„Klaus! Was für eine Überraschung, dich ausgerechnet hier zu treffen.“
Eine Stimme, die Klaus unangenehm bekannt vorkam, unterbrach ihn, bevor er seinen Satz zu Ende gesprochen hatte. Er hoffte inständig, dass er sich getäuscht hatte, aber schon ein kurzer Seitenblick aus dem Augenwinkel zeigte ihm, dass dem nicht so war. Vor ihrem Tisch stand tatsächlich Andreas, sein Exfreund und der wichtigste Grund, warum er überhaupt nach Köln gekommen war. Was um alles in der Welt machte der hier? Nach seinen letzten Informationen sollte der doch mit seinem David in Hamburg leben.
„Hallo Andreas.“
Seine Stimme klang selbst in Klaus‘ eigenen Ohren sehr gepresst und abweisend und so konnte er es Jupp nicht verdenken, dass der sich sofort aufrechter hinsetzte und Andreas skeptisch musterte. Bei aller Flapsigkeit hatte Jupp doch einen ziemlichen Beschützerinstinkt und das zwischen Klaus und Andreas irgendetwas gar nicht stimmen konnte, das war nach dieser Begrüßung sogar ihm klar. Andreas hingegen schien Klaus‘ Ton entweder gar nicht aufzufallen oder er hatte sich dazu entschieden, ihn zu ignorieren. Jedenfalls schenkte er Klaus ein breites Lächeln und breitete die Arme aus. Klaus ignorierte die Geste, erhob sich nur höflichkeitshalber leicht von seinem Stuhl und strecke Andreas die Hand hin. Das strahlende Lächeln verdüsterte sich für einen Augenblick, doch dann fing Andreas sich, ergriff Klaus Hand als hätte er niemals eine andere Begrüßung erwünscht, und schüttelte sie heftig. Sein Lächeln wurde auch wieder breiter.
„Ihr habt doch sicher nichts dagegen, wenn ich mich zu euch setze, oder?“
Bevor Jupp oder Klaus überhaupt die Chance hatten, etwas dazu zu sagen, hatte Andreas sich schon eine Stuhl vom Nachbartisch gegriffen und sich vor Kopf mit an ihren Tisch gesetzt. Er stützte die Ellbogen auf dem Tisch ab und schaute erwartungsvoll zwischen Jupp und Klaus hin und her. Sein Ex wartete darauf, dass er Jupp und ihn miteinander bekannt machte, das war Klaus schon klar, aber er zögerte noch, weil er keine Ahnung hatte, wie er Jupp vorstellen sollte. Ihre Beziehung war noch ziemlich frisch und Jupp hatte immer noch große Schwierigkeiten zu seinen neu entdeckten Gefühlen zu stehen. Bevor Klaus zu einer Entscheidung kommen konnte, trat die junge Frau, die ihre Bestellung aufgenommen hatte nochmals an ihren Tisch und stellte Jupp den Aschenbecher hin. Sofort fischte Jupp seinen Tabak aus der Tasche und begann sich langsam und methodisch eine Zigarette zu drehen. Klaus verstand Jupps stumme Bitte um einen Augenblick Bedenkzeit sofort und es bedeutete ihm mehr, als er in diesem Moment ausdrücken konnte, dass Jupp überhaupt erwog, offen zu sein. Allerdings hieß das auch, dass er jetzt die Aufgabe hatte, eine Vorstellung zu finden, die ihr Verhältnis offen ließ, bis Jupp zu einer Entscheidung gekommen war. Eine Schwierigkeit, der ihn Andreas’ missbilligender Blick auf Jupps Zigarette gepaart mit dem entsprechenden Kommentar enthob.
„Seit wann tolerierst du Rauchen bei Tisch?“
Andreas musterte abschätzig Jupp von Kopf bis Fuß. Klaus ahnte ziemlich genau was sein Ex-Freund sah, immerhin war seine Einschätzung von Jupp bei ihrer ersten Begegnung auch nicht anders gewesen. Und auch wenn Jupp heute mit der neuen Jeans und dem weinroten Hemd deutlich seriöser aussah als damals, erblickte Andreas in ihm doch jemanden, den er für deutlich unter seinem und Klaus’ Niveau hielt. Und genau das sagte er dann auch.
