[identity profile] styko.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Weihnachtskämpfe
Fandom: Original
Genre: Humor (versucht, aber kläglich gescheitert)
Challenge: #1 Wunschzettel
Charaktere: Samantha Carlyle, Joshua Vargiu
Wörter: 3602 (Tschuldigung *hust*)
Rating/Warnungen: PG - plotlos, seltsam, unlustig, unlogisch, ein bisschen Weihnachtsbashing und sehr seltsame Verschwörungstheorien in Bezug auf die Römer
Zusammenfassung: Samantha hasst Weihnachten und Geschenke. Alle Jahre wieder. Und Joshua führt jedes Jahr denselben Kampf ihr irgendwie wenigstens ein paar Wünsche zu entlocken...
Anmerkung: Eigentlich sollte es lustiger werden, aber ich bin kläglich dran gescheitert. Und, ich glaube, es ist auch nicht sehr logisch. Mal davon abgesehen, dass es keinen Plot hat und vollkommen überstürzt wirkt, aber... egal XD Vielleicht macht es ja doch ein bisschen Spaß zu lesen. Und wenn nicht... wird Sammy stolz auf mich sein, dass ich anderen Weihnachten vermiese *kaputt* XD
Zum Verständnis vielleicht wichtig: Samantha ist Joshuas Exfreundin; sie haben sich vor ein paar Jahren getrennt, und sind inzwischen gute Freunde. Joshuas Familie sieht Samantha allerdings immer noch als Teil der Familie an, was ihr meistens nicht viel ausmacht. Außer zu Weihnachten, weil sie Weihnachten abgrundtief hasst. So richtig abgrundtief.


Weihnachtskämpfe

„Oh mein Gott!“, Samantha rannte die Tür zu ihrer Wohnung praktisch ein und hätte sie am liebsten gleich wieder zugeschlagen, hätte Joshua nicht noch davor gestanden und hätte sie komisch angeschaut. Okay, gerade weil Joshua sie so seltsam ansah, hätte sie ihm die Tür vor der Nase zuschlagen sollen, aber er hatte leider den Großteil ihrer Einkäufe, die sie zum Überleben für die nächste Woche brauchte, so dass sie wohl oder übel warten musste, bis er endlich rein kam.

„Jetzt komm verdammt nochmal rein!“, schrie sie dann schon fast, als er immer noch keine Anstalten machte sich endlich in Bewegung zu setzen und die Wohnung zu betreten. Joshua zog leicht die Augenbrauen zusammen, folgte aber stumm ihrer ungemein höflichen Aufforderung und trat über die Türschwelle. Er war noch nicht ganz drüber, als Samantha die Tür zuknallte und er musste einen Satz zur Seite machen, um nicht von der Tür erschlagen zu werden.

Joshua unterdrückte schlecht ein Grinsen.

„Das wird jedes Jahr schlimmer mit dir, Sammy.“

Samantha sah ihn nur mit einem gehetzten Blick an und machte sich daran die Tür zu verriegeln.

„Sammy!“, sagte Joshua in einem Tonfall, der deutlich machte, dass er das jetzt wirklich zu übertrieben fand.

„Was?“, blaffte Samantha, hielt aber immerhin darin inne den Sicherheitsriegel vorzuschieben.

Joshua seufzte und wandte sich Richtung Küche, um die Tüten abzustellen. Dabei sagte er:

„Den Weihnachtsmann oder das Christkind wirst du sicherlich nicht mit einem Sicherheitsriegel aufhalten können. Einbrecher kannst du vielleicht mit einem Sicherheitsriegel aufhalten, aber die werden dir wohl kaum Geschenke hinterlassen.“

Samantha verengte die Augen und starrte einen Moment auf den Sicherheitsriegel. Mit einem Schnauben ließ sie von ihm ab, ohne ihn geschlossen zu haben, nahm ihre Einkaufstüten, die sie zwischenzeitlich auf dem Boden abgestellt hatte, und folgte Joshua in die Küche.

