Verstaubt

Feb. 2nd, 2018 09:52 pm
[identity profile] leiyahime.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Challenge: Aufgabe: eine Szene, die dazu dient, einen Ort zu beschreiben, ohne die Beschreibung in den Vordergrund zu rücken
   (Ich hasse Beschreibungen. kA ob mir das so gelungen ist, aber ich lass das nu so)
Fandom: Fesseln des Verrats
Charaktere: Shuusei, Hotsuma, der Giou-Clan
Wörter: 1160

Der Parkplatz war schon gut gefüllt, als er ankam. Gott, er hasste Familienfeiern. Vor allem seine. Diese konservativen Leute, von denen einige noch im vorletzten Jahrhundert stecken geblieben waren, obwohl sie noch keine vier Jahrzehnte auf dem Buckel hatten. Wenn hier jemand das Recht hatte, konservativ zu sein, dann war es doch wohl er. Und die anderen Zweilts, die sich alle noch an die Edo- und Heian-Zeiten erinnerten. Und natürlich Takashiro, der ja nun wirklich aus dem letzten Jahrtausend stammte und gar nichts vergaß. Takashiro war auch der einzige, dem er es verzieh, nicht so schnell mit der Zeit zu gehen. Aber der Rest? Er schüttelte den Kopf. Er bemerkte einen alten roten Honda an einem Ende des Parkplatzes stehen. Das hieß, sein Partner war schon hier. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Dann würde er gleich reingehen und den vor seinen Eltern retten. Und nebenbei den gesamten Clan schocken.

Er schob die Eingangstür des alten Holzhauses auf und betrat den Vorflur. Das „irasshaimase“ einer Angestellten kam ihm entgegen und wenig später erschien eine Frau mittleren Alters und stellte ihm ein Paar Gästehausschuhe hin. „Sie gehören zu den Giou?“ fragte sie nach.

Er nickte, während er seine Straßenschuhe auszog und in ein leeres Fach in dem Schuhschrank an der Papierwand des Vorflurs stellte und dann in die Hausschuhe schllüpfte. Am Rande bemerkte er eine große Vase mit getrockneten Herbstblumen passend zur Jahreszeit.

„Dann folgen Sie mir.“ Forderte die Frau ihn auf. Sie liefen durch einen langen Flur mit gepflegten Tatamimatten, die dünnen Holz- und Papierwände waren künstlerisch mit Naturmotiven gestaltet, was ihm ein leichtes Lächeln entlockte. Er mochte diese unaufdringliche Kunst sehr gern. Schon bald hörte er Stimmen der Gäste.
Als sie die Tür am Ende des Flurs erreichten, verbeugte die Frau sich und schob die Tür auf.

Er bedankte sich bei ihr und betrat den Raum, aus dem schon  viele Stimmen und die leisen Klänge einer Shamisen kamen. Er war ähnlich wie der Flur gestaltet, nur, dass durch eine halb geöffnete Schiebetür Tageslicht in den Raum fiel.

„Ah, da ist er ja! Ich dachte du kommst gar nicht mehr!“ sagte jemand, als er bemerkt wurde und übertönte damit sogar die Musik der Geisha, die an einer Stirnseite des Raumes ihre Instrumente aufgebaut hatte, um die Gesellschaft mit Musik und Tanz zu unterhalten.

Er rollte die Augen. Seine eigenen Erzeuger waren also auch schon da. Auf die konnte er getrost verzichten.

„Meine Klausur ging bis zwei Und danach musste ich noch irgendwie zum Bahnhof kommen…“ Natürlich konnte er da nicht so schnell hier sein. Vor allem nicht, weil ihn niemand vom Bahnhof abgeholt hatte. „Außerdem bin ich gar nicht so viel zu spät.“ Als er zuletzt auf sein Handy geschaut hatte war es viertel nach sechs gewesen. Dafür, dass er aus Kyoto gekommen war, war das doch gut. Er stellte seine Reisetasche in eine Ecke des großen Raums, neben eine der geöffneten Schiebetüren, die den Blick auf den Garten freigaben.

Er ging zuerst das Geburtstagskind begrüßen, eine Großtante seines Partners, die am Kopfende des großen, nidrigen Tisches saß und dann seine Eltern. Dabei glitt sein Blick durch den Raum auf der Suche nach seinem hitzköpfigen Blondschopf.
„Wo ist Hotsuma?“, fragte er gleich leise nach, als er ihn nirgends an dem Tisch sitzen sah, an dem aus jeder der zehn Familien de Giou-Clans einige Vertreter knieten und im Schneidersitz saßen. Und auch sonst war er nirgends in dem Raum. Weder an dem Tisch mit dem Reiskocher, noch in der Nähe der Geisha oder an der schön bemalten Wand, an der er seie Tasche abgestellt hatte. Und der Raum war von ein paar Lampen genug beleuchtet, dass er sich auch nicht in dunklen Ecken rumdrücken konnte. So alt das Haus auch war, elektrisches Licht gab es schon.

