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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Challenge: eine Szene, die dazu dient, einen Ort zu beschreiben, ohne die Beschreibung in den Vordergrund zu rücken (bin nicht sicher, ob das geklappt hat... naja XD)
Fandom: Original - Hinter dem Spiegel
Charaktere: Felix, Raiven


Bis zum Park war es nicht sehr weit, vielleicht eine Viertelstunde zu Fuß und Felix fragte sich mehr und mehr, was Raiven ihm hier zeigen wollte. Zwar war es dort ganz hübsch, wenn nicht gerade irgendwelche Besoffenen eine Party gefeiert hatten, aber etwas Besonderes war er nun wirklich nicht. Es gab sehr viel schönere Stellen in dieser Stadt. Und außerhalb. Und in Raivens eigener Welt. Aber aus dem Alb war natürlich kein Wort herauszukriegen, weswegen Felix es nach fünf Minuten aufgab.
Viel los war nicht. Konnte daran liegen, dass es kalt war. Wirklich kalt. Eigentlich so kalt, dass Raiven sich schlichtweg weigern müsste, rauszugehen.
Der Vorteil war, dass kaum jemand unterwegs war. Ein paar späte Pendler, die mit tief ins Gesicht gezogener Mütze oder Kapuze an ihnen vorbeieilten. Einmal wohl um warm zu werden oder zu bleiben und außerdem um ganz schnell aus dieser Kälte herauszukommen.
Felix spürte jetzt schon, wie seine Fingerspitzen unangenehm zu stechen begannen. Dabei waren die Handschuhe eigentlich dick genug. Wie es Raiven gehen musste, darüber wollte er lieber nicht näher nachdenken. Aber der Alb jammerte ausnahmsweise einmal nicht, sondern ging zielstrebig voran, aber immehrin so dick eingepackt, dass er hier nicht weiter auffiel. Solange die Kapuze an Ort und Stelle blieb.
Als sie den Park betraten, war keine Menschenseele zu sehen. Manchmal, wenn Felix abends mit Winnie spazieren ging, sah er einen Obdachlosen, der unter der großen Kastanie am Anfang des Weges, der sich durch das Gelände schlängelte, saß und seinen eigenen Hund streichelte oder mit Leckerlis fütterte, die er wohl von Passanten bekommen hatte. Felix mochte den Mann, er war auch schon mit ihm ins Gespräch gekommen. Was eher an Winnie gelegen hatte, die hatte beschlossen, die Promenadenmischung des Obdachlosen näher kennenzulernen. Er war froh, dass der Mann heute nicht da war. Das bedeutete hoffentlich, dass er einen warmen Ort hatte, wo er die Nacht verbrachte. Man hörte zu oft davon, dass die Leute einfach auf der Straße erfroren.
Raiven folgte dem Weg nur ein paar Meter und ignorierte die erste Kurve, die dafür sorgte, dass man in einem weiten Bogen um den See herumging, der hinter dichtem Gebüsch lag. So gut versteckt, dass Felix ihn erst entdeckt hatte, als Winnie im Sommer der Meinung gewesen war, schwimmen gehen zu wollen. Frau Schmitz war nicht begeistert gewesen, als er ihr später den immer noch feuchten Hund zurückgebracht hatte. Zum Glück würde Raiven kaum vorhaben, ins Wasser zu springen. Wäre auch schwierig, wie Felix feststellte. Zwar war es erst seit zwei Tagen wirklich kalt, aber der See war bereits gefroren. Oder ging das immer so schnell? Bei gut minus zehn Grad… vermutlich.
Immerhin blieb Raiven jetzt stehen und sah sich um. Im Licht des heute besonders großen Vollmondes wirkte er trotz der dicken Klamotten wie das Wesen aus einer anderen Welt, das er nunmal war. Unwirklich. Ebenso wie die ganze Szenerie. Das Eis glänzte auf eine Art, die Felix noch nie gesehen hatte. Als wäre er mit feinem Glitzer bestäubt. Die Reflexion des Mondes war eher ein leuchtender Schemen. Als befände sich unter dem Eis eine Lampe, die nicht ganz durchdrang.