„Was ist mit den Schinkenräubern?“

Joshua sah sie verwirrt an. „Bitte?“

„Die Schinkenräuber! Aus Australien! Die haben aus irgendeiner Fabrik Schinken geklaut und eine Nachricht zurückgelassen, wo drauf stand 'Vielen Dank und Frohe Weihnachten!'“

Joshua starrte sie einen Moment an und hatte alle Mühe das Grinsen zu unterdrücken. Schließlich sagte er: „Du machst dir also am meisten darüber Sorgen, dass, wenn du ausgeraubt wirst, dir die Einbrecher eine Weihnachtskarte hinterlassen?!“

Samantha nickte mit so einem ernsthaften Gesichtsausdruck, dass Joshua in einen Lachanfall ausbrach.

*

Joshua musste immer noch leicht lachen, als sie die meisten Einkäufe verstaut hatten. Samantha war sichtlich genervt.

„Ich hab' das ernst gemeint!“, sagte sie halb empört, halb beleidigt.

„Ich weiß“, antwortete Joshua. „Darum ist es ja so lustig!“

Samantha warf eine Dose Ravioli nach ihm, die er aber geschickt auffing. Die Frau verengte die Augen, doch Joshua schenkte ihr nur sein berühmtes Grinsen.

„Hast schon mal fester geworfen, Sammy.“

Samantha schnaubte. „Dieses ganzes Weihnachtszeug macht mich fertig...“

„Es raubt dir deine Kräfte?“

„Ja...“

Joshua musste wieder lachen, hob aber abwehrend die Hände und versuchte sich zu beruhigen, als Samantha die nächste Dose in die Hand nahm und Anstalten machte diesmal wirklich fester zu werfen. Sie sah ihn einen Moment abschätzig an, dann riss sie einen Schrank auf und stellte die Dose hinein. Wortlos forderte sie die andere Dose von Joshua zurück, der sie ihr bereitwillig gab.

„Wird das dein Weihnachtsessen?“, fragte er, immer noch so schrecklich belustigt klingend. Samantha funkelte ihn wegen der Formulierung böse an, antwortete ihm aber trotzdem.

„Nein, ich esse Pizza am 24.“

Joshua holte Luft um etwas zu sagen, zögerte aber kurz und Samantha konnte sehen, dass er sich gegen das entschied, was ihm auf der Zunge lag, und stattdessen etwas anderes sagte:

„Das ist nett. Mal was anderes.“

Sie starrte ihn an. „Ihr habt ein 3-Gänge-Menü, oder?“

„Fünf“, berichtigte Joshua. Samantha starrte ihn vernichtend an und er drehte sich mit einem erneut schlecht unterdrückten Grinsen von ihr weg. Mit einem Blick über die Schulter setzte er hinzu: „Du bist immer noch herzlich eingeladen!“

Samantha schnaubte wütend und warf eine Dose nach Joshua, der ihr geschickt auswich und ins Wohnzimmer flüchtete.

*

„Whow, Sammy, hier is' aber dunkel!“, sagte Joshua, als er im Wohnzimmer stand. Jedenfalls nahm er anhand seiner Erinnerungen an, dass es das Wohnzimmer war, denn er sah nichts außer Dunkelheit. Unter der Schwingtür, die von der Küche zum Wohnzimmer führte, drang etwas Licht hinein, aber das war nur ein Minimum.

Joshua tastete blind umher und musste erst mal überlegen, wo er war. Er war mit einem großen Sprung ins Zimmer gehechtet um der Dose zu entgehen, also stand er wahrscheinlich näher am Fenster als am Lichtschalter. Sich vorsichtig vorwärts tastend, fand er schließlich auch den Rollladengurt und zog daran.

