Ohne Worte - Ruine (fürs Team)
Jul. 3rd, 2018 05:08 pmTeam: Mond
Challenge: Ohne Worte - Bild: Ruine
Fandom: Original
Wörter: ~650
Etwas knackte unter ihrem Fuß und für einen Augenblick hielt sie inne. Es war albern, das wusste sie selbst. Hier war niemand, der sich an ihrer Anwesenheit stören könnte. Ein paar halb verfallene Mauern, die jemand gebaut hatte, der längst tot war. In denen Leute gelebt hatten, die längst tot waren. Und die konnten sich nicht mehr an irgendwelchen Leuten stören, die hier entlangspazierten. Oder, in ihrem Fall, widersinnigerweise schlichen.
Sie wusste nicht einmal so genau, warum sie so vorsichtig ging. Vielleicht war es die Stille dieses Ortes. Keine echte Stille, dafür waren die Vögel viel zu unbeeindruckt von diesem Ort. Nein, das hier war anders.
Alt.
Etwas, was sie normalerweise belächelt hätte, aber als sie mit den Fingern über den rauen Stein strich, war es doch ein merkwürdiges Gefühl. Früher hatten hier Menschen gelebt. Hatten miteinander gelacht, sich gestritten, sich geliebt… nein, das wohl eher nicht, fiel ihr wieder ein. Das hier war ein Kloster gewesen. Aber wer konnte schon genau wissen, was damals gewesen war? Niemand, außer der Geister, die manche Leute dieser Ruine andichteten.
Und der Steine.
Jetzt begann sie es hier doch gruselig zu finden, trotzdem ging sie weiter. Sie konnte kaum anders. Immerhin war sie jetzt schon mal hier, da konnte sie sich auch ruhig alles ansehen. Außerdem gab es in diesem Nest sonst nicht viel zu sehen.
Ein Schatten flog über sie hinweg und sie zuckte zusammen. Im selben Moment schüttelte sie über sich selbst den Kopf. Es war nur ein Vogel gewesen. Eine Taube, wie sie feststellte, als sie sich umsah. Eine recht hübsche Taube sogar. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass die Sonne grüne Reflexe auf das Gefieder zauberte. “Was machst du denn hier?”, murmelte sie an den Vogel gewandt, der aber nur den Kopf schieflegte. Hoffte das Vieh etwa, dass sie was zu essen dabei hatte, so wie die ganzen Stadttauben, die sie von daheim kannte? Oder fragte es sich nur, was der flügellose Zweibeiner hier trieb? Dabei war sie sicher nicht die erste Touristin, die hier aufkreuzte.
Im Moment sah sie aber niemanden sonst. Das konnte an dem Regen liegen, der angekündigt gewesen war. Sie wusste es nicht, es reichte ihr, dass sie den Schirm, den sie sicherheitshalber (und trotz strahlendem Sonnenscheins) mitgenommen hatte, bisher nicht brauchte. Das konnte auch gerne noch eine Weile so bleiben.
Vermutlich etwas zu vorsichtig ging sie durch eine Tür. Ein Loch, in dem mal eine Tür gewesen war. Es gab bestimmt ein Wort dafür aber sie kannte es nicht und es interessierte sie auch nicht besonders. Sie konnte durchgehen, das genügte ihr.
Im Grunde sah es dahinter aus wie schon auf den vergangenen Metern. Alte Mauern, Boden der teils noch aus Stein bestand, teils hatte sich schon Erde und Moos und Grünzeug ausgebreitet. Aus einer Wand wuchs ein Strauch, der aber schon bessere Tage gesehen hatte. Wie lange würde es wohl dauern, bis der Wald sich die Ruine ganz zurückgeholt hatte? Sie wusste nicht einmal, wie alt das Kloster war. Wie lange schon verlassen. Sie war nur eine Touristin, die durch die Reste ging und hin und wieder einen Hauch davon spürte, wie alt all das hier war. Und wie vergänglich die Menschen selbst waren. Keiner erinnerte sich mehr an die Mönche, die hier gelebt hatten. Oder waren es Nonnen gewesen? Nicht einmal das wusste sie. Weil es sie eigentlich nicht interessierte. Warum auch? Sie waren tot. Vielleicht fand irgendjemand ihre Knochen. Möglich, dass sie hierzulande dafür auch das falsche Klima hatten.
Der erste dicke Tropfen landete auf ihrer Schulter und sie hob den Kopf. Unbemerkt hatte der Himmel sich jetzt doch zugezogen. Noch fielen die Tropfen eher vereinzelt, aber als sie den Schirm aufspannte, gab es trotzdem schon ein nettes Konzert. Als sie zehn Minuten später die Straße erreichte, die zum Ort zurückführte, war der Wolkenbruch in vollem Gange und sie ärgerte sich darüber, dass sie nicht daran gedacht hatte, wasserfeste Schuhe anzuziehen.
Challenge: Ohne Worte - Bild: Ruine
Fandom: Original
Wörter: ~650
Etwas knackte unter ihrem Fuß und für einen Augenblick hielt sie inne. Es war albern, das wusste sie selbst. Hier war niemand, der sich an ihrer Anwesenheit stören könnte. Ein paar halb verfallene Mauern, die jemand gebaut hatte, der längst tot war. In denen Leute gelebt hatten, die längst tot waren. Und die konnten sich nicht mehr an irgendwelchen Leuten stören, die hier entlangspazierten. Oder, in ihrem Fall, widersinnigerweise schlichen.
