Das 1. Türchen
Dec. 1st, 2007 10:13 amCharaktere: Takeru, Daisuke
Genre: humor, pre-slash
Challenge: "falsche Geschenke" von
Anmerkung: Ich glaube nicht, dass man die Serie kennen muss, um die FF zu verstehen. Daisuke und Takeru sind einfach zwei Jungs, die sich anfangs nicht mögen, weil sie um das selbe Mädchen streiten (und natürlich damit die Zuschauer viele slash-vibes kriegen) und es am Ende irgendwie schaffen ganz gute Freunde zu werden. Und die Serie hat eh keinen Plot.
Widmung: Ganz besonders
An guten Tagen ist Daisuke nur etwa so nervig wie ein rostiger Nagel in der Fußsohle.
„Ich möchte, dass wir das ganz systematisch angehen.“ Er leckt eifrig an der Spitze seines Bleistifts und wühlt in den zerknickten Seiten seines Notizblockes.
„Was heißt hier systematisch? Ich habe kein System!“ Takeru versucht unauffällig weiterzugehen und nicht so auszusehen, als gehört der irre Spinner da zu ihm.
An schlechten Tagen ist er so nervtötend wie … vermutlich musste dafür noch ein Wort erfunden werden.
„Quatsch, du musst ein System haben“, widerspricht Daisuke. „Du willst es mir nur nicht verraten, weil es dir Spaß macht, dabei zuzusehen wie ich jedes Jahr baden gehe!“
Das ist nun so weit hergeholt und so bescheuert, dass Takeru sich tatsächlich verpflichtet fühlt, etwas darauf zu erwidern.
„Mein System ist - ich gehe los.“ Er bleibt stehen und wedelt vielsagend mit den Händen. „Ich gehe in ein Geschäft. In irgendeins. Und dann gucke ich einfach, was sie da haben. Und dann kaufe ich es. Oder nicht.“
„Gehe los …“, murmelt Daisuke und kritzelt eifrig mit. „In irgend~ein … Moment mal, du kannst doch nicht einfach in irgendein Geschäft gehen.“ Er hebt den Kopf und sieht plötzlich beinah beleidigt aus. „Woher weißt du, welches das Richtige ist?“
Heute ist einer dieser ganz schlechten Tage.
„Man, Dai – ich hab dir schon tausend Mal gesagt, dass es kein magischer Trick ist. Ich gehe einfach los und kaufe was.“
„Aber NIEMAND hat vor dem 24. alle Geschenke!“
„Doch, ich.“
„Du bist ein Alien!“
„Du bist nur sauer, weil Kari meine Geschenke immer besser gefallen als deine!“
Daisuke lässt den Block sinken und schafft es irgendwie mit seinen doofen Haaren und großen Augen auszusehen wie ein Hund, den man grade auf den Schwanz getreten hat. Zugegeben … das ist vielleicht auch ein bisschen unter der Gürtellinie gewesen, mit Kari anzufangen …
Takeru seufzt tief und inbrünstig.
Fabelhaft. Jetzt fühlt er sich wie ein Nazi.
Dabei wollte er doch nie etwas anderes, als endlich in Ruhe seine Weihnachtsgeschenke zu kaufen.
Takeru ist von Natur aus nicht besonders neurotisch veranlagt.
Dafür zwangsneurotisch und überspannt zu sein, ist sein großer Bruder zuständig und der macht den Job hervorragend, vielen Dank.
Die meiste Zeit über ist Takeru also ein ganz lockerer, entspannter Mensch. Mit sich und seiner Umwelt im Reinen. Alles ist cool.
Und wenn er sämtliche seiner Weihnachtsgeschenke jedes Jahr pünktlich Anfang Dezember besorgt und damit absolut jedem Stress ausweicht, in den gewisse andere Leute jedes Jahr geraten, dann ist das absolut nicht anal, sondern einfach praktisch.
Bisher ist das auch jedes Jahr eine völlig problemlose Angelegenheit gewesen.
Nur dieses Jahr steht er planlos in der Fußgängerzone von Odaiba und hat Daisuke im Nacken kleben und eigentlich keinen Plan wieso. Weil Daisuke bisher auch immer völlig glücklich damit war, morgens am 24.12 einen Panikanfall nach dem anderen zu bekommen und dreizehn Geschenke in zwanzig Minuten zu besorgen.
