Titel: Fahrstuhl nach unten
Team: Sonne
Challenge: Angst: Stromausfall - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Gen/Preslash, Angst, h/c
Warnungen: References to canon typical violence
Zusammenfassung: Klaus hat ein Problem mit Fahrstühlen...
Wörter: ~1800
Anmerkungen: Auch so eine Idee, die ich schon ziemlich lange hatte, aber nie zu Papier gebracht habe. Beim Schreiben sind dann irgendwie die Bunnies falsch abgebogen und ich musste sie mühevoll wieder einfangen, weswegen ich mit dem Ende gar nicht mehr zufrieden bin, aber egal. Vielleicht setzte ich mich irgendwann nochmal hin un verarbeite das vernünftig.
„Kommst du endlich? Ich hab‘ Hunger.“
Klaus zögerte einen Moment, bevor er zu Jupp in den Fahrstuhl trat. Er gestand es sich nicht gerne ein, aber seitdem der Aap ihn in diesem alten Lastenaufzug gefangen gehalten hatte, kostete es ihn immer wieder Überwindung, diese kleinen Kabinen zu betreten. Es war schon wieder besser geworden, als in den ersten Wochen – da hatte er den Fahrstuhl hier im Präsidium gar nicht betreten können – und er wusste natürlich auch, dass ihm hier garantiert nichts passieren konnte, trotzdem spürte er wie sein Herzschlag sich beschleunigte und seine Hände feucht wurden, kaum dass die schwere Tür hinter ihm zugefallen war. Der Fahrstuhl ruckte an und für einen Augenblick meinte Klaus, dass das Licht geflackert hätte, doch dann schalt er sich mental einen Narren und konzentrierte sich auf Jupp, der das Mittagessen diskutieren wollte.
„Pizza oder Pommes?“
Innerlich seufzte Klaus ob dieser Auswahl, war doch beides nicht unbedingt sein bevorzugtes Mittagessen, aber da er heute weder Lust noch Nerven für eine langwierige Diskussion um gesundes Mittagessen hatte, entschied er sich für Pizza. Da waren die Chancen größer auch etwas zu finden, das ihm wenigstens ein bisschen zusagte. Er wollte Jupp seine Entscheidung gerade mitteilen, als die Fahrstuhlbeleuchtung abermals flackerte – und dieses Mal war es ganz sicher keine Einbildung. Wie zur Bestätigung flackerte die Beleuchtung kurz darauf ein weiteres Mal, und der Fahrstuhl ruckelte geräuschvoll. Klaus schluckte trocken und krallte die Finger fester um die Reling in seinem Rücken. Es war alles gut, alles in Ordnung. Das war nur eine kleine Störung, nichts Dramatisches. Der Fahrstuhl im Präsidium war schon alt, der lief einfach manchmal nicht ganz rund. Das war kein Grund in Panik zu geraten.
„Mistding!“
Jupp schlug mit der flachen Hand gegen die Steuerungskonsole. Der Fahrstuhl ruckelte wieder, sackte fast einen Meter ab, blieb dann ächzend stehen. Die Beleuchtung flackerte noch ein paar Mal erratisch vor sich hin, dann erlosch sie. Augenblicklich wurde es stockfinster in der kleinen Kabine. Klaus griff die Reling noch ein bisschen fester, konzentrierte sich auf seine Atmung, zählte im Geist ganz langsam bis zehn, wartete darauf, dass die Notbeleuchtung ansprang, wenigstens ein diffuses Licht spendete, dass ihm half, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Die Sekunden verstrichen. Nichts geschah. Es blieb stockfinster.
