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Titel: Tod unterm Weihnachtsbaum
Challenge: siehe Titel
Autor: Grisu
Fandom: Rick Paisley, der Meisterdetektiv (Original)
Kommentar: Rick Paisley ist mein persönlicher Bastei-Lübbe-Held. Er ist nicht immer Detektiv und eine Schöpfung von Elster und mir, mit Anregungen durch Rei. Wir sind nicht stolz darauf, aber so ist es.


„Wie Sie alle inzwischen wissen, ist Mrs. Twinkle in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember hier unter diesem Weihnachtsbaum umgekommen. Die Untersuchungen des Stromkabels der Lichterketten belegen einwandfrei, dass es sich dabei um Mord handelte.“
Betretenes Schweigen herrschte im Raum. Acht Augenpaare huschten zwischen dem Baum und den Blutspuren auf dem Perserteppich hin und her. Das Knacken eines Holzscheites im Kamin durchbrach die Stille.
Rick Paisley, der die Reaktion jedes Einzelnen aufmerksam beobachtet hatte, wandte sich an das Hausmädchen und fuhr fort: „Die Leiche wurde am Morgen des 25. Dezember von Ihnen gefunden, Ms. Winston-“
„Irena.“
„Irena. Sie haben die Leiche gefunden?“
„Ja, das stimmt. Ich kam wie jeden Morgen herein, um den Kamin anzuzünden. Der Raum ist so groß und zugig und die Zentralheizung funktioniert seit Tagen nicht richtig.“
„Ähm… ja. Und das Licht des Weihnachtsbaums war aus?“
„Kein Licht ging mehr. Durch den Kurzschluss.“
„Wie konnten Sie dann die Leiche sehen?“
„Ich hab sie nicht gesehen. Erst als ich eine neue Sicherung reingedreht habe.“
„Wann haben Sie das gemacht?“
„Sobald ich gemerkt habe, dass der Ostflügel ohne Strom ist. Es sind eigentlich immer die Sicherungen. Die Elektrik ist völlig marode.“
„Und danach kamen Sie zurück in den Salon und fanden die Leiche.“
„So ist es.“
„Was haben Sie dann gemacht?“
Irena sah beschämt zur alten Lady Gertrude, die gramgebeugt in ihrem Lehnstuhl vor dem Kamin saß. „Ich habe versucht, die Leiche verschwinden zu lassen.“
„Warum haben Sie das getan?“
„Ich wollte nur nicht, dass Gertrude sie so sieht“, verteidigte sich Irena unter Tränen.
„Also begruben sie die arme Mrs. Twinkle im Garten.“
Die Lady stöhnte gequält auf. „Im Garten!“
„Wir haben ein schönes Plätzchen ausgesucht. Zwischen dem Teich und dem Rosenbeet,“ warf Irena ein.
„Wir…,“ sagte Paisley bedeutungsschwer. „Sie geben also zu, bei Ihrer Tat einen Komplizen gehabt zu haben!“
„Nun ja…“ Das Mädchen wechselte einen Blick mit dem Gärtner, der kaum merklich nickte. „Jasper hat mit geholfen. Der Boden war ja gefroren und-“
„Ist das wahr, Mr. Greenly?“ fragte Gertrude schockiert.
„Es tut mir Leid, Miss.“
„Schon gut“, flüsterte der Tierarzt, Doktor Landley der alten Dame beruhigend zu. „Ich werden dafür sorgen, dass sie wie vorgesehen im Mausoleum beigesetzt wird.“
Der Pfleger Lady Gertuds, Thomas, gab ein Husten von sich.
„Wie hatten Sie vorgehabt, diesen Todesfall zu vertuschen?“ knüpfte Rick Paisley an die Befragung an.
Der Gärtner zuckte die Schultern. „Wär nicht das erste Mal gewesen, dass sie wegläuft.“
„Also beschlossen Sie, alle Spuren zu beseitigen. Aber es gelang Ihnen nicht.“
„Nein. Neil hat die Blutspuren gesehen und wollte wissen, was los war.“ Irena deutete auf den Butler, der die Blutflecken auf dem Teppich mit sorgenvoller Miene musterte.
„Ich wollte nur wissen, ob es wirklich Blut ist, wegen der Reinigung“, sagte er leise.
„Aber Sie erfuhren mehr, als Sie wollten.“
