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Titel: Oh, du fröhliche?
Autor: [livejournal.com profile] jarienn
Fandom: Original
Charaktere: Charlie Bright und Jeff Daniels
Challenge: Schlittschuhe
Rating: G
Wordcount: ~ 1800
Anmerkung: Jeff und Charlie sind Detectives beim Police Department der (fiktiven) Stadt Port Darren - und seit einiger Zeit mein persönliches Dreamteam. Charlie ist zudem eine Werwölfin (was allerdings für diese kurze Szene nicht so wichtig ist). Jeff ist nicht gerade dafür bekannt, dass er die personifizierte Fröhlichkeit wäre - einiger von der Autorin inszenierter Schicksalsschläge in seiner Vergangenheit sei Dank. Da ist es doch naheliegend, dass er auch nicht gerade Luftsprünge macht, wenn Weihnachten ist. ;)

Oh, du fröhliche?


Es konnte nur ein Akt geistiger Umnachtung gewesen sein, der Jeff dazu verleitet hatte, dem Plan seiner Partnerin zuzustimmen. Wäre er bei klarem Verstand gewesen, dann hätten ihn keine zehn Pferde – oder auch wahlweise die gleiche Zahl Werwölfe in einer Vollmondnacht – dazu gebracht, ihren Bitten nachzugeben. Allerdings – wenn er es sich recht überlegte, dann war alles besser, als am Weihnachtstag in seinem Apartment zu hocken und Trübsal zu blasen, oder auf dem Revier fest zu sitzen, wo sie sich mit den weniger angenehmen Seiten der Menschen befassen mussten. Nein, Schlittschuh laufen auf dem Rathausplatz schien ihm definitiv die bessere Wahl zu sein. Ganz besonders dann, wenn Charlie – sozusagen als Bonus – mit von der Partie war.

Für Charlie würde er die Sterne vom Himmel holen – hatte es bereits im Vorjahr zu Weihnachten tatsächlich getan. Zumindest hatte er ihr einen sündhaft teuren und wahnsinnig kostbaren Stern von der Spitze des höchsten Weihnachtsbaums in Port Darren geholt; dass er dafür einen Pakt mit dem Teufel in Person seines geschworenen Erzfeinds Eric LeGrand hatte schließen müssen, war ihm gleichgültig gewesen. Jeff hatte es nie bereut und würde es immer wieder tun, ohne auch nur eine Sekunde an etwaige Konsequenzen zu denken.

Und dieses Jahr würde er mit eben dieser Todesverachtung Schlittschuh laufen. Für Charlie. Zwar würde er sich anstellen wie eine Kuh auf dem Eis – und auch vermutlich genauso dumm und ungelenk aussehen – , aber was war schon sein männlicher Stolz gegen das Lächeln der Frau, für die er ohne zu zögern barfuß über rotglühende Kohlen laufen würde?

Kohle klang gut. Und warm. 'Warme Füße würden Wunder für meine Laune wirken', ging es Jeff durch den Kopf, während er mit hochgezogenen Schultern missmutig in Richtung Rathausplatz stapfte, wo er sich mit seiner Partnerin verabredet hatte.

Trotz des gefütterten Mantels und der zwei Schals, die er sich umgeschlungen hatte, fror Jeff. Zwar war in diesem Jahr das große Schneechaos zu den Feiertagen ausgeblieben, doch Temperaturen von bis zu fünfzehn Grad unter Null waren in der vergangenen Woche keine Seltenheit gewesen; heute war es mit nur minus drei Grad geradezu warm. Trotzdem würde es Jeff schwerfallen, einen seiner Schals an Charlie weiterzugeben. Er kannte seine Partnerin jedoch lang genug, um zu wissen, dass die Werwölfin sich recht sorglos ihrem Körper gegenüber verhielt; trotz der Kälte würde sie ganz sicher keinen Schal tragen – gar nicht erst zu reden von Handschuhen oder womöglich einem Extrapaar Socken. Jeff musste ihr eines allerdings lassen: ungeachtet ihrer Nachlässigkeit war seine Partnerin erstaunlich selten – um nicht zu sagen nie – erkältet.