„Mensch, Sammy, es ist helllichter Tag. Wieso sind deine Rollladen unten?“

Er hatte den Rollladen fast ganz hochgezogen, da kam Samantha ins Wohnzimmer gestürzt und sah ihn an, als hätte er gerade jemanden umgebracht. Sie machte einen Satz auf ihn zu, aber in diesem Moment war der Rollladen ganz oben und sie erstarrte mitten in der Bewegung. Joshua beobachtete das alles verwundert und blinzelte sie verwirrt an. Samanthas geweitete Augen waren allerdings auf einen Punkt außerhalb des Fensters gerichtete. Joshua folgte ihrem Blick – und konnte nicht anders als sich die Hand vors Gesicht zu schlagen.

Einen Moment starrte er das Rentier, das vom benachbarten Balkon auf Samanthas herüberreichte, traurig an, dann sah er zu dem Haus gegenüber, das auf Höhe von Samanthas Wohnung mit einem großen Weihnachtsmann und einer ganzen Kompanie Elfen geschmückt war. Joshua seufzte und ließ den Rollladen wieder runter.

Er hörte Samantha im Dunkeln erleichtert ausatmen, danach ein paar vorsichtige Schritte und schließlich ging das Licht an. Joshua sah Samantha Kopf schüttelnd an, die das aber gar nicht wahrnahm.

„Hast du gesehen, was die gemacht haben?“, sagte sie stattdessen erbost und deutete in Richtung Fenster. „Das ist doch eine Zumutung!“ Sie schüttelte erschüttert den Kopf darüber, dass Menschen dazu in der Lage waren, weihnachtlich zu schmücken. Joshua unterdrückte wohlweislich einen Kommentar.

„Ich wollte sie schon verklagen“, fuhr Samantha fort. Joshua starrte sie ungläubig an. „Aber wahrscheinlich hätte das kein Anwalt mitgemacht...“ Sie seufzte. „Ich wollte Alexa fragen, aber da drüben wohnt eine Frau mit Tochter und die gegenüber sind, glaube ich, auch Frauen, das hätte sie nicht interessiert.“

Joshua versteckte das Grinsen hinter seiner Hand, was aber eigentlich unnötig war, denn Samantha sah deprimiert zu Boden. Ihre Stimme hatte genauso geklungen, aber Joshua konnte kein Mitgefühl für sie entwickeln, weil sie diesen Weihnachtshass so unglaublich übertrieben zelebrierte.

Mit einem schweren Seufzen ging Samantha wieder in die Küche, um die restlichen Einkäufe wegzuräumen. Joshua gab sich einem lautlosen Lachanfall hin.

*

Samantha betrat das Wohnzimmer durch die andere Tür, weil sie im Bad ein paar Kosmetikartikel weggeräumt hatte, und fand Joshua vor ihrem Bücherregal stehend. Das wäre an sich nicht so schlimm gewesen, aber er schien die Titel zu lesen! Und Samantha wusste genau, dass er das nicht tat, weil er sich eines ausleihen wollte, denn Joshua interessierte sich nur selten für Bücher!

„Was tust du da?!“, fragte sie und Joshua machte einen Satz zur Seite, weil er sie nicht bemerkt hatte.

„Ich...“, er brauchte einen Moment um seine gewohnte Selbstsicherheit zurückzuerlangen. „Ich habe mir nur mal die Bücher angeschaut. Ich will mir eins ausleihen.“

„Du willst dir keins ausleihen! Du liest keine Bücher, du liest nur Zeitschriften!“

„Natürlich lese ich Bücher!“, gab Joshua empört von sich, vielleicht einen Tick zu viel.

„Du liest Bücher nur, wenn man sie dir ausdrücklich mehrmals empfiehlt und dich ihr Thema anspricht!“

„Hast du mir nicht letztens ein paar Mal von diesem interessanten Buch erzählt?“, fragte Joshua unschuldig und sah wieder zum Regal.

