[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Rapunzel
Challenge: H/C: Fieberschübe (für das Team)
Fandom: Youtuber
Personen/Pairing: Julien Bam/iBlali
Wörter: ~1100
Kommentar: Nach der Angst kommt das Comfort. Und ich habe bemerkt, ich muss sie mehr reden lassen. Ich liebe ihre Dialoge.

Er sieht Viktor natürlich, aber es ist trotzdem einen Versuch wert, an ihm vorbeizulaufen, als ob es nicht so wäre. Wie er da an der Hauswand lehnt in seinen blöden Emo-Klamotten mit seinen Emo-Ohrsteckern und seiner Emo-Frisur. Der blöde, hübsche Wichser.

Und natürlich fasst er wortlos nach Juliens Ärmel, als dieser versucht, an ihm vorbeizuschlüpfen.

„Oh“, macht Julien müde und versucht, überrascht auszusehen.
„Du bist dieser Youtuber! Gibst du mir ein Autogramm?“
„Sehr witzig“, entgegnet Viktor ohne auch nur mit den Mundwinkeln zu zucken.
„Was ist passiert?“

Er nickt Julien zu und weigert sich, ihn loszulassen, scannt ihn ab von oben nach unten und wieder zurück.

Achja, denkt Julien.
Er sieht ja aus wie vom Angesicht von Mutter Erde ausgekotzt.
Mit dieser Jeans, die vor Dreck starr ist, mit dem Hoodie, mit dem er so braun aussieht wie die Spacken von der Afd sind. Er will auch gar nicht wissen, wie er im Gesicht aussieht.

Viktor sieht an ihm herab und betrachtet mit gerunzelter Stirn die Krankenhausschlappen an Juliens nackten Füßen, die man ihm gezwungenermaßen mitgegeben hat.

Julien sieht es kommen. Er hat sich total verkühlt. Er wird die Grippe des Todes bekommen. Fieberschübe.
Ein klein bisschen wünscht er es sich sogar. Fieber mit einundvierzig Grad, das ihn aus dem Hier und Jetzt katapultiert.

„Ich war spazieren“, sagt er schließlich, als Viktor ungeduldig an ihm zupft.
„Und Schlammcatchen. Mit mir selbst. Ich glaub, ich hab gewonnen, du solltest mal den anderen sehen.“

„Immer noch nicht witzig“, sagt Viktor tonlos.
„Was haben sie dir da drinnen gegeben? Clown intravenös?“

Julien kichert, aber er ist leider der einzige von ihnen beiden. Warum eigentlich, das war voll der gute Joke.

„Also, was ist passiert? Warum bist du nicht nach Hause gegangen?“

Julien schaut ihn flehend an. Er versucht sogar, ein klein bisschen mit der Unterlippe zu zittern, wie er es in seinen Videos so gerne tut. Aber Viktor kann hart wie Stahl sein, umbarmherzig wie ein Bluthund. Und fuck, was für blöde Metaphern sucht Julien sich hier raus?

„Ich glaube, ich liebe dich“, sagt er also statt die Frage zu beantworten.
„Es ging mir vorhin auf, als ich da drin in 'nem Bett lag und Kochsalzlösung in meine Adern getropft ist. Die haben mich sogar in so ein albernes Hemdchen gesteckt, das hinten offen war, glaubst du das? Sowas von uncool, ist echt so!“
„Ju.“
„Als ob ich so ein Hemdchen brauche. Ich hab mir ja nicht eingeschissen oder so.“
„Ju!“
„Und dann haben sie meine Klamotten nicht mal gewaschen. Ey, was ein Saftladen, ich sollte mich beschweren und-“
„Junge, wenn du nicht sofort die Klappe hältst, schlag ich dich!“

Er schluckt und senkt den Kopf.
Was für ein Abfuck.
Warum hat er das überhaupt gesagt?

Es fühlt sich an, als würden die Fieberschübe jetzt schon kommen. Das Frösteln kann er zumindest schon mal fühlen.

„Keiner wusste, wo du warst“, sagt Viktor heiser.
„Du hast niemandem geantwortet, niemanden angerufen! Wir haben erst rausbekommen, wo du steckst, nachdem Marius meinte, er hätte dir aus Spaß irgendwann mal eine Tracking-App auf dem Handy installiert. Mann!“

Julien zuckt mit den Schultern.
Es ist sonst nicht seine Art. Aber er ist auch noch nie von Viktor ausgeschimpft worden.

