Titel: Vergessen
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: Glück im Unglück - für mich
Fandom: Doppelter Einsatz/Tatort Ludwigshafen (@
rei17 oder @
nyx_chan könnte ich Tags dafür bekommen?)
Rating: P12
Genre: Femslash, Post-Ep, h/c
Warnungen: Fette Spoiler für die DE-Folge "Missbraucht", aber ohne Kenntnis der Folge versteht man es wahrscheinlich sowieso nicht wirklich.
Zusammenfassung: Nach der Katastrophe um Berger will Sabrina einfach nur noch vergessen…
Wörter: ~1300
Anmerkungen: Okay, das ist jetzt wahrscheinlich an völlig obskures Randfandom und außer mir findet wahrscheinlich auch niemand dieses Pairing gut, aber sei's drum. Ich hab die Tage mal wieder ein bisschen "Doppelter Einsatz" geschaut und da war diese wundervolle Szene mit Despina Pajanou und Ulrike Folkerts und ich stehe ja so schrecklich auf die beiden. Naja und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Es ist noch nicht wirklich so, wie ich es mir vorgestellt habe, in meinem Kopf ist das alles noch viel länger und überhaupt befruchtet sich dieses komische Bunny gerade mal wieder selbst, aber egal. Es ist Sommerchallenge und es ist der erste Versuch in Sachen Femslash (Und sie knutschen nicht mal, obwohl sie in meinem Kopf längst im Bett gelandet sind... t_t )
Widmung Für
theskew (Ich weiß, nicht deine Baustelle, aber trotzdem) und
peterhforalpha. Danke fürs gute Zureden, mich endlich am Femslash zu versuchen.
Sabrina drehte nachdenklich das Glas in den Händen und starrte in die klare Flüssigkeit. Sie hasste Wodka und sie wusste, dass Alkohol auch keine Lösung war, dass er nichts besser machen, nichts an den Tatsachen ändern würde, trotzdem setzte sie das Glas an die Lippen und stürzte es mit einem Schluck herunter. Sie schüttelte sich unwillkürlich. Es brannte bis hinunter in den Magen und gegen das schlechte Gefühl in der Brust half es auch nicht. Sie schob dem Barkeeper das Glas dennoch wieder hin. Heute Abend wollte, nein musste sie einfach nur vergessen. Und Alkohol war das einzige, was greifbar war.
Was für ein beschissener Fall. Ja, sie hatten Kesslers Mörder gefunden, aber zu was für einem Preis. Am Ende war es nur ein kleiner Stricher gewesen, der noch nicht einmal etwas mit dem tatsächlichen Abgrund hinter der anständigen Fassade zu tun hatte. Berger… auch den Fall hatten sie nach fast zehn Jahren endlich gelöst. Richtig gelöst, nicht diese verlogene Lösung, die Kessler ihnen seinerzeit präsentiert hatte. Sie wünschte fast, dass es nicht so gewesen wäre, dass Kessler dieses Geheimnis mit ins Grab genommen hätte, auch wenn sie wusste, dass es egoistisch war.
‚Was hat sie motiviert, so motiviert zu sein?‘
Mantheys Frage hallte in ihrem Kopf wieder. Ja, was hatte sie motiviert? Die Antwort war so einfach wie pervers. Am Anfang war es ihr Stolz gewesen, am Ende hatte sie verzweifelt versucht, die nagenden Zweifel in der Brust zu übertönen. Sie hatte ihr Glück kaum fassen können, dass Kessler ausgerechnet sie ausgewählt hatte, um ihm bei diesem Fall zu assistieren. Sie war am Ziel ihrer Träume, endlich schien sich die jahrelange Mühe auszuzahlen. Kessler hatte sie endlich bemerkt, sie durfte ihren ersten richtig großen Fall bearbeiten. Als seine Assistentin, nicht als kleines Rädchen im Getriebe, dass nur zuarbeiten durfte, damit andere die Lorbeeren kassierten. Dieses Mal würden es auch ihre Lorbeeren sein.