„Nein“, antwortete Samantha ohne zu zögern und Joshua ergab sich mit einem Seufzen. Samantha verstand und zog scharf die Luft ein. Sie trat zwei Schritte zurück, deutete mit einem zitternden Finger auf Joshua und sagte heiser: „Du willst mir was schenken!“

Joshua unterdrückte ein Augenrollen und ging zum Sofa. „Nicht nur ich.“

Samantha zog erneut scharf die Luft ein und wiederholte auch alles andere, bevor sie mit derselben Stimme von zuvor sagte: „Deine Eltern wollen mir auch was schenken!!“

Joshua ließ sich aufs Sofa fallen und wusste nicht, ob er noch lachen oder schon weinen sollte. „Sammy, du machst es uns immer so schrecklich schwer!“

„Ich will keine Geschenke!“, sagte Samantha und klang nur ein bisschen hysterisch.

Joshua rutschte zur Seite und machte es sich in den Kissen bequem, die auf dem Sofa lagen. Während er ein Bein hoch legte, sagte er müde klingend:

„Du willst nie was geschenkt haben. Nicht zu Weihnachten, nicht zum Geburtstag!“

„Du weißt auch genau warum!“

Joshua gab einen Laut von sich, der zwischen Seufzen und Knurren schwankte. „Es ändert nichts, Sammy, wir schenken dir trotzdem was. Ob du willst oder nicht.“ Samantha wollte protestieren, aber Joshua ließ sie nicht zu Wort kommen. „Du weißt wie wir sind, Sammy. Wir sind Iren und Italiener, wir sind die schlimmsten aller Katholiken, wir schenken dir was, ob du willst oder nicht! Das war bei den Missionaren schon so, das hat sich bei uns immer noch nicht geändert!“

Samantha starrte Joshua vernichtend an. Ihre Kiefermuskeln mahlten, aber sie sagte nichts. Joshua musste wieder leicht lachen und ergänzte:

„Also mach es uns einfach, Sammy, und schreib einen Wunschzettel!“

Samanthas Augen weiteten sich. Dann vollführte sie dieselben Gesten wie zuvor und sagte erneut heiser: „Ich schreibe keinen Wunschzettel!“

Joshua drückte sich stöhnend ein Kissen vors Gesicht.

*

„Nein“, sagte Samantha entschieden. Joshua ließ erschöpft den Kopf gegen ihre Schulter fallen. Samantha saß inzwischen bei ihm auf dem Sofa und er versuchte sie jetzt seit mindestens einer halben Stunde dazu zu bringen ein paar Bücher oder Filme aufzuschreiben, die sie gerne hätte, aber sie weigerte sich beharrlich auch nur einen Stift anzuschauen!

„Komm schon, Sammy, mach es mir nicht so schwer! Nur ein paar!“

„Nein!“

„Bitte!“, versuchte er es mit einem Dackelblick, den er eigentlich nie anwandte – normalerweise reichte sein strahlendes Lächeln, aber Samantha war so eine Ausnahme, bei der das nicht mehr zog – und einen Moment schien Samantha wirklich nachgeben zu wollen! Dann drückte sie ihre Hand in sein Gesicht und schob ihn weg.

„Nein!“, wiederholte sie. „Und lass diesen Dackelblick, das ist ja unheimlich! Dann siehst du aus wie dein Vater!“

Joshua ließ sich von ihr nach hinten schieben und legte sich wieder halb auf das Sofa. „Sieh es nicht als Wunschzettel, sondern als eine Art...“, er suchte nach einer guten Umschreibung, aber ihm fiel keine ein. „Ach komm schon, Sammy!“

„Nein!“, sagte sie nur knapp und holte demonstrativ die Fernsehzeitung vom Beistelltisch. Joshua starrte sei einen Moment an, dann blies er die Luft aus und meinte:

„Boah, Sammy, mir gehen echt selten die Argumente aus...“

„Ich weiß“, Samantha grinste triumphierend. Joshua rollte mit den Augen, musste jedoch leicht grinsen.

„Okay“, begann er erneut. Samantha sah ihn entnervt an, weil er schon wieder anfing. Joshuas Grinsen wurde breiter. „Nur weil mir die Argumente ausgehen, heißt das nicht, dass ich aufgebe!“

Samantha schnaubte und vertiefte sich wieder in die Fernsehzeitung. Ihr Blick wurde kälter, je länger sie ließ.