Sie wusste nicht einmal so genau, warum sie so vorsichtig ging. Vielleicht war es die Stille dieses Ortes. Keine echte Stille, dafür waren die Vögel viel zu unbeeindruckt von diesem Ort. Nein, das hier war anders.
Alt.
Etwas, was sie normalerweise belächelt hätte, aber als sie mit den Fingern über den rauen Stein strich, war es doch ein merkwürdiges Gefühl. Früher hatten hier Menschen gelebt. Hatten miteinander gelacht, sich gestritten, sich geliebt… nein, das wohl eher nicht, fiel ihr wieder ein. Das hier war ein Kloster gewesen. Aber wer konnte schon genau wissen, was damals gewesen war? Niemand, außer der Geister, die manche Leute dieser Ruine andichteten.
Und der Steine.
Jetzt begann sie es hier doch gruselig zu finden, trotzdem ging sie weiter. Sie konnte kaum anders. Immerhin war sie jetzt schon mal hier, da konnte sie sich auch ruhig alles ansehen. Außerdem gab es in diesem Nest sonst nicht viel zu sehen.
Ein Schatten flog über sie hinweg und sie zuckte zusammen. Im selben Moment schüttelte sie über sich selbst den Kopf. Es war nur ein Vogel gewesen. Eine Taube, wie sie feststellte, als sie sich umsah. Eine recht hübsche Taube sogar. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass die Sonne grüne Reflexe auf das Gefieder zauberte. “Was machst du denn hier?”, murmelte sie an den Vogel gewandt, der aber nur den Kopf schieflegte. Hoffte das Vieh etwa, dass sie was zu essen dabei hatte, so wie die ganzen Stadttauben, die sie von daheim kannte? Oder fragte es sich nur, was der flügellose Zweibeiner hier trieb? Dabei war sie sicher nicht die erste Touristin, die hier aufkreuzte.
Im Moment sah sie aber niemanden sonst. Das konnte an dem Regen liegen, der angekündigt gewesen war. Sie wusste es nicht, es reichte ihr, dass sie den Schirm, den sie sicherheitshalber (und trotz strahlendem Sonnenscheins) mitgenommen hatte, bisher nicht brauchte. Das konnte auch gerne noch eine Weile so bleiben.
Vermutlich etwas zu vorsichtig ging sie durch eine Tür. Ein Loch, in dem mal eine Tür gewesen war. Es gab bestimmt ein Wort dafür aber sie kannte es nicht und es interessierte sie auch nicht besonders. Sie konnte durchgehen, das genügte ihr.
Im Grunde sah es dahinter aus wie schon auf den vergangenen Metern. Alte Mauern, Boden der teils noch aus Stein bestand, teils hatte sich schon Erde und Moos und Grünzeug ausgebreitet. Aus einer Wand wuchs ein Strauch, der aber schon bessere Tage gesehen hatte. Wie lange würde es wohl dauern, bis der Wald sich die Ruine ganz zurückgeholt hatte? Sie wusste nicht einmal, wie alt das Kloster war. Wie lange schon verlassen. Sie war nur eine Touristin, die durch die Reste ging und hin und wieder einen Hauch davon spürte, wie alt all das hier war. Und wie vergänglich die Menschen selbst waren. Keiner erinnerte sich mehr an die Mönche, die hier gelebt hatten. Oder waren es Nonnen gewesen? Nicht einmal das wusste sie. Weil es sie eigentlich nicht interessierte. Warum auch? Sie waren tot. Vielleicht fand irgendjemand ihre Knochen. Möglich, dass sie hierzulande dafür auch das falsche Klima hatten.
Der erste dicke Tropfen landete auf ihrer Schulter und sie hob den Kopf. Unbemerkt hatte der Himmel sich jetzt doch zugezogen. Noch fielen die Tropfen eher vereinzelt, aber als sie den Schirm aufspannte, gab es trotzdem schon ein nettes Konzert. Als sie zehn Minuten später die Straße erreichte, die zum Ort zurückführte, war der Wolkenbruch in vollem Gange und sie ärgerte sich darüber, dass sie nicht daran gedacht hatte, wasserfeste Schuhe anzuziehen.
no subject
Date: 2018-07-03 07:32 pm (UTC)Und das hier?
Früher hatten hier Menschen gelebt. Hatten miteinander gelacht, sich gestritten, sich geliebt… nein, das wohl eher nicht, fiel ihr wieder ein. Das hier war ein Kloster gewesen.
Ist möglicherweise mein Lieblingsabsatz, den ich in einer ganzen Weile gelesen habe, er hat alles, mysteriöse Poesie und trockener Humor. =D
(Ich habe das Gefühl, dass klingt irgendwie sarkastisch, aber... ich meine jedes Wort, ich liebe diese Stelle. ♥)
P.S.: Ich habe deine beiden Einträge als "fürs Team" gezählt, hoffe das ist okay so.
no subject
Date: 2018-07-05 06:31 pm (UTC)Ich habe auch lange überlegt, was ich dazu schreiben solle. Aber ich wollte unbedingt, weil ich wahnsinnig auf solche Ruinen stehe. Die Idee kam dann unter der Dusche... well.
Auf jeden Fall hatte ich großen Spaß beim schreiben und ich freue mich, dass es dir gefallen hat ^-^
PS: Klar! Ich hatte vollkommen vergessen, die Challanges entsprechend zu markieren. Hole ich direkt nach. =)