„Verfluchte Werwolf-Konstitution“, beschwerte sich Jeff fröstelnd und schaute den an ihm vorbei eilenden Passanten hinterher, die ihn ihrerseits mit etwas seltsamen Blicken bedachten. Sollten sie doch.

Über glühende Kohlen wandeln schien ihm mit jedem Schritt verlockender. Und er müsste sich für dieses Unterfangen auch nicht extra Schlittschuhe unterschnallen.

Unvermittelt wurden Kindheitserinnerungen wach und räkelten sich verschlafen in der hintersten Ecke seines Verstandes. Erinnerungen an einen zugefrorenen See in der Nähe von Rosburn, der kleinen Stadt, in der Jeff geboren und aufgewachsen war. Erinnerungen an lachende Kinder und – wie sich herausstellte zu recht – besorgt dreinschauende Mütter. Erinnerungen an einen Jungen, der im Eis einbrach und der um ein Haar ertrunken wäre.

Jeff schüttelte sich, als ihm ein unangenehmer Schauer über den Rücken lief, der nichts mit der Kälte zu tun hatte. Nie würde er den Tag vergessen, als sein jüngerer Halbbruder Brian fast gestorben wäre, weil sie es nicht hatten abwarten können, bis die Eisdecke des Sees dick genug gewesen war. In diesem Jahr war Jeff zum letzten Mal Schlittschuh gelaufen; er war dreizehn gewesen.

Aber eigentlich gab es noch einen viel greifbareren, um einiges unspektakuläreren Grund, aus dem Jeffrey Daniels den Schlittschuhbahnen auf öffentlichen Plätzen – und dann auch noch zur Weihnachtszeit – nicht gerade in unsterblicher Liebe zugetan war: die Schlittschuhe selbst. Oder genauer: die Schlittschuhe, die an jedermann gegen eine kleine Gebühr verliehen wurden. Jeff schauderte unwillkürlich. Das war im Übrigen derselbe Grund, aus dem Jeff es vermied, spontan mit zum Bowling zu gehen, wenn seine Kollegen nach Dienstschluss der Drang danach überkam.

Allein der Gedanke an ungezählte Paare verschwitzter und/oder dreckiger Socken und Füße, die in den Schuhen gesteckt haben mochten, bevor er sie schließlich tragen sollte, verursachten dem sonst wenig zimperlichen Detective des Port Darrener Police Departments Übelkeit.

Daran wollte er jetzt jedoch ganz sicher nicht denken. Nicht, wenn er sich in wenigen Minuten mit Charlie traf.

Jeff war noch einen Block vom Rathausplatz entfernt, als er bereits die vermeintlich weihnachtlich-besinnliche Musik á la Last Christmas über den beileibe nicht geringen Straßenlärm der London Street hinweg hören konnte. Einige Schritte weiter stieg ihm zum ersten Mal der unverkennbare, süßlich-schwere Duft von gebrannten Mandeln und Zuckerwatte in die Nase. Prompt nieste er dreimal hintereinander. 'Na, das kann ja heiter werden', dachte er alles andere als enthusiastisch, als er um die letzte Ecke bog.

Und dann lag er vor ihm: der Port Darrener Rathausplatz mit seinem alljährlichen Weihnachtsmarkt, zu dem auch eine Eislaufbahn in der Mitte gehörte. Für den Bruchteil einer Sekunde zögerte Jeff; am liebsten hätte er auf der Stelle Kehrt gemacht. Irgendwie erschien es ihm beim Anblick der vielen, für seinen Geschmack entschieden zu fröhlichen, Menschen mit einem Mal keine so gute Idee mehr zu sein, den Nachmittag ausgerechnet hier zu verbringen.

