Et voila - euer 16. Türchen
Dec. 16th, 2007 11:39 amEs ist mir ein bisschen lang geraten, ungeplant und es kann sein, dass ich zwischendurch den Faden mal verloren hab. *im Stress*
Fandom: Original
Prompts: Ladenschluss, Neuigkeiten, "Geschenkpapier ist für Weicheier!"
Wörter: 2234 *hust*
Das Telefon klingelte.
Norman sah auf, verharrte kurz und streckte sich dann über den Tisch um mit zwei Handgriffen das Gespräch anzunehmen und den Lautsprecher aufzudrehen.
„Hm?“ Er nahm den Bleistift aus dem Mund. „Ja?“
„Ich bin es.“ Kyle‘s dunkle Stimme hallte vom anderen Ende des Tisches zu ihm herüber. „Ich hab ne Neuigkeit für dich.“ Seine Stimme verlor auch durch den Hörer den immerwährenden spöttischen Klang nicht, der nur bei ihm einen beinahe liebevollen Beiklang bekam.
„Sag an…“ Er nahm den Bleistift wieder zwischen die Lippen, griff nach einem Fineliner und schrieb den Namen des jungen, polnischen Künstlers an die Nordwand im Grundriss der Galerie. Dort würden seine Bilder wohl am besten zur Geltung kommen, die Plastiken des Dänen konnte er immer noch in die Mitte des Raumes platzieren. Er richtete sich auf und betrachtete den riesigen Grundriss auf seinem Esstisch im Ganzen. Ja, bessere Lösung als zuvor…
„Hör mir zu, verdammt! Morgen ist Weihnachten.“
„Sieh einer an.“ Er legte die Stifte endgültig weg und stütze sich mit beiden Händen an der Kante des Tisches ab. „Seit wann denn das…?“
„Hm, lass es an die zweitausend Jahre sein…?“
„Dann wird’s ja mal Zeit, ein bisschen innovativer zu denken…“
„So ungefähr. Denk dran, morgen um vier bei meinen Eltern zu sein.“
Er runzelte die Stirn. „Das war morgen?“
„Zwangsläufig, da ja morgen nun einmal Weihnachten ist und wir schon immer Heiligabend bei meinen Eltern verbringen!“
„Seit zweitausend Jahren… das musst du echt geändert kriegen.“
„Haha.“
Er rieb sich mit geballten Fäusten über das Gesicht.
„Shit, dann muss ich noch schnell was besorgen… Ideen?“
„Meine Empfehlung? Verschieb das auf morgen früh.“
„… Wie spät haben wir es überhaupt? Oh…“ Die Zeiger der Uhr wiesen ihn erbarmungslos tickend darauf hin, dass es definitiv zu spät war, um loszugehen und offene Geschäfte zu suchen.
„Genau.“
„Hey… warum rufst du denn dann erst jetzt an! Hättest mich ja mal früher dran erinnern können!“
„Komm mir nicht so! Wie kann man einen Termin vergessen, der wirklich jedes Jahr stattfindet! Wie kann man ihn jedes Jahr vergessen!?“
„Siehst du! Du weißt es doch, also…!?“
„Oh glaub mir, meine Hoffnung, dass du eines Tages doch organisiert genug bist, schwand in den letzten Jahren so exponentiell, wie sie in denen davor gestiegen ist!“
„Blabla.“ Er tat die Diskussion mit einer Handbewegung ab, ungeachtet dessen, dass der andere es eh nicht sehen konnte.
„Denk du lieber - “
„Ich weiß, dass wir am 25. bei deiner Cousine eingeladen sind.“
Norman verdrehte die Augen. Er schwieg kurz und knurrte dann in Richtung des Telefons: „Sie hat nen Neuen…“
„Sie hat… Himmel, begib dich demnächst näher ans Telefon, wenn du nicht willst, dass das hier für deinen Gesprächspartner zum audiologischen Kraftakt werden soll! Was ist mit dem Neuen?“
„Er ist ihr Neuer.“
Kyle seufzte entnervt. „Krieg dich ein und geh nicht gleich mit nem bösen Gesicht in die Begegnung. Du tust ihr damit keinen Gefallen.“
„Was ja auch nicht Sinn der Sache ist.“
„Jaja. Denk an morgen, schreib dir nen Zettel oder so… ich hab jetzt noch zu tun.“
„Moment! Was soll ich mitbringen!?“
„Junge… es sind meine Eltern. Meine Mutter ist schon froh, wenn sie dich mal mit nen paar Pfunden mehr auf den Rippen sieht.“
„Ach, soll ich mir ne Wagenladung McDonald’s beschaffen und vor ihren Augen verdrücken oder was!?“ Er schnaubte.