„Was gibt's?“, fragte Joshua.

„Lauter Weihnachtsspecials!“, sagte sie angewidert und schleuderte die Zeitung zurück auf den Tisch. Joshua musste lachen.

„Wer hat Weihnachten erfunden?“, fragte sie plötzlich in einem fast wimmernden Ton.

„Ähm... wie definierst du erfunden?“

„Es waren die Römer, oder?“

„Bitte?“

„Die haben Jesus doch umgebracht und weil Jesus gestorben ist wurde er zur Weltreligion und darum feiert man jetzt seine Geburt!“

„Äh...“, gab Joshua nur von sich, ein wenig misstrauisch, weil Samanthas Blick plötzlich so fanatisch wurde. Dann richtete sich ihr Blick auf ihn und sie starrte ihn hasserfüllt an. Joshua wurde ein wenig mulmig zumute.

„Du bist Römer!“

Joshua starrte sie einen Moment ungläubig an. „Bin ich nicht!“

„Natürlich! Alle Römer sind Italiener. Du bist Italiener, also bist du Römer!“

„Ich bin Halbitaliener und deine Logik zieht nicht. Das wäre, als ob man sagen würde, alle Tauben sind Vögel und deshalb sind alle Vögel auch Tauben!“

Aber Samantha beachtete ihn gar nicht und spann ihre Verschwörungstheorie weiter. „Wenn du Römer bist und die Römer Weihnachten erfunden haben, bist du dran Schuld!“

Joshua vergrub das Gesicht in den Händen.

„Und nachdem du mir all das angetan hast“, sie machte eine ausholende Geste Richtung Fenster, die wohl sämtliche Weihnachtssachen auf der ganzen Welt mit einbezog, „verlangst du von mir auch noch, dass ich einen Wunschzettel schreibe!?!“

Joshua ließ sich kraftlos zur Seite fallen.

*

Nach ungefähr zehn Minuten hatte Joshua wieder genug Kraft gesammelt um einen erneuten Kampf mit Samantha zu wagen. Als er sich abrupt aufrichtete, verschränkte sie die Arme und sah ihn kopfschüttelnd an.

„Ich verstehe nicht, wie du so hartnäckig sein kannst!“, sagte sie.

Joshua zog die Augenbrauen hoch. „Du bist nicht besser!“

„Das ist was anderes!“

„Ja, die andere Richtung!“

Samantha verengte die Augen.

„Guck mal, Sammy, ich weiß, dass du Wunschzettel fast noch mehr hasst als Weihnachten selbst, weil du früher, als du noch welche geschrieben hast, nie das gekriegt hast, was drauf stand.“

„Reib' es mir doch noch unter die Nase!“

Joshua ignorierte sie. „Aber wir sind nicht dein Vater, wir lesen was drauf steht und schenken dir das! Du kriegst also genau das, was du haben willst!“

„Ich will nichts!“

„Du musst dich nicht dazu verpflichtet sehen uns auch etwas zu schenken!“

„Doch muss ich! Und ich hasse es Geschenke zu suchen! Das weißt du!“

Joshua wollte schon wieder aufgebend seufzen, als ihm etwas einfiel. Ein leichtes Grinsen schlich sich auf seine Lippen. Samanthas Augen verengten sich noch ein wenig mehr. Sie kannte dieses Grinsen – und sie wusste ganz genau, dass es nichts Gutes verheißen konnte!

Joshua zog sein Portemonnaie aus seiner Hosentasche und klappte es auf. Schließlich zog er zwei Zettel heraus.

„Was ist das?“, fragte Samantha misstrauisch.

