[identity profile] rolly-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Weihnachtlich Gestrandet
Challenge:
#1 Vorweihnachtlicher Kaufrausch
#2 "Das ist kein Geschenk, das ist eine Beleidigung guten Geschmacks!"

#3 Schneebedingte Pannen
Fandom: Original (Leute mit so ner Art Superkräften... irgendwann fällt mir ein Titel für ein, ganz bestimmt *hust)
Charaktere: Lea Schatz, Emine Sahin, Xenia Kolosov
Sprache: Deutsch
Wörter: 1.693
A/N: Listen peeps, ich bin wirklich mal in Minden gestrandet und weiß, wovon ich da rede *hust* und ich hab glaub ich etwas an den Challenges vorbeigeschrieben, ups. (ich wollte so sehr noch #2 irgendwie einbauen, weil die Challenge so toll ist. Aber das hätte den zeitlichen Rahmen sehr gesprengt, fürchte ich)
Die Story könnte etwas verwirren, weil ich nicht auflöse, was denn nun die Wahrheit ist und so... aber das kann ich hier nicht machen, weil das ein wichtiger Plot-Punkt in meiner Story ist (die ich vielleicht, unter Umständen, irgendwann ja doch mal zu Papier bringe)
Wen es interessiert: die Charaktere studieren alle in Hannover, weswegen sie sich auch kennen.

Lea weiß nicht, ob sie traurig, erleichtert oder gar froh sein sollte, dass ihr Zug schon seit einer Viertelstunde in Minden gestrandet ist. Sie weiß auch nicht, ob es besser gewesen wäre, wenigstens dieses eine Mal ihre Kräfte gebraucht zu haben. Mittlerweile hat sie generell oft das Gefühl, sie wisse überhaupt nichts mehr so genau.

Über die Gründe für all das will sie jedoch nicht nachdenken und glücklicherweise kommt genau in diesem Moment eine Durchsage.

“Dieser Zug kann aufgrund einer Oberleitungsstörung leider nicht weiterfahren. Wir bitten alle Fahrgäste, auszusteigen.”

Die meisten der Fahrgäste - was ziemlich viele sind, so kurz vor Weihnachten, der Zug ist rappelvoll - reagieren mit empörtem Schnauben und einige beschweren sich sogar lautstark bei ihrem Nebenmann. Lea zieht es vor, weiterhin still und unbemerkt zu bleiben. Aber genauso wie all die anderen Fahrgäste, steht auch sie auf, zieht ihren grauen Wollschal enger um ihren Hals und folgt der Masse aus dem Zug und auf den mit Schnee bedeckten Bahnsteig.

Minden hat einen relativ kleinen Bahnhof und als Lea umringt von einer ganzen Masse anderer Menschen die Treppe nach unten nimmt, wo sie hofft, einen zumindest ansatzweise beheizten Raum zu finden, stellt sie fest, dass es hier wirklich nicht viel gibt und dass die große Halle hoffnungslos überfüllt ist.

Sie seufzt leise und stellt sich schon mal darauf ein, dass es eine Weile dauern könnte, bis sie zur Information durchkommt.
Kurz bevor sie angesprochen wird, dreht Lea sich um, weil sie meint, Blicke auf sich zu spüren.

“Lea?”

“Oh, hallo”, erwidert sie leicht perplex. Sie hatte nicht erwartet, gerade Xenia und Emine - gemeinsam - hier anzutreffen. Xenias strohblonde Haare sind nur einen Spaltbreit zu sehen, so wie sie von ihrer schwarzen Bommelmütze verdeckt und unter ihrem dazu passenden Schal gefangen sind. Ihr kirschroter Steppmantel ist in Leas Augen fast etwas zu grell als Kontrast. Emine fällt hingegen weit weniger auf, so wie sie fast komplett in schwarz gekleidet ist, nur ihr Schal und ihre Mütze in verschiedenen Brauntönen. Ihre kurzen schwarzen Haare sind komplett unter ihrer Mütze verschwunden.