Klaus schluckte trocken. Das Herz hämmerte ihm längst gegen die Rippen, ein stählernes Band schien sich um seine Brust zu legen, drückte ihm langsam aber sicher die Luft ab. Jeder Atemzug war mühevoll, schmerzhaft und nie bekam er genug Luft in die Lungen. Der Psychologe in ihm bemerkte ganz sachlich, dass er dabei war, in eine Panikattacke abzugleiten, doch alles psychologische Wissen nutzte ihm in diesem Moment nichts. Er schloss die Augen, presste die Lider zusammen, konzentrierte sich auf Jupp, der mit der flachen Hand gegen die Konsole schlug, schimpfte und fluchte, was das jetzt wieder sollte. Er war nicht mehr in dieser leeren Fabrik, in diesem uralten Lastenaufzug. Er war im Präsidium, der alte Fahrstuhl hatte nur eine technische Störung. Stromausfall, weiter nichts. Er war nicht gefesselt und er war auch nicht allein. Jupp war da. Wie ein Mantra wiederholte er das immer und immer wieder in seinem Kopf, fokussierte auf jedes noch so kleine Geräusch, jedes Schimpfwort, das Jupp von sich gab. Doch seine Panik wurde übermächtig. Je mehr er sich konzentrierte, um so schwieriger wurde es, die Geräusche auseinanderzuhalten, zuzuordnen. Ein Rauschen erklang in seinen Ohren, erst leise, dann immer lauter, überdeckte alle anderen Geräusche. Seine Knie gaben nach und er rutschte an der Wand herunter.
Er drückte sich eng gegen die Wand, robbte in die Ecke, rollte sich zusammen, barg den Kopf in den Armen, machte sich so klein es eben ging. Sie würden kommen, das wusste er, sie würden ihn holen und befragen und er würde keine Antworten haben, das wusste er. Und dann würden sie ihn bestrafen und wieder befragen, aber er hatte noch immer keine Antworten und sie würden ihn wieder bestrafen und am Ende würden sie ihm seine Haare abrasieren, das wusste er. Sie würden kommen, schon bald, sehr bald. Er konnte ihre Schritte schon hören. Dumpf und hallend kamen sie auf dem metallenen Boden immer näher. Er drückte sich noch weiter in die Ecke, wollte fast mit der Wand verschmelzen, unsichtbar werden, aber er hatte keine Chance. Hände griffen nach ihm, packten ihn bei den Schultern, zerrten ihn hoch, bis er saß. Jemand sagte etwas, sprach ihn an, doch er verstand kein Wort, achtete auch nicht darauf, wollte nur weg. Er stemmte sich gegen die Hände, kämpfte, versuchte sich aus dem Griff zu winden.
„Sieh mich an.“
Die Stimme ist ruhig, fast sanft, aber Klaus traut ihr nicht. Das war keine freundliche Bitte, der Befehl dahinter war deutlich zu hören. Der Aap wollte ihn nur in Sicherheit wiegen, den Eindruck erwecken, er sei ein zivilisierter Mensch. Klaus drehte den Kopf weg.
„Sieh mich an!“
Ein Befehl, kalt und hart. Alles Sanfte war aus der Stimme verschwunden. Sein Kinn wurde grob gepackt, sein Kopf gewaltsam herumgedreht. Klaus presste die Augen noch fester zusammen, biss die Zähne so hart aufeinander, dass es schmerzte, versuchte das Gesicht trotz des eisernen Griffs noch abzuwenden. Der Schlag traf ihn unerwartet, mit der flachen Hand, mitten ins Gesicht. Sein Kopf ruckte nach hinten und nur die Hand an seinem Kinn verhinderte, dass sein Hinterkopf mit der Wand kollidierte.
„Sieh. Mich. An.“
Wieder der Befehl, klar und deutlich, jedes Wort akzentuiert. Dieses Mal folge Klaus ihm. Man widersetzte sich dem Aap nicht. Mühsam öffnete er die Augen. Erst sah er gar nichts, nur Dunkelheit, doch dann schälten sie langsam einzelne Schemen heraus. Da war ein schwaches dämmriges Licht, er konnte nicht recht sehen, woher es kam, aber es war ihm im Moment auch egal. Da war immer noch die Hand an seinem Kinn, die ihn eisern festhielt, ein Gesicht vor seinem, große helle Augen, die ihn aufmerksam musterten.
„Klaus? Verstehst du mich?“
Jupp, begriff er plötzlich. Das war Jupp. Aber das hieß ja…. Der Steinbruch, der Bombengürtel… Er musste hier weg, weg von Jupp, das durfte er nicht zulassen. Er wand sich aus Jupp griff, versuchte verzweifelt rückwärts zu robben, weg von Jupp, tastete unter sein Jackett, versuchte mit zitternden Fingern das Hemd aus der Hose zu zerren, um an diesen verdammten Bombengürtel zu kommen. Doch Jupp war schneller, griff nach seinen Handgelenken, hielt sie eisern fest. Warum begriff er denn nicht, in welcher Gefahr er schwebte.