Das hatte sie damals gehofft, geglaubt. Heute konnte sie darüber nur noch bitter lachen. Obwohl es sich irgendwie bewahrheitet hatte. Dieser Fall war der Anfang ihrer Karriere bei der Kripo gewesen, der Anfang eines Weges, der sie in knapp acht Jahren bis ins KK15 geführt hatte. Sie hatte von diesem Fall, von Kesslers Betrug, von seinem Schmierentheater profitiert, vielleicht am meisten von allen, die damals dabei gewesen waren. Wieder setzte sie das Glas an, leerte es in einem Zug. Wieder schoss das scharfe Brennen ihr bis in den Magen, stieg ihr in den Kopf, machte sie ein bisschen schummrig.
‚Es war nicht deine Schuld. Er hat dich nur benutzt für sein perverses Spiel.‘
Eva hatte sie trösten wollen, aber ihre Worte hatten genau das Gegenteil bewirkt. Ja, Kessler hatte sie benutzt. Er hatte sie mit bedacht ausgewählt, weil er ja vorher schon wusste, wer der Mörder – oder eher die Mörderin – gewesen war. Weil er jemanden brauchte, der seinen Vorgaben bedingungslos folgte, der brav den Brotkrumen aufsammelte, die er ihr hinwarf, um zu dem genau geplanten Ziel zu kommen. Er hatte sie ausgewählt, weil er wusste, wie sehr sie zu ihm aufgeschaut hatte, weil er wusste, dass sie ihn nicht in Frage stellen würde, weil er wusste, dass er sie benutzen konnte.
Und sie hatte sich benutzen lassen. Hatte brav den Obduktionsbericht und die Kassette zu dem Ergebnis zusammengezählt, dass Kessler haben wollte. Hatte das Bauchgefühl, dass es bestenfalls ein vages Indiz war, dass ihnen echte, harte Beweise fehlten, ignoriert. Hatte geschwiegen, hatte die Zweifel, das Entsetzen, das in ihr aufkam, als sie gesehen hatte, wie Kessler Berger in die Mangel genommen hatte, heruntergeschluckt. Deswegen hatte sie am Ende so übertrieben laut Bergers Geständnis verkündet, war so demonstrativ zufrieden gewesen. Um die nagenden Zweifel in ihrem Inneren zu übertönen, um sich selbst zu überzeugen, dass das schon alles seine Richtigkeit hatte, schließlich hatte Berger ja gestanden – und Kessler Recht behalten. Dass Berger am Ende alles widerrufen hatte, hatte keinen mehr interessiert. Er war verurteilt worden. Für einen Mord, für einen Missbrauch, den er nie begangen hatte.
Sabrina krallte die Finger um ihre Glas, so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Für einen Moment war sie versucht, so lange zuzudrücken, bis das Glas zersprang, in der vagen Hoffnung, dass wenigstens der Schmerz ihr ein bisschen Erlösung verschaffen würde. Doch dann schüttelte sie nur resigniert den Kopf und ließ wieder locker. Es nützte doch nichts und es würde auch nichts an den Tatsachen ändern. Sie hatte ihren Teil dazu geleistet, Bergers Leben zu zerstören. Da nützte es auch nichts, dass Kessler jetzt tot war und Severin im Knast saß. Es änderte nichts mehr und machte nichts wieder gut. Berger lag im Koma, wenn er jemals wieder aufwachen sollte, würde er ein Pflegefall sein – und sie hatte ihren Teil dazu beigetragen. Damit musste sie leben.
Methodisch und konzentriert löste Sabrina einen Finger nach dem anderen von ihrem Glas, streckte und beugte sie kurz, um den Drang, das Glas doch noch zu zerstören unter Kontrolle zu bekommen. Sie wollte es gerade wieder dem Barkeeper zuschieben, als plötzlich ein paar schlanker Hände in ihrem Blickfeld erschienen und zwei Gläser in Empfang nahmen. Fasziniert beobachtete Sabrina die weichen Bewegungen der langen Finger, als die Hände das eine Glas direkt weiterschoben an ihre Nachbarin.