Lea kann sich wieder einmal nicht entscheiden, ob sie sich nun freuen sollte, dass sie nicht ganz so allein sein muss, erleichtert sein sollte, dass es nicht Lidia ist, oder doch eher bangen muss, dass Emine mit ihrem scharfen Verstand hinter alles kommt.
Emine sieht sie lediglich nachdenklich an, während Xenia sie mit einer höchst interessanten Mischung aus Verständnis, Mitleid und einer Art Zusammengehörigkeitsgefühl ansieht, von der Sorte “wir sitzen wohl im selben Boot”.

“Bist du auch unterwegs nach Hause?”, fragt Xenia mit einem milden Lächeln im Gesicht. Lea lächelt zaghaft zurück.

“Ja, ein Familienbesuch über die Feiertage.”

“Emine feiert auch Weihnachten. Hätte ich nicht gedacht”, erklärt Xenia und blickt zu Emine rüber.

“Wir machen nur die Tannenbaum und Geschenk-Tradition mit, weil meine Mutter unser Ausgrenzungs-Risiko verringern wollte.” Emine wirkt sehr ruhig und unbeteiligt dabei, fast so als erkläre sie bloß eine wissenschaftliche Erkenntnis, aber Lea kann das verstehen. Lidia hat damals, als sie noch beste Freundinnen waren, auch oft so gewirkt, jedes Mal, wenn irgendwer wieder einmal einen Polenwitz gemacht hat, der mit Diebstahl zu tun hatte. Das, oder sie hat gekünstelt mitgelacht. Es war immer Lea gewesen, die weder gelacht noch die Witzereißer damit hat davonkommen lassen. Aber das liegt so weit in der Vergangenheit. Manchmal hat Lea Schwierigkeiten damit, sich selbst wiederzuerkennen seit dem Zeitsprung.

“Wir schauen normalerweise immer Kevin allein zu Haus oder Das letzte Einhorn zu Hause. Meine Mutter ist ein Fan von beiden Filmen”, sagt Lea. Sie fühlt sich aus irgendeinem Grund genötigt, auch etwas von sich preiszugeben. Vielleicht weil sie es für höflich hält, wenn die anderen beiden ihr schon etwas anvertraut haben, oder aber auch vielleicht wegen Xenia, die aussieht, als würde sie verzweifelt Small-Talk versuchen und es gleichzeitig abgrundtief hassen. Lea will es der Armen nicht schwieriger machen als nötig.

“Warst du eigentlich schon bei der Info? Die sagen, der nächste Zug zurück kommt erst in einer Stunde und ich war hier schon mal gestrandet. Bis der Ersatzverkehr ankommt dauert es Ewigkeiten und dann kommt nur ein Bus und man bleibt so oder so hier, weil die Leute sich da alle reinquetschen wollen.”

Emine wirft Xenia einen Blick zu, den Lea nicht deuten kann.

“Was willst du damit sagen?” fragt Emine, eine Augenbraue elegant erhoben, als könne sie Gedanken lesen und wüsste schon, worauf Xenia hinaus will.

“Dass wir auch genauso gut mal Minden erkunden könnten? Vielleicht gibt es hier ja irgendwo ein Café oder sowas?” Xenia sieht hoffnungsvoll und aufgeregt aus, trotz Leas Einschätzung, dass sie die Situation auch nicht besonders erfreut. Andererseits ist das eigentlich gar keine so schlechte Idee. Vielleicht.

“Ah, da fällt mir ein…”, sagt Xenia, dann senkt sie ihre Stimme, “bist du nicht eine Seherin?” Sie sieht Lea nicht so an, als würde sie Lea verspotten wollen, oder als hätte sie Vorurteile. Es braucht einen Moment, bis Lea sich daran erinnert, dass Xenia ja selbst Kräfte besitzt. Lea bemerkt, wie Emine Xenia einen kurzen, vorwurfsvollen Blick zuwirft, doch das scheint an Xenia abzuprallen.