Neil Gavish schwieg.
„Wie ging es weiter?“ drängte Rick.
„François meinte, wir sollten einfach eine neue Katze kaufen. Die alte Lady sieht eh nicht mehr so gut, “ sagte Thomas unbesorgt.
„Sie wussten also auch von der ganzen Sache?“
„Ja. Ich hab zufällig aus dem Fenster geguckt und gesehen, wie Irena und Jasper Mrs. Twinkle beerdigt haben.“
„Und woher wusste der Koch davon?“ fragte Rick das Hausmädchen.
„François? Er hat gerade den Müll rausgebracht, als ich die Lichterkette entsorgt habe.“
„Und Sie haben ihm alles erzählt?“
„Ja. Ich dachte, dann kann er sich sparen, die Hühnerherzen für Mrs. Twinkle zu kochen.“
„Ich sehe schon, wir haben es hier mit einer Verschwörung zu tun“, stellte Rick ernst fest. „Wer hat noch von diesem Komplott gewusst?“
„Ich,“ gestand der Doktor Landley mit seiner tiefen Stimme.
Lady Gertrude sah ihn erschrocken an.
Rick Paisley hob eine Augenbraue. „Darf ich fragen, wie es dazu kam?“
„Neil hat mich angerufen, damit ich mich nach einem Ersatz für Mrs. Twinkle umsehe.“
„Und das haben Sie getan?“
„Na ja, noch nicht so richtig. Ich meine, es ist erst zwei Tage her und ich hätte über die Feiertage sowieso niemanden erreicht.“
Rick sammelte sich einen Augenblick, bevor er zum eigentlich Anliegen des Teffens kam. „Nachdem wir nun geklärt haben, was nach dem Mord geschah, kommt die eigentliche Frage, die Frage, nach dem Mörder!“
„Wie kommen Sie überhaupt darauf, dass es Mord war?“ fragte Thomas. „Sie behaupten das die ganze Zeit, dabei hat Mrs. Twinkle einfach nur auf dem Stromkabel der Lichterkette herumgekaut.“
„Nun, wie ich schon sagte“, fuhr Rick unbeirrt fort, „es gibt eindeutige Beweise, dass es sich um Mord handelt. Denn auf dem Stromkabel der Lichterkette, die von mir aus dem Müll geborgen wurde, konnte man Hühnerbouillon nachweisen.“
Ungläubiges Schweigen trat ein.
„Hühnerbouillon?“ fragte schließlich der Tierarzt, Doktor Landley.
„Hühnerbouillon“, bestätigte Paisley mit ernstem Gesicht.
Ein Schluchzen schallte durch den Raum. „Mrs. Twinkles Leibgericht!“ jammerte die alte Lady Gertrude.
„Also ist die Frage: Wer hat das Hühnerbouillon auf das Kabel getan?“
Paisley sah eine Weile in die Runde, bevor er fortfuhr: „War es der Koch, der zweifellos von Mrs. Twinkles fatalem Hang zu Hühnerbouillon wusste? Ist es nicht richtig, François, dass sie es für unter ihrer Würde hielten, für eine Katze zu kochen. Sie, der Sie vor fünf Jahren die höchsten Auszeichnungen für Ihre Kochkünste erhalten haben.“
„Sie war ein verwöhntes Mistvieh! Sie hat meine feinsten Kreationen verschmäht! Alles, was sie je fressen wollte, waren Mäuse und Vögel! Roh!“
„Oder war es der Butler, Neil, dem Mrs. Twinkles aufgrund seiner Katzenhaarallergie zuwider war?“
„Ich konnte nicht atmen, wenn sie in der Nähe war. Und sie ist mir gefolgt, wo sie konnte. Sie wollte mich umbringen! Aber ich habe sie geliebt! Ich liebe Katzen. Ihre Eleganz und-“
„Ja, wie auch immer… Wo war ich? Genau: Oder war es der Gärtner, Mr. Greenly, dessen Preisgekrönte Tulpenzwiebeln Mrs. Twinkles letztes Frühjahr zerstört hat?“
„Sie waren unersetzlich! Es war eine Besondere Züchtung. Ich wollte sie Black Lady nennen. Ich wäre berühmt geworden durch sie.“
„Oder waren Sie es, Thomas, Sie, dessen Kanarienvogel Mrs. Twinkle vor drei Monaten gefressen hat?“
„Oh, Antoinette! Meine arme, geliebte Antoinette!“