Aber sobald er Charlie nach einigen Minuten ungeduldigen Suchens in an einer etwas menschenleereren Stelle des Platzes fand, begann Jeff, zu lächeln. Als er dann allerdings im nächsten Moment das große, weihnachtlich eingepackte und mit einer großen roten Schleife verzierte Paket bemerkte, das sie in ihren Händen hielt, setzte prompt das schlechte Gewissen ein. Siedend heiß fiel ihm ein, was er vergessen hatte.

Wieder einmal war Weihnachten auch in diesem Jahr völlig überraschend gekommen – zumindest für Jeff – , und es war ihm nur mit großer und sonst nicht vorhandener Kreativität gelungen, wenigstens für seine beiden Kinder Tommy und Mandy ein Geschenk zu besorgen. Leider würde er sie auch in diesem Jahr nicht zu den Feiertagen sehen, da sie zusammen mit ihrer Mutter und deren zweiten Ehemann zum Skifahren in die Berge gefahren waren. Wieder einmal.

Bevor ihn die fast körperlich schmerzhaften Gedanken noch weiter die Laune drückten, schritt Charlie ein.

„Frohe Weihnachten!“, verkündete sie ungewohnt eifrig zur Begrüßung und hielt ihrem Partner das Paket entgegen.

„Dir auch“, murmelte Jeff und versuchte, das offensichtlich für ihn gedachte Geschenk so lange wie möglich zu ignorieren. „Ist das für mich?“, fragte er allen Ernstes, hatte dann aber wenigstens genug Anstand im Leibe, um peinlich berührt aus der Wäsche zu schauen.

Charlie knurrte warnend und stupste Jeff nicht allzu zaghaft mit dem Päckchen an. Jeff verstand. „Das wäre doch nicht nötig gewesen.“

„Wenn es nötig gewesen wäre, hätte ich es nicht für dich besorgt“, erklärte Charlie, praktisch wie immer. Endlich nahm Jeff ihr das Geschenk ab.

„Uff!“, machte er und ließ das Paket, das ein ganzes Stück schwerer war als es aussah, beinahe fallen. „Was ist da drin?! Backsteine?“, wollte er mit einem schiefen Lächeln wissen und unterzog das Geschenk der üblichen Prozedur, um etwas über seinen Inhalt zu erfahren: schütteln und horchen.

„Nun schleich nicht ewig wie die Katze um den heißen Brei herum, sondern mach das Päckchen auf!“, forderte Charlie in der ihr so eigenen Art. Und Jeff gehorchte.

Zum Vorschein kam ein Paar niegel-nagelneue Schlittschuhe.

„Aber –“ Jeff sah die Werwölfin sprachlos an. Dann schluckte er bemüht und räusperte sich, setzte noch einmal zum Sprechen an. „Aber ich habe doch gar kein Geschenk für dich“, gestand er, und für einen Augenblick schien er verlegen genug, dass kein Loch der Welt groß genug gewesen wäre, um ihn und seine vermeintliche Schmach zu verbergen.

Charlie gab sich gewohnt unbeeindruckt. „Das macht gar nichts.“ Auf Jeffs erstaunten und fragenden Blick hin, setzte sie gutgelaunt hinzu: „Du kannst die Schlittschuhe bei mir abarbeiten.“

„Wie das?“, fragte Jeff vorsichtig, während er bereits die Schnürsenkel der Schlittschuhe aufband.

„Dreh einfach ein paar Runden mit mir“, meinte Charlie mit einem einseitigen Schulterzucken.

Jeff war noch immer skeptisch. „Und dafür hast du mir extra neue Schlittschuhe geschenkt?“

Charlie grinste. „Ich weiß doch, wie sehr du es hasst, wenn du das Zeug anderer Leute tragen musst.“

„Für einmal Schlittschuhfahren hätte ich mich schon zusammengerissen“, meinte Jeff brummelnd, inspizierte sein Geschenk jedoch mit einem Interesse, das seine Worte Lügen strafte.