Erst als die eine Hand ihre eigne sanft berührte, realisierte Sabrina, dass sie selbst diese Nachbarin war. Ein Kribbeln jagte ihren Arm hinaus, sammelte sich in ihrem Nacken, ließ sie leicht erschauern. Einen Augenblick schaute sie unsicher zwischen dem Getränk und der Hand, die es ihr angeboten hatte hin und her. So sehr sie sich noch eben einen Blackout gewünscht hatte, so sicher wusste sie auch, dass sie eigentlich nichts mehr trinken sollte. Doch dann gewann das Kribbeln die Oberhand. Sie warf alle Bedenken über Bord und nahm das Glas entgegen. Die Finger der Fremden berührten ihren Handrücken, hinterließen warme, kribbelnde Punkte auf ihrer Haut. Sabrina hob den Blick, um herauszufinden, wer ihr da eigentlich den Drink spendiert hatte.
Im ersten Moment hatte Sabrina das seltsame Gefühl in einen Spiegel zu blicken und fragte sich, ob sie nicht doch schon zu viel getrunken hatte. Neben ihr stand eine dunkelhaarige Frau, ungefähr ihr Alter, groß, schlank, vielleicht Sportlerin oder Handwerkerin, wie die dezent muskulösen Oberarme und das kräftige Kreuz andeuteten, die sich unter ihrem engen schwarzen T-Shirt abzeichneten. Sie hielt ihr Glas locker in der Hand und ließ Sabrinas Musterung mit einem dezenten, leicht hintergründigen Lächeln über sich ergehen. Aufmerksamen braune Augen erwiderten Sabrinas Blick. Schließlich hob die Frau hob ihr Glas und stieß damit leicht gegen Sabrinas.
„Tag.“
Die Stimme war warm und dunkeln und jetzt endlich registrierte Sabrina wer ihr da gegenüberstand: Es war die Frau, die ihr schon vor ein paar Tagen im Präsidium aufgefallen war, als sie aus Jensens Büro gekommen war. Schon da hatte ihre Erscheinung sie irgendwie gefangen genommen, aus dem Konzept gebracht, aber sie hatte keinen Kopf gehabt, sich damit zu beschäftigen. Der Mord an Kessler war noch ganz frisch gewesen und danach hatte der Fall Berger sie völlig in Beschlag genommen. Dafür kam das komische Gefühl in Bauch jetzt mit aller Macht zurück. Sabrina schluckte trocken und besann sich endlich, die Geste der Anderen zu erwidern.
„Hallo.“
„Ich heiße Lena.“
„Sabrina.“
Sabrina wusste nicht, was sie weiter sagen sollte. Bevor es peinlich werden konnte, führte sie das Glas zum Mund und genehmigte sich einen weiteren großen Schluck. Es war kein Wodka, jedenfalls nicht pur, irgendwie süßlicher, aber es brannte genauso bis in den Magen hinunter und beflügelte das Kribbeln in ihrem Nacken, das ihr jetzt langsam bis in den Kopf kroch. Das konnte aber auch an den Fingern liegen, die gerade sanft über ihren Handrücken strichen, sich mit ihren eigenen verschränkten. Als Sabrina das Glas wieder absetzte, war Lena plötzlich viel näher. So nah, dass sich ihre Schultern berührten und sie Lenas Wärme auf ihrer Haut spüren konnte. Ein wohliger Schauer rann ihr den Rücken hinab, sammelt sich in ihrem Bauch zu einem warmen Gefühl, das den dunklen Frust verdrängte.
„Willst du mir von dem Fall erzählen?“
„Später.“
Lena nickte nur leicht, trank einen Schluck ihres Getränks und fragte nicht weiter nach. Sie verstand einfach und das war ein gutes Gefühl. Sabrina lehnte den Kopf gegen Lenas Schulter, schloss die Augen und die warmen Fingerspitzen, die durch ihren Nacken glitten, erlaubten ihr die Hoffnung, dass aus diesem völlig verkorksten Fall am Ende vielleicht doch noch etwas Gutes herauskam.
