Schreibaufgabe - ein Märchen
Jul. 19th, 2018 07:40 pmTeam: Mond
Challenge: Schreibaufgabe - ein Märchen (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 1220
Es war ein Mal, vor langer Zeit, in einem weit entfernten Land eine Prinzessin. Sie war von allen geliebt und geschätzt – nicht nur für ihre Schönheit, sondern besonders für ihre Klugheit und Liebenswürdigkeit. Jeder im Königreich war beruhigt bei dem Gedanken, dass sie eines Tages Königin sein wird, denn sie würde sich um sie sorgen und gerecht sein. Das dachten auch der König und die Königin. Sie förderten ihren Wissensdurst, aber auch ihr Verantwortungsbewusstsein, sodass sie es schon früh lernte. Die Prinzessin war bemüht, den Wünschen und Vorstellungen ihrer Eltern und Untertanen zu erfüllen, aber sie merkte, wie dies sie auch mit Zufriedenheit erfüllte.
Es gab noch eine zweite, jüngere Prinzessin, ebenso hübsch und klug. Von klein auf war sie voller Bewunderung für ihre Schwester und sah zu ihr auf. Sie eiferte ihr nach, aber sie stellte irgendwann fest: egal was sie tat, sie wurde nicht wie ihre Schwester – nicht so gut, geschätzt und geliebt. Dass sie auch geliebt war, sah sie nicht. Mit der Zeit, als sie anfing aufzugeben, wurde sie immer stiller und unscheinbarer. Bis schließlich eines Tages die junge Prinzessin in ihrem Zimmer gefunden wurde, am Fenster stehend und in Glas verwandelt. Die Königsfamilie und das ganze Land trauerte, aber am meisten die ältere Prinzessin, die ihre kleine Schwester liebte. Tag ein, Tag aus, war sie betrübt und voll Sorge.
Der König ließ alle Ärzte, Alchemisten und Magier kommen, um die gläserne Prinzessin zu untersuchen und schließlich zu heilen. Doch keiner fand eine Antwort, keiner wusste ihr zu helfen.
Als alle Hoffnung fast aufgegeben war erreichte die ältere Prinzessin eine Nachricht. Im Brief stand: „Liebe Prinzessin, ich weiß um deine Trauer und kann dir deine Schwester wiedergeben. Wenn du mir als Gegenleistung einen Wunsch gewährst, dann soll die kleine Prinzessin wieder unter den Lebenden wandeln. Beim nächsten Neumond öffne die Fenster zum Zimmer deiner Schwester und warte in der Dunkelheit auf mich.“
Der Prinzessin war der Brief nicht ganz geheuer, aber sie sah keinen anderen Ausweg.
So wartete die Prinzessin beim nächsten Neumond, der in der kommenden Nacht war, im düsteren Zimmer ihrer Schwester bei geöffnetem Fenster. Lange musste sie warten und ihre Augen wurden schon ganz träge als auf ein Mal ein schwarzer Schatten ins Zimmer geflogen kam und zu einer Gestalt neben der gläsernen Prinzessin wurde. Erschrocken schrie die ältere Prinzessin.
„Fürchte dich nicht, Prinzessin, denn ich komme auf deine Einladung hin“, sagte die Gestalt mit einer melodischen Stimme und deutete auf das offene Fenster.
Die Prinzessin hörte zwar auf zu schreien, aber die Angst verließ sie nicht.
„Wer bist und wie kannst du ihr helfen?“, fragte sie, denn sie konnte niemanden in der Gestalt erkennen. Die Schatten waren so tief und die Form so vage.
„Ich bin ein einsamer Schatten. Meine Schritte sind leise und meine Hände greifen tief wie Worte. Ich will deine Schwester hervorziehen. Wirst du mir meinen Wunsch erfüllen?“
„Was ist dein Wunsch?“
„Deine Schwester.“
„Wieso? Du kannst sie nicht einfach haben! Was willst du mit ihr?“, rief die Prinzessin aufgebracht von so einer dreisten Forderung.
„Entweder ich darf sie mitnehmen oder sie bleibt gläsern. Es ist deine Entscheidung.“
Es war eine schreckliche Entscheidung für die Prinzessin, weil sie ihre Schwester zurückgewinnen und nicht verlieren wollte. „Und du kannst sie wirklich heilen?“, fragte sie verzweifelt.
„Wenn ich sie heilen kann, nehme ich sie mit. Wenn ich es nicht tun kann, verschwinde ich in die Nacht und du wirst mich nie wieder bemerken“, antwortete die Gestalt ruhig.