„Oder war es das Hausmädchen, Irena? Es ist lange her, aber ich denke, Sie erinnern sich noch gut daran, wie sie das Hochzeitskleid ihrer Mutter in Fetzen wiedergefunden haben. Natürlich konnte es nie bewiesen werden, aber Sie behaupteten immer, es wäre Mrs. Twinkle gewesen.“
„Wer sollte, es denn sonst gewesen sein? Die Katze war die einzige, die zu der Zeit im Raum war!“
„Oder, war es der Tierarzt? Der gute Doktor Landley. Der einzige, der wusste, dass das gesamte Vermögen von Lady Gertrude nach ihrem Tode an ihre geliebte Katze geht. Und der einzige noch lebende Verwandte!“
„Wie konnte sie so ein Testament aufsetzen? Eine Katze! Man vererbt doch seine Sachen nicht seiner Katze!“
„Sie sehen, jeder in diesem Raum hatte ein Motiv. Doch wer war es, der Hühnerbouillon auf das Stromkabel getan hat?“
Das Schweigen lag schwer auf dem Zimmer.
Rick Paisley räusperte sich.
„Es war… Lady Gertrude!“
Ein Raunen ging durch die Gruppe und ungläubige Blicke richteten sich auf die schlanke Gestalt des gutaussehenden Meisterdetektivs.
Die im Sessel zusammengesunkene Form der alten Frau gab ein blechernes Lachen von sich und klatschte langsam in die Hände. „Hervorragend, Paisley. Was hat mich verraten?“
„Das kann ich Ihnen leicht verraten. Alle hier hatten ein Motiv, aber allein Sie hatten die nötigen Mittel zur Durchführung dieses perfiden Plans. Sie, als ehemalige Wissenschaftlerin hatten als einzige eine Methode zur Fixierung des Hühnerbouillons an dem Kabel. Oder war es etwa nicht diese Technologie, für die Sie seinerzeit den Wissenschaftspreis der Grafschaft erhielten? Verraten Sie mir nur eines: Warum? Warum musste Mrs. Twinkle sterben, die Ihnen so lange eine so treue Begleiterin gewesen war?“
„Treue Begleiterin, dass ich nicht lache!“ rief Lady Gertrude wütend aus, „Das undankbare Wesen hat versucht, mich umzubringen! Ich habe ihr vertraut und was hat sie getan? Sobald sie wusste, dass ich sie als Alleinerben eingesetzt hatte, hat sie versucht, mich zu vergiften! Thomas kann es bezeugen! Er hat sie dabei erwischt, wie sie meine Herzmedikamente gegen Vitamintabletten ausgetauscht hat!“
„Ist das wahr, Thomas?“
„So war es,“ bestätigte der Pfleger.
„Sie war nicht mehr dieselbe nach der Sterilisation,“ stellte Lady Gertrude abschließend fest.

Date: 2007-12-18 06:13 pm (UTC)
der_jemand: (alone)
From: [personal profile] der_jemand
Aaaah.^^
Dieses Werk hat mir heute morgen meine (nicht stattfindende) Mathe-Vorlesung gerettet. Und die Laune. =)
Jetzt halten mich zwar die Menschen, die mit mir versucht haben ein Referat vorzubereiten für bekloppt, weil ich andauernd loslachen musste, aber... hey. Details.^^

Herrlich. - Danke. =)



P.S.: Ich bin stark gegen das Ermorden von Katzen.
P.P.S.: Wo kommen all die Namen her? Ich will auch, dass mir so viele Namen einfallen!

Date: 2007-12-18 06:49 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com

*laut schallend lachen muss* Diese Pointe, diese Pointe!! XD~~

Zuallererst dachte ich ja, es handele sich bei Mrs. Twinkle um eine alte, nette und menschliche Dame, aber dann...

Wie hinterhältig von ihr, die Medikamente umzutauschen! Gegen Vitamintabletten! Nun ist sie durchgeschmorrt. oo

All dieser Wahnsinn fasziniert mich zutiefst. Alles passt und sitzt und ist genau richtig. Bleibt mmir nur zu sagen: Woah. *,,*
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