Daisuke, der auf seine Turnschuhe guckt und betreten aussieht. „Ich muss nicht mitkommen“, sagt er schließlich. „Ich krieg meine Geschenke auch selber zusammen.“
Und es klingt nicht beleidigt, sondern tatsächlich so als hätte Takeru – oh Gott - seine Gefühle verletzt.
Vor einem halben Jahr hätte das noch Spaß gemacht. Aber jetzt macht es irgendwie keinen mehr.
„Nein, ist schon okay. Okay … okay.“ Takeru nickt und holt tief Luft. Es ist nicht leicht, mit Angewohnheiten aufzuhören, die man praktisch seit der Grundschule hat. Ausgerechnet Kari war diejenige, die ihn drauf gestoßen hat. Wenn man sich anders fühlt, muss man sich anders verhalten. Und dann hat sie Schluss gemacht.
Freunde sind sie trotzdem noch.
„Also, meistens …“, beginnt er zögernd, „meistens fange ich mit meinem Bruder an. Ich weiß nicht, ob das ein System ist. Aber das ist leicht, weil er so viele Sachen mag und weil ich alles über ihn weiß. Uh … vielleicht können wir gleichzeitig nach einem Geschenk für deine Schwester gucken … so zusammen?“ Das letzte Wort nuschelt er, weil es irgendwie peinlich klingt.
Daisuke starrt ihn an, als sei er geisteskrank.
„Wieso sollte ich der Schreckschraube irgendwas schenken wollen?“
Takeru seufzt. Oh man. Das wird ein langer Tag.
***
„Meistens findet man irgendetwas, wenn man durch ein paar Geschäfte läuft und sich einfach umsieht. Zum Beispiel …“
„Oh man, hammergeil – siehst du das?! Auf diese Ausgabe warte ich schon ewig …!“
Takeru bleibt stehen und verdreht die Augen. „Ich meinte eigentlich ein Geschenk für jemand anderen.“
„Hey, ich bin jemand anderes! Jetzt weißt du wenigstens was du mir schenken kannst!“
Daisuke ist anstrengend. Daisuke ist penetrant und eigentlich immer anstrengend und er ist wie ein Kind, das immer Aufmerksamkeit haben will.
Und trotzdem ist Takeru irgendwie entspannt, als er neben ihm an einem Schaufenster eines Sportgeschäftes lehnt und dabei zusieht wie Daisuke gierige Fingerabdrücke über die ganze Scheibe verteilt. Sein Atem hinterlässt kleine Wölkchen in der Luft, als er lacht.
„Das kann nicht dein Ernst sein! Überleg dir mal was für ein Statement du mit diesem Geschenk abgibst!“
„Ich gebe kein Statement ab“, erwidert Takeru. „Ich kaufe meinem Onkel eine Krawatte.“
„Natürlich gibst du ein Statement ab. Man gibt IMMER ein Statement ab mit einem Geschenk! Und willst du wirklich etwas verschenken, dessen einzige Aussage ist: ‚Mein Onkel ist ein Langweiler.’?!“
„Er wünscht sich aber eine … hey! Dai! Lass los! Lass sofort los! Ich warne dich …!“
Die Kaufhäuser werden immer voller, weil bald überall Feierabend ist. Die Luft ist stickig und viel zu warm und seine Wangen glühen. Takeru ist ziemlich ist, dass seine Weihnachtseinkäufe noch nie so unproduktiv waren. Andererseits hat er noch nie so viel gelacht.
„Wie kann ein Geschenk falsch sein?“
„Daisuke … alles an diesem Geschenk ist falsch.“
„Quatsch, es gibt keine falschen Geschenke! Außerdem kommt es nicht drauf an, was es ist sondern von wem es ist.“
Er ist ganz sicher, dass die Leute sie anstarren und sich fragen wie zwei Teenager in der Öffentlichkeit so peinlich und ungezogen sein können. Aber er kann nicht anders, als lauthals loszuprusten, als Daisuke versucht ihn davon zu überzeugen, dass sein Vater sich nichts sehnlicher wünscht als ein blinkendes Rentiergeweih.
„Nein.“
„Aber wieso nicht?“
„Leg das sofort wieder hin, Dai!“
„Aber Frauen mögen rosa!“
„Du kannst deiner Großmutter keinen Glitzerlippenstift schenken, der aussieht als hätte man ihn einer minderjährigen Stripperin geklaut!“
„Du meinst, das wäre kein gutes Statement?“
Daisuke hat einfach keinen Geschmack. Und keine Ahnung.