„Was auch immer. Die Nacht über wirst du schon noch was zusammen kriegen.“
„Fuck, warte! Ich kann nicht… ich bin mit Giorgio und Juliana verabredet. Am ersten Januar kommen die neuen Exponate und wir müssen noch die Aufstellung besprechen.“
Kyle gab ein Unzufriedenheit ausdrückendes Geräusch von sich. „Wie gesagt, es sind meine Eltern… sie machen dir eh Vorhaltungen, wenn du was anschleppst, von wegen, das sei ja nicht nötig gewesen und so… kennst das ja.“
„Hm… Mist.“
„Die Läden schließen morgen Mittag, also sieh zu. Wir sehen uns zu Hause.“
Sprach‘s und legte auf.
Dumpfes Tuten erfüllte den Raum. Missmutig fixierte er das Gerät und beschloss kurzerhand, dass Juliana, Mitte Vierzig und Besitzerin der Galerie, in der er arbeitete, schon etwas einfallen würde, das ihm weiterhelfen würde. Sehr entspannt und sich als gerettet ansehend, wandte er sich wieder dem Chaos aus Raumplänen, Listen voller ausländischer Namen und Fotografien der auszustellenden Werke zu.
Julianas ‚Etwas‘ stellte sich schließlich als kleine aber hervorragend ausgearbeitete Bilder-Serie heraus, ganz die stilvolle Kunstliebhaberin, die sie war. Seinem Urteil nach auch in die Einrichtung des Wohnzimmers passend wurde es dem erfreuten Paar übergeben.
Man verbrachte den Heiligabend in gemütlicher Runde, beglückte die Mutter mit einem ordentlichen Appetit, den Vater mit positiven Erläuterungen hinsichtlich der Frage nach dem Geschäft.
Nur noch das Essen bei der geliebten kleinen Cousine…
Kyle verpasste ihm einen leichten Schlag auf den Rücken. „Zieh nicht so ein Gesicht.“
Sie gingen nebeneinander den Weg zur Haustür entlang.
„Es wird zum Kotzen werden. Wenn ich nur an die Fratze von diesem Typen denke…“
„Du kennst ihn doch noch gar nicht!“ Kyle hob eine Augenbraue und sah seinen Freund an, als sei er sich noch nicht sicher, ob er wirklich so sehr einen an der Schüssel hatte, wie es den Anschein machte.
„Sie sind alle gleich! Denk nur an die Letzten… immer dasselbe. Ich liebe die Kleine, aber sie hat einen beschissenen Geschmack.“
Kyle grinste. „Ach… ich fand den Letzten gar nicht so schlecht.“
„Halt die Klappe.“
Sie waren an der Tür angekommen und betätigten den Klingelknopf. Kyle wuschelte Norman noch ein Mal durch die kurzen, unordentlichen Haare, dieser ließ ein Knurren Bände sprechen und die Tür öffnete sich.
Grace, die jüngere Schwester von Normans verstorbener Mutter, trat ihnen lächelnd entgegen.
„Hallo, meine beiden. Fröhliche Weihnachten!“ Sie begrüßte die zwei Männer mit einem Kuss und ließ sie eintreten.
„Es ist noch ein bisschen Zeit, Stephen braucht noch ein bisschen mit der Gans.“
„Stephen?“ Norman schnitt eine Grimasse, während er sich aus seinem Mantel schälte.
Seine Tante und Kyle tauschten ein Grinsen. „Ja, er ist Koch und war uns dieses Jahr eine große Hilfe beim Zubereiten. Er macht seine Sache wirklich gut und konnte uns eine Menge Tipps geben.“, antwortete sie. „Ein netter Kerl.“
Ihr Neffe sah sie an, als könne er nicht fassen, dass sie ernsthaft erwartete, er würde etwas anrühren, das jemand, der nur ein Stümper sein konnte, zubereitet hatte. Sie stieß ihn in die Seite. „Sei ein wenig offener und halt dich mit Äußerungen zurück. Alice gibt zwar nicht mehr viel auf deine Worte, was das anbelangt, aber verdirb ihr den Abend nicht.“
„Na danke.“ Er sah sie säuerlich an. Sie grinste schalkhaft.
In diesem Moment steckte ebenjene abgehärtete Cousine ihren Kopf um die Ecke und entdeckte die drei im Flur.
Alice strahlte, als sie den erwarteten Besuch sah. „Da seid ihr ja! Warum steht ihr so lange im Flur rum!?“ Sie sprang aufgeregt und augenscheinlich bester Laune auf die Männer zu, umarmte jeden von ihnen stürmisch und zog sie an je einer Hand in das warme Haus hinein.
