Adventskalender: 6. Türchen
Dec. 6th, 2017 12:01 amChallenge: Regen statt Schnee
Fandom: Monsta X, All In! AU (Kpop-Boyband-Musikvideo)
Titel: Oh du schöne Apfelzeit
Inhalt: Changkyun und Kihyun sind auf Nahrungssuche.
Anmerkung: Fortsetzung von hier, Challenge ist hauchzart anwesend. Und das Weihnachtliche kommt noch. Haha.
Oh du schöne Apfelzeit
Dass er diesen Winter nicht abkratzen will, ist ein nobler Vorsatz, aber auch einer, den Kihyun mit jedem Tag weniger umsetzen kann.
Nach dem ersten sehr kalten Tagen zog sich der Frost fast gänzlich aus den schäbigen Häusern in Kihyuns Viertel zurück. Es herrschten lauschige acht Grad, der Schnee verlor unterwegs den Lebensmut und kam als Nieselregen auf der Erde an und sogar die Sonne lugte durch den Dunstschleier und küsste alle Nasen, die sich vor die Tür wagten und ungläubig zu ihr hinauf blinzelten.
Der Winter verascht ihn also, soviel steht fest. Er ist wie eine große, struppige Katze, die Kihyun am Mauseschwanz gepackt hält und voller Häme dabei zuschaut, wie er sich abrackert, nur um am Ende doch gefressen zu werden.
Er hat die wärmeren Tage damit verbracht, alles Wertvolle und Essbare zu suchen, zu stehlen und zu hamstern, doch das magere Häufchen an Konserven und Trockenfleisch wird ihn kaum über die nächsten vier Monate tragen.
Kihyun seufzt. Er macht den Hals lang, um über die Meute aus schlammgrauen, abgerissenen Gestalten hinweg zu sehen, die von allen Seiten gegen ihn drückt wie ein zähes Meer aus Fleisch. Das Stahltor zur Stadtgrenze ist noch geschlossen. Sie lassen sich viel Zeit mit der Armenspeisung und das Raunen der Ungeduldigen wird von Sekunde zu Sekunde lauter.
Er war seit Ewigkeiten nicht mehr hier, weil er bisher genug Geld verdient hat, um nicht die an der Tüte klebenden, feuchtweißen Brotreste aus der Stadt essen zu müssen, aber jetzt hat er zwei Mäuler zu stopfen und wenn er sich dafür wie ein Tier um zerrissene Tüten balgen muss, dann soll es so sein.
Für Changkyun würde er alles tun.
Zumindest diesen Winter lang, setzt Kihyun in Gedanken hastig hinzu, und auch nur weil Changkyun ihn vor den Nachtwächtern gerettet hat und aus keinem anderen Grund.
Er revanchiert sich lediglich, weil er keine Schulden haben will.
(Die Nacht im Gewächshaus und all ihre Farben haben damit überhaupt nichts zu tun).
Die Frau hinter Kihyun tritt einen Schritt nach vorne und haucht ihren garstigen kalten Arm direkt in seinen Nacken. Sie stinkt vor Kälte, genau wie sie alle, und ihre Stirn glänzt fiebrig.
„Mach Platz, du Krüppel!“ Sie schreit Kihyun ins Ohr, doch er weicht nicht zurück sondern gräbt die Fersen in den Boden.
„Halts Maul“, faucht er zurück. Schlagartig weiß er wieder, warum er so lange nicht mehr hier war, denn die Frau brüllt und schlägt ihm die Krücke weg. Sie ist erstaunlich kräftig, dafür, dass man jeden ihrer Knochen sehen kann, Kihyun verliert das Gleichgewicht und stürzt in den Mann neben sich, der ihn wie eine lästige Fliege abschüttelt und dann passiert alles gleichzeitig: die Tore öffnen sich, die Menschenmenge kreischt und brüllt, und wirft sich wie Soldaten dem Feind entgegen, hinter Kihyun gackert die Frau und dann geht er endgültig zu Boden, seine Krücke zwei Armlängen weit entfernt.
Scheiße, denkt er bloß, bevor er die Augen zukneift und die Arme schützend vor den Kopf hält, während die tobende Menge auf ihn niedergeht.
„Scheiße“, ist auch das erste, was Changkyun zu ihm sagt, als Kihyun ihm am nächsten Tag die Tür öffnet. Er trägt eine neue Jacke und sieht frisch gewaschen aus, was Kihyun wahrscheinlich wundern würde, wenn ihm nicht so sehr der Schädel wehtäte.
„Benimm dich“, knurrt er also nur und lehnt sich, wie er hofft, lässig an den Türrahmen, um zu überspielen, dass ihm immer noch schwindlig ist.