“Was…”, begann Felix, aber Raiven legte ihm eine behandschuhte Hand auf den Mund. “Still”, flüsterte er und zog ihn hinter einen Busch. Natürlich bewegte der Alb sich vollkommen lautlos, Felix selbst hatte eher das Gefühl, er trampelte wie ein Elefant über den gefrorenen Untergrund.
Erst als sie hinter dem blattlosen Busch saßen, fiel ihm auf, dass es hier viel zu dunkel war. Trotz des Mondes. Der Hauptweg war zwar nicht so gut beleuchtet wie andere Straßen, aber Felix wusste ganz genau, dass an der Kurve die sie ausgelassen hatten, eine Lampe stand. Und ihr Licht war hell genug, um wenigstens etwas bis hierher vorzudringen. Aber da war nichts. Das einzige was die Umgebnung erhellte war der riesige Vollmond, der die Umgebung glitzern ließ. Nicht nur den See, sondern auch die Büsche. Raureif. Die kahlen Bäume waren nicht mehr so deutlich zu erkennen, aber die Schatten ihrer Skelette wirkten nicht so bedrohlich wie sonst.
Raivens bleiches Gesicht schob sich in Felix’ Blickfeld. “Es dauert nicht mehr lange”, flüsterte er und Felix war erstmal davon abgelenkt, wie nah der Alb war. Ihm war sichtlich kalt, trotzdem glaubte er ein Grinsen zu erkennen.
“Irgendwas stimmt hier nicht”, meinte Felix nur ebenso leise und Raiven zuckte mit den Schultern, bevor er sich an ihn lehnte. Auch wenn es wohl wenig helfen würde, legte Felix die Arme um ihn. Eine Geste, die Raiven sofort annahm und mehr Nähe suchte.
“Ich erklärs dir später… aber kaum jemand von hier hat je gesehen, was gleich passiert. Aber nur, wenn wir jetzt still sind.”
Felix nickte und seufzte. Hauptsache es geschah, bevor sie beide hier erfroren.
Die Glitzerfunken auf dem See erhoben sich. Erst nur so vereinzelt, dass Felix sich sicher war, er bekam jetzt Halluzinationen, aber dann wurden es immer mehr, bis die Oberfläche des Sees pechschwarz dalag. Raiven legte ihm wieder die Hand auf den Mund, was auch besser so war, denn sonst hätte er irgendein dummes Geräusch gemacht. So konnte er aber staunend beobachten, wie die Funken umherwirbelten, wie eiskalte Glühwürmchen und schließlich… Körper bildeten. Oder so. Kleine, tanzende Körper. Aus der Ferne glaubte Felix Gelächter zu hören. Helles Gelächter, das mit Begriffen die er kannte, nicht näher zu beschreiben war.
Immer wieder schienen die Körper zu zerfallen und aus glitzernd neu zu entstehen. Bewegten sich, verschmolzen und fielen am Ende wieder auf das Eis herab. Felix begriff erst, dass es vorbei war, als Raiven aufstand und leise sagte: “Gehen wir.”
Als Felix sich ebenfalls erhob (was mit steifgefrorenen Gliedern gar nicht so einfach war), fielen ihm die fahlen Lichtflecken auf, die die Lampe vom Weg durch das Gebüsch warf.

Date: 2018-02-03 08:42 pm (UTC)
From: [identity profile] leiyahime.livejournal.com
AWWWW das ist ne schöne Stimmung!!! I like! Very much!!! Für sowas loht es sch definitiv mitten im eiskalten Winter rauszugehen!! Und ich finde, du hast die Beschreibung gut in die Story mit einfließen lassen! *-*
Danach müssen sie sich gleich gut aufwärmen!! I like!

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