Alice war ein paar Jahre jünger als Norman und die beiden und Kyle waren quasi zusammen aufgewachsen. Nach dem Tod seiner Eltern war Norman bei seiner Tante untergekommen. Diese hatte sich schon früh von ihrem Mann getrennt und erzog so Tochter und Neffe allein. Kyles Familie wohnte nur ein paar Straßen weiter und die Eltern waren einander gut bekannt, sodass es ein leichtes für die Drei war Freundschaft zu schließen.
Die Nähe zueinander erlaubte es den Jungen aber auch einen guten Blick auf Alice zu haben, Alice und ihr früh erwachter Drang, anderen Jungen zu gefallen und sie dann um den Finger zu wickeln.
Während Kyle dem gewohnt ruhig entgegensah und sich nicht in ihre Angelegenheiten einmischte, räumte Norman seinem Beschützerinstinkt eine Menge Raum ein und machte dem ordentlich Luft, wenn ihm danach war. Nicht selten war er im Zuge dessen heftig mit Alice aneinander geraten und erst, als sie ihn drei Monate lang ignorierte und provokativ ständig Jungen mit nach Hause brachte – ob ein richtiger Freund oder nur Kumpels aus der Schule, mit denen man ganz betont besonders viel Spaß haben konnte – lenkte er ein wenig ein und lernte, sich seine Äußerungen zu verkneifen.
Nun ja, zum größten Teil zumindest…
Norman fixierte Alice Hinterkopf. „Seit wann bist du denn mit ihm zusammen?“
Er sah, wie sie die Luft einsog und sich dann zu ihm umdrehte. Seine Hand hatte sie losgelassen, hielt nur noch Kyle fest. Der stand wie unbeteiligt neben ihr und verdrehte die Augen.
„Eine Weile schon.“, sagte sie zischend. Er setze an, etwas zu sagen.
Sie unterbrach ihn schon vor der ersten Silbe: „Ich will’s nicht wissen.“ Kyle immer noch an der Hand, ging sie durch das Wohnzimmer. Der Ältere ließ sich brav rumbugsieren und auf die große Couch platzieren. Er überschlug elegant die Beine und zeigte sich als interessierter Zuschauer der Situation. Ein Grinsen bildete sich in seinem Mundwinkel.
„Hey!“, protestierte Norman. „Ich hab doch gar nichts gesagt. Das war eine höfliche Frage.“ Er hob unschuldig du Schultern. Kyle und Alice warfen ihm synchron einen Blick á la „Das glaubst du doch wohl selber nicht?“ zu. Er stierte zurück.
In diesem Moment betrat Stephen das Wohnzimmer. Ahnungslos seine Hände mit einem Geschirrtuch abtrocknend stellte er sich neben Alice und sah freundlich in die Runde.
Schon in diesem Moment hatte er bei dem skeptischen Cousin verloren und diese Erkenntnis legte sich spürbar in den Raum.
Stephen lächelte nur, kein Gefühl für die Spannung im Raum. Er ging auf Norman zu und streckte ihm die Hand entgegen. „Hi, Stephen.“ Der ergriff sie prompt und grinste ausdruckslos. „Norman.“
Als er sich zu Kyle umwandte, um sich dort ebenfalls vorzustellen, schnitt Norman eine Grimasse in seine Richtung. Kyle unterdrückte ein Grinsen und schenkte Stephen ein höfliches Lächeln.
Er seufzte innerlich tief auf. Das konnte ja was werden.
Nach einigem netten, aber nichtssagenden Geplänkel fanden sie sich irgendwann beim Essen am großen Tisch zusammen. Es schmeckte sehr gut, was Norman nicht davon abhielt, nur winzige Portionen auf seinen Teller zu laden und diese widerspenstig herunterzuzwingen. Es war nicht schwer seinen Unmut vor Stephen zu verbergen, da dieser sich vollkommen auf Alice konzentrierte, die wie eine Königin am langen Ende des Tisches saß und seine Bemühungen gelegentlich mit einem bezaubernden Lächeln honorierte. Er war ihr verfallen, von Kopf bis Fuß. Norman stempelte ihn endgültig als Niete ab.
Die junge Frau lenkte das Gespräch. „Über Silvester geht es erstmal mit ein paar Freunden in die Berge. Wir haben eine Hütte gemietet, zu zwölft. Das wird ganz lustig werden.“ Sie nippte an ihrem Wein.
Stephen nickte begeistert. „Zum Glück gab es keine Probleme, unsere Freunde miteinander bekannt zu machen. War ziemlich einfach.“ Er ergriff Alice‘s Hand. „Wir sind sehr glücklich, alles passt perfekt.“
Er strahlte abermals.
Sie nahm das Glas nicht von den Lippen, hielt jedoch inne und warf einen kurzen Blick in die Runde. In ihren Augen blitzte es belustigt.
Eine allgemeine Welle des Mitleids schwappte Stephen entgegen.
Grace räusperte sich verhalten, Kyle griff ebenfalls nach seinem Glas und Norman starrte den Freund seiner Cousine nur entgeistert an.
Später in der Küche half Norman Alice die Teller in den Geschirrspüler zu räumen.
„Das ist nicht dein Ernst oder?“
„Komm schon, No, lass mich.“ Die Verwendung seines alten Spitznamen zeigte ihm, dass sie keineswegs schlecht gelaunt war. Eher das Gegenteil.
„Was hast du ihm gegeben, der steht ja vollkommen unter deiner Fuchtel.“
„Red keinen Quatsch, er ist nur besonders… aufmerksam.“
„Na, das hast du aber besonders nett ausgedrückt. Er ist n‘ Schwamm…“
Sie gab ihm mit dem Holzlöffel eins über. „So schlimm ist es auch nicht. Falls es dich beruhigt: Ich werde ihn nicht das ganze nächste Jahr mit mir rumschleppen.“
„Na, Gott sei Dank…“
„Dass du dich auch wieder einmischen musst… überlass das ruhig mir.“
„Jaja…“
Der Rest des Abends verlief friedlich. Sie setzen noch eine Mini-Bescherung an und ließen das Zusammensein ruhig ausklingen.
Norman ignorierte Stephen weitestgehend, warf ihm höchstens ein paar Blicke zu, Abneigung gepaart mit einer Prise Mitleid. Kyle registrierte sein Verhalten wohlwollend und als sie schließlich nach dem Abschied zusammen zum Auto gingen, sagte er ihm scherzhaft-väterlich, dass er stolz auf ihn sei. Sein Begleiter sah ihn abschätzig an und verpasste ihm einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Es lohnt sich gar nicht, dem Bengel hinten rum klar zu machen, dass er n Versager ist. Er kriegt’s nicht mal mit… elender Langweiler.“
Kyle lachte. „Alice hat ihren Spaß an ihm.“
„Na immerhin!“, spottete der Andere. „Hast du sein Geschenk gesehen!? Bah, Geschenkpapier ist was für Weicheier!“
„Hey, nur weil du zu faul bist, deine Sachen einzupacken…! Such nicht nach jedem kleinen Fehler bei ihm.“
„Stimmt, die Großen reichen vollkommen aus. Und außerdem… auf dem Papier waren Schleifen und Rentiere und so… es hatte nicht mal Stil.“
„Gott, darüber kannst du dich aber auch stundenlang mokieren…“
„Zu Recht… und das Essen war zum Kotzen. Gibt’s hier irgendwo ein McDonalds?“
„Das Essen war fantastisch und nein.“
„… Ich hab Hunger.“
„Was nicht verwunderlich ist.“ Kyle startete den Wagen und ignorierte Normans Blicke, die ihn von der Seite fixierten.
Nach minutenlangem vorwurfsvollen Schweigen gab er auf.
„Wir fahren zu mir, ich hab noch Pizza im Schrank.“
Norman grinste breit.
„Pizza am Heiligabend…“ Er schüttelte vage verzweifelt den Kopf.
Norman strahlte sichtbar Zufriedenheit aus, stellte das Radio an und lehnte sich zurück.
„Vielleicht ist es gar nicht so schlecht Weihnachten noch ein bisschen zu behalten. Du kannst dir nächstes Jahr Gedanken zur Abschaffung machen.“
Kyle schnaubte sardonisch. „Wie gnädig.“
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Date: 2007-12-16 11:55 am (UTC)Ich stehe auf Norman.^^ Er vergisst Weihnachten! Er VERGISST WEIHNACHTEN! *loves*
*hust*
Gott, die beiden sind zu süß.^^
Und Alice ist... ein Monster. *sie flausch*
no subject
Date: 2007-12-17 01:46 pm (UTC)Ja, man muss schon ein vielbeschäftigter oder seehr introvertierter Mensch sein um Weihnachten erflgreich zu verdängen. *g*
Stephen tut mir Leid- also so richtig jetzt. ._. Armer Kerl. In welch eine Familie ist er da reingeraten? *gg*
no subject
Date: 2007-12-17 07:04 pm (UTC)Stephen... jaah, arme Sau, aber ich setze ihn auch nicht mehr der Bande aus. =D Ich denke, Grace und Kyle werden ganz nett zu ihm gewesen sein... und Normans Abneigung hat er eh nicht mitbekommen. Er hat wohl nur halb so sehr gelitten, wie es normalerweise der Fall wäre... war geblendet von Alice. *g*