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: Glück im Unglück - für mich
Fandom: Doppelter Einsatz/Tatort Ludwigshafen (@
Rating: P12
Genre: Femslash, Post-Ep, h/c
Warnungen: Fette Spoiler für die DE-Folge "Missbraucht", aber ohne Kenntnis der Folge versteht man es wahrscheinlich sowieso nicht wirklich.
Zusammenfassung: Nach der Katastrophe um Berger will Sabrina einfach nur noch vergessen…
Wörter: ~1300
Anmerkungen: Okay, das ist jetzt wahrscheinlich an völlig obskures Randfandom und außer mir findet wahrscheinlich auch niemand dieses Pairing gut, aber sei's drum. Ich hab die Tage mal wieder ein bisschen "Doppelter Einsatz" geschaut und da war diese wundervolle Szene mit Despina Pajanou und Ulrike Folkerts und ich stehe ja so schrecklich auf die beiden. Naja und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Es ist noch nicht wirklich so, wie ich es mir vorgestellt habe, in meinem Kopf ist das alles noch viel länger und überhaupt befruchtet sich dieses komische Bunny gerade mal wieder selbst, aber egal. Es ist Sommerchallenge und es ist der erste Versuch in Sachen Femslash (Und sie knutschen nicht mal, obwohl sie in meinem Kopf längst im Bett gelandet sind... t_t )
Widmung Für
Sabrina drehte nachdenklich das Glas in den Händen und starrte in die klare Flüssigkeit. Sie hasste Wodka und sie wusste, dass Alkohol auch keine Lösung war, dass er nichts besser machen, nichts an den Tatsachen ändern würde, trotzdem setzte sie das Glas an die Lippen und stürzte es mit einem Schluck herunter. Sie schüttelte sich unwillkürlich. Es brannte bis hinunter in den Magen und gegen das schlechte Gefühl in der Brust half es auch nicht. Sie schob dem Barkeeper das Glas dennoch wieder hin. Heute Abend wollte, nein musste sie einfach nur vergessen. Und Alkohol war das einzige, was greifbar war.
Was für ein beschissener Fall. Ja, sie hatten Kesslers Mörder gefunden, aber zu was für einem Preis. Am Ende war es nur ein kleiner Stricher gewesen, der noch nicht einmal etwas mit dem tatsächlichen Abgrund hinter der anständigen Fassade zu tun hatte. Berger… auch den Fall hatten sie nach fast zehn Jahren endlich gelöst. Richtig gelöst, nicht diese verlogene Lösung, die Kessler ihnen seinerzeit präsentiert hatte. Sie wünschte fast, dass es nicht so gewesen wäre, dass Kessler dieses Geheimnis mit ins Grab genommen hätte, auch wenn sie wusste, dass es egoistisch war.
‚Was hat sie motiviert, so motiviert zu sein?‘
Mantheys Frage hallte in ihrem Kopf wieder. Ja, was hatte sie motiviert? Die Antwort war so einfach wie pervers. Am Anfang war es ihr Stolz gewesen, am Ende hatte sie verzweifelt versucht, die nagenden Zweifel in der Brust zu übertönen. Sie hatte ihr Glück kaum fassen können, dass Kessler ausgerechnet sie ausgewählt hatte, um ihm bei diesem Fall zu assistieren. Sie war am Ziel ihrer Träume, endlich schien sich die jahrelange Mühe auszuzahlen. Kessler hatte sie endlich bemerkt, sie durfte ihren ersten richtig großen Fall bearbeiten. Als seine Assistentin, nicht als kleines Rädchen im Getriebe, dass nur zuarbeiten durfte, damit andere die Lorbeeren kassierten. Dieses Mal würden es auch ihre Lorbeeren sein.
Das hatte sie damals gehofft, geglaubt. Heute konnte sie darüber nur noch bitter lachen. Obwohl es sich irgendwie bewahrheitet hatte. Dieser Fall war der Anfang ihrer Karriere bei der Kripo gewesen, der Anfang eines Weges, der sie in knapp acht Jahren bis ins KK15 geführt hatte. Sie hatte von diesem Fall, von Kesslers Betrug, von seinem Schmierentheater profitiert, vielleicht am meisten von allen, die damals dabei gewesen waren. Wieder setzte sie das Glas an, leerte es in einem Zug. Wieder schoss das scharfe Brennen ihr bis in den Magen, stieg ihr in den Kopf, machte sie ein bisschen schummrig.
‚Es war nicht deine Schuld. Er hat dich nur benutzt für sein perverses Spiel.‘
Eva hatte sie trösten wollen, aber ihre Worte hatten genau das Gegenteil bewirkt. Ja, Kessler hatte sie benutzt. Er hatte sie mit bedacht ausgewählt, weil er ja vorher schon wusste, wer der Mörder – oder eher die Mörderin – gewesen war. Weil er jemanden brauchte, der seinen Vorgaben bedingungslos folgte, der brav den Brotkrumen aufsammelte, die er ihr hinwarf, um zu dem genau geplanten Ziel zu kommen. Er hatte sie ausgewählt, weil er wusste, wie sehr sie zu ihm aufgeschaut hatte, weil er wusste, dass sie ihn nicht in Frage stellen würde, weil er wusste, dass er sie benutzen konnte.
Und sie hatte sich benutzen lassen. Hatte brav den Obduktionsbericht und die Kassette zu dem Ergebnis zusammengezählt, dass Kessler haben wollte. Hatte das Bauchgefühl, dass es bestenfalls ein vages Indiz war, dass ihnen echte, harte Beweise fehlten, ignoriert. Hatte geschwiegen, hatte die Zweifel, das Entsetzen, das in ihr aufkam, als sie gesehen hatte, wie Kessler Berger in die Mangel genommen hatte, heruntergeschluckt. Deswegen hatte sie am Ende so übertrieben laut Bergers Geständnis verkündet, war so demonstrativ zufrieden gewesen. Um die nagenden Zweifel in ihrem Inneren zu übertönen, um sich selbst zu überzeugen, dass das schon alles seine Richtigkeit hatte, schließlich hatte Berger ja gestanden – und Kessler Recht behalten. Dass Berger am Ende alles widerrufen hatte, hatte keinen mehr interessiert. Er war verurteilt worden. Für einen Mord, für einen Missbrauch, den er nie begangen hatte.
Sabrina krallte die Finger um ihre Glas, so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Für einen Moment war sie versucht, so lange zuzudrücken, bis das Glas zersprang, in der vagen Hoffnung, dass wenigstens der Schmerz ihr ein bisschen Erlösung verschaffen würde. Doch dann schüttelte sie nur resigniert den Kopf und ließ wieder locker. Es nützte doch nichts und es würde auch nichts an den Tatsachen ändern. Sie hatte ihren Teil dazu geleistet, Bergers Leben zu zerstören. Da nützte es auch nichts, dass Kessler jetzt tot war und Severin im Knast saß. Es änderte nichts mehr und machte nichts wieder gut. Berger lag im Koma, wenn er jemals wieder aufwachen sollte, würde er ein Pflegefall sein – und sie hatte ihren Teil dazu beigetragen. Damit musste sie leben.
Methodisch und konzentriert löste Sabrina einen Finger nach dem anderen von ihrem Glas, streckte und beugte sie kurz, um den Drang, das Glas doch noch zu zerstören unter Kontrolle zu bekommen. Sie wollte es gerade wieder dem Barkeeper zuschieben, als plötzlich ein paar schlanker Hände in ihrem Blickfeld erschienen und zwei Gläser in Empfang nahmen. Fasziniert beobachtete Sabrina die weichen Bewegungen der langen Finger, als die Hände das eine Glas direkt weiterschoben an ihre Nachbarin.