Die Prinzessin rang mit sich. Entweder ihre Schwester bliebe eine Glasfigur oder sie würde wieder lebend sein, aber verloren. Schweren Herzens entschied sie sich schließlich.
„Bitte, rette sie!“
Von der Gestalt kam keine Antwort mehr und verunsichert, aber gespannt beobachtete die Prinzessin die zwei Personen vor sich. Die Gestalt begann zu summen und ihre Arme, die wie große schattige Schemen waren, schienen über die gläserne Prinzessin zu streichen, ehe sie sacht in sie hineinschmolzen. Die Schatten schwammen im zähen Glas bis ein kleines Licht inmitten der Schatten kurz erglomm. Vorsichtig zogen sich die Schatten wieder zurück und behutsam beugte sich die Gestalt vor, um der gläsernen Prinzessin etwas zuzuflüstern, das die Schwester nicht verstand. Zunächst glaubte die ältere Prinzessin die Glasfigur würde ebenso nun zu Schatten werden. Doch im nächsten Moment hörte sie den Atem ihrer Schwester und wusste, dass sie sich zurückverwandelt hatte. Ehe sie ein Wort zu ihr sprechen konnte, hüllten sich erneut Schatten um die jüngere Prinzessin und gemeinsam mit der Gestalt verschwand sie. Der Wind schien ihr zuzuflüstern: „Auf bald!“
Glücklich über die Rettung ihrer Schwester konnte die Prinzessin doch nicht anders als um den Verlust zu weinen.
Am nächsten Tag versuchte sie dem König und der Königin zu erklären, was geschehen war, dass die Prinzessin wieder lebte, aber nun woanders war. Beide waren erzürnt, enttäuscht und am Boden zerstört. Wäre es denn nicht besser gewesen, dass sie eine Glasfigur geblieben wäre? Dann wäre sie zumindest sicher gewesen! Nun war sie wer weiß wo, wer weiß was dieses Wesen war – ein Teufel, ein Monster! Der König ließ sofort Soldaten nach der verlorenen Prinzessin suchen und Vermisstenbriefe überall ins Reich tragen, in der Hoffnung, dass jemand die Prinzessin sah und zurückbringen würde.
Die ältere Prinzessin glaubte eigentlich, sie hatte das Richtige getan, doch verstand sie auch den Schmerz ihrer Eltern. Die Enttäuschung ihrer Eltern lastete schwer auf ihr, wie auf ihnen der Verlust. Es vergingen Tage, Wochen, Monate und Jahre, doch wurde nie wieder die verlorene Prinzessin zurückgebracht.
Doch jedes Mal, wenn sich die schicksalhafte Nacht jährte, fand die ältere Prinzessin auf ihrem Nachttisch eine Glasperle und wusste in ihrem Herzen, dass ihre Schwester lebte, dass es ein Zeichen von ihr war.
Als die meisten schon die verlorene Prinzessin fast vergessen hatten oder sie inzwischen für eine Legende hielten waren der König und die Königin schon tot und die ältere Prinzessin Königin.
Eines Tages tauchte eine unbekannte Frau auf, die um eine Audienz wünschte. Die Königin gewährte diese ihr. Als die Fremde hereintrat, erkannte die Königin sie zwar nicht, aber sie war ihr sofort vertraut. Neugierig stand sie vom Thron auf und ging die Stufen hinab zu der Fremden.
„Wer bist du und was ist dein Anliegen?“
Auf ihre Kniene sinkend und den Kopf tief geneigt sprach die Fremde: „Eure Hochheit, ich komme nur mit einem Geschenk und einem Wunsch.“ Aus ihrer Tasche holte sie einen Beutel und daraus ein silbernes Kettchen hervor, das sie der Königin darbot. „Es sind jetzt gleichermaßen Jahre vergangen, in denen Ihr getrauert um Eure Schwester geweint habt, wie sie selbst zuvor um sich getrauert und geweint hat. Nehmt diese Kette und fedelt alle gläserne Tränen auf, um den Lauf zu schließen.“
Erschrocken von diesen Worten wich die Königin zunächst einen Schritt zurück, griff dann jedoch nach der Fremden und verlangte, dass sie aufstünde. „Wer bist du?“
Ohne Angst und voller Wärme blickte die Fremde der Königin ins Gesicht. „Es tut mir Leid. Ich war der Schatten meiner Selbst und musste fliehen vor dieser Welt, um mich in einer anderen wiederzufinden. Ich war zerbrochen, doch jetzt bin ich wieder eins. Ich war blind für alles, doch kann ich dich und deine Liebe jetzt endlich sehen.“
Glücklich fielen die Schwestern einander in die Arme und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Challenge: Schreibaufgabe - ein Märchen (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 1220
Es war ein Mal, vor langer Zeit, in einem weit entfernten Land eine Prinzessin. Sie war von allen geliebt und geschätzt – nicht nur für ihre Schönheit, sondern besonders für ihre Klugheit und Liebenswürdigkeit. Jeder im Königreich war beruhigt bei dem Gedanken, dass sie eines Tages Königin sein wird, denn sie würde sich um sie sorgen und gerecht sein. Das dachten auch der König und die Königin. Sie förderten ihren Wissensdurst, aber auch ihr Verantwortungsbewusstsein, sodass sie es schon früh lernte. Die Prinzessin war bemüht, den Wünschen und Vorstellungen ihrer Eltern und Untertanen zu erfüllen, aber sie merkte, wie dies sie auch mit Zufriedenheit erfüllte.
