[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Eisgekühlt
Team: Sonne
Challenge: Crack/Humor: JOKER (Inspiration: Diese lustige Geschichte von [livejournal.com profile] nessaniel (Achtung Spoiler!)) - Für mich
Fandom: Tatort Münster
Rating: P6
Genre: Gen, Humor
Warnungen: None
Zusammenfassung: Thiel und Boerne stellen sich der Ice Bucket Challenge...
Wörter: ~900
Anmerkungen: Ich sage nichts dazu. Außer: YAY! Weltherrschaft.


„Was machen Sie denn hier?“

Die Frage war durchaus berechtigt. Fand jedenfalls Thiel, auch wenn Boerne ihn mal wieder mit diesem Blick bedachte, den er immer hatte, wenn er der Meinung war, Thiel wäre mal wieder nicht in der Lage, die offensichtlichsten Dinge zu erfassen. Und auch wenn Thiel mehr als die Hälfte der Fragen, die Boerne ihm stellte, locker beantworten konnte und einfach nur keine Lust auf die dösigen Ratespielchen des Herrn Professors hatte, war ihn in diesem Falle wirklich nicht ersichtlich, was das hier werden sollte.
Boerne und Frau Haller standen in einem der leeren Obduktionssäle, an der Wand lehnte eine zusammengeklappte Stehleiter und auf dem Boden zwischen den Beiden befand sich ein großer Plastikeimer, ungefähr halbvoll mit Wasser, in den Frau Haller gerade mit einem höchst zufriedenen Grinsen mehrere Beutel Eiswürfel entleerte.

„Ice Bucket Challege!“, antwortete Frau Haller in einem Ton als sei damit alles erklärt.
„Was?“
„Ice Bucket Challenge“, wiederholte Boerne. „Lieber Himmel, Thiel, wo leben Sie denn. Das sollten doch sogar Sie mitbekommen haben.“
„Entschuldigen Sie bitte, dass ich es nicht schaffe, über jeden dummen Trend sofort im Bilde zu sein, Herr Professor.“
„Ach, Thiel, nun seien Sie doch nicht gleich beleidigt. Kommen Sie herein, schließen Sie die Tür, dann erkläre ich es Ihnen.“

Thiel trat über die Schwelle und tat wie geheißen. Dann lehnte er sich neben der Tür an die Wand, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Boerne auffordernd an. Der ließ sich gar nicht lange bitten. Während er die Leiter aufstellte und einen stabilen Platz dafür suchte – in gefährlicher Nähe zur Tür, wie Thiel bemerkte, weil dort wegen des Bodenabflusses der einzige ebene Bereich war – erläuterte er wortreiche, was es mit dieser merkwürdigen Versuchsanordnung auf sich hatte.

„Die Ice Bucket Challege ist eine Kampagne um die Aufmerksamkeit für die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, die wohl sogar Ihnen inzwischen ein Begriff sein sollte, zu erhöhen und Spenden zur Unterstützung der Forschung zu sammeln. Die Teilnehmer schütten sich einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf und machen ein Video davon. Anschließend spenden sie wenigstens zehn Euro an eine ALS-Stiftung und dürfen drei bis fünf weitere Teilnehmer nominieren. Und da ich ja mit meiner Mumienforschung dem Herrn Professor Götz – Gott hab‘ ihn selig – die Mittel für sein ALS-Projekt angejagt habe, fand es der gesammelte Lehrstuhl nur recht und billig, wenn ich die Challenge bestreite.“
„Aha.“ Thiel hatte Mühe, sich das grinsen zu verkneifen. „Und warum Eiswasser?“
„Um dem Teilnehmer für ein paar Sekunden jenes Gefühl der Lähmung zu vermitteln, dass Betroffene ihr ganze Leben lang verspüren. – Helfen Sie mir hier mal…“

Boerne war offensichtlich mit dem Standort der Leiter zufrieden und machte sich jetzt daran, den schweren Einer hinaufzuwuchten, was ihm allerdings alleine nicht so recht gelingen wollte. Bevor Boerne mitsamt dem Eimer von der Leiter stürzte und der ganze Spaß vorbei war, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte, erbarmte Thiel sich, ihm zu helfen. Gemeinsam schafften Sie es, das Gefäß heraufzuheben, ohne den Inhalt zu verschütten.

„Und er filmt Sie?“, schnaufte Thiel.
„Na, Sie!“, erklärte Alberich fröhlich. „Ich nehme den Eimer.“

Sie drückte Thiel ihr Handy in die Hand und trat dann zur Leiter hinüber, während Boerne sich mit seinem besten ergebenen Gesichtsausdruck neben der Leiter postierte. Thiel drückte den Aufnahmeknopf und Boerne wollte gerade dazu ansetzen, etwas zu sagen, als die Sache vollkommen aus dem Ruder lief.
Die Tür neben ihm wurde schwungvoll aufgestoßen, schlug gegen die Leiter, die Frau Haller zu Glück noch nicht bestiegen hatte, und brachte diese zu Fall. Der Eimer tat genau das, was er allen Gesetzen der Schwerkraft und Massenträgheit zufolge tun musste, kippte über die Tür hinweg zur Seite und ergoss seinen eisigen Inhalt über die Person, die gerade hereingekommen war. Eimer und Leiter fielen mit einem ohrenbetäubenden Scheppern zu Boden und dann herrschte Totenstille in dem kleinen Raum.

In der Tür stand – triefend nass, extreme Ähnlichkeit mit einem begossenen Pudel habend und mit einem mordlüsternen Gesichtsausdruck – Staatsanwältin Klemm.

Thiel hielt es für klüger, den taktischen Rückzug anzutreten, immerhin hatte er mit der Sache eigentlich gar nichts zu tun, und versuchte, sich unauffällig zur Tür zu bewegen, aber er kam nur genau zwei halbe Schritte weit. Dann klatschte eine nasse Hand vor ihm an die Wand und er blickt in ein paar zorniger Augen unter denen die zerlaufende Wimperntusche schwarze Schlieren zog.

„Sie bleiben hier!“, bellte die Staatsanwältin. „Was war das?“
„Ice Bucket Challenge?“, bemerkte Boerne wenig hilfreich. „Das ist eine Kampagne zur…“
„Ich weiß, was die Ice Bucket Challenge ist!“, fuhr die Klemm ihm über den Mund.

Sie bedachte jeden von ihnen mit einem Blick, bei dem Thiel einmal mehr dankbar war, dass auch Frau Klemm nicht mit Blicken töten konnte. Ansonsten wäre er jetzt tausend Tode gestorben - mindestens. Allerdings schien ihr plötzlich etwas einzufallen, denn ihr Blick wandelte sich langsam und ähnelte schließlich mehr einer Katze, die den Sahnetopf gefunden hatte. Thiel schwante Böses.

„Das heißt, ich darf jetzt weitere Teilnehmer nominieren.“
„Also technisch gesehen…“

Thiel rollte innerlich die Augen, sagte aber lieber nichts. Boernes Selbsterhaltungstrieb war manchmal so phänomenal unterentwickelt, dass Thiel sich schon fragte, wie der andere überhaupt das Erwachsenenalter erreicht hatte. Natürlich ließ die Staatsanwältin sich nicht von Boerne bremsen, sondern redet einfach weiter.

„Ich nominiere Sie,“ – Fingerzeit auf Frau Haller – „Sie,“ – Fingerzeig auf Boerne – „und Sie!“ – Fingerzeig auf Thiel – „Holen Sie die Eimer!“

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