“Ähm, ja. Ich… benutze meine Kräfte nur nicht so gerne. Also falls du darauf hinaus wolltest, dass ich das hier hätte vorhersehen können… tut mir Leid.” Lea schiebt ihre Hände in ihre Jackentaschen und hebt ihre Schultern, wie eine Schutzhaltung. Sie bemerkt es, aber sie kann nichts dagegen tun. Es ist, als würde ihr Körper das einfach selbst entscheiden.

Eine Art verständnisvoller Ausdruck huscht über Xenias Gesicht. “Oh, sorry, ich wollte nicht- ähm, ja, das einzige, für das ich gut bin, ist Möbel verrücken.” Xenia grinst, aber es sieht leicht gequält aus. “Es ist jedes Mal dasselbe zu Hause, kaum dass ich da bin. ‘Xenia, kannst du den Schrank verschieben?’ und ‘Xenia, mir ist was unters Sofa gefallen’.” Sie verdreht ihre Augen.

“Meine Familie versteht manchmal nicht, dass das Vorhersagen nicht ganz so einfach und klar ist, wie sie sich das vorstellen.” Lea hofft, dass ihr angelesenes Wissen reicht, um die beiden in Sicherheit zu wiegen, dass sie tatsächlich nur eine Seherin ist. Sie hasst es, zu lügen, sie hasst es noch mehr, nicht sie selbst sein zu dürfen, aber in diesem Fall hat sie gar keine andere Wahl.

Emines kastanienbraune Augen verengen sich leicht, als sie Lea ansieht und Lea bricht beinahe der Schweiß aus. Emine muss etwas wissen. Sie sieht zumindest die ganze Zeit so aus, als wüsste sie etwas und es ist sowieso allgemein bekannt, dass Emine immer alles rausfindet, weil sie einfach so verdammt scharfsinnig und intelligent ist. Lea hofft, dass sie nur etwas vermutet. Etwas, das hoffentlich nichts mit der Wahrheit zu tun hat.

“Hey, also, wie sieht’s aus mit dem Café?” fragt Xenia dann, wie um das Thema zu wechseln. Als hätte auch sie bemerkt, dass Lea das Thema nicht behagt. Es ist lieb von ihr und Lea ist ihr dankbar, aber sie weiß nicht so recht, ob sich mit den beiden in ein Café zu setzen da großartig weiterhilft. Solche Themen kommen doch immer wieder auf, gerade, wenn sich zwei Übersinnliche treffen. Dennoch lächelt sie und willigt ein.

“Perfekt - aber vorher muss ich nochmal schnell auf die Toilette. Die Kälte”, sagt sie wie als Erklärung und flitzt schnell los durch die Menge. Aus den Augenwinkeln kann Lea erkennen, wie Emine die Augen verdreht, aber gleichzeitig leicht lächelt, als sie Xenia nachsieht. Als finde sie Xenia in Wahrheit absolut liebenswert. Es versetzt Lea einen leichten Stich in der Brustgegend, als sie sich an Lidia erinnert, zu besseren Zeiten. Sie sieht schnell weg, bevor Emine sich ihr zuwenden kann.

“Hey”, spricht Emine sie an, ohne sie anzusehen, “du siehst so traurig aus. Ist alles in Ordnung?”

Lea ist für einen Moment sprachlos. Und nicht unbedingt, weil es Emine überhaupt aufgefallen ist. Sie weiß nicht, was sie darauf antworten soll.