Es gab noch eine zweite, jüngere Prinzessin, ebenso hübsch und klug. Von klein auf war sie voller Bewunderung für ihre Schwester und sah zu ihr auf. Sie eiferte ihr nach, aber sie stellte irgendwann fest: egal was sie tat, sie wurde nicht wie ihre Schwester – nicht so gut, geschätzt und geliebt. Dass sie auch geliebt war, sah sie nicht. Mit der Zeit, als sie anfing aufzugeben, wurde sie immer stiller und unscheinbarer. Bis schließlich eines Tages die junge Prinzessin in ihrem Zimmer gefunden wurde, am Fenster stehend und in Glas verwandelt. Die Königsfamilie und das ganze Land trauerte, aber am meisten die ältere Prinzessin, die ihre kleine Schwester liebte. Tag ein, Tag aus, war sie betrübt und voll Sorge.
Der König ließ alle Ärzte, Alchemisten und Magier kommen, um die gläserne Prinzessin zu untersuchen und schließlich zu heilen. Doch keiner fand eine Antwort, keiner wusste ihr zu helfen.
Als alle Hoffnung fast aufgegeben war erreichte die ältere Prinzessin eine Nachricht. Im Brief stand: „Liebe Prinzessin, ich weiß um deine Trauer und kann dir deine Schwester wiedergeben. Wenn du mir als Gegenleistung einen Wunsch gewährst, dann soll die kleine Prinzessin wieder unter den Lebenden wandeln. Beim nächsten Neumond öffne die Fenster zum Zimmer deiner Schwester und warte in der Dunkelheit auf mich.“
Der Prinzessin war der Brief nicht ganz geheuer, aber sie sah keinen anderen Ausweg.
So wartete die Prinzessin beim nächsten Neumond, der in der kommenden Nacht war, im düsteren Zimmer ihrer Schwester bei geöffnetem Fenster. Lange musste sie warten und ihre Augen wurden schon ganz träge als auf ein Mal ein schwarzer Schatten ins Zimmer geflogen kam und zu einer Gestalt neben der gläsernen Prinzessin wurde. Erschrocken schrie die ältere Prinzessin.
„Fürchte dich nicht, Prinzessin, denn ich komme auf deine Einladung hin“, sagte die Gestalt mit einer melodischen Stimme und deutete auf das offene Fenster.
Die Prinzessin hörte zwar auf zu schreien, aber die Angst verließ sie nicht.
„Wer bist und wie kannst du ihr helfen?“, fragte sie, denn sie konnte niemanden in der Gestalt erkennen. Die Schatten waren so tief und die Form so vage.
„Ich bin ein einsamer Schatten. Meine Schritte sind leise und meine Hände greifen tief wie Worte. Ich will deine Schwester hervorziehen. Wirst du mir meinen Wunsch erfüllen?“
„Was ist dein Wunsch?“
„Deine Schwester.“
„Wieso? Du kannst sie nicht einfach haben! Was willst du mit ihr?“, rief die Prinzessin aufgebracht von so einer dreisten Forderung.
„Entweder ich darf sie mitnehmen oder sie bleibt gläsern. Es ist deine Entscheidung.“
Es war eine schreckliche Entscheidung für die Prinzessin, weil sie ihre Schwester zurückgewinnen und nicht verlieren wollte. „Und du kannst sie wirklich heilen?“, fragte sie verzweifelt.
„Wenn ich sie heilen kann, nehme ich sie mit. Wenn ich es nicht tun kann, verschwinde ich in die Nacht und du wirst mich nie wieder bemerken“, antwortete die Gestalt ruhig.