„Jupp, du musst weg… eine Bombe… Sprengstoff… schnell!“
Jupp schaute ihn einem Moment zweifelnd an. Klaus versuchte sich wieder aus seinem Griff zu winden, ihn wegzuschieben, aber Jupp schüttelte nur ganz langsam den Kopf.
„Wir sind im Präsidium. Im Fahrstuhl. Der Strom ist ausgefallen.“
Völlig entgeistert starrte Klaus ihn an, begriff nicht wirklich, was Jupp gerade gesagt hatte. Er schaute sich um, versuchte die Bilder in seinem Kopf mit denen die seine Augen lieferten in Einklang zu bringen und scheiterte kläglich. Es war immer noch dämmrig um ihn herum, aber seine Augen hatten sich inzwischen daran gewöhnt und er sah mehr als nur ein paar vage Schemen. Und die Bilder, die seine Augen lieferten zeigten eindeutig keinen Steinbruch.
Er hockte auf dem Boden einer kleinen, spärlich beleuchteten Kabine – eindeutig der Fahrstuhl im Polizeipräsidium – und vor ihm hockte Jupp, der seine Hände festhielt und ihn besorgt musterte. Klaus seufzte leise und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Er hatte eine Panikattacke gehabt, weil der Strom ausgefallen war, ausgerechnet vor Jupp. Großartig, das durfte er sich jetzt wahrscheinlich bis an sein Lebensende anhören. Im Geiste zählte er schon die Sekunden, bis Jupp den ersten dummen Spruch loslassen würde. Doch Jupp sagte gar nichts, setzte sich nur etwas umständlich neben Klaus auf den Fußboden und lehnte den Hinterkopf gegen die Kabinenwand. Erst als Jupp jetzt seine eine Hand losließ, fiel, Klaus auf, dass er sie die ganze Zeit gehalten hatte – und die eine immer noch hielt. Aus dem Augenwinkel schielte Klaus vorsichtig zu seinem Partner hinüber, aber er konnte dessen Gesichtsausdruck in dem schlechten Licht nicht erkennen.
„Ich hab‘ Haupt schon informiert. Die holen uns hier so schnell wie möglich raus.“
„Mhmm. Danke.“
Mehr wusste Klaus nicht zu sagen. Er schloss wieder die Augen, erinnerte sich daran, wie er die Panik, dieses Gefühl des Ausgeliefertseins damals, als er sich in der Gewalt des Aap befunden hatte, in den Griff bekommen hatte, konzentrierte sich auf seine Atmung. Immer ganz ruhig ein und aus. Es half, aber noch viel mehr half Jupps Hand, die immer noch auf seiner lag, sie sanft drückte. Das hielt ihn in der Wirklichkeit, erinnerte ihn daran, wo er war.
„Der Aap?“
Jupps Stimme machte deutlich, dass es mehr eine Feststellung als eine Frage war. Für einen Moment war Klaus trotzdem versucht, den Kopf zu schütteln, doch dann besann er sich und nickte ganz leicht, auch wenn er nicht wusste, ob Jupp das überhaupt sehen konnte. Er wollte nicht lügen.
„Was ist passiert?“
„Panikattacke. Die hatten mich in einen alten Fahrstuhl eingesperrt. Seitdem …“
„Magst du Fahrstühle nicht mehr besonders?“
„Mhmm, so ungefähr. Sonst ging es immer, aber jetzt… als plötzlich das Licht weg war und der dann auch noch stehen blieb…“
Jupp sagte nichts weiter, nickte nur und drückte wieder Klaus‘ Hand, als sei es das normalste auf der Welt, dass sein Kollege plötzlich einen Aussetzer hatte, nur weil im Fahrstuhl das Licht ausfiel. So saßen sie noch eine ganze Weile – Klaus hätte nicht zu sagen vermocht wie lange eigentlich – schweigend nebeneinander, bis irgendwann genauso plötzlich, wie es ausgefallen war, das Licht wieder aufflammte. Kurz darauf setzte sich der Fahrstuhl langsam in Bewegung. Jupp stemmte sich vom Boden hoch, zog Klaus mit sich, aber erst in dem Moment, als die Kabine das Erdgeschoss erreichte und die Türen hörbar entriegelten, ließ er Klaus‘ Hand los.