„Wunschzettel! Von Mum und Papa. Hier.“

Joshua hielt ihr zwei Zettel hin, auf denen Samantha einmal Selinas enge und einmal Vincenzos ausschweifende Handschrift erkennen konnte. Sie machte keine Anstalten sie zu nehmen. Joshua sah sie auffordernd an, aber sie starrte ihn nur vernichtend an. Joshua ließ sich nicht unterkriegen und hielt die Zettel so vor ihre Augen, dass sie lesen konnte, was drauf stand.

„Ich. Will. Nichts.“

„Sammy“, sagte Joshua mit einer Geduld, die Samantha immer wieder erstaunte, „ich habe es dir eben schon mal erklärt. Es gibt kein Entkommen!“ Samantha schnaubte und sah demonstrativ weg. „Ich schreib dir einfach ein paar Sachen auf. Du musst ihnen zwar nichts schenken, aber ich kenn' dich ja, du siehst dich ja verpflichtet ihnen etwas zurück zu schenken.“

Samanthas Blick wurde trotzig als sie ihn ansah. „Ich hasse das“, murmelte sie.

„Ich weiß, Sammy. Aber du weißt auch, wie meine Familie ist.“

Joshua sah sie entschuldigend an. Samantha schnaubte wieder.

„Hast du ein Blatt Papier?“

„Küche“, murmelte Samantha kurz angebunden.

Joshua stand auf und holte sich Papier und Stift aus der Küche. Samantha saß immer noch beleidigt auf dem Sofa, als er zurück kam, und hatte die Augen zusammengezogen.

„Machen wir einen Deal“, sagte sie schließlich.

Joshua sah sie überrascht an, weil Samantha relativ selten Kompromisse einging. Vor allem nicht, wenn sie mit Weihnachten zu tun hatten.

„Einen Deal?“

„Ich schreibe einen Wunschzettel. Und ich kriege nur das, was drauf steht. Sonst nichts! Was nicht drauf steht, will ich nicht haben; was ich nicht haben will, nehm' ich nicht an. Verstanden?“

Sie streckte die Hand aus und Joshua sah sie erstaunt an. Er war zu verwirrt um misstrauisch zu werden, also schlug er ein.

Samanthas bösartiges Grinsen sah er erst, als es bereits zu spät war.

*

„Sammy...“, presste Joshua zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Ja?“, fragte Samantha scheinheilig.

„Das war nicht-“

„Oh doch!“, unterbrach Samantha Joshua. „Ich sagte, ich schreibe was auf, ich habe etwas aufgeschrieben! Das war der Deal.“

„Da steht eine Sache drauf!“

„Ist genug. Mehr will ich nicht! Das kannst du mir schenken, für dich find' ich immer was. Kondome oder so.“

Joshua sah sie an und wusste nicht, ob er einen Kommentar zu dem viel zur kurzen Wunschzettel oder zu dem Hieb auf seine ausschweifende Sexualität abgeben sollte. Samantha neigte den Kopf.

„Oder bist du gerade auf dem Männertrip? Dann schenk' ich dir halt Gleitmittel.“

Joshua rollte mit den Augen. „Darum geht es hier nicht!“

„Ich schreibe nicht mehr auf! Vergiss es. Und jetzt Tschüss.“

Joshua wollte noch etwas zu dem Wunschzettel sagen, als die letzten drei Worte der Frau in sein Bewusstsein drangen. Er runzelte die Stirn. „Schmeißt du mich raus?“

Samantha grinste plötzlich wie vom Teufel besessen und antwortete: „Ja! Bis dann!“

Joshua blinzelte und hatte keine Zeit sich eine Antwort zu überlegen, weil Samantha ihn vom Sofa hochzog und in Richtung Ausgang drückte. Er versuchte sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen zu stemmen, aber Samantha schien wohl gut im Training zu sein und schaffte es relativ schnell ihn in den Flur zu schieben. Vielleicht spielte da seine anhaltende Verwirrung auch mit rein.

„Mein Gott, Sammy!“, fing Joshua an, wurde aber unterbrochen, als sie ihm seine Schuhe in die Hand drückte und die Tür öffnete.