“Wenn du nicht darüber reden willst, ist das vollkommen in Ordnung, okay?” Emine wirft Lea einen Blick zu, den Lea erneut nicht ganz deuten kann. “Aber wenn du jemanden zum Reden brauchst…”

Lea sieht zu Boden, weil sie nicht richtig weiß, wie sie äußerlich ausdrücken soll, dass sie dieses Angebot sehr schätzt - so sehr, dass sich ihr Herz leicht zusammenzieht, weil sie so gerührt ist - aber es dennoch nicht annehmen kann, weil das, was sie sagen will etwas ist, was sie niemals und unter keinen Umständen auch nur einer weiteren Person anvertrauen kann.

Im Endeffekt entschließt sie sich, Emine wenigstens anzusehen und ihr zu danken. Sie blickt auf und will lächeln. Nur, dass statt eines Lächelns, ihr fast die Tränen kommen. Sie wirft sich schnell eine Hand vors Gesicht.

“Sorry, tut mir Leid…” Sie reibt sich das Nasenbein, bis die Tränen sich zurückziehen und sie nicht mehr das Gefühl hat, jeden Moment loszuweinen. Dann bemerkt sie Emines Hand, die über ihre Schulter streicht.

“Alles gut, du brauchst dich nicht entschuldigen”, sagt Emine mit solch einer Ruhe, dass sie auf Lea überspringt. “Aber vielleicht solltest du das Angebot demnächst mal annehmen. Es könnte dir gut tun.”

Lea sieht sie einen kurzen Moment lang an und begreift nach vielen Jahren der selbstauferlegten Isolation, dass ihr solch eine Art menschlichen Kontakts gefehlt hat. Mehr als sie jemals gedacht hätte.

“Danke”, erwidert sie schließlich und widerspricht Emine nicht. Sie weiß immer nocht nicht so recht, ob ihre Entscheidungen die richtigen sind, aber dieses Mal hofft sie inständig, dass sie nicht falsch liegt.

Lea lächelt Xenia an, als diese zurückkommt, und Xenia lächelt leicht verwirrt zurück.

"Kann's dann losgeh'n?"

Emine sieht zur Antwort kurz zu Lea rüber, bevor sie sich schließlich in Bewegung setzt. Xenia und Lea folgen ihr nur einen kurzen Moment später.

"Ich hab durchs Fenster draußen übrigens ein total niedliches Weihnachts-Rentier gesehn, es hat ne riesige runde rote Nase!"
"Du wirst die Nase nicht 'boop-en', erwidert Emine ohne zu zögern und Lea muss tatsächlich kichern.

Als sie nach draußen in den Schnee treten und Xenia tatsächlich doch versucht, die (wirklich große und runde) rote Nase zu 'boop-en', wie sie es nennt, kann Lea sich gar nicht vorstellen, dass sie falsch liegt mit den beiden.

Vielleicht kann sie es sich wenigstens heute einmal leisten, sich zu entspannen. Nur für heute, denkt sie, während sie zu dritt durch den Schnee stapfen.

Date: 2017-12-21 10:05 pm (UTC)
From: [identity profile] leiyahime.livejournal.com
awwww Das ist ein super interessantes Universum!! Es würde mich sehr freuen, davon mehr zu lesen zu bekommen! Jedenfalls hat die Story mich ziemlich neugierig gemacht. Was hat es mit diesen Fähigkeiten auf sich? was genau ist es, das Lea so vor ihrer Fähigkeit zurückschrecken lässt, dass sie keine Freundchaften zu wollen scheint? Da sind so viele Fragen und sie interessieren mich!!

Und... GOTT.... ich fühle die drei soooo sehr. Ich bin insgesamt 2 Mal im Winter in Minden gestrandet (Und einmal bei brütender Hitze... danach hab ichs gemieden da umzusteigen und hab lieber mehr gezahlt) und kenne diese zugige Halle da nur zu gut... Da hat mir die Story aus der Seele gesprochen... Und ich konnte mich nicht wegbewegen, weil sich fast immer die Verspätung im 10 Minuten Takt aufgebaut hat.
Danke für diesen interessnaten Einblick in dieses Universum!

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