Jupp drückte die Tür auf und trat aus der Kabine. Unten wartete eine ziemliche Menschentraube, von denen der größte Teil eindeutig nur neugierig war und sehen wollte, wer im Fahrstuhl stecken geblieben war. Nachdem Jupp ihnen allerdings in seiner besten Böser-Bulle-Stimme versichert hatte, dass es hier nichts zu sehen gab, zerstreute sich die Menge dann doch recht schnell. Zurück blieben nur die beiden Mechaniker, die versuchten, der Ursache für die Fehlfunktion auf den Grund zu gehen. Jupp bedankte sich kurz bei ihnen, dann kam er zu Klaus herüber.
„Komm, ich hab‘ immer noch Hunger.“
„Danke.“
„Kein Problem. Aber erzähl’s keinem.“
Klaus kam nicht umhin, innerlich die Augen zu rollen. Jupp und seine dösige Angst für schwul gehalten zu werden, nur weil er sich mal ein bisschen von seiner weichen Seite zeigte.
„Keine Panik. Von mir wird niemand etwas erfahren. Kann ja nicht angehen, dass es plötzlich heißt, wir hätten etwas miteinander.“
Klaus konnte nicht ganz verhindern, dass der letzte Satz bitterer klang als er beabsichtigt hatte. Seine Selbstbeherrschung war wohl doch noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Jupp schüttelte nur den Kopf.
„Ach Quatsch, das meine ich doch gar nicht. Ich hab‘ einen Ruf zu verlieren.“
„Als größte Macho-Hete von Köln?“
„Nein, als unsensibles Arschloch.“
Damit drehte Jupp sich um und ging davon. Klaus schaute ihm einem Moment hinterher, bevor er sich langsam in Bewegung setzte, um ihm zu folgen. Sein Ton war irgendwie seltsam gewesen, fast so als wollte er mit diesem dummen Kommentar überspielen, wie es ihn traf, dass er von vielen so gesehen wurde. Anscheinend gab es doch noch einige Facetten an Jupp, die er nicht kannte.
Team: Sonne
Challenge: Angst: Stromausfall - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Gen/Preslash, Angst, h/c
Warnungen: References to canon typical violence
Zusammenfassung: Klaus hat ein Problem mit Fahrstühlen...
Wörter: ~1800
Anmerkungen: Auch so eine Idee, die ich schon ziemlich lange hatte, aber nie zu Papier gebracht habe. Beim Schreiben sind dann irgendwie die Bunnies falsch abgebogen und ich musste sie mühevoll wieder einfangen, weswegen ich mit dem Ende gar nicht mehr zufrieden bin, aber egal. Vielleicht setzte ich mich irgendwann nochmal hin un verarbeite das vernünftig.
„Kommst du endlich? Ich hab‘ Hunger.“
Klaus zögerte einen Moment, bevor er zu Jupp in den Fahrstuhl trat. Er gestand es sich nicht gerne ein, aber seitdem der Aap ihn in diesem alten Lastenaufzug gefangen gehalten hatte, kostete es ihn immer wieder Überwindung, diese kleinen Kabinen zu betreten. Es war schon wieder besser geworden, als in den ersten Wochen – da hatte er den Fahrstuhl hier im Präsidium gar nicht betreten können – und er wusste natürlich auch, dass ihm hier garantiert nichts passieren konnte, trotzdem spürte er wie sein Herzschlag sich beschleunigte und seine Hände feucht wurden, kaum dass die schwere Tür hinter ihm zugefallen war. Der Fahrstuhl ruckte an und für einen Augenblick meinte Klaus, dass das Licht geflackert hätte, doch dann schalt er sich mental einen Narren und konzentrierte sich auf Jupp, der das Mittagessen diskutieren wollte.
„Pizza oder Pommes?“
Innerlich seufzte Klaus ob dieser Auswahl, war doch beides nicht unbedingt sein bevorzugtes Mittagessen, aber da er heute weder Lust noch Nerven für eine langwierige Diskussion um gesundes Mittagessen hatte, entschied er sich für Pizza. Da waren die Chancen größer auch etwas zu finden, das ihm wenigstens ein bisschen zusagte. Er wollte Jupp seine Entscheidung gerade mitteilen, als die Fahrstuhlbeleuchtung abermals flackerte – und dieses Mal war es ganz sicher keine Einbildung. Wie zur Bestätigung flackerte die Beleuchtung kurz darauf ein weiteres Mal, und der Fahrstuhl ruckelte geräuschvoll. Klaus schluckte trocken und krallte die Finger fester um die Reling in seinem Rücken. Es war alles gut, alles in Ordnung. Das war nur eine kleine Störung, nichts Dramatisches. Der Fahrstuhl im Präsidium war schon alt, der lief einfach manchmal nicht ganz rund. Das war kein Grund in Panik zu geraten.