Die Prinzessin rang mit sich. Entweder ihre Schwester bliebe eine Glasfigur oder sie würde wieder lebend sein, aber verloren. Schweren Herzens entschied sie sich schließlich.
„Bitte, rette sie!“
Von der Gestalt kam keine Antwort mehr und verunsichert, aber gespannt beobachtete die Prinzessin die zwei Personen vor sich. Die Gestalt begann zu summen und ihre Arme, die wie große schattige Schemen waren, schienen über die gläserne Prinzessin zu streichen, ehe sie sacht in sie hineinschmolzen. Die Schatten schwammen im zähen Glas bis ein kleines Licht inmitten der Schatten kurz erglomm. Vorsichtig zogen sich die Schatten wieder zurück und behutsam beugte sich die Gestalt vor, um der gläsernen Prinzessin etwas zuzuflüstern, das die Schwester nicht verstand. Zunächst glaubte die ältere Prinzessin die Glasfigur würde ebenso nun zu Schatten werden. Doch im nächsten Moment hörte sie den Atem ihrer Schwester und wusste, dass sie sich zurückverwandelt hatte. Ehe sie ein Wort zu ihr sprechen konnte, hüllten sich erneut Schatten um die jüngere Prinzessin und gemeinsam mit der Gestalt verschwand sie. Der Wind schien ihr zuzuflüstern: „Auf bald!“
Glücklich über die Rettung ihrer Schwester konnte die Prinzessin doch nicht anders als um den Verlust zu weinen.
Am nächsten Tag versuchte sie dem König und der Königin zu erklären, was geschehen war, dass die Prinzessin wieder lebte, aber nun woanders war. Beide waren erzürnt, enttäuscht und am Boden zerstört. Wäre es denn nicht besser gewesen, dass sie eine Glasfigur geblieben wäre? Dann wäre sie zumindest sicher gewesen! Nun war sie wer weiß wo, wer weiß was dieses Wesen war – ein Teufel, ein Monster! Der König ließ sofort Soldaten nach der verlorenen Prinzessin suchen und Vermisstenbriefe überall ins Reich tragen, in der Hoffnung, dass jemand die Prinzessin sah und zurückbringen würde.
Die ältere Prinzessin glaubte eigentlich, sie hatte das Richtige getan, doch verstand sie auch den Schmerz ihrer Eltern. Die Enttäuschung ihrer Eltern lastete schwer auf ihr, wie auf ihnen der Verlust. Es vergingen Tage, Wochen, Monate und Jahre, doch wurde nie wieder die verlorene Prinzessin zurückgebracht.
Doch jedes Mal, wenn sich die schicksalhafte Nacht jährte, fand die ältere Prinzessin auf ihrem Nachttisch eine Glasperle und wusste in ihrem Herzen, dass ihre Schwester lebte, dass es ein Zeichen von ihr war.
Als die meisten schon die verlorene Prinzessin fast vergessen hatten oder sie inzwischen für eine Legende hielten waren der König und die Königin schon tot und die ältere Prinzessin Königin.
Eines Tages tauchte eine unbekannte Frau auf, die um eine Audienz wünschte. Die Königin gewährte diese ihr. Als die Fremde hereintrat, erkannte die Königin sie zwar nicht, aber sie war ihr sofort vertraut. Neugierig stand sie vom Thron auf und ging die Stufen hinab zu der Fremden.
„Wer bist du und was ist dein Anliegen?“
Auf ihre Kniene sinkend und den Kopf tief geneigt sprach die Fremde: „Eure Hochheit, ich komme nur mit einem Geschenk und einem Wunsch.“ Aus ihrer Tasche holte sie einen Beutel und daraus ein silbernes Kettchen hervor, das sie der Königin darbot. „Es sind jetzt gleichermaßen Jahre vergangen, in denen Ihr getrauert um Eure Schwester geweint habt, wie sie selbst zuvor um sich getrauert und geweint hat. Nehmt diese Kette und fedelt alle gläserne Tränen auf, um den Lauf zu schließen.“
Erschrocken von diesen Worten wich die Königin zunächst einen Schritt zurück, griff dann jedoch nach der Fremden und verlangte, dass sie aufstünde. „Wer bist du?“
Ohne Angst und voller Wärme blickte die Fremde der Königin ins Gesicht. „Es tut mir Leid. Ich war der Schatten meiner Selbst und musste fliehen vor dieser Welt, um mich in einer anderen wiederzufinden. Ich war zerbrochen, doch jetzt bin ich wieder eins. Ich war blind für alles, doch kann ich dich und deine Liebe jetzt endlich sehen.“
Glücklich fielen die Schwestern einander in die Arme und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.