Changkyun schiebt sich an ihm vorbei ins Zimmer und schließt sorgfältig die Tür.
„Was ist denn mit dir passiert?“
Kihyun überlegt kurz, ob er die Wahrheit sagen soll. Dass er zu dumm ist, um Almosen am Stadtrand zu erbetteln. Dass er einer dürren alten Frau im Faustkampf unterlegen war. Dass er sich wie durch ein Wunder nur den kleinen Finger gebrochen und einige Prellungen geholt hat, während er niedergetrampelt wurde und dass er mit leeren Händen von seinem lebensgefährlichen Ausflug zurückkehren musste und dass es auf dem Heimweg angefangen hat zu regnen und dann zu schneien.
Er schüttelt den Kopf (und schluckt gegen den Brechreiz an). „Ich war in der Kirche“, sagt er so würdevoll wie möglich und weil Changkyun ein netter Junge ist, grinst er höflich über diesen dämlichen Witz und lässt das Thema fallen.
„War gut, ja?“
„Fantastisch. Was machst du hier?“
Changkyun stopft die Hände in die Taschen und schaut überall hin, nur nicht in Kihyuns Gesicht.
„Erinnerst du dich, was ich über Geschenke im Winter erzählt habe?“ Changkyun wirkt noch jünger auf einmal und wenn Kihyun nicht so schwindlig wäre, würde er ihn an sich ziehen und nie wieder loslassen.
„Dass man sich vierundzwanzig Sachen schenken muss und keinem von uns so viele Geschenke einfallen würden?“
„J-ja. Mir ist was eingefallen.“
Und dann greift Changkyun in seine Tasche und zieht die größten und grünsten Äpfel hervor, die Kihyun je gesehen hat. Ihm läuft sofort das Wasser im Mund zusammen, und Changkyuns stolzes Grinsen zerrt an seinem Herzen.
„Woher hast du...?“
„Ist doch egal. Das ist dein Geschenk.“
Kihyun rutscht an der Tür hinab zu Boden und legt den Kopf auf den Knien ab.
„Bist du okay?
„Ja“, krächzt Kihyun und denkt über seine schmerzenden Rippen, seine Hand, seinen leeren Magen und die tausend hässlichen Sachen nach, die Changkyun wahrscheinlich für diese Äpfel getan hat. „Ja, bin ich.“
Das Winterkatz-und-Maus-Spiel geht in die nächste Runde.
Fandom: Monsta X, All In! AU (Kpop-Boyband-Musikvideo)
Titel: Oh du schöne Apfelzeit
Inhalt: Changkyun und Kihyun sind auf Nahrungssuche.
Anmerkung: Fortsetzung von hier, Challenge ist hauchzart anwesend. Und das Weihnachtliche kommt noch. Haha.
Oh du schöne Apfelzeit
Dass er diesen Winter nicht abkratzen will, ist ein nobler Vorsatz, aber auch einer, den Kihyun mit jedem Tag weniger umsetzen kann.
Nach dem ersten sehr kalten Tagen zog sich der Frost fast gänzlich aus den schäbigen Häusern in Kihyuns Viertel zurück. Es herrschten lauschige acht Grad, der Schnee verlor unterwegs den Lebensmut und kam als Nieselregen auf der Erde an und sogar die Sonne lugte durch den Dunstschleier und küsste alle Nasen, die sich vor die Tür wagten und ungläubig zu ihr hinauf blinzelten.
Der Winter verascht ihn also, soviel steht fest. Er ist wie eine große, struppige Katze, die Kihyun am Mauseschwanz gepackt hält und voller Häme dabei zuschaut, wie er sich abrackert, nur um am Ende doch gefressen zu werden.
Er hat die wärmeren Tage damit verbracht, alles Wertvolle und Essbare zu suchen, zu stehlen und zu hamstern, doch das magere Häufchen an Konserven und Trockenfleisch wird ihn kaum über die nächsten vier Monate tragen.
Kihyun seufzt. Er macht den Hals lang, um über die Meute aus schlammgrauen, abgerissenen Gestalten hinweg zu sehen, die von allen Seiten gegen ihn drückt wie ein zähes Meer aus Fleisch. Das Stahltor zur Stadtgrenze ist noch geschlossen. Sie lassen sich viel Zeit mit der Armenspeisung und das Raunen der Ungeduldigen wird von Sekunde zu Sekunde lauter.
Er war seit Ewigkeiten nicht mehr hier, weil er bisher genug Geld verdient hat, um nicht die an der Tüte klebenden, feuchtweißen Brotreste aus der Stadt essen zu müssen, aber jetzt hat er zwei Mäuler zu stopfen und wenn er sich dafür wie ein Tier um zerrissene Tüten balgen muss, dann soll es so sein.