„Du kommst mitten in der Nacht an, überfällst mich halb, rennst ohne Schuhe raus, landest im Krankenhaus und erzählst mir dann sowas? Was zur Hölle ist dein Problem?“

„Drogen“, rutscht es Julien raus.
Dann legt er sich die Hand auf den Mund;
„Nein, quatsch. Ich nehm ja nicht mal welche.“

Er schaut auf seine nackten Füße, wo es unter den Zehennägeln schon bläulich wird von der kalten Septemberluft.

„Du hast 'ne Ideenblockade.“ Viktor verschränkt die Arme.

Julien schaut ihn entsetzt an.
Und na toll, jetzt lacht Viktor. Der Idiot.

„Du tust so, als wäre es das Ende der Welt.“

Viktor hält ihn am Ärmel fest und zieht ihn langsam mit sich. Auf eine seltsame Art und Weise ist es beruhigend, neben ihm herzulaufen. Auch die Tatsache, dass Julien ihm blind folgt, weil er...keinen Plan hat.

„Das passiert. Ich hatte das schon so oft.“

„Ich kann mir das aber nicht leisten, Vik. Ich bin eine Firma. Bei mir hängen Existenzen davon ab.“

„Und bei mir nicht oder was?“
Viktor lacht schon wieder, doch es ist ein gut gemeintes Lachen.
Julien denkt an Nia und Toni und ja, okay, es ist vergleichbar.
Er schüttelt den Kopf und seine Finger wandern vom bloßen Zupfen an Juliens Hand entlang. Bis sie beim Laufen aneinander an den Händen halten.

„Schön, dass du mich auslachst, du Wichser“, nuschelt Julien, aber er umschließt die Finger in seinen fester.

„Nur ein bisschen.“

Sie gehen gemeinsam die Straße entlang, die Julien sich nicht erinnern kann, hergekommen zu sein. Sehr metaphorisch.
Es ist eine Allee und es fallen sehr metaphorische Blätter von den Bäumen, die metaphorisch unter seinen Krankenhausschlappen knistern.

Julien hört sich das eine Weile an, ehe er die Worte, die er sagen möchte, weichgekaut hat.

„Ich meinte das aber wirklich so“, setzt er schließlich an.
„Was ich eben gesagt habe.“

Viktor hält inne. Man kann es mehr spüren als sehen. Dann blinzelt er und schluckt und Julien kann sehen, wie sein Adamsapfel sich bewegt und dann erst schaut er Julien langsam an.

„Wirklich“, sagt er und lässt das Fragezeichen in der Luft zwischen ihnen schweben.

„Ja, schon“, murmelt Julien.
„Blockade hin oder her.“
Unter seiner Zunge schlummert ein Witz über Blockaden und Cockblocks, aber er schluckt ihn herunter.

„Hm. Okay.“

Julien beißt sich auf die Unterlippe;
„Ja. Und jetzt?“

„Ja, keine Ahnung.“
Viktor lächelt und sieht irgendwie unbeteiligt aus. Ja, ist schon etwas Kacke, wenn man sich in jemanden verguckt, der niemals rot wird.

„Willst du, dass wir uns jetzt hier theatralisch küssen oder so?“
Er versinkt ein klein bisschen in seinem Hoodie. Julien hat nicht mal gewusst, dass das möglich ist. Es reicht aber, um sein Herz ein klein bisschen höher schlagen zu lassen. Vermutlich nur ein Anzeichen der Erkältung. Der krassen Fieberschübe. Genau.

„Nee, eigentlich nicht. Aber wir könnten... naja.“

Er bleibt stehen und nach der halb durchgemachten Nacht hat er das, was er jetzt tut, einfach mal nötig. Viktor guckt kurz irritiert, aber er geht in die Umarmung, als hätten sie sie vorher einstudiert. Er ist warm und weich und riecht gut und er wickelt sich gefühlt ein bisschen um Julien herum.

Und vielleicht ist das, wonach Julien heute Nacht hätte fragen sollen. Ohne wegzulaufen.

„Ach Ju“, murmelt Viktor fast unhörbar und schmiegt sich näher an.

Zum ersten Mal seit Stunden bringt er damit Juliens kriegerische Hetzgedanken zum Schweigen.

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