„Beruflich nehme ich an? Freiwillig würdest du dich wohl kaum in diesem Etablissement und dieser Gesellschaft zeigen.“
Für einem Augenblick war Klaus geneigt, Andreas eine gepfefferte Antwort zu geben, doch er biss die Zähne zusammen und schwieg. Er hatte Jupp versprochen, dass er ihn nicht ohne dessen Einverständnis outen würde und daran hielt er sich, auch wenn es ihm gerade unendlich schwer fiel. Er warf einen Blick zu Jupp hinüber. Der hatte gerade seine Zigarette fertig gedreht – und steckte sie zu Klaus’ Überraschung wieder weg. Dann ließ er die Hand auf die Tischplatte sinken und strich mit den Fingerspitzen ganz sachte an Klaus’ Hand entlang. Klaus hielt die Luft an, drückte sich die Fingernägel in die Handfläche um sicherzugehen, dass er nicht träumte. Doch das Gefühl der streichelnden Finger an seiner Hand blieb und der Schmerz in seiner Handfläche war unleugbar real. Jupps Geste war eindeutig. Klaus hatte keine Ahnung, ob er jetzt nur eine Trotzreaktion auf Andreas’ dumme Bemerkung war oder einfach die Einsicht, dass es am Anfang einem Fremden gegenüber einfacher sein könnte, aber Jupp gab ihm die Einwilligung, Andreas die Wahrheit zu sagen. Eine warme Welle der Euphorie rollte über ihn hinweg. Er schluckte trocken und musste sich mehrfach räuspern, trotzdem klang seine Stimme etwas belegt, als er schließlich zum Sprechen ansetzt.
„Jupp, darf ich vorstellen: mein Ex-Freund Andreas Reimers – Andreas, mein Partner Josef Schatz.“
„Partner?“
Andreas schaute einen irritiert zwischen Jupp und Klaus hin und her. Welche Antwort auch immer er jetzt erwartet hatte, diese war es ganz sicher nicht gewesen. Dann allerdings zeigte sich so etwas wie ein Schimmer der Erkenntnis in seinen Augen und das Lächeln war zurück auf seinem Gesicht.
„Ach, ihr arbeitet zusammen, nicht wahr? Netter Versuch, wirklich, Klaus.“
Klaus widerstand nur mit Mühe der Versuchung die Augen zu rollen. Er war es ja schon gewöhnt, dann andere ihm nicht glaubten, wenn er sich outete – weil er nicht ihren klischeehaften Vorstellungen von schwul entsprach – aber dass sogar Andreas allen Ernstes glaubte, er würde einfach einen vollkommen Fremden als seinen Freund ausgeben, setzte dem ganzen dann doch die Krone auf. Das sollte er auch nach fast drei Jahren noch besser wissen. Und außerdem ging es ihn auch mal überhaupt gar nichts mehr an. Er wollte gerade zu einer gepfefferten Antwort ansetzen, als Jupp sowohl ihm als auch Andreas den Wind aus den Segeln nahm.
Er nahm Klaus’ Hand in seine, strich zart mit dem Daumen über den Handrücken. Dann hob er die Hand zu seinen Lippen und gab Klaus einen leichten Kuss auf die Fingerknöchel.
„Auch, ja!“
Seine Stimme war ganz ruhig. Er ließ den Rest des Satzes in der Luft hängen, aber mit seiner Geste war auch so alles klar. Andreas Lächeln verschwand sofort und machte einer versteinerten Maske Platz. Er musterte Jupp noch einmal abschätzig und Klaus sah in seinem Gesicht, wie er an einer Erwiderung arbeitet, doch ein warnender Blick seinerseits beendete die Überlegungen ziemlich schnell. Er schob seinen Stuhl zurück und erhob sich steif.
„Nun, wie es scheint bin ich hier nur das dritte Rad am Wagen. Ich empfehle mich dann. Auf Wiedersehen.“
Damit drehte er sich um und verließ das Diner, bevor einer von ihnen auch nur den Hauch einer Chance gehabt hatte, seinen Abschiedsgruß zu erwidern. Klaus schaute ihm einen Moment nach, wie er die Tür aufstieß und verschwand. Dann wandte er sich wieder Jupp zu, zog dessen Hand zu sich heran und küsste ihn seinerseits zart auf den Handrücken. Der Besuch des Diners hatte sich in doppelter Hinsicht als eine Reise in die Vergangenheit entpuppt – und war auf seltsame Weise ein wichtiger Fingerzeig in Richtung Zukunft geworden.