„Mistding!“
Jupp schlug mit der flachen Hand gegen die Steuerungskonsole. Der Fahrstuhl ruckelte wieder, sackte fast einen Meter ab, blieb dann ächzend stehen. Die Beleuchtung flackerte noch ein paar Mal erratisch vor sich hin, dann erlosch sie. Augenblicklich wurde es stockfinster in der kleinen Kabine. Klaus griff die Reling noch ein bisschen fester, konzentrierte sich auf seine Atmung, zählte im Geist ganz langsam bis zehn, wartete darauf, dass die Notbeleuchtung ansprang, wenigstens ein diffuses Licht spendete, dass ihm half, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Die Sekunden verstrichen. Nichts geschah. Es blieb stockfinster.
Klaus schluckte trocken. Das Herz hämmerte ihm längst gegen die Rippen, ein stählernes Band schien sich um seine Brust zu legen, drückte ihm langsam aber sicher die Luft ab. Jeder Atemzug war mühevoll, schmerzhaft und nie bekam er genug Luft in die Lungen. Der Psychologe in ihm bemerkte ganz sachlich, dass er dabei war, in eine Panikattacke abzugleiten, doch alles psychologische Wissen nutzte ihm in diesem Moment nichts. Er schloss die Augen, presste die Lider zusammen, konzentrierte sich auf Jupp, der mit der flachen Hand gegen die Konsole schlug, schimpfte und fluchte, was das jetzt wieder sollte. Er war nicht mehr in dieser leeren Fabrik, in diesem uralten Lastenaufzug. Er war im Präsidium, der alte Fahrstuhl hatte nur eine technische Störung. Stromausfall, weiter nichts. Er war nicht gefesselt und er war auch nicht allein. Jupp war da. Wie ein Mantra wiederholte er das immer und immer wieder in seinem Kopf, fokussierte auf jedes noch so kleine Geräusch, jedes Schimpfwort, das Jupp von sich gab. Doch seine Panik wurde übermächtig. Je mehr er sich konzentrierte, um so schwieriger wurde es, die Geräusche auseinanderzuhalten, zuzuordnen. Ein Rauschen erklang in seinen Ohren, erst leise, dann immer lauter, überdeckte alle anderen Geräusche. Seine Knie gaben nach und er rutschte an der Wand herunter.
Er drückte sich eng gegen die Wand, robbte in die Ecke, rollte sich zusammen, barg den Kopf in den Armen, machte sich so klein es eben ging. Sie würden kommen, das wusste er, sie würden ihn holen und befragen und er würde keine Antworten haben, das wusste er. Und dann würden sie ihn bestrafen und wieder befragen, aber er hatte noch immer keine Antworten und sie würden ihn wieder bestrafen und am Ende würden sie ihm seine Haare abrasieren, das wusste er. Sie würden kommen, schon bald, sehr bald. Er konnte ihre Schritte schon hören. Dumpf und hallend kamen sie auf dem metallenen Boden immer näher. Er drückte sich noch weiter in die Ecke, wollte fast mit der Wand verschmelzen, unsichtbar werden, aber er hatte keine Chance. Hände griffen nach ihm, packten ihn bei den Schultern, zerrten ihn hoch, bis er saß. Jemand sagte etwas, sprach ihn an, doch er verstand kein Wort, achtete auch nicht darauf, wollte nur weg. Er stemmte sich gegen die Hände, kämpfte, versuchte sich aus dem Griff zu winden.
„Sieh mich an.“
Die Stimme ist ruhig, fast sanft, aber Klaus traut ihr nicht. Das war keine freundliche Bitte, der Befehl dahinter war deutlich zu hören. Der Aap wollte ihn nur in Sicherheit wiegen, den Eindruck erwecken, er sei ein zivilisierter Mensch. Klaus drehte den Kopf weg.