„Draußen schmollen, wie immer. Du weißt doch, dass er nicht höflich sein kann.“ Seine Mutter schien alles andere als begeistert.

„Können schon, ich hab nur keinen Bock dazu“, mischte sich eine Stimme ein und Shuusei begann zu grinsen. Da war er.

„Und das ist unhöflich.“

Er ignorierte das Gemecker seiner Mutter. Natürlich hatte kaum jemand hier eine gute Meinung von seinem Partner. Aber das störte ihn gar nicht. Er lächelte ihn warm an und ging zu dem in der geöffneten Schiebtür stehenden Jungen und schloss ihn fest in den Arm. Immerhin hatten sie sich jetzt vier lange Tage nicht gesehen.

„Shuusei!“ Hotsuma drückte ihn fest an sich. Das hatte er wirklich vermisst! Diese Wärme, die dieser Mensch ausstrahlte! Und er roch die frische Herbstluft in seinem Haar.

Shuusei lächelte und dann löste er sich gerade soweit von Hotsuma, dass er ihn ansehen konnte.

„Ich bin wieder da.“

„Willkommen zurück!“

Und dann küssten sie sich.

Alles Gerede erstarb. Natürlich. Nur die leise Musik der Geisha war noch zu hören. Das würde einen schönen Skandal geben, aber das war ihnen beiden klar gewesen. Aber das war ihnen egal. Shuusei hatte nicht vor, sich noch länger zu verstecken. Er wusste, dass seine Eltern schon aktiv nach einer Braut für ihn suchten und auch Hotsumas würden bald damit beginnen, da stellten sie lieber jetzt schon klar, dass in diesem Leben nicht mit Hochzeiten zu rechnen war. Jedenfalls hatten sie beide entschieden, dass sie dieses Spiel jetzt nicht länger mitspielen würden.

Als sie sich wieder voneinander lösten, nahm Hotsuma seine Hand. „Hast du Hunger?“ fragte er.

„Du kennst die Antwort, aber ich esse trotzdem was.“ Das Essen war doch schon lange ein Problem bei ihm, auch wenn es sich sehr gebessert  hatte.

„Dann ist gut.“ Sie suchten sich zwei Plätze nebeneinander an dem großen Tisch, beide ignorierten, dass sie immer noch fassungslos angestarrt wurden. Wenn wer was von ihnen wollte, musste er es sagen.
Sie nahmen sich Tee und Shuusei besah sich das reichhaltige Angebot, das neben ein paar Blumenvase auf dem Tisch stand. Es hatten schon andere angefangen zu Essen, da durften sie ja wohl auch Fleisch und Gemüse von den vielen Tellern in die über Gaskochern brodelnden Töpfe voller kräftiger Brühe tunken, von denen viele auf den Tischen standen, damit jeder es ihnen gleichtun konnte.

„Ich hol dir etwas Reis.“ Sagte Hotsuma und stand auf, um ihnen beiden eine Schale voll aus dem Reiskocher zu holen.

„Was… wollt ihr nicht erklären, was das soll?“ Fragte Hotsumas Mutter als erstes.

„Was gibt es da zu erklären?“ fragte Shuusei. „Wir wollten nur Klarheit schaffen.“

„Was…? Aber…“

„Kein Aber!“, mischte sich das Geburtstagskind ein. „Wir leben in Zeiten, wo so etwas keine Probleme mehr bereiten sollte. Die beiden scheinen sich entschieden zu haben, ihr Leben zusammen zu leben das könnt auch ihr ruhig akzeptieren.“

„Aber sie sind Zweilts!“ protestierte Shuuseis Mutter.

„Eben. Wann in den letzten tausendeinhundert Jahren hat je ein Zweilt Nachwuchs gekriegt? Das wird sich auch in diesem Leben nicht ändern. Das ist kein Grund ihnen im Weg zu stehen. Redet euch da die nächsten Tage und Wochen die Köppe drüber heiß. Nicht an meinem Geburtstag!“

Hotsuma und Shuusei sahen sich an. Vielleicht waren hier doch nicht alle so verstaubt.

Date: 2018-02-02 09:32 pm (UTC)
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Gniahahaha, ich mag die Tante. XDDD Genau die richtige Reaktion!
Ich fand die OS sehr gelungen. Man hat einen schönen Eindruck der Szenerie bekommen, ohne dass es langweilig wurde. Und Hotsuma und Shuusei schreibst du ohnehin immer sehr schön!
Kommt da dieses Wochenende noch mehr? *-*

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