Team: Sonne
Challenge: Ohne Worte: Diner - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Slash,
Warnungen: None
Zusammenfassung: Jupp und Klaus wollen eigentlich nur ganz in Ruhe Mittagessen...
Wörter: ~2100
Anmerkung1: Ich feile schon mal fleißig am Sequel für meine BigBang-Story und teste gerade so ein bisschen Szenen aus. Da ich meine beiden Lieblinge zum Mittagessen schicken wollte, haben sie sich das Bild natürlich sofort unter den Nagel gerissen. Was soll ich sagen, es ist nicht mal annähernd so geworden, wie ich es haben wollte, aber manchmal hilft es ja auch, zu wissen wie es nicht funktioniert.
Anmerkung2: Weil ich ja vollkommen bekloppt bin war das jetzt mein 50. Beitrag für die Challenge.
Skeptisch betrachtete Klaus die Fassade des Etablissements in das Jupp ihn zu ziehen versuchte. Es war jetzt nicht unbedingt so, dass es hässlich oder heruntergekommen aussah, eher das Gegenteil. Das Gebäude war sehr gepflegt und auch neu – das wusste Klaus, weil er die Bauarbeiten aus seinem Bürofenster hatte beobachten können. Trotzdem wirkte es hier völlig fehl am Platze, irgendwie aus der Zeit gefallen und er fühlte sich in diesem Moment ein bisschen wie Marty McFly zurückversetzt in die Fünfzigerjahre. Das Restaurant vor ihm sah jedenfalls von außen ziemlich exakt aus wie eine Kopie des Diners aus Zurück in die Zukunft. Er warf Jupp einen fragenden Blick zu.
„Jupp, was soll das werden?“
„Naja, ich hatte mal wieder Hunger auf Burger und Pommes, aber du magst ja kein Fast-Food. Und Gino und Achim haben gesagt, hier gibt es auch richtiges Essen.“
Klaus zog die Augenbraue hoch. Er war sich nicht sicher, ob das, was Achim und Gino unter ‚richtigem Essen‘ verstanden, sich mit seiner Definition desselbigen deckte. Achim tendierte ja doch eher zu Jupps Ernährungsgewohnheiten und für Gino war alles gut, solange es Pasta oder mit Käse überbacken war – oder beides. Dann gab er sich aber doch einen Ruck und ließ sich von Jupp die drei Stufen vor dem Eingang hochziehen. Jupp hatte in letzter Zeit nicht einmal mehr gemurrt, wenn sie mittags etwas ‚Anständiges‘ essen gegangen waren, anstatt sich eben schnell Pommes oder Pizza zu holen, da war es nur recht und billig, dass er jetzt auch mal Zugeständnisse machte. Außerdem hatte sein Partner sich ganz offensichtlich bemüht, einen Kompromiss zu finden, mit dem sie beide gut leben konnten.
Als sie durch die gläserne Eingangstür trat und einen Blick durch das Restaurant warf, geriet sein Entschluss allerdings für einen Augenblick doch nochmal ins Wanken. War es ihm von draußen noch so erschienen, als sei das Gebäude völlig aus seiner Zeit gefallen, so hatte er jetzt plötzlich das Gefühl, als wäre er mit dem Überschreiten der Schwelle so eben gute fünfzig Jahre in der Zeit zurückgereist. Vom schwarz-weiß gefliesten Fußboden über die Stühle und Bänke mit den roten Kunstlederbezügen, die schwarzen Tische mit dem kleinen hellblauen Platzdeckchen, die Bilder und Werbeplakate bis hin zur Juke-Box hinten in der Ecke schrie alles förmlich Fünfzigerjahre. Selbst die Musik, die aus den Boxen drang und die Kleider der Bedienungen hinter der Theke schienen geradewegs aus den Fünfzigern zu kommen.
Klaus warf einen Blick zu Jupp hinüber. Der schaute sich fasziniert um und wirkte ein bisschen wie ein kleines Kind, dass einen neuen Spielplatz entdeckt hatte. Seine Augen hatten diesem eigentümlichen Glanz kindlicher Begeisterung und allein dafür hatte dich der Besuch nach Klaus’ Meinung schon gelohnt. Wenn Jupp nicht so schrecklich unsicher in der Öffentlichkeit wäre, er hätte ihn jetzt direkt in seine Arme gezogen und geküsst. Jupp strahlte ihn begeistert an.