„Würde dir das gefallen? Sag mal!“
„Keine Ahnung – nein? Wieso sollte ich einen singenden Plastikfisch haben wollen?!“
Wirklich gar keinen Geschmack.
Der seltsame Moment kommt, als er eine kleine Tasche findet, von der er sicher ist, dass sie Kari gefallen würde. Vor der Kasse ist grade nicht einmal eine Schlange.
Aber dann erhascht er einen Blick auf Daisuke, der ein Schaufenster weiter eine überdimensionale Sonnenbrille aufhat und vor dem Spiegel posiert, als sei er Sonny Crockett und er legt sie wieder zurück.
Nicht heute. Nicht jetzt.
„Lass uns was essen“, sagt Dai, als er wieder neben ihm auftaucht, und er ist außer Atem, weil er sich grade an einer Horde Schulkinder vorbeigekämpft hat. „Oder hast du grade was gefunden? Hey, würde dir so eine Sonnenbrille gefallen, damit niemand mehr von deiner überdimensionalen Coolheit geblendet wird?“
„Das heißt Coolness“, erwidert Takeru automatisch, wobei er nicht mal sicher ist, ob das überhaupt ein Wort ist.
„Du bist so ein Klugscheißer.“ Und es klingt beinah liebevoll.
***
„Das war jetzt keine große Hilfe für dich, oder?“ Takeru spielt an seinem Strohhalm herum. Er hat nicht ein einziges Geschenk und die Geschäfte machen alle bald zu, und er ist immer noch nicht dahinter gestiegen, wieso Daisuke so rund herum zufrieden aussieht.
Daisuke grinst und klaut eine weitere von seinen Pommes. „Was? Dass der große Geschenkemeister Takeru Takaishi dieses Jahr noch nicht ein einziges Geschenk gekauft hat? Find ich völlig in Ordnung. Willkommen unter uns Normalsterblichen.“
„Normalerweise bin ich am 1. Dezember immer mehr in Weihnachtsstimmung“, sagt Takeru und es klingt beinah entschuldigend. Letztes Jahr hat er mit Kari hier gestanden und ihre Pommes geklaut. Und sie hat ihn genauso aufgezogen wie jetzt Daisuke. Und komischerweise fehlt sie ihm jetzt grade gar nicht wirklich.
„Mensch, Tk … niemand ist im 1. Dezember in Weihnachtsstimmung. Das sind nur die Geschäfte, die versuchen uns einzureden, dass wir schon Mitte Oktober Lebkuchen kaufen und Weihnachtslieder hören müssten.“
„Klasse. Dann werde ich an Weihnachten einfach behaupten, ich setze ein Zeichen gegen den Konsumterror und habe deswegen nichts.“
„Pommes?“ sagt Daisuke und hält ihm den Teller hin. Takeru wirft ihm einen vielsagenden Blick zu.
„Das sind meine Pommes, Dai.“
„Ja, wie auch immer.“
Daisuke lächelt breit und Takeru rollt mit den Augen und grinst zurück.
Ihr kleiner Stehtisch ist eine Insel mitten in der Einkaufspassage. Ihre Ellbogen stoßen ununterbrochen sacht gegeneinander, aber keiner von ihnen hat Lust einen Schritt weiter auseinander zu gehen. Leute strömen unablässig um sie herum, um in letzter Sekunde noch ein offenes Geschäft zu erwischen oder endlich erleichtert zu ihrem Parkplatz zu hetzen und es ist ein bisschen, als hätten sie um sich herum die Zeit verlangsamt.
Takeru fühlt sich immer noch kein bisschen weihnachtlich, aber das hier ist schön grade, und beinah friedlich.
Wenn man sich anders fühlt, muss man sich anders verhalten, hat Kari gesagt. Und vielleicht hat sie nicht einmal sich selbst gemeint, sondern ihn und Daisuke.
Sie schaffen es immer noch nicht ganz mit dem Ärgern aufzuhören. Vielleicht schaffen sie es nie. Aber es ist okay. Vielleicht können sie einfach so bleiben wie sie sind und trotzdem etwas anders machen.
„Hey“, sagte Daisuke plötzlich und angelt nach dem vorletzten Pommes.