„Sieh mich an!“
Ein Befehl, kalt und hart. Alles Sanfte war aus der Stimme verschwunden. Sein Kinn wurde grob gepackt, sein Kopf gewaltsam herumgedreht. Klaus presste die Augen noch fester zusammen, biss die Zähne so hart aufeinander, dass es schmerzte, versuchte das Gesicht trotz des eisernen Griffs noch abzuwenden. Der Schlag traf ihn unerwartet, mit der flachen Hand, mitten ins Gesicht. Sein Kopf ruckte nach hinten und nur die Hand an seinem Kinn verhinderte, dass sein Hinterkopf mit der Wand kollidierte.
„Sieh. Mich. An.“
Wieder der Befehl, klar und deutlich, jedes Wort akzentuiert. Dieses Mal folge Klaus ihm. Man widersetzte sich dem Aap nicht. Mühsam öffnete er die Augen. Erst sah er gar nichts, nur Dunkelheit, doch dann schälten sie langsam einzelne Schemen heraus. Da war ein schwaches dämmriges Licht, er konnte nicht recht sehen, woher es kam, aber es war ihm im Moment auch egal. Da war immer noch die Hand an seinem Kinn, die ihn eisern festhielt, ein Gesicht vor seinem, große helle Augen, die ihn aufmerksam musterten.
„Klaus? Verstehst du mich?“
Jupp, begriff er plötzlich. Das war Jupp. Aber das hieß ja…. Der Steinbruch, der Bombengürtel… Er musste hier weg, weg von Jupp, das durfte er nicht zulassen. Er wand sich aus Jupp griff, versuchte verzweifelt rückwärts zu robben, weg von Jupp, tastete unter sein Jackett, versuchte mit zitternden Fingern das Hemd aus der Hose zu zerren, um an diesen verdammten Bombengürtel zu kommen. Doch Jupp war schneller, griff nach seinen Handgelenken, hielt sie eisern fest. Warum begriff er denn nicht, in welcher Gefahr er schwebte.
„Jupp, du musst weg… eine Bombe… Sprengstoff… schnell!“
Jupp schaute ihn einem Moment zweifelnd an. Klaus versuchte sich wieder aus seinem Griff zu winden, ihn wegzuschieben, aber Jupp schüttelte nur ganz langsam den Kopf.
„Wir sind im Präsidium. Im Fahrstuhl. Der Strom ist ausgefallen.“
Völlig entgeistert starrte Klaus ihn an, begriff nicht wirklich, was Jupp gerade gesagt hatte. Er schaute sich um, versuchte die Bilder in seinem Kopf mit denen die seine Augen lieferten in Einklang zu bringen und scheiterte kläglich. Es war immer noch dämmrig um ihn herum, aber seine Augen hatten sich inzwischen daran gewöhnt und er sah mehr als nur ein paar vage Schemen. Und die Bilder, die seine Augen lieferten zeigten eindeutig keinen Steinbruch.
Er hockte auf dem Boden einer kleinen, spärlich beleuchteten Kabine – eindeutig der Fahrstuhl im Polizeipräsidium – und vor ihm hockte Jupp, der seine Hände festhielt und ihn besorgt musterte. Klaus seufzte leise und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Er hatte eine Panikattacke gehabt, weil der Strom ausgefallen war, ausgerechnet vor Jupp. Großartig, das durfte er sich jetzt wahrscheinlich bis an sein Lebensende anhören. Im Geiste zählte er schon die Sekunden, bis Jupp den ersten dummen Spruch loslassen würde. Doch Jupp sagte gar nichts, setzte sich nur etwas umständlich neben Klaus auf den Fußboden und lehnte den Hinterkopf gegen die Kabinenwand. Erst als Jupp jetzt seine eine Hand losließ, fiel, Klaus auf, dass er sie die ganze Zeit gehalten hatte – und die eine immer noch hielt. Aus dem Augenwinkel schielte Klaus vorsichtig zu seinem Partner hinüber, aber er konnte dessen Gesichtsausdruck in dem schlechten Licht nicht erkennen.