„Sammy, verda-aaah-mmt!“, ging der Fluch in einen erschreckten Ruf über, als Samantha ihn einfach aus der Wohnung stieß. Plötzlich im Treppenhaus stehend, drehte er sich um und sah inzwischen doch ein wenig genervt aus. „Sammy...“, sagte er in einem fast bedrohlichen Ton, aber Samantha grinste ihn nur weiterhin mit diesem fanatischen Gesichtsausdruck an.

„Du kannst mir das nach Weihnachten vorbei bringen. Viel Spaß in Rom. Bis dann!“

Und damit knallte sie ihm die Tür vor der Nase zu. Joshua starrte einige Sekunden ungläubig auf die jetzt verschlossene Tür, dann zog er grummelnd seine Schuhe an und überlegte. Manchmal kam es ihm vor, als wäre Weihnachten für Samantha eine Art Krieg, den sie nur dann gewinnen würde, wenn sie keine Geschenke bekam. Joshua schnaubte. Fein, wenn Samantha einen Krieg haben wollte, dann sollte sie einen Krieg bekommen. Und Joshua Vargiu war dafür bekannt, dass er nur selten einen Krieg verlor. Breit grinsend verließ er das Haus.

*

Die nächste Woche bis zu den eigentlichen Weihnachtsfeiertagen verbrachte Samantha so gut es ging in ihrer vollkommen unweihnachtlichen Wohnung. Sie ging nur nachts zu ihrem Briefkasten, damit sie keinem der Nachbarn begegnete, der ihr womöglich noch „Frohe Weihnachten!“ wünschen würde. Samantha schauderte es schon allein bei dem Gedanken daran.

Am Morgen des 24. Dezembers klingelte es jedoch an ihrer Haustür. Samantha starrte die Klingel an, hatte aber nicht vor auf zumachen. Das Klingeln ihres Handys brachte sie davon ab die Klingel mit bösen Blicken zu malträtieren. Eigentlich wollte sie auch nicht an ihr Handy gehen, aber sie sah, dass es Joshua war und sie wusste aus leidiger Erfahrung, dass er so schnell nicht aufgab, weswegen sie abnahm.

„Was ist?“, fragte sie barsch.

„Mach auf. Ich hab's eilig, mein Flieger geht gleich.“

„Ich hab gesagt-“

„Ich weiß nicht, wann ich wieder zurückkomme, also mach einfach auf!“

Samantha seufzte genervt, machte aber auf. Mit verschränkten Armen wartete sie an den Rahmen der Wohnungstür gelehnt bis Joshua das Treppenhaus hoch kam. Er trug ein großes Paket. Einen Moment wurde sie misstrauisch, da sah sie ein kleineres, in Buchform oben drauf liegen. Wahrscheinlich war das große für seine Familie in Rom.

Joshua strahlte sie fröhlich an, als er bei ihr ankam, worauf sie gar nicht einging und ihn nur böse anblickte. Sie streckte eine Hand aus. Joshua sah auf die Hand, dann schüttelte er lächelnd den Kopf und drückte sich an Samantha vorbei in die Wohnung. Samantha stöhnte genervt auf.

„Ich dachte, du hast es eilig. Gib es mir einfach und verschwinde wieder!“

„Freundlich wie eh und je, Sammy!“, ließ sich Joshua nicht beirren. Irgendetwas an seinem Grinsen gefiel Samantha nicht. Es wirkte so schrecklich triumphierend. Sie waren jetzt in der Küche und Joshua stellte das große Paket auf den Tisch. Dann nahm er das kleinere Paket und wandte sich wieder zum Ausgang.

„So, ich bin dann wieder weg.“

Samantha war einen Moment verwirrt. Ihr Blick flog zwischen dem riesigen Paket auf ihrem Küchentisch und dem kleinen in Joshuas Hand, das er wohl wieder mitnehmen wollte, umher.

„Mo-Moment!“

Joshua stand bereits im Flur und hatte die Tür geöffnet, nun sah er fragend zurück, aber Samantha erkannte das fast bösartige Grinsen, das seine Mundwinkel umspielte.

