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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Mond
Challenge: Angst - Unheimliche Bewegungen aus dem Augenwinkel
Fandom: Nocturne Whispers
Wörter: ~650


Sie hätte es kommen sehen müssen. Dass jeder Schatten sie erschrecken würde. Weil sie jetzt wusste, mit wem sie diese Welt teilte. Und wie wenig gegen sie sie ausrichten konnte. Ja, vielleicht könnte sie einen Vampir oder Werwolf überraschen, weil die meisten sie für ein kleines, hilfloses Mädchen hielten. Aber nach dem ersten Schlag wäre der Eindruck schnell verflogen. Und dann… dann wäre sie nichts weiter als Vampirfutter.
Vielleicht hätte sie fragen sollen, ob es auch Werwölfe gab, die Menschen nachstellten… warum auch immer. Ja, sie hatte nicht vergessen, dass es auch Vampire gab, die sie nicht nur als Abendessen sahen. Aber der… recht gute Eindruck, den Touya bisher bei ihr gemacht hatte verblasste ein wenig (sehr) gegen Luke. Touyas Mörder und wenn sie Pech hatte, dann auch ihrer. Wenn irgendetwas schiefging.
Da war etwas! Eine Bewegung… gerade eben außerhalb ihres Blickwinkels. Vampir, Werwolf oder… Straßenkatze. Das magere Vieh stolzierte in das Licht der Straßenlaterne, als würde ihm alles hier gehören. Chikara war das egal, von ihr war da keine Konkurrenz zu erwarten. Sie ärgerte sich eher über sich selbst, weil sie sich so leicht hatte erschrecken lassen. Vor einer Woche hatte es ihr rein gar nichts ausgemacht, nach Sonnenuntergang unterwegs zu sein. Aber jetzt bekam sie schon um acht Uhr abends Muffensausen. Zu einer Zeit, wo die Straßen noch belebt waren. Wo die Stadt, die niemals wirklich schlief noch hellwach war.
Durch ein geöffnetes Fenster hörte sie Stimmen, konnte aber keine genauen Worte ausmachen. Autos fuhren vorbei, ein Radfahrer zischte dicht an ihr vorbei und beinahe hätte Chikara ihre Erziehung vergessen und geflucht. Aber das gehörte zu den Dingen, die hier normal waren. Die zu New York dazugehörten. Lebensmüde Fahrradkuriere, Straßenkatzen, Menschen, die einfach ihr Leben lebten.
Chikara wünschte sich, sie könnte wieder zu diesen Menschen gehören. Ahnungslos.
“Sag mal, spinnst du?”, fragte jemand im Vorbeigehen und ihr fiel erst jetzt auf, dass sie mitten auf dem Weg stehen geblieben war. Schnell setzte sie sich wieder in Bewegung. Es war nicht mehr weit bis zur U-Bahn. Eine Ampel noch, die sie überqueren musste. Fast geschafft.
Zusammen mit einigen anderen blieb Chikara an der Ampel stehen, die gerade auf Rot gesprungen war.
Die Frau dort… links hinter ihr… war sie noch schon etwas zu lange hinter ihr? Zwei Blocks schon.
Dabei war es doch normal, wenn jemand denselben Weg hatte. Die Uni war nicht das einzige, was hier in der Nähe war, sondern auch einige Bürogebäude. Sie konnte froh sein, dass sie die Hauptstoßzeit wegen einer späten Vorlesung verpasst hatte. War sie aber nicht, denn dann wäre es noch hell gewesen. Und Tageslicht bot eine wenigstens trügerische Sicherheit. Sehr trügerisch.
Auch auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen, drehte Chikara sich nochmal nach der Frau um. Sie wirkte vollkommen normal. War mehr auf ihr Handy konzentriert als auf alles andere. Aber Nicole hatte auch normal gewirkt. Und was da am Ende bei rausgekommen war, wusste sie ja. Leider.
Endlich wurde die Ampel grün und etwas zu schnell setzte Chikara sich wieder in Bewegung. Dabei rempelte sie einen Anzugträger an, der sie missbilligend ansah, sich dann aber auf sein konzentrierte. Er wirkte müde, stellte sie fest, kurz bevor sie doch lieber schaute, wo sie hinging.
Die Frau war immer noch hinter ihr. Natürlich war sie das, fast jeder hier wollte zur Bahn. Trotzdem kostete es Chikara alle Selbstbeherrschung, sich nicht wieder unzusehen, als sie die Treppe hinunterging. Stattdessen ließ sie sich einfach vom Strom treiben, immer tiefer unter die Erde. Wie viele der Leute hier wohl eine Vorliebe für Blut oder Pelz hatten?
Unten am Gleis wagte sie dann doch einen kurzen Blick in die Runde und da war sie wieder. Die Frau stand ein paar Meter von ihr entfernt und blätterte in einer Zeitschrift. Kurz nur, als die nächste Bahn einfuhr, rollte sie sie zusammen und klemmte sie sich unter den Arm. Keine Minute später war sie in der Bahn verschwunden. Chikara musste erst die nächste nehmen.

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