Nowhere Near...
Feb. 18th, 2007 04:44 pmFandom: Original
Challenge: Aneinander vorbei...
Wörter: 813
Warnungen: Nö.
A/N: Wiedermal mein wunderbares Lucien&Frank-"Universum"... Heute mit Karl!
Wir versuchen die Beziehung der beiden älteren Degeners auszuloten. ...Freut euch. Speziell die beiden Damen, die mehr davon wollten. ;)
Karl Degener war bestimmt kein emotionaler Mensch.
Das wusste er, damit hatte er sich abgefunden, es störte ihn wirklich nicht.
Soweit er sich erinnern konnte, war er nie verliebt gewesen, aber er lebte recht glücklich mit seiner Verlobten zusammen und würde in ein paar Monaten heiraten, also störte er sich auch daran nicht so wirklich.
Als sich seine Eltern hatten scheiden lassen, war er sieben Jahre alt gewesen, und hatte sich darauf gefreut, seine Ferien in Argentinien verbringen zu können.
Sein Vater hatte wieder geheiratet. Da war Karl sechszehn gewesen und hatte so ein bisschen auf Carola gestanden. Verraten gefühlt hatte er sich bestimmt nicht.
Das letzte Mal geweint hatte er, als er acht Jahre alt gewesen war, und er im Krankenhaus aufgewacht war, nachdem er sich bei einem Unfall den ganzen linken Unterschenkel aufgerissen hatte, und die Schmerzmittel aufhörten zu wirken.
Das war alles zu dem Thema.
Jetzt war er achtundzwanzig, saß in seinem Schlafzimmer und starrte die schneeweiße Wand an, die Natalie unbedingt in Papaya streichen wollte, weil ihr alles zu kalt war. Er starrte einfach die Wand an und versuchte sich einzureden, dass ihm nicht grade eine Träne über die Wange lief.
Er hatte nicht einmal die geringste Ahnung, warum dem so war.
Gestern war sein kleiner Bruder in die USA geflogen und er hatte sich die Zeit genommen, ihn zum Flughafen zu fahren, und war deshalb sogar extra wieder ‚nach hause’ gekommen.
Das war wirklich irgendwie nett gewesen. Thorben war jetzt zehn und Karl liebte den Kleinen abgöttisch. Er machte Karate, hatte Franks Bücherregal zerschlagen und dann hatte er auch noch im Monopoly gewonnen.
Karl hatte sich sogar gefragt, ob er nicht vielleicht Kinder wollte.
Aber das war nicht der Grund dafür, dass er jetzt hier saß.
Und das war auch keine zweite Träne.
Er hatte sich gefreut, seine Familie wiederzusehen.
Sie hatten im Garten Fußball gespielt, und abends zusammen wirklich schlechte, alte Horrorfilme geguckt, obwohl Carola darauf bestanden hatte, dass das nichts für Thorben war.
Einige Stunden lang hätte alles so gewesen sein können, wie es das gewesen war, bevor er ausgezogen war. Aber das war es nicht gewesen.
Es war besser gewesen.
Er hatte zum ersten Mal in seinem Leben Frank irgendwie verstanden. Früher war Frank halt sein kleiner Bruder gewesen, der zu wenig aus seinen Talenten machte, ein leidlich guter Fußballspieler war, und der sich permanent in Probleme stürzte, aus denen er ihn wieder raushauen musste. Und er hatte das getan. Und das war’s gewesen. Sie hatten irgendwann entdeckt, dass sie beide alte Horrorfilme mochten, aber selbst das war nicht wirklich erschöpfend. Frank war halt sein kleiner Bruder. Niemand, mit dem er etwas gemeinsam hätte haben müssen, um ihn zu lieben, und niemand, der irgendwann sein Freund geworden wäre.
Sie hatten zwei Leben nebeneinander her geführt.
Karl hatte für die Schule gelernt, ein paar Freunde gehabt und sich wochenlang mit einem Stapel Bücher in seinem Zimmer verschanzen können.
Frank war faul gewesen, hatte seine erste Freundin, bevor sein drei Jahre älterer Bruder überhaupt in der Pubertät war, war ständig unterwegs gewesen, hatte Bandenkriege geführt und nie ein Interesse länger als drei Tage sein eigen nennen können.
Karl war ein passabler Torwart gewesen, der im Schulteam Fußball spielte, weil ein bisschen Sport gesund war, Frank verfolgte seine Tätigkeit als Stürmer des städtischen Vereins mit einer an Religiosität erinnernden Leidenschaft.