„Sieht doch toll aus, oder?“
„Mhmm. Direkt aus den Fünfzigern. Fehlt nur noch, dass Marty McFly jetzt zur Tür hereinkommt.“
„Marty wer?“
„Marty McFly.“
„Kenn’ ich nicht.“
„Der Junge aus ‚Zurück in die Zukunft‘.“
„Ach der. Sag das doch gleich, Mann.“
„Hab’ ich doch.“
„Nee, haste nicht.“
Jupp grinste breit, knuffte Klaus scherzhaft gegen die Schulter und ergriff dann seine Hand. Er zog ihn zu einem Tisch relativ weit hinten in der Ecke. Für einen Augenblick schaute Klaus erstaunt auf ihre verschränkten Finger. Das Diner war jetzt nicht unbedingt übervoll, aber besonders leer war es jetzt auch nicht und auch nah genug am Präsidium, dass sich durchaus der eine oder andere Kollege hierher verirren konnte, von daher überraschte ihn diese eindeutige Geste der Verbundenheit dann doch etwas. Nicht dass er sich beschweren wollte, ganz im Gegenteil, er genoss es durchaus, aber verwundert war er schon – erst recht, als Jupp seine Hand auch dann nicht losließ, nachdem sie einander gegenüber an dem kleinen, etwas verborgenen Ecktisch platz genommen hatten. Spätestens jetzt, war die Geste vollkommen eindeutig, da konnte auch niemand mehr behaupten, das sei nur freundschaftlich. Nicht so wie Jupp seine Hand hielt und mit dem Daumen kleine Kreise auf seinen Handrücken malte. Erst als die Bedienung die Karten brachte, ließ Jupp seine Hand widerwillig los.
Klaus nahm die Karte auf und studierte sie eingehend. Neben den obligatorischen Burgern und Chicken Nuggets mit Pommes, fand sich tatsächlich eine Reihe Gerichte darauf, die durchaus seinem Verständnis von ‚richtigem Essen‘ entsprachen – zumindest, wenn sie mit frischen Zutaten zubereitet wurden. Klaus schaute sich um, was die anderen Gäste so aßen oder bestellten, um das Essen zumindest optisch einmal zu überprüfen. Was er sah, schien ihm durchaus positiv. Am Nachbartisch brachte die Bedienung gerade zwei große Cheeseburger mit Pommes und Salatbeilage. Jupp bekam ganz große Augen und auch Klaus musste gestehen, dass der Burger wirklich gut aussah – sogar mit echtem, frischen Salat. Jupp klappte die Karte zu – offenbar war für ihn die Entscheidung in diesem Moment gefallen – und Klaus tat es ihm gleich. Eigentlich war so ein Burger zwischendurch doch gar nicht so verkehrt. Kaum hatten sie die Karten abgelegt, stand auch schon eine Bedienung an ihrem Tisch.
„So, was darf ich Ihnen bringen?“
„Für mich einmal den großen Cheeseburger mit Pommes und Salat und eine große Cola.“
„Und für Sie?“
„Das gleiche, bitte.“
„Seit wann isst du Burger?“
„Ab und an ist mir danach.“
„Aha.“
„Majo oder Ketchup zu den Pommes?“
„Beides.“
„Für Sie auch?“
„Gerne.“
„Gut. Zwei große Cheeseburger mit Pommes und Salat. Kommt sofort.“
„Danke.“
„Ach, könnten Sie uns noch einen Aschenbecher bringen?“
„Natürlich.“
„Muss das sein, Jupp?“
„Nur eine, vorm Essen, okay?“
Klaus verzog das Gesicht, nickte aber schließlich. Die Raucherei war das einzige, was ihn an Jupp manchmal wirklich sehr störte. Obwohl er auch da zugestehen musste, dass Jupp sich in letzter Zeit wirklich bemühte, sich nicht mehr immer und überall eine Zigarette anzustecken. Jupp ergriff seine Hand, drückte sie kurz und strich ihm mit dem Daumen über den Handrücken. Dann kramte er seinen Tabak aus der Tasche und drehte sich eine Zigarette. Klaus gab ihm Feuer, als er fertig war. Jupp nahm einen tiefen Zug, ließ den Rauch genussvoll zwischen den halbgeöffneten Lippen entweichen und grinste Klaus schließlich an.