„Ich hab‘ Haupt schon informiert. Die holen uns hier so schnell wie möglich raus.“
„Mhmm. Danke.“
Mehr wusste Klaus nicht zu sagen. Er schloss wieder die Augen, erinnerte sich daran, wie er die Panik, dieses Gefühl des Ausgeliefertseins damals, als er sich in der Gewalt des Aap befunden hatte, in den Griff bekommen hatte, konzentrierte sich auf seine Atmung. Immer ganz ruhig ein und aus. Es half, aber noch viel mehr half Jupps Hand, die immer noch auf seiner lag, sie sanft drückte. Das hielt ihn in der Wirklichkeit, erinnerte ihn daran, wo er war.
„Der Aap?“
Jupps Stimme machte deutlich, dass es mehr eine Feststellung als eine Frage war. Für einen Moment war Klaus trotzdem versucht, den Kopf zu schütteln, doch dann besann er sich und nickte ganz leicht, auch wenn er nicht wusste, ob Jupp das überhaupt sehen konnte. Er wollte nicht lügen.
„Was ist passiert?“
„Panikattacke. Die hatten mich in einen alten Fahrstuhl eingesperrt. Seitdem …“
„Magst du Fahrstühle nicht mehr besonders?“
„Mhmm, so ungefähr. Sonst ging es immer, aber jetzt… als plötzlich das Licht weg war und der dann auch noch stehen blieb…“
Jupp sagte nichts weiter, nickte nur und drückte wieder Klaus‘ Hand, als sei es das normalste auf der Welt, dass sein Kollege plötzlich einen Aussetzer hatte, nur weil im Fahrstuhl das Licht ausfiel. So saßen sie noch eine ganze Weile – Klaus hätte nicht zu sagen vermocht wie lange eigentlich – schweigend nebeneinander, bis irgendwann genauso plötzlich, wie es ausgefallen war, das Licht wieder aufflammte. Kurz darauf setzte sich der Fahrstuhl langsam in Bewegung. Jupp stemmte sich vom Boden hoch, zog Klaus mit sich, aber erst in dem Moment, als die Kabine das Erdgeschoss erreichte und die Türen hörbar entriegelten, ließ er Klaus‘ Hand los.
Jupp drückte die Tür auf und trat aus der Kabine. Unten wartete eine ziemliche Menschentraube, von denen der größte Teil eindeutig nur neugierig war und sehen wollte, wer im Fahrstuhl stecken geblieben war. Nachdem Jupp ihnen allerdings in seiner besten Böser-Bulle-Stimme versichert hatte, dass es hier nichts zu sehen gab, zerstreute sich die Menge dann doch recht schnell. Zurück blieben nur die beiden Mechaniker, die versuchten, der Ursache für die Fehlfunktion auf den Grund zu gehen. Jupp bedankte sich kurz bei ihnen, dann kam er zu Klaus herüber.
„Komm, ich hab‘ immer noch Hunger.“
„Danke.“
„Kein Problem. Aber erzähl’s keinem.“
Klaus kam nicht umhin, innerlich die Augen zu rollen. Jupp und seine dösige Angst für schwul gehalten zu werden, nur weil er sich mal ein bisschen von seiner weichen Seite zeigte.
„Keine Panik. Von mir wird niemand etwas erfahren. Kann ja nicht angehen, dass es plötzlich heißt, wir hätten etwas miteinander.“
Klaus konnte nicht ganz verhindern, dass der letzte Satz bitterer klang als er beabsichtigt hatte. Seine Selbstbeherrschung war wohl doch noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Jupp schüttelte nur den Kopf.
„Ach Quatsch, das meine ich doch gar nicht. Ich hab‘ einen Ruf zu verlieren.“
„Als größte Macho-Hete von Köln?“
„Nein, als unsensibles Arschloch.“
Damit drehte Jupp sich um und ging davon. Klaus schaute ihm einem Moment hinterher, bevor er sich langsam in Bewegung setzte, um ihm zu folgen. Sein Ton war irgendwie seltsam gewesen, fast so als wollte er mit diesem dummen Kommentar überspielen, wie es ihn traf, dass er von vielen so gesehen wurde. Anscheinend gab es doch noch einige Facetten an Jupp, die er nicht kannte.
no subject
Date: 2018-07-25 06:27 am (UTC)Und h/c funktioniert bei mir ja bekanntlich immer ♥
no subject
Date: 2018-07-26 07:26 am (UTC)Und h/c habe ich noch ein paar in petto. Ich quäle doch so gern, vor allem Klaus.