[identity profile] thots-tochter.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Nette Gesellschaft
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: Verstehen ohne Worte - Für mich
Fandom: Mit Herz und Handschellen/SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Slash
Warnungen: None
Zusammenfassung: Leo braucht ein bisschen Unterstützung...
Wörter: ~1600
Anmerkungen: Keinen Plan, wo das wieder herkam. Die Idee ein lustiges MHH/SKK-Crossover zu bauen habe ich schon länger, aber das sollte eigentlich in eine komplett andere Richtung gehen. Naja, egal, jetzt ist es halt erst mal das hier geworden.
Ach ja und @[livejournal.com profile] theskew: Du schuldest mir jetzt ein Crossover ;)


„Leo! Was für eine Überraschung dich ausgerechnet hier zu treffen.“

Leos Kopf ruckte von der Karte hoch, die er gerade studierte, als eine wohlbekannte Stimme neben ihm erklang. Thorsten, ausgerechnet jetzt, ausgerechnet hier. Sollte der nicht eigentlich in Wien sein oder in München oder … egal wo, Hauptsache weit weg von Brüssel, von diesem Tagungshotel, von ihm. Leo wusste, dass er unfair und irrational war, aber er konnte und wollte es gerade nicht ändern. Er hatte erst vor ein paar Wochen eine schmutzige Trennung hinter sich gebracht, da musste er nicht durch Thorstens plötzliches Erscheinen an eine weitere erinnert werden.

„Hat es dir die Sprache verschlagen?“

Thorstens Stimme hatte plötzlich einen merkwürdigen Unterton, den Leo auch nach über drei Jahren noch mühelos als vorsichtige Hoffnung identifizierte. Trotzdem besann er sich auf seine guten Manieren und erwiderte Thorstens Gruß.

„Hallo Thorsten!“

Es war seiner Stimme deutlich anzuhören, dass er die Begrüßung nur mühevoll zwischen den Zähnen hervorpresste und auch Thorsten registrierte das sofort. Sein eben noch strahlendes Lächeln verlor ein wenig von seiner Intensität, doch er schien nicht gewillt einfach so aufzugeben. Er griff nach der Lehne des Stuhls, der Leo gegenüber stand und schaute Leo fragend an.

„Darf ich? Dann müssen wir beide nicht allein essen.“

Nein, er durfte nicht. Er durfte auf gar keinen Fall, aber wie sollte Leo ihm das klar machen, ohne einen Aufruhr zu provozieren, oder sich den Abend zu verderben, weil er dann die ganze Zeit über Thorsten grübelte.

„Wer sagt denn, dass ich allein essen?“

Innerlich ohrfeigte er sich für diesen Satz, kaum dass er ihn ausgesprochen hatte. Diese rhetorische Frage war doch ein solcher Klassiker der Verleugnung, da hätte er Thorsten auch einfach sagen können, dass er allein war. Das wäre wesentlich weniger peinlich gewesen. Aber vielleicht würde Thorsten diesen Wink mit dem Zaunpfahl wenigstens als das begreifen, was er war: Eine Abfuhr. Verstand er aber nicht – oder wollte er vielmehr anscheinend nicht verstehen, wenn Leo nach dem dezenten Grinsen ging, dass sich auf Thorstens Gesicht ausbreitete.

„Dann lass mich dir so lange Gesellschaft leisten, bis er kommt.“

Thorsten zog schon den Stuhl zurück und setzte sich. Leo verfluchte sich derweil innerlich gleich nochmal dafür, dass er nicht einfach ehrlich gewesen war und gesagt hatte, dass er keine Lust auf Thorstens Gesellschaft hatte. Es jetzt nachträglich noch zu sagen, hieß eine Lüge und damit eine Niederlage einzugestehen und das wollte er in jedem Fall vermeiden. Erst recht vor Thorsten.

Fieberhaft überlegte er, was er jetzt tun oder sagen könnte, um einem Abend in Thorstens Gesellschaft zu entgehen, ohne dafür auf sein Abendessen verzichten zu müssen. Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen ob sich nicht irgendwo ein halbwegs gutaussehender Mann zeigte, den er gegenüber Thorsten als seine Gesellschaft hätte ausgeben können. Das war vielleicht nicht unbedingt die feine Art, aber in jedem Fall besser als eine Szene von Thorsten oder der Verzicht aufs Abendessen. Allerdings war ihm das Glück im Moment nicht hold. Zwar waren wegen des Seminars eine ganze Menge Kollegen zeitgleich zum Abendessen, aber von denen war Leo spontan niemand aufgefallen, der ihn interessiert hätte – vom Seminarleiter einmal abgesehen. Außerdem musste er mit den Kollegen noch die nächsten paar Tage hier verbringen und da er keine Ahnung hatte, ob und wann Thorsten wieder abreiste, konnte das durchaus peinlich werden.

