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Titel: Hand in Hand
Team: Sonne
Challenge: Romantik/Intimität: Händchenhalten unter Freunden - Für mich
Fandom: SK Kölsch
Rating: P12
Genre: Gen/Preslash
Warnungen: Ein bisschen schmalzig...
Zusammenfassung: Jupp lernt Klaus' Vater kennen und greift zu drastischen Maßnahmen um seinem Freund beizustehen...
Wörter: ~750
Anmerkungen: Ich hoffe, Preslash zählt noch als "unter Freunden". Ein Paar sind sie hier definitiv (noch) nicht...


Als Jupp von der Toilette wiederkommt, muss er sich erst mal orientieren, wo Klaus jetzt schon wieder hin ist. Zum wiederholten Mal an diesem Abend fragt er sich, warum er sich eigentlich darauf eingelassen hat, mitzukommen. Er mag diese Menschenansammlungen nicht, jedenfalls nicht, wenn sie nicht mit Fußball oder Karneval zu tun haben, und das hat diese Ausstellung nun wirklich nicht, er mag keine Kunst und vor allem hasst er es Anzüge zu tragen. Eigentlich weiß er schon, warum er hier ist. Wegen Klaus, damit der nicht alleine gehen musste. Weil er sich mal dafür revanchieren will, dass Klaus immer mit ihm zum Fußball kommt. So richtig wohl fühlt er sich trotzdem nicht. Er ruckt am Knoten seiner Krawatte herum, versucht sie ein bisschen zu locken, damit er sich nicht mehr ganz so eingezwängt fühlt. Dabei lässt er den Blick über die versammelten Menschen schweifen. Normalerweise findet er Klaus immer sofort. Der fällt ja auch immer auf mit seinen Maßanzügen, aber hier, unter hunderten Anzugträgern, die sich elegant zwischen den Stehtischen bewegen, Sekt trinken, kleine Häppchen essen, die Kunstwerke diskutieren, als sei es da selbstverständlichste auf der Welt, ist sogar Klaus plötzlich unsichtbar.

An Ende findet er Klaus doch noch. Er steht zusammen mit einem anderen Mann ein wenig an Rand, abseits der übrigen Gäste, in einer Ecke, wo keine Bilder hängen. Nicht einmal ein Tisch steht dort. Der Andere ist vielleicht so groß wie Klaus, aber deutlich älter, bestimmt Mitte, vielleicht auch schon Ende sechzig. Jupp kann Klaus‘ Gesicht nicht erkenne, denn der steht mit dem Rücken zu ihm, doch seine ganze Haltung, diese hochgezogenen Schultern, die seltsame Spannung in seinem Rücken, die geballte Faust, zeigen deutlich, dass er sich überhaupt nicht wohlfühlt. Mit schnellen Schritten durchquert Jupp den Raum, tritt neben seinen Partner, legt ihm leicht die Hand ins Kreuz. Er spürte augenblicklich, wie Klaus sich verkrampft.

„Alles in Ordnung, Klaus?“, fragt er leise.

Klaus nickt nur. Er tritt einen Schritt zur Seite, so dass Jupps Hand, die noch eben an Klaus Rücken ruhte einen Moment peinlich verloren in der Luft hängt, bevor Jupp sie sinken lässt.

„Jupp, darf ich dir meinen Vater vorstellen. Staatssekretär im Ruhestand Friedhelm Taube. – Vater, mein Kollege Josef Schatz.“

Jupp ist verwundert über so viel Förmlichkeit. Er kann sich nicht entsinnen, dass er Klaus jemals irgendwo als seinen Kollegen vorgestellt hat. Immer nur als seinen Partner, erst recht vor seiner Mutter. Aber die hat Klaus ja sowieso quasi adoptiert gehabt, bevor sie sich auch nur vierundzwanzig Stunden gekannt haben. Die beiden waren schneller beim ‚Du‘ gewesen, als Klaus und er seinerzeit. Jupp streckte Klaus‘ Vater die Hand zu Begrüßung hin, doch der ignorierte ihn vollkommen. Stattdessen bedenkt er Klaus mit einem verächtlichen Blick.

„Spar dir das Schauspiel! Ich habe seine Geste genau gesehen“, zischt er. „Als ob es nicht reicht, dass mein einziger Sohn ein Perverser ist. Aber nein, er muss seine Perversion ja auch noch öffentlich zur Schau stellen.“

Jupp sieht, wie Klaus unter den harschen Worten seines Vaters zusammenzuckt. Er beißt sichtbar die Zähne zusammen und sein Gesicht wird wieder zu dieser versteinerten Maske, die man so oft zu sehen bekommt, wenn Klaus verletzt ist. Unwillkürlich tritt er einen Schritt auf Klaus zu, will ihm irgendwie beistehen.

„Er ist wirklich nur mein Kollege, Vater, nicht mehr und nicht weniger.“

Jupp kann nicht wirklich sagen, woher es kommt, aber Klaus‘ Worte hören sich falsch an in seinen Ohren, obwohl sie doch den Tatsachen entsprechen. Und er nicht anders kann, als Klaus‘ Hand zu nehmen, ihre Finger zu verschränken, wie es nur Paare tun. Es kommt ihm selbst fast unwirklich vor, als er seine Stimme hört, aber er weiß einfach, dass es in diesem Moment das richtige ist.

„Nein, Klaus, lass gut sein. Wir wollten uns doch nicht mehr verstecken.“

Wieder spürte er, wie Klaus sich verkrampft. Er will seine Hand zurückziehen, doch Jupp hält sie mit sanftem Druck. Klaus schaut ihm in die Augen, fragend, forschend und Jupp nickt nur ganz leicht. Und die Veränderung, die in seinem Partner vorgeht ist es wert, dass Klaus Vater jetzt glaubt, er wäre schwul. Ein leichtes Lächeln gleitet über Klaus‘ Gesicht, er lässt die Schultern sinken und die Spannung in seinem Körper lässt langsam nach.

Es interessiert Jupp in diesem Moment nicht mehr, dass Klaus‘ Vater sie mit einem tödlichen Blick bedenkt, dass dessen Abgang sie urplötzlich in den Fokus des allgemeinen Interesses rückt, dass ihn jetzt vermutlich halb Düsseldorf für schwul hält. Wichtig ist nur der sanfte Druck von Klaus Hand in seiner und das dankbare Lächeln auf dessen Gesicht.

Er weiß, dass er das richtige getan hat und um die Konsequenzen kann er sich morgen kümmern oder irgendwann. Oder gar nicht…

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