Karl hatte sein Leben der klassischen Archäologie verschrieben, Frank hatte aus Trotz und einer gewissen Ratlosigkeit Informatik studiert.
Wenn sie überhaupt miteinander gesprochen hatten, dann nie länger als eine halbe Minute, und selbst dann über Nichtigkeiten.
Ihre einzigen Gemeinsamkeiten waren tatsächlich die Liebe zu Horrorfilmen und zu Thorben gewesen.
Es hatte Karl nie gestört.
Aber jetzt hatten sie zwei Tage zusammen verbracht. Sie hatten miteinander gelacht, einen mittleren Streit um das letzte Stück Pizza geführt und abends nach ein paar Bier zu viel über ihre Vorstellungen von der Zukunft geredet.
Das war das Problem.
Karl wusste nicht, was passiert war. Aber es hatte sich angefühlt, als hätten sich zwei Wege endlich getroffen und als hätten sie ewig so weiterlaufen können, aber es war doch nur eine einfache Kreuzung gewesen.
Im Grunde war es lächerlich. San Diego, Kalifornien, war nur einen Ozean und anderthalb Kontinente entfernt. Nichts, was man nicht durch moderne Kommunikationstechnik und ein Flugzeug überbrücken konnte.
Vielleicht ahnte er einfach, dass sie diese Möglichkeiten nicht nutzen würden.
Vielleicht war das der einzige Grund dafür, dass er am Samstagvormittag auf der Kante seines Bettes saß, während seine Verlobte mit ein paar Freundinnen über das Wochenende unterwegs war, die Wand anstarrte und zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren heulte.
Karl war sicher kein emotionaler Mensch.
Und er neigte auch nicht dazu, Fakten theatralisch in pathetische Worte zu fassen. Aber er war losgefahren um sich von seinem Bruder zu verabschieden und jetzt fühlte es sich an, als hätte er einen Teil von sich verloren.
Was natürlich absolut lächerlich war.
Challenge: Aneinander vorbei...
Wörter: 813
Warnungen: Nö.
A/N: Wiedermal mein wunderbares Lucien&Frank-"Universum"... Heute mit Karl!
Wir versuchen die Beziehung der beiden älteren Degeners auszuloten. ...Freut euch. Speziell die beiden Damen, die mehr davon wollten. ;)
Karl Degener war bestimmt kein emotionaler Mensch.
Das wusste er, damit hatte er sich abgefunden, es störte ihn wirklich nicht.
Soweit er sich erinnern konnte, war er nie verliebt gewesen, aber er lebte recht glücklich mit seiner Verlobten zusammen und würde in ein paar Monaten heiraten, also störte er sich auch daran nicht so wirklich.
Als sich seine Eltern hatten scheiden lassen, war er sieben Jahre alt gewesen, und hatte sich darauf gefreut, seine Ferien in Argentinien verbringen zu können.
Sein Vater hatte wieder geheiratet. Da war Karl sechszehn gewesen und hatte so ein bisschen auf Carola gestanden. Verraten gefühlt hatte er sich bestimmt nicht.
Das letzte Mal geweint hatte er, als er acht Jahre alt gewesen war, und er im Krankenhaus aufgewacht war, nachdem er sich bei einem Unfall den ganzen linken Unterschenkel aufgerissen hatte, und die Schmerzmittel aufhörten zu wirken.
Das war alles zu dem Thema.
Jetzt war er achtundzwanzig, saß in seinem Schlafzimmer und starrte die schneeweiße Wand an, die Natalie unbedingt in Papaya streichen wollte, weil ihr alles zu kalt war. Er starrte einfach die Wand an und versuchte sich einzureden, dass ihm nicht grade eine Träne über die Wange lief.
Er hatte nicht einmal die geringste Ahnung, warum dem so war.
Gestern war sein kleiner Bruder in die USA geflogen und er hatte sich die Zeit genommen, ihn zum Flughafen zu fahren, und war deshalb sogar extra wieder ‚nach hause’ gekommen.
Das war wirklich irgendwie nett gewesen. Thorben war jetzt zehn und Karl liebte den Kleinen abgöttisch. Er machte Karate, hatte Franks Bücherregal zerschlagen und dann hatte er auch noch im Monopoly gewonnen.