„Und, war es jetzt so eine schlechte Idee herzukommen?“
„Wenn das Essen so gut schmeckt, wie es…“
„Klaus! Was für eine Überraschung, dich ausgerechnet hier zu treffen.“
Eine Stimme, die Klaus unangenehm bekannt vorkam, unterbrach ihn, bevor er seinen Satz zu Ende gesprochen hatte. Er hoffte inständig, dass er sich getäuscht hatte, aber schon ein kurzer Seitenblick aus dem Augenwinkel zeigte ihm, dass dem nicht so war. Vor ihrem Tisch stand tatsächlich Andreas, sein Exfreund und der wichtigste Grund, warum er überhaupt nach Köln gekommen war. Was um alles in der Welt machte der hier? Nach seinen letzten Informationen sollte der doch mit seinem David in Hamburg leben.
„Hallo Andreas.“
Seine Stimme klang selbst in Klaus‘ eigenen Ohren sehr gepresst und abweisend und so konnte er es Jupp nicht verdenken, dass der sich sofort aufrechter hinsetzte und Andreas skeptisch musterte. Bei aller Flapsigkeit hatte Jupp doch einen ziemlichen Beschützerinstinkt und das zwischen Klaus und Andreas irgendetwas gar nicht stimmen konnte, das war nach dieser Begrüßung sogar ihm klar. Andreas hingegen schien Klaus‘ Ton entweder gar nicht aufzufallen oder er hatte sich dazu entschieden, ihn zu ignorieren. Jedenfalls schenkte er Klaus ein breites Lächeln und breitete die Arme aus. Klaus ignorierte die Geste, erhob sich nur höflichkeitshalber leicht von seinem Stuhl und strecke Andreas die Hand hin. Das strahlende Lächeln verdüsterte sich für einen Augenblick, doch dann fing Andreas sich, ergriff Klaus Hand als hätte er niemals eine andere Begrüßung erwünscht, und schüttelte sie heftig. Sein Lächeln wurde auch wieder breiter.
„Ihr habt doch sicher nichts dagegen, wenn ich mich zu euch setze, oder?“
Bevor Jupp oder Klaus überhaupt die Chance hatten, etwas dazu zu sagen, hatte Andreas sich schon eine Stuhl vom Nachbartisch gegriffen und sich vor Kopf mit an ihren Tisch gesetzt. Er stützte die Ellbogen auf dem Tisch ab und schaute erwartungsvoll zwischen Jupp und Klaus hin und her. Sein Ex wartete darauf, dass er Jupp und ihn miteinander bekannt machte, das war Klaus schon klar, aber er zögerte noch, weil er keine Ahnung hatte, wie er Jupp vorstellen sollte. Ihre Beziehung war noch ziemlich frisch und Jupp hatte immer noch große Schwierigkeiten zu seinen neu entdeckten Gefühlen zu stehen. Bevor Klaus zu einer Entscheidung kommen konnte, trat die junge Frau, die ihre Bestellung aufgenommen hatte nochmals an ihren Tisch und stellte Jupp den Aschenbecher hin. Sofort fischte Jupp seinen Tabak aus der Tasche und begann sich langsam und methodisch eine Zigarette zu drehen. Klaus verstand Jupps stumme Bitte um einen Augenblick Bedenkzeit sofort und es bedeutete ihm mehr, als er in diesem Moment ausdrücken konnte, dass Jupp überhaupt erwog, offen zu sein. Allerdings hieß das auch, dass er jetzt die Aufgabe hatte, eine Vorstellung zu finden, die ihr Verhältnis offen ließ, bis Jupp zu einer Entscheidung gekommen war. Eine Schwierigkeit, der ihn Andreas’ missbilligender Blick auf Jupps Zigarette gepaart mit dem entsprechenden Kommentar enthob.
„Seit wann tolerierst du Rauchen bei Tisch?“
Andreas musterte abschätzig Jupp von Kopf bis Fuß. Klaus ahnte ziemlich genau was sein Ex-Freund sah, immerhin war seine Einschätzung von Jupp bei ihrer ersten Begegnung auch nicht anders gewesen. Und auch wenn Jupp heute mit der neuen Jeans und dem weinroten Hemd deutlich seriöser aussah als damals, erblickte Andreas in ihm doch jemanden, den er für deutlich unter seinem und Klaus’ Niveau hielt. Und genau das sagte er dann auch.