Für Changkyun würde er alles tun.
Zumindest diesen Winter lang, setzt Kihyun in Gedanken hastig hinzu, und auch nur weil Changkyun ihn vor den Nachtwächtern gerettet hat und aus keinem anderen Grund.
Er revanchiert sich lediglich, weil er keine Schulden haben will.
(Die Nacht im Gewächshaus und all ihre Farben haben damit überhaupt nichts zu tun).
Die Frau hinter Kihyun tritt einen Schritt nach vorne und haucht ihren garstigen kalten Arm direkt in seinen Nacken. Sie stinkt vor Kälte, genau wie sie alle, und ihre Stirn glänzt fiebrig.
„Mach Platz, du Krüppel!“ Sie schreit Kihyun ins Ohr, doch er weicht nicht zurück sondern gräbt die Fersen in den Boden.
„Halts Maul“, faucht er zurück. Schlagartig weiß er wieder, warum er so lange nicht mehr hier war, denn die Frau brüllt und schlägt ihm die Krücke weg. Sie ist erstaunlich kräftig, dafür, dass man jeden ihrer Knochen sehen kann, Kihyun verliert das Gleichgewicht und stürzt in den Mann neben sich, der ihn wie eine lästige Fliege abschüttelt und dann passiert alles gleichzeitig: die Tore öffnen sich, die Menschenmenge kreischt und brüllt, und wirft sich wie Soldaten dem Feind entgegen, hinter Kihyun gackert die Frau und dann geht er endgültig zu Boden, seine Krücke zwei Armlängen weit entfernt.
Scheiße, denkt er bloß, bevor er die Augen zukneift und die Arme schützend vor den Kopf hält, während die tobende Menge auf ihn niedergeht.
„Scheiße“, ist auch das erste, was Changkyun zu ihm sagt, als Kihyun ihm am nächsten Tag die Tür öffnet. Er trägt eine neue Jacke und sieht frisch gewaschen aus, was Kihyun wahrscheinlich wundern würde, wenn ihm nicht so sehr der Schädel wehtäte.
„Benimm dich“, knurrt er also nur und lehnt sich, wie er hofft, lässig an den Türrahmen, um zu überspielen, dass ihm immer noch schwindlig ist.
Changkyun schiebt sich an ihm vorbei ins Zimmer und schließt sorgfältig die Tür.
„Was ist denn mit dir passiert?“
Kihyun überlegt kurz, ob er die Wahrheit sagen soll. Dass er zu dumm ist, um Almosen am Stadtrand zu erbetteln. Dass er einer dürren alten Frau im Faustkampf unterlegen war. Dass er sich wie durch ein Wunder nur den kleinen Finger gebrochen und einige Prellungen geholt hat, während er niedergetrampelt wurde und dass er mit leeren Händen von seinem lebensgefährlichen Ausflug zurückkehren musste und dass es auf dem Heimweg angefangen hat zu regnen und dann zu schneien.
Er schüttelt den Kopf (und schluckt gegen den Brechreiz an). „Ich war in der Kirche“, sagt er so würdevoll wie möglich und weil Changkyun ein netter Junge ist, grinst er höflich über diesen dämlichen Witz und lässt das Thema fallen.
„War gut, ja?“
„Fantastisch. Was machst du hier?“
Changkyun stopft die Hände in die Taschen und schaut überall hin, nur nicht in Kihyuns Gesicht.
„Erinnerst du dich, was ich über Geschenke im Winter erzählt habe?“ Changkyun wirkt noch jünger auf einmal und wenn Kihyun nicht so schwindlig wäre, würde er ihn an sich ziehen und nie wieder loslassen.
„Dass man sich vierundzwanzig Sachen schenken muss und keinem von uns so viele Geschenke einfallen würden?“
„J-ja. Mir ist was eingefallen.“
Und dann greift Changkyun in seine Tasche und zieht die größten und grünsten Äpfel hervor, die Kihyun je gesehen hat. Ihm läuft sofort das Wasser im Mund zusammen, und Changkyuns stolzes Grinsen zerrt an seinem Herzen.
„Woher hast du...?“
„Ist doch egal. Das ist dein Geschenk.“
Kihyun rutscht an der Tür hinab zu Boden und legt den Kopf auf den Knien ab.
„Bist du okay?
„Ja“, krächzt Kihyun und denkt über seine schmerzenden Rippen, seine Hand, seinen leeren Magen und die tausend hässlichen Sachen nach, die Changkyun wahrscheinlich für diese Äpfel getan hat. „Ja, bin ich.“
Das Winterkatz-und-Maus-Spiel geht in die nächste Runde.