„Was?“
Er kaut auf seiner Unterlippe herum, aber sein Blick ist offen und überraschend entwaffnend.
„Eigentlich habe ich nur gehofft, dass ich irgendein Geschenk finde, das mir … ein bestimmtes Statement abnimmt“, sagt er schließlich.
„Was für ein Statement?“
Irgendjemand rempelt Takeru von der Seite an, aber er bemerkt es kaum.
Eigentlich ist es kalt, aber zwischen ihnen ist die Luft warm, als sei sie aufgeladen worden von dem Lächeln, das sie hin und herschicken wie Luftpost. Vielleicht kann man dieses Lächeln konservieren und damit den ganzen Winter über Heizkosten sparen. Und vielleicht denkt er grade Blödsinn.
„Vielleicht kriegst du es an Weihnachten“, antwortet Daisuke schließlich, unterbricht den Blickkontakt und ertränkt die beiden letzten Pommes in Ketchup.
Der Moment ist vorbei, aber ein Stück von der warmen, aufgeladenen Luft bleibt zurück.
„Okay“, sagt Takeru.
Und vielleicht hat Daisuke recht damit, wenn er sagt, dass es nicht so wichtig ist, was man kriegt, sondern nur von wem es ist.
^Fin^
no subject
Date: 2007-12-01 10:36 am (UTC)Gott, es ist toll, es ist fabelhaft und himmlisch! *__* Es ist alles drin, was man an einem ersten Dezember so braucht- das metaphorische Patten, dass man sich ruhig Zeit nehmen sollte um sich an die Vorweihnachtsstimmung zu gewöhnen, dass es wichtig ist, von wem Geschenke kommen. Es ist Daisuke drin, der soo Daisuke ist (die Szene mit der Sonnenbrille hat mich echt fast zu Tränen gerührt) und Takeru, der manchmal so gar nichts mit ihm anfangen kann. Und immerzu diese knisternde Stimmung, die einem verrät, dass irgendwann, iirgendwann heimliche Küsschen passieren könnten, die man hinterher schweigend abtut oder als Ausrutscher. Gott, ist das toll! *.*
Vielleicht kann man dieses Lächeln konservieren und damit den ganzen Winter über Heizkosten sparen
Mein absoluter Lieblingssatz. Ganz warm und wattig und toll! Das ist DaiKeru, aber sowas von! XD
Danke *.*
no subject
Date: 2007-12-01 10:38 am (UTC)no subject
Date: 2007-12-01 12:56 pm (UTC)alles, was ich über das fandom weiß, hab ich aus dem vid, das du gestern gelinkt hast ^^° aber die beiden sind sehr knuffige awkward friends.
und geschenke kaufen sollte man immer schon in der ersten dezemberwoche anfangen, sonst verpasst man den halben spaß.
no subject
Date: 2007-12-01 04:50 pm (UTC)Sie sind toll zusammen. <3
Schön, wie Daisuke Takeru so aus seinen gewohnten Plänen reißt und... sowieso. =D
Da freut man sich doch, wenn man das erste Türchen öffnet und soetwas findet. Sehr guter Einstieg. ^____^
LG Nana
no subject
Date: 2007-12-01 05:09 pm (UTC)Aber diese Daikeru, maaa~ So süß~ Wirklich, das ist so- ich weiß nicht hach, allein wie TK sich indirekt über Yama auslässt - love. Und wie sie miteinander umgehen bzw Takeru mit Daisuke - love².
Ich wage es nicht nach dir zu posten ^^;;;;;;;
Wir bleiben bei der alten Riollenverteilungs des heiligen Kasslerkotletts und des zershcmoreten, hoppelnden Schnitzels ^^;
no subject
Date: 2007-12-08 04:37 pm (UTC)Ich bin begeistert (:.
Es passt, kein OOC, und dein Schreibstil wirkt unglaublich gut für diese beiden.
So sind die beiden, besonders die Nervensäge, die ich so ins Herz geschlossen hab ^^ - blinkendes Rentiergeweih :DD. Das wär doch mal ne Idee für _meinen_ Vater *lacht*.
Also ich mag deinen Stil- Hilfe ich realisier grad von wem das ist :D, kein Wunder, dass ich den Stil mag, ich kenn alle deine Animexxgeschichten :DD! Wie schön, mal wieder ne Digimonff von dir zu lesen, die ist klasse!