„Beruflich nehme ich an? Freiwillig würdest du dich wohl kaum in diesem Etablissement und dieser Gesellschaft zeigen.“
Für einem Augenblick war Klaus geneigt, Andreas eine gepfefferte Antwort zu geben, doch er biss die Zähne zusammen und schwieg. Er hatte Jupp versprochen, dass er ihn nicht ohne dessen Einverständnis outen würde und daran hielt er sich, auch wenn es ihm gerade unendlich schwer fiel. Er warf einen Blick zu Jupp hinüber. Der hatte gerade seine Zigarette fertig gedreht – und steckte sie zu Klaus’ Überraschung wieder weg. Dann ließ er die Hand auf die Tischplatte sinken und strich mit den Fingerspitzen ganz sachte an Klaus’ Hand entlang. Klaus hielt die Luft an, drückte sich die Fingernägel in die Handfläche um sicherzugehen, dass er nicht träumte. Doch das Gefühl der streichelnden Finger an seiner Hand blieb und der Schmerz in seiner Handfläche war unleugbar real. Jupps Geste war eindeutig. Klaus hatte keine Ahnung, ob er jetzt nur eine Trotzreaktion auf Andreas’ dumme Bemerkung war oder einfach die Einsicht, dass es am Anfang einem Fremden gegenüber einfacher sein könnte, aber Jupp gab ihm die Einwilligung, Andreas die Wahrheit zu sagen. Eine warme Welle der Euphorie rollte über ihn hinweg. Er schluckte trocken und musste sich mehrfach räuspern, trotzdem klang seine Stimme etwas belegt, als er schließlich zum Sprechen ansetzt.
„Jupp, darf ich vorstellen: mein Ex-Freund Andreas Reimers – Andreas, mein Partner Josef Schatz.“
„Partner?“
Andreas schaute einen irritiert zwischen Jupp und Klaus hin und her. Welche Antwort auch immer er jetzt erwartet hatte, diese war es ganz sicher nicht gewesen. Dann allerdings zeigte sich so etwas wie ein Schimmer der Erkenntnis in seinen Augen und das Lächeln war zurück auf seinem Gesicht.
„Ach, ihr arbeitet zusammen, nicht wahr? Netter Versuch, wirklich, Klaus.“
Klaus widerstand nur mit Mühe der Versuchung die Augen zu rollen. Er war es ja schon gewöhnt, dann andere ihm nicht glaubten, wenn er sich outete – weil er nicht ihren klischeehaften Vorstellungen von schwul entsprach – aber dass sogar Andreas allen Ernstes glaubte, er würde einfach einen vollkommen Fremden als seinen Freund ausgeben, setzte dem ganzen dann doch die Krone auf. Das sollte er auch nach fast drei Jahren noch besser wissen. Und außerdem ging es ihn auch mal überhaupt gar nichts mehr an. Er wollte gerade zu einer gepfefferten Antwort ansetzen, als Jupp sowohl ihm als auch Andreas den Wind aus den Segeln nahm.
Er nahm Klaus’ Hand in seine, strich zart mit dem Daumen über den Handrücken. Dann hob er die Hand zu seinen Lippen und gab Klaus einen leichten Kuss auf die Fingerknöchel.
„Auch, ja!“
Seine Stimme war ganz ruhig. Er ließ den Rest des Satzes in der Luft hängen, aber mit seiner Geste war auch so alles klar. Andreas Lächeln verschwand sofort und machte einer versteinerten Maske Platz. Er musterte Jupp noch einmal abschätzig und Klaus sah in seinem Gesicht, wie er an einer Erwiderung arbeitet, doch ein warnender Blick seinerseits beendete die Überlegungen ziemlich schnell. Er schob seinen Stuhl zurück und erhob sich steif.
„Nun, wie es scheint bin ich hier nur das dritte Rad am Wagen. Ich empfehle mich dann. Auf Wiedersehen.“
Damit drehte er sich um und verließ das Diner, bevor einer von ihnen auch nur den Hauch einer Chance gehabt hatte, seinen Abschiedsgruß zu erwidern. Klaus schaute ihm einen Moment nach, wie er die Tür aufstieß und verschwand. Dann wandte er sich wieder Jupp zu, zog dessen Hand zu sich heran und küsste ihn seinerseits zart auf den Handrücken. Der Besuch des Diners hatte sich in doppelter Hinsicht als eine Reise in die Vergangenheit entpuppt – und war auf seltsame Weise ein wichtiger Fingerzeig in Richtung Zukunft geworden.