Karl hatte sich sogar gefragt, ob er nicht vielleicht Kinder wollte.
Aber das war nicht der Grund dafür, dass er jetzt hier saß.
Und das war auch keine zweite Träne.
Er hatte sich gefreut, seine Familie wiederzusehen.
Sie hatten im Garten Fußball gespielt, und abends zusammen wirklich schlechte, alte Horrorfilme geguckt, obwohl Carola darauf bestanden hatte, dass das nichts für Thorben war.
Einige Stunden lang hätte alles so gewesen sein können, wie es das gewesen war, bevor er ausgezogen war. Aber das war es nicht gewesen.
Es war besser gewesen.
Er hatte zum ersten Mal in seinem Leben Frank irgendwie verstanden. Früher war Frank halt sein kleiner Bruder gewesen, der zu wenig aus seinen Talenten machte, ein leidlich guter Fußballspieler war, und der sich permanent in Probleme stürzte, aus denen er ihn wieder raushauen musste. Und er hatte das getan. Und das war’s gewesen. Sie hatten irgendwann entdeckt, dass sie beide alte Horrorfilme mochten, aber selbst das war nicht wirklich erschöpfend. Frank war halt sein kleiner Bruder. Niemand, mit dem er etwas gemeinsam hätte haben müssen, um ihn zu lieben, und niemand, der irgendwann sein Freund geworden wäre.
Sie hatten zwei Leben nebeneinander her geführt.
Karl hatte für die Schule gelernt, ein paar Freunde gehabt und sich wochenlang mit einem Stapel Bücher in seinem Zimmer verschanzen können.
Frank war faul gewesen, hatte seine erste Freundin, bevor sein drei Jahre älterer Bruder überhaupt in der Pubertät war, war ständig unterwegs gewesen, hatte Bandenkriege geführt und nie ein Interesse länger als drei Tage sein eigen nennen können.
Karl war ein passabler Torwart gewesen, der im Schulteam Fußball spielte, weil ein bisschen Sport gesund war, Frank verfolgte seine Tätigkeit als Stürmer des städtischen Vereins mit einer an Religiosität erinnernden Leidenschaft.
Karl hatte sein Leben der klassischen Archäologie verschrieben, Frank hatte aus Trotz und einer gewissen Ratlosigkeit Informatik studiert.
Wenn sie überhaupt miteinander gesprochen hatten, dann nie länger als eine halbe Minute, und selbst dann über Nichtigkeiten.
Ihre einzigen Gemeinsamkeiten waren tatsächlich die Liebe zu Horrorfilmen und zu Thorben gewesen.
Es hatte Karl nie gestört.
Aber jetzt hatten sie zwei Tage zusammen verbracht. Sie hatten miteinander gelacht, einen mittleren Streit um das letzte Stück Pizza geführt und abends nach ein paar Bier zu viel über ihre Vorstellungen von der Zukunft geredet.
Das war das Problem.
Karl wusste nicht, was passiert war. Aber es hatte sich angefühlt, als hätten sich zwei Wege endlich getroffen und als hätten sie ewig so weiterlaufen können, aber es war doch nur eine einfache Kreuzung gewesen.
Im Grunde war es lächerlich. San Diego, Kalifornien, war nur einen Ozean und anderthalb Kontinente entfernt. Nichts, was man nicht durch moderne Kommunikationstechnik und ein Flugzeug überbrücken konnte.
Vielleicht ahnte er einfach, dass sie diese Möglichkeiten nicht nutzen würden.
Vielleicht war das der einzige Grund dafür, dass er am Samstagvormittag auf der Kante seines Bettes saß, während seine Verlobte mit ein paar Freundinnen über das Wochenende unterwegs war, die Wand anstarrte und zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren heulte.
Karl war sicher kein emotionaler Mensch.
Und er neigte auch nicht dazu, Fakten theatralisch in pathetische Worte zu fassen. Aber er war losgefahren um sich von seinem Bruder zu verabschieden und jetzt fühlte es sich an, als hätte er einen Teil von sich verloren.
Was natürlich absolut lächerlich war.
no subject
Date: 2007-02-18 05:55 pm (UTC)Außerdem hast du meine Arschloch-Theorie über Karl angeknackst... mit einem genüsslichen Tritt könnte man sagen. ^^"
Aber, scheiße, der ist toll. Ich meine, er studiert Archäologie... er liebt seine Verlobte nicht, er liebt Thorben XD... und er weiß, dass er so keinen Kontakt zu Frank halten kann und das macht ihn ferig. ~ v ~ *alle anluv*
Die Dame freut sich.
no subject
Date: 2007-02-20 04:45 pm (UTC)Und... Frank kann nicht zurückkommen! Menno! ...Egal. Ihr habt ja so recht. *heul*
Schaun mer mal, was das wird.