„Wer sagt denn, dass ich mich mit einem Mal zufrieden gebe und dich so leicht davon kommen lasse?“ Das Grinsen wurde noch breiter, und Jeff konnte Charlies imposante Eckzähne sehen, die denen ihrer Vollmondgestalt in nichts nachstanden.

Jeff seufzte. „Ich hatte befürchtet, dass du sowas in der Art sagen würdest.“ Trotz seiner wenig begeistert klingenden Worte, war er bereits dabei, seine normalen Schuhe aus- und die Schlittschuhe anzuziehen.

Das leise Knurren, das sich nun der Kehle der Werwölfin entrang, irritierte Jeff nicht wenig. Es war nicht derselbe Laut, den sie manchmal von sich gab, wenn sie mit ihm scherzte. Was hatte er jetzt falsch gemacht?

Als hätte Charlie die Gedanken ihres Partners erraten, warf sie ihm vor: „Du freust dich gar nicht.“

„Doch!“, beteuerte er. „Ich freue mich sehr über das – eh, Geschenk . Ehrlich.“ Das letzte Wort war zu viel des Guten gewesen, aber Jeff stellte fest, dass er jedes Wort so gemeint hatte, wie er es gesagt hatte. „Ich freue mich, Charlie“, sagte er noch einmal mit Nachdruck und bat mit einem schmalen Lächeln um Verzeihung. Dann kam ihm die vielleicht rettende Idee.

Jeff ließ von seinen neuen Schlittschuhen ab, band sich den Schal ab, den er Charlie hatte leihen wollen, und legte ihn der abwartend dreinschauenden Werwölfin um den Hals. „Frohe Weihnachten, Charlie.“ Zum Glück – für ihn – widerstand er dem nicht ganz so überraschend auftauchenden Drang, ihr noch einen Kuss als Draufgabe zu geben.

Charlies Reaktion fiel – zufriedenstellend aus, wie Jeff fand. Die Werwölfin – keine Frau vieler Worte – bedankte sich knapp, ehe sie ihr neues Accessoire einer kurzen Prüfung unterzog. Jeff konnte nur vermuten, dass ihr gefiel, was sie sah, fühlte und roch, denn in Worte fasste sie das Ergebnis ihrer Untersuchung nicht. Doch die Tatsache, dass Charlie sich den farbenfroh gestreiften Schal mehrmals um den Hals legte und Jeff ungeduldig dazu drängte, mit ihr aufs Eis zu kommen, zeigte ihm, dass der Werwölfin sein Impromptu-Geschenk gefiel.

Wenige Augenblicke später stellte Jeff dann fest, dass er doch nicht so viel verlernt hatte, wie er befürchtet hatte. Offenbar gab es noch mehr Dinge, die man – wie Fahrrad fahren – nur ein einziges Mal in seinem Leben erlernen musste. Allerdings stellte er schnell fest, dass es nicht so schlecht war, sich ein wenig unsicherer anzustellen als er es tatsächlich war – denn dann blieb Charlie an seiner Seite, nahm ihn hin und wieder sogar bei der Hand.

'Irgendwie ist dieses Weihnachten doch nicht so schlimm', entschied Jeff – bevor er stolperte und Miss Lisa Duprey direkt vor die Füße fiel. Doch das ist eine andere Geschichte...

Date: 2007-12-20 08:40 am (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com

Süß *..*
Die beiden auch sehr zusammen, ne?
Ich wünsche mir auch hin und wieder ein paar glühende Kohlen, besonders bei Minus drei Grad. ^.^
Und Schal-Schenken kommt doch immer gut, auch wenn das unspekatkulärer ist als Schlittschuhe. Schade, dass Jeff nicht dem Desinfektionsmittel traut, das sie einem vor dem Geben von Bowling- und SChlittschuhen da reinsprühen. *gg*

~Tsu

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