Gerade hatte er sich damit abgefunden, dass er den Abend wohl doch mit Thorsten verbringen musste – auf das Abendessen zu verzichten kam gar nicht in Frage –, als sich die Tür zum Restaurant öffnete und eben jener Seminarleiter durch die Tür trat – allein. Leo gönnte sich einen Augenblick, um ihn nochmal richtig in Augenschein zu nehmen. Vorhin vor dem Plenum hatte er sehr seriös, fast steif gewirkt, mit dem dunkelgrauen Maßanzug und der edlen Krawatte, obwohl Leo auch da schon das vage Gefühl hatte, dass sich hinter dieser biederen Fassade doch mehr verbarg, als es auf den ersten Blick schien.

Jetzt war es offensichtlich. Der Andere – Leo wusste noch, dass sein Nachname ‚Taube‘ war, aber der Vorname wollte ihm einfach nicht mehr einfallen – hatte das Jackett und auch die Krawatte abgelegt. Er trug nur noch das schlichte weiße Hemd, dessen obersten Knopf er jetzt geöffnet hatte, und die elegante Anzughose. Die eine Hand locker in die Hosentasche geschoben, in der anderen seinen Zimmerschlüssel, kam er mit federnden Schritten den breiten Mittelgang entlang und ließ seinen Blick durch das Lokal schweifen. Leo legte den Kopf ein wenig schief, genoss den netten Anblick. Er konnte nicht leugnen, dass er den anderen Mann durchaus ansprechend fand. Natürlich war sein Blick Thorsten nicht entgangen und er drehte sich herum, um herauszufinden, wenn Leo da so anerkennend betrachtete.

„Er?“

Thorsten hatte sich wieder zu Leo gedreht. Seine Stimme und sein Gesichtsausdruck verrieten eindeutig, dass ihm der Andere überhaupt nicht gefiel. Leo war das herzlich egal. Er rang mit sich, ob er jetzt lügen oder die Wahrheit sagen sollte. Just in diesem Moment schaute Taube zu ihm herüber und ihre Blicke begegneten sich. Intelligente, helle Augen – blau oder grau, so genau war das auf die Entfernung nicht zu erkennen – musterten Leo aufmerksam. Ein leichtes Lächeln umspielte die Mundwinkel des anderen Mannes und er hob fragend die Augenbraue. Leo war sich nicht sicher, ob sich nun seine Verzweiflung ob Thorstens Anwesenheit so deutlich auf seinem Gesicht abgezeichnet hatte oder ob der Andere einfach so gut darin war, Situationen mit einem Blick zu lesen –seinem Ruf nach wäre ihm das zuzutrauen – aber er schien sofort zu verstehen was vor sich ging. Leo entschied sich alles auf eine Karte sie setzen und antwortete der stummen Frage mit einem erleichterten Lächeln.

„Ja, er!“

Thorsten gefiel die Antwort gar nicht und er drehte sich abermals zu Taube herum, vielleicht hoffend, dass der einfach an ihnen vorbeilaufen oder an einem anderen Tisch platznehmen und so Leos Antwort als Lüge entlarven würde, doch diesen Gefallen tat er Thorsten nicht. Er änderte minimal die Richtung, und kam jetzt gemessenen Schrittes genau auf Leos Tisch zu. Das leichte Lächeln, dass bis eben nur in seinen Mundwinkeln zu erahnen gewesen war, wurde breiter. Er unterbrach den Blickkontakt nicht eine Sekunde und in seinen Augen blitze der Schalk auf. Leo konnte nicht anders, als das Lächeln strahlend zu erwidern. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie Thorsten zwischen ihm und Taube hin und herschaute. Sein Gesichtsausdruckt sagte deutlich, dass er längst wusste, dass er verloren hatte, es aber noch nicht eingestehen wollte.

Taube erreichte den Tisch und blieb direkt neben Thorsten stehen. Er nickte ihm vage zu, würdigte ihn aber nicht wirklich eines Blickes. Seine Augen blieben die ganze Zeit auf Leo gerichtet. Sein Lächeln schien noch eine Spur strahlender zu werden und Leo fragte sich unweigerlich, ob der andere wirklich so ein guter Schauspieler war, oder ob das Lächeln echt war. Er konnte nicht leugnen, dass ihm diese Idee durchaus gefiel.