Erst als die eine Hand ihre eigne sanft berührte, realisierte Sabrina, dass sie selbst diese Nachbarin war. Ein Kribbeln jagte ihren Arm hinaus, sammelte sich in ihrem Nacken, ließ sie leicht erschauern. Einen Augenblick schaute sie unsicher zwischen dem Getränk und der Hand, die es ihr angeboten hatte hin und her. So sehr sie sich noch eben einen Blackout gewünscht hatte, so sicher wusste sie auch, dass sie eigentlich nichts mehr trinken sollte. Doch dann gewann das Kribbeln die Oberhand. Sie warf alle Bedenken über Bord und nahm das Glas entgegen. Die Finger der Fremden berührten ihren Handrücken, hinterließen warme, kribbelnde Punkte auf ihrer Haut. Sabrina hob den Blick, um herauszufinden, wer ihr da eigentlich den Drink spendiert hatte.
Im ersten Moment hatte Sabrina das seltsame Gefühl in einen Spiegel zu blicken und fragte sich, ob sie nicht doch schon zu viel getrunken hatte. Neben ihr stand eine dunkelhaarige Frau, ungefähr ihr Alter, groß, schlank, vielleicht Sportlerin oder Handwerkerin, wie die dezent muskulösen Oberarme und das kräftige Kreuz andeuteten, die sich unter ihrem engen schwarzen T-Shirt abzeichneten. Sie hielt ihr Glas locker in der Hand und ließ Sabrinas Musterung mit einem dezenten, leicht hintergründigen Lächeln über sich ergehen. Aufmerksamen braune Augen erwiderten Sabrinas Blick. Schließlich hob die Frau hob ihr Glas und stieß damit leicht gegen Sabrinas.
„Tag.“
Die Stimme war warm und dunkeln und jetzt endlich registrierte Sabrina wer ihr da gegenüberstand: Es war die Frau, die ihr schon vor ein paar Tagen im Präsidium aufgefallen war, als sie aus Jensens Büro gekommen war. Schon da hatte ihre Erscheinung sie irgendwie gefangen genommen, aus dem Konzept gebracht, aber sie hatte keinen Kopf gehabt, sich damit zu beschäftigen. Der Mord an Kessler war noch ganz frisch gewesen und danach hatte der Fall Berger sie völlig in Beschlag genommen. Dafür kam das komische Gefühl in Bauch jetzt mit aller Macht zurück. Sabrina schluckte trocken und besann sich endlich, die Geste der Anderen zu erwidern.
„Hallo.“
„Ich heiße Lena.“
„Sabrina.“
Sabrina wusste nicht, was sie weiter sagen sollte. Bevor es peinlich werden konnte, führte sie das Glas zum Mund und genehmigte sich einen weiteren großen Schluck. Es war kein Wodka, jedenfalls nicht pur, irgendwie süßlicher, aber es brannte genauso bis in den Magen hinunter und beflügelte das Kribbeln in ihrem Nacken, das ihr jetzt langsam bis in den Kopf kroch. Das konnte aber auch an den Fingern liegen, die gerade sanft über ihren Handrücken strichen, sich mit ihren eigenen verschränkten. Als Sabrina das Glas wieder absetzte, war Lena plötzlich viel näher. So nah, dass sich ihre Schultern berührten und sie Lenas Wärme auf ihrer Haut spüren konnte. Ein wohliger Schauer rann ihr den Rücken hinab, sammelt sich in ihrem Bauch zu einem warmen Gefühl, das den dunklen Frust verdrängte.
„Willst du mir von dem Fall erzählen?“
„Später.“
Lena nickte nur leicht, trank einen Schluck ihres Getränks und fragte nicht weiter nach. Sie verstand einfach und das war ein gutes Gefühl. Sabrina lehnte den Kopf gegen Lenas Schulter, schloss die Augen und die warmen Fingerspitzen, die durch ihren Nacken glitten, erlaubten ihr die Hoffnung, dass aus diesem völlig verkorksten Fall am Ende vielleicht doch noch etwas Gutes herauskam.
no subject
Date: 2018-07-10 01:16 pm (UTC)