P.S.: Ich liebe dein Icon. Das ist einfach... Hach. *__* ...ZoSan halt. - Auch wenn ich mir deswegen angewöhnen muss, die Usernamen zu lesen. ...Das ist's wert. =)
(Das musste gesagt werden. Ja.)
no subject
Date: 2007-02-21 07:58 am (UTC)Nein, ich hatte das schon gestern gelesen, aber kam noch nicht zum kommentieren. (Sieh es mir nach - ich habe in ungefähr 24h meine erste Diplomprüfung. ._.)
Dass ich deine Original und das ganze Universum was mit dranhängt total liebe, habe ich, glaub ich schon des Öfteren mal erwähnt, oder?
Ich mochte Frédérique schon sehr, aber Karl muss ich jetzt einfach auch auf die Liste meiner Lieblinge pappen. (Wääh - ich verlange ausdrücklich, dass du bald mal einen richtig unsympathischen Chara hierfür schreibst, den ich auch mal total hassen und blöd finden kann! XD)
Brüderliebe ist soooo was schönes *hearts* und du machst es auch noch so schmerzhaft realistisch und ehrlich. óò *wimmer*
Ich kenne dieses Gefühl, wenn man an seinen Geschwistern so völlig vorbeilebt. *jüngeren Bruder hat* Irgendwie liebt man sie natürlich abgöttisch und hat sich im Kindergarten für sie geprügelt, aber die eigenen Leben haben oft so gar keine Berührungspunkte und keine Gemeinsamkeiten. Das eigentlich Schlimme ist, dass man es gar nicht schlimm findet.
Freundschaften muss man irgendwie aufrecht erhalten, Arbeit investieren, etc. - aber doch nicht in Geschwister, die sind ja eh immer da. Freunde kommen und gehen, aber dein Bruder bleibt immer dein Bruder, also wieso soll man sich da die Mühe machen?
Ich fand das sehr schön und sehr nachvollziehbar, wie Karl da sitzt und einfach traurig ist, wenn einem Verlust, von dem er nicht einmal registriert hat, dass er da ist ... óò
Ich hoffe wirklich, dass die beiden sich mal wieder näher kommen und mehr Zeit miteinander verbringen. *lieb in deine Richtung guck* Vielleicht ergibt sich da ja mal was ... oer Frank braucht dringend den Rat seines großen, reifen Bruders. ^_~
~ Rei ~
no subject
Date: 2007-02-21 05:09 pm (UTC)Und, oh mein Gott, ich drück dir alle Daumen, die ich habe und alle, die ich bis dahin noch auf mehr oder minder legalen Wegen auftreiben kann.
Halleluja.
...Weißt du, ich habe einfach keine Lust, Charaktere zu schreiben, die ich nicht mag. XD ...Nein... was wäre denn unsympathisch? ;) (Ich bin momentan seeehr herausforderungsgeil. Verzeih mir.)
Und das mit den Geschwistern... Du hast ja so recht. Aber meine Exemplare sind nur zwei beziehungsweise vier Jahre jünger als ich und da... musste man sich im Laufe der Zeit irgendwie... entgegenkommen. ...Das heißt, meine Schwester ist inzwischen mein Monster und unser Bruder wird wahnsinnig. xD
Aber ich weiß ziemlich genau, was passieren wird, wenn ich die beiden nicht mehr tagtäglich sehen muss... und... Ach ja. Schade ist's. Aber es stört ja doch nicht. ;)
Und ansonsten einfach einmal mehr: Danke. Danke, danke, danke. =)
*snif*
Date: 2008-03-21 04:20 pm (UTC)keine ahnung wie ich das jetz beschreiben soll, aber ich versuchs jetzt einfach mal mit bewegend.
traurig einen menschen erst so spät wirklich zu "bemerken"...
von denen gibts mehr? O_O
Re: *snif*
Date: 2008-03-21 04:29 pm (UTC)Und ja, von denen gibt es mehr. - Zumindest von Frank. Karl... taucht ehr selten auf... Leider. Das müsste ich wirklich mal ändern.