„Was soll das?“, fragte sie aufgebracht und deutete auf das große Paket auf ihrem Küchentisch. Joshuas Grinsen wurde breiter, was ihr Antwort genug war. „Wir hatten einen Deal!“

„Oh, ja, an den hab ich mich auch gehalten!“

Samanthas Wut wurde ein bisschen von ihrer Verwirrung unterdrückt. „Auf dem Zettel stand nur ein Buch...“

Wenn es so weiterging, würde Joshuas Grinsen sein Gesicht bald sprengen. „Ich weiß!“

Samantha sah ihn in einer Mischung aus Misstrauen und Verwirrung an.

„Reiß das Geschenkpapier ab, dann verstehst du's.“ Sie bewegte sich nicht. „Das ist nur grob drumgewickelt, es ist nochmal eingepackt, du musst dir nur das eigentliche Paket anschauen.“

Mit zwei Schritten war Samantha am Küchentisch und riss das Geschenkpapier vom Paket. Als sie die bräunliche Pappe mit dem schwarzen Aufdruck sah, verkrampften sich ihre Hände um das Geschenkpapier in ihrer Hand. Sie sah zurück zu Joshua und ihr Blick war eiskalt. Joshua grinste weiter.

„Als ich letztens hier war, hab ich die Reste eines Amazonpäckchens gesehen und dachte ich mir, dass du da bestimmt einen Wunschzettel hast, auf den du alles packst, was du dir irgendwann mal kaufen willst. Zu deiner eigenen Übersicht. Ich weiß, wie du bist, Sammy!“ Samanthas Augen weiteten sich in Entsetzen und Verstehen. Joshuas Grinsen wurde endgültig triumphierend. „Jetzt isser auf jeden Fall leer!“

Samantha zog scharf die Luft ein und stürmte auf Joshua zu, doch der war mit einem Satz aus der Wohnung, und als Samantha ins Treppenhaus sprang, war Joshua schon fast die Treppen runter. Sie beugte sich über das Geländer und schrie:

„Ich HASSE dich. Genauso sehr wie Weihnachten!“

Joshua lachte und warf ihr eine Kusshand zu.

„Frohe Weihnachten, Sammy!“

Date: 2007-12-05 05:57 pm (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Ich liebe Samantha. Nicht in meiner direkten Umgebung (Und auch nicht in Aarons, ich habe Angst um seine Männlichkeit), aber ich liebe es, sie zu lesen. Vor allem zu Weihnachten.
Und Josh auch. Sie sind beide so herrlich böse, es passt einfach so gut.

Wirklich klasse! Und jetzt krieg ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Date: 2007-12-05 08:56 pm (UTC)
From: [identity profile] jarienn.livejournal.com
Was heißt denn hier unlustig? Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. ^^

Das Zusammenspiel von Samantha und Joshua fand ich einfach herrlich. Man merkt, dass sie eine sehr enge Beziehung zu einander haben - ganz gleich, wie grantig/weihnachtsmuffelig Samantha auch ist.

Date: 2007-12-06 09:25 pm (UTC)
From: [identity profile] funky-mina.livejournal.com
Samantha, komm in meine Arme! ;O;
Ich finde sie toll - ich w+ürde sie auch so toll finden, aber ihr Hass auf Weihnachten, auf Geschenke, auf all den Trubel - ich verstehe sie ja sooo gut! *mag Weihnachten nicht und hasst Geschenke und Verschenken* Einige Freunde kriegen auch schon ein wenig das Kotzen von, hab ich das Gefühl ^^;;
Und Joshua ist so ein niedlicher Kerl. Ich hätte ihn schon längst (mit einem Buch) erschlagen, aber man kann sich ihm einfach nicht entziehen. *-*
So vollkommen hast du doch gar nicht verfehlt - ich musste oft genug grinsen und schmunzeln. ^___^
Yay, danke fürs Türchen! =)

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