„Guten Abend, Leo. Entschuldige die Verspätung. Ich bin noch aufgehalten worden. Das internationale Verbrechen schläft leider nie.“
„Gar kein Problem. Ich bin auch erst vor ein paar Minuten hier gewesen.“
„Dann bin ich ja beruhigt.“


Taube – wenn Leo bloß der Vorname wieder einfallen würde – legte eine Hand an die Lehne von Thorstens Stuhl und war ihm einen sehr pointierten Blick zu. Selbst mit tausend Worten hätte Leo einen Rauswurf kaum deutlicher machen können, als Taube mit diesem einen Blick. Thorsten zog es vor, auch das zu ignorieren. Er blieb stur sitzen und schaute den anderen Mann nur herausfordernd an. Taube zog die Augenbrauen hoch und warf Leo einen fragenden Blick zu.

„Du hast mir gar nicht gesagt, dass wir heute Abend zu dritt sind, Leo.“

In Taubes Stimme lag etwas Raues, fast Verruchtes, ganz so als würde er die Aussicht auf einen Dreier tatsächlich mehr als nur reizvoll finden. Auf Thorstens Gesicht trat ein deutlicher Ausdruck von Unwohlsein und auch Leo musste kurz schlucken. Für eine Sekunde war er sich unsicher, ob Taube das nicht doch ernst meinte, doch dann sah er wieder dieses schalkhafte Blitzen in Taubes Augen und das fast unmerkliche Zucken einer Augenbraue verriet, dass er sich nur einen Scherz erlaubte. Leo entschied, diese Vorlage aufzunehmen.

„Entschuldige, das hatte ich völlig vergessen. Darf ich vorstellen, mein Ex-Freund Thorsten Schmied, ein begnadeter Cellist. – Thorsten, das ist…“

Leo zögerte für den Bruchteil einer Sekunde. Taubes Vorname war ihm immer noch nicht eingefallen und es würde ihr Spiel sofort auffliegen lassen, wenn er jetzt keinen Vornamen nannte. Doch Taube schien ihn sofort zu verstehen und setzte seinen angefangenen Satz fließend fort, bevor es peinlich werden konnte.

„… Klaus Taube. Ihr Nachfolger. Ich freue mich auf einen angenehmen Abend in netter Gesellschaft. Man hört ja so einiges über die Fingerfertigkeit von Streichern.“

Klaus musterte Thorsten mit einem Blick der dem eines Tigers, der gerade sehr lohnende Beute ausgemacht hatte nicht unähnlich war und streckte ihm die Hand hin. Leo musste sich beherrschen nicht laut loszulachen, ob Thorstens jetzt abgrundtief panischem Gesichtsausdruck. Fast tat er Leo leid, aber eben nur fast. Sowohl Leo aus auch Klaus hatten ihm mehrere subtile Hinweise gegeben, dass er unerwünscht war. Wenn er es vorzog die zu übersehen, dann musste er es jetzt eben so lernen.

Thorsten ignorierte Klaus‘ ausgetreckte Hand, stand so hektisch von seinem Stuhl auf, dass er ihn umgeworfen hätte, wenn Klaus nicht schon die ganze Zeit die Hand an der Lehne gehabt hätte, und verabschiedete sich schnell.

„Ich … ähem … w-wollte sowieso g-gerade gehen. Tschüss Leo.“

Er würdigte Klaus keines Blickes und eilte aus dem Restaurant, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her. Klaus wandte sich halb herum und schaute ihm nach, bis die großen Schwingtüren hinter ihm wieder zugeklappt waren. Dann wandte er sich zurück zu Leo und da war wieder dieses breite Lächeln auf seinem Gesicht und das schalkhafte Funkeln in seinen Augen, das Leo gerade schon so gefallen hatte.

„Nachdem ich deinen Ex-Freund erfolgreich verjagt habe, darf ich Platz nehmen?“
„Gerne. Wenn du nichts Besseres vorhast, als einem einsamen Münchner Hauptkommissare Gesellschaft zu leisten.“
„Ich sagte doch bereits, ich freue mich auf einen angenehmen Abend in attraktiver Gesellschaft.“
„Genaugenommen sagtest du ‚in netter Gesellschaft‘.“
„Da habe ich nicht von dir gesprochen.“
„Na dann…“

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios