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Bevor ich es morgen vergesse...

Fandom: BtVS
Challenge: #1 Mit und ohne Schnee
Warnungen: Character Death, aber das ist Ansichtssache...
Pairings: Buffy/Angel, Willow/Angel
Rating: ab 12
Inhalt: Bezieht sich auf die Folge 3x10 - 'Amends': Angenommen, der plötzliche Schneefall hatte keine natürlichen Ursachen. Angenommen, es gab ursprünglich gar keinen Schnee. Und angenommen, Willow vermisst das 'Wilde Chaotistan' mehr, als sie jemals freiwillig zugeben würde...
Wörter: 1977
Kommentar: Das erste Mal seit... mindestens drei Monaten, dass ich wieder was für Buffy schreibe. Dementsprechend wackelig ist das Ganze vermutlich auch. *grmpf* Aber bei dem Prompt konnte ich nicht widerstehen.

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A little bit of falling snow


Sie hat den Heiligabend mit Oz nicht wirklich genießen können. Zugegeben, sie hatten sich wieder versöhnt und generell gesehen sollte sie froh sein, dass er ihr verziehen hatte. Knutschen mit einem anderen – mit Xander – war nichts, das sie noch einmal wiederholen würde. Nicht solange sie mit Oz zusammen war.

Dennoch, es fühlte sich anders an als früher. In seinen Armen zu liegen. Es war… fremd angesichts der Tatsache, dass sie letzte Woche noch Angel gefoltert hatte. Gut, das war eine andere Dimension und dank Giles' Hilfe nicht von Dauer gewesen. Diese Vampir-Sache hatte etwas Unheimliches an sich gehabt.

Etwas Unheimliches – und Angel. Sie hatte ihn besessen. Das war ein gutes Gefühl gewesen. Ein erregendes, prickelndes. Willow wollte es nicht so recht zugeben, aber sie vermisste das.

Cordelias Wunsch hatte sie alle mehr oder weniger umgehauen. Darüber gesprochen hatte keiner von ihnen, aber Willow hatte es den anderen angesehen. Sie und Xander hielten es nicht miteinander in einem Raum aus und das lag nicht an den Dingen, die sie kurze Zeit zuvor bei solchen Gelegenheiten getan hatten. Oz sah sie schief an und Buffy hatte sich komplett zurückgezogen. Immerhin hatte sie sie dort alle umgebracht.

Willow hatte bei ihr den Versuch gemacht, über dieses abgedrehte Erlebnis zu sprechen. Gelungen war es ihr nicht. Buffy wollte von nichts wissen. Und im Nachhinein war Willow froh darüber, dass sie ihr nicht das gesagt hatte, was sie ihr hatte sagen wollen: „Du wirst es niemals zulassen, dass irgendjemand von uns stirbt.“ Denn das wäre eine Lüge gewesen. Angel war gestorben.

Willow konnte noch nicht richtig begreifen, was an Heiligabend auf dem Hügel am Rande Sunnydales passiert war. Doch sie hatte es gespürt. Das war der Grund, weshalb sie Oz' Anwesenheit nicht hatte genießen können. Etwas stimmte nicht und dieses Etwas hatte mit Angel zu tun.

Nun wusste sie, was das gewesen war. Sie konnte nicht glauben, dass er sich wirklich dem Sonnenaufgang ausgeliefert hatte. Wegen einer fixen Idee, wegen ein paar Heimsuchungen. Das sollte ihn nicht mehr beeindrucken. Nicht nach den Dingen, die sie in dieser anderen Dimension mit ihm angestellt hatte.

Angel hatte es natürlich auch gewusst. Als Willow ihm das erste Mal gegenüber gestanden hatte, war sie tiefrot angelaufen und hatte sich rasch wieder ihrem Buch zugewandt. Göttin, sie war noch Jungfrau und erinnerte sich daran, Dinge getan zu haben, die… Sie wollte nicht einmal darüber nachdenken.

Angel offenbar auch nicht. Er hatte so getan, als wäre sie gar nicht da. Und auch das war nicht richtig. Nicht für Willow. Sie hätte gerne gewusst, was er darüber dachte. Obwohl sie dieses Gespräch sicherlich nicht ohne einen Herzinfarkt überstanden hätte. Vielleicht war es besser, dass sie es nicht erfahren hatte.

Und dennoch… Angels Tod ließ sie nicht los. Er war der kalifornischen Sonne zum Opfer gefallen, hatte Buffy todunglücklich und sie selbst vollkommen verwirrt zurückgelassen. Sie konnte ihm das nicht verzeihen.

Was vor allem daran lag, dass sie Buffy nicht einmal beistehen konnte. Allein die Vorstellung, zu der Jägerin zu gehen und ihr zu sagen, dass es nicht ihre Schuld war, obwohl sie sie doch am liebsten gefragt hätte, warum sie es nicht verhindert hatte… Es war absurd, vollkommen absurd!

Vermutlich saß sie genau deswegen am ersten Weihnachtsfeiertag in der Bibliothek der Sunnydale High School und wälzte Bücher, die Giles in einer unzugänglichen Ecke aufbewahrte. Unzugänglich für die anderen Schüler, aber nicht für sie. Für Willow war nichts mehr unzugänglich, seitdem sie Angel seine Seele zurückgegeben hatte.

Schließlich wurde sie fündig und kopierte sich die drei Seiten aus dem Buch, dessen unleserlicher Umschlag dabei beinahe das Zeitliche segnete. So wie sie alles vorgefunden hatte, verließ sie die Bibliothek auch wieder und machte sich auf den Weg zum Hügel, auf dem Angel gestorben war.

***


Der Zauber war komplizierter als alles, was sie zuvor versucht hatte. Sie musste zuerst in die Vergangenheit reisen und dann dort die leichteste aller Variablen ändern: das Wetter. Und das Ganze am besten so schnell wie möglich, denn je länger sie wartete, desto schwieriger würde sich das Problem mit der Zeit gestalten.

Das schlimmste an der Sache war, dass es beinahe komplett ohne magische Zutaten ablief. Es war eine Kopfsache. Für gewöhnlich war Willow gut in Kopfsachen, aber heute… Sie wagte zu bezweifeln, dass sie sich wirklich würde konzentrieren können.

So lief sie beinahe zwei Stunden in der sengenden Hitze auf dem Hügel herum und suchte nach einem Schlupfloch. So emotionale Ereignisse wie die der vergangenen Nacht hinterließen immer Schlupflöcher, die sie genau dorthin führen würden, wo sie hin wollte. Das Dumme war nur, dass diese Dinger so klein waren, dass sie gerade mal die Größe eines Stecknadelkopfes vorzuweisen hatten. Und es befand sich viel Heu in der Luft.

Erst als es bereits dämmerte, fiel ihr der winzige Punkt auf. Und das auch nur für eine Minute. Es war dieses gewisse Licht des Sonnenunterganges, das ihn schimmern ließ. Wenn sie nicht sowieso die Augen danach offen gehalten hätte, hätte sie ihn nie gesehen.

Verschwitzt und erschöpft, aber zielstrebig lief Willow darauf zu, sagte das kleine Sprüchlein auf und beobachtete fasziniert, wie der Punkt größer wurde, das Strahlen heller und die magischen Schwingungen, die sie die ganze Zeit zu finden versucht hatte, so stark, dass sich ihre Haare aufstellten. Mit einem letzten tiefen Atemzug tat sie den Schritt durch die mattblaue Oberfläche.

***


Willow stolperte und fiel zu Boden, als sie in der Vergangenheit auftauchte. Stöhnend wischte sie sich die Haare aus dem Gesicht und rappelte sich auf. Und sie war nicht die einzige, die dies in genau diesem Moment tat.

Buffy und Angel befanden sich nur etwa zwei Meter von ihr entfernt und hatten sie offenbar nicht bemerkt. Das war gut, mehr als gut. Willow konnte nur vermuten, was eben passiert war. Es hatte auf dem Boden stattgefunden. Aber sie waren angezogen! Göttin, sei dank…

Im nächsten Moment schlug sie sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und gab ein zerknirschtes Geräusch von sich. Sie hatte nicht das Recht, eifersüchtig zu sein.

„Buffy, bitte…“, sagte Angel in diesem Moment und seine Mimik und der Tonfall erinnerten sie sehr daran, wie er sie immer angefleht hatte. „Willow, bitte…“ Es erfüllte sie mit einem schmerzhaften Rauschen. „Ein einziges Mal… Lass mich einmal stark sein.“

Hier musste Willow vollkommen unpassend grinsen. Stark sein, das hatte er bei ihr auch immer gewollt. Er hatte es nie geschafft. Willow hatte nicht gewusst, wie gut es sich anfühlte, einen Mann wie ihn um den Finger wickeln zu können. Das war definitiv etwas, das das Selbstbewusstsein steigen ließ. Und das sie erklärt haben wollte! Warum hatte er sie nicht irgendwie überwältigt? Er war schließlich auch ein Vampir gewesen. Es hatte genug Gelegenheiten gegeben und er hatte sie nicht genutzt.

„Stark sein heißt kämpfen! Es ist schwer, es ist schmerzhaft und du darfst nie nachlassen“, begann Buffy, als hätte sie diesen Spruch auswendig gelernt. Für einen Moment war Willow neidisch. Sie hätte in dieser Situation das Stottern und Brabbeln angefangen. „Aber wir haben keine Wahl und ich werd' dich nicht allein lassen.“ Buffys Stimme war merklich höher geworden und klang sehr viel kläglicher als zuvor. Willow tat unbewusst einen Schritt nach vorne und beobachtete gebannt, was vor ihr passierte. Wie die beiden sich ansahen und Angel dann den Blick abwandte.

Etwas veränderte sich in Buffys Augen. Ihr Ausdruck wurde hart und als sie zu sprechen begann, riss auch Willow sich aus ihrer Trance. Sie hatte etwas zu tun.

„Aber wenn du zu feige bist, dich dem Kampf zu stellen…“, begann Buffy.

„Mächte des Himmels, hört mich an“, begann Willow und wandte den Blick in den noch schwarzen Nachthimmel. Sie spürte die Magie, wie sie sich einen Weg zur Erde bahnte und Kontakt mit ihr aufnahm. Wie sie ihr Innerstes durchmischte und sich dort festsetzte. Wie sie ihr bereitwillig die Macht über die Elemente gab.

„…verbrenne“, stieß die Jägerin aus, sehr bitter klingend.

„Schnee“, bat Willow, sehr sanft.

„Wenn ich es nicht schaffe, dich zu überzeugen, dass du hierher gehörst, dann weiß ich nicht, wer es kann.“ Buffy.

„Ich.“ Willow lächelte, als sie spürte, wie es kälter wurde. Als sie die Augen öffnete, segelten bereits die ersten Schneeflocken durch die Luft. Wie kleine weiße Löcher im Dunkel der Nacht fielen sie zu Boden, von den beiden Personen vor ihr zuerst unbemerkt.

„Eines sag ich dir, erwarte nicht von mir, dass ich zusehe. Und dann glaub' bloß nicht, dass ich um dich trauern werde, denn…“ Hier wurde auch Buffy auf die Schneeflocken aufmerksam und während Willow mit einer hochgezogenen Augenbraue die Arme über die Lügen ihrer besten Freundin verschränkte, vergaßen sowohl die Jägerin als auch der Vampir, dass sie sich gerade stritten.

Immer stärker wurde das Schneegestöber, die Wolken über ihnen immer dichter. Doch Willow allein wusste, dass die Sonne heute den ganzen Tag über nicht aufgehen würde. Dass Sunnydale unter einer Kuppel von Wolken, Schnee und Kälte verborgen bleiben würde. Dass Angel diese Nacht nicht sterben würde.

Noch während Buffy ungläubig über den Hügel wanderte und kaum glauben konnte, was vor ihren Augen geschah, trennte die Macht sich wieder von Willow und das Portal in ihre Zeit öffnete sich hinter ihr. Erst da wurde der Hexe bewusst, dass das Ganze nicht auf ihrem Mist gewachsen war, sondern vielmehr dem großen kosmischen Plan entsprang, den niemand zu durchschauen vermochte.

Unsicher, was sie von dieser Entwicklung halten sollte, dass sie als Werkzeug missbraucht worden war, kehrte sie in ihre Zeit zurück und trat auf eine knisternde Schneedecke. „Ihr hättet mir wenigstens einen Pullover dafür geben können“, stellte sie fröstelnd fest und machte sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg nach Hause.

***


Drei Tage später stand Willow noch vor Schulbeginn vor Angels Villa. Sie könnte einfach hineingehen, er würde sicherlich noch wach sein. Sie könnte ihn fragen, zur Rede stellen. Das war der Grund, aus dem sie hergekommen war.

Und dann öffneten sich plötzlich die Vorhänge, die den Eingang der Villa vor dem Sonnenlicht schützten, und Willow tat das erste, was ihr in den Sinn kam: Sie machte einen großen Schritt hinter eine der Säulen.

Es war Buffy, die sich halb durch die Vorhänge schob und sich von Angel verabschiedete. „Ich hasse Schule“, ließ sie ihn murrend wissen und was danach zu hören war, klang verdächtig nach einem Kuss.

„Nicht mehr lange, dann hast du es hinter dir“, tröstete der Vampir sie und als Willow vorsichtig an der Säule vorbei schielte, sah sie, wie er ihr die Hand an die Wange legte und sorgfältig darauf achtete, damit nicht ins Sonnenlicht zu gelangen.

Kurz darauf drehte Buffy sich endgültig um und verließ mit großen Schritten den Innenhof der Villa, während Angel ihr hinterher sah.

Willow hingegen sah Angel an und glaubte das in seinem Blick sehen zu können, was sie selbst immer in seiner Gegenwart verspürte: Sehnsucht. Noch bevor sie reagieren konnte, wanderten seine Blicke zielgerichtet zu ihr. Dunkel und unergründlich sah er sie an und Willow spürte ihren Herzschlag schneller werden. Angst kroch durch ihre Adern und jegliche Fähigkeit zur klaren Artikulation verschwand. Ihr Mund wurde trocken und nur durch diesen Blick verstand sie.

Dass er ihr nichts erklären musste. Dass es war schlauer, so zu tun, als wüsste er von nichts. Denn mit dem Wissen kam Verantwortung und in diesem Fall ging es um zwei Beziehungen und eine ganze Reihe Freundschaften. Er war nicht bereit, die Verantwortung dafür zu tragen. Ebenso wenig wie Willow.

Deswegen senkte sie den Kopf, nickte leicht und verließ den Innenhof. Es war vermutlich schlauer, ihrem eigenen Versprechen treu zu bleiben: Keine anderen Männer, solange sie mit Oz zusammen war. Vielleicht irgendwann einmal… aber nicht jetzt.

Mit dem dennoch zufriedenen Gefühl, ein Leben gerettet zu haben, und dem Wissen, dass ihre magischen Fähigkeiten seit dem ersten Weihnachtsfeiertag gewaltig gewachsen waren, kehrte sie zurück in das Leben, das sie vor der Sache mit Xander und Cordelias Wunsch gehabt hatte. Und möglicherweise war dies das größte Geschenk, das Angel ihr hatte machen können.

ENDE

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