[identity profile] ayawinner.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Aschenputtel
Challenge: Romantik/Intimität - In jedem Universum (für's Team)
Titel: Sterne gucken
Fandom: RPS (Monsta X, Wonho/I.M)
Anmerkungen: Für ein verzweifeltes post-Monsta-X-Konzert-Niedergeschlagenheits-Wichteln. Ich hoffe, es wird dem Prompt einigermaßen gerecht :D ♥


„Nein, stopp, aus, das funktioniert so nicht.“

Wonho kann den Produzenten hinter all den Lichtern kaum erkennen, die sie mehr ausleuchten, als unbedingt nötig wäre in einer Szene, in der sie alle um ein Lagerfeuer sitzen und Blödsinn machen – noch dazu bei Nacht. Es scheint ihm logisch, dass ‚das‘, was auch immer es ist, so nicht funktionieren kann, wenn eine grelle, hellblaue Lampe ihm seit einer halben Stunde so beständig ins rechte Auge scheint, dass er schon Sterne sieht, ohne überhaupt in den klaren Nachthimmel zu gucken, der bestimmt irgendwo da oben sein muss, weit weg von den Lampen vor und hinter und über ihnen.

„Wir machen Pause“, ruft eine Frau hinter den Lampen, aber Wonhos Augen fangen an zu tränen, wenn er versucht, in die Richtung zu schauen, aus der die Stimme kommt, und auch das funktioniert so nicht, denn schließlich sollen sie Spaß haben an ihrem lustigen Lagerfeuer, hat der Produzent gesagt. Wonho glaubt kaum, dass er aussieht, als würde er Spaß haben, wenn er mit kleinen, nassen Augen gegen einen Scheinwerfer blinzelt, deshalb lässt er sich lieber in seinen erstaunlich unbequemen Campingstuhl zurückfallen.

„Bestimmt ist wieder die Kamera kaputt“, sagt Kihyun neben ihm. „Dann dauert das noch länger heute.“

Hyungwons Strandliege knarrt verdächtig, als auch er sich mit Schwung zurücklehnt.

„Mir wär ja lieber, die Lampen würden ausfallen“, sagt er, die Augen fest zusammenkneifend.

Wonho versteht seinen Schmerz. Sein rechtes Auge tränt immer noch.

Die Zwangspause dehnt sich aus, und auch die Maskenbildnerin, die bedächtig Wonhos Augen abgetupft und sein Gesicht neu gepudert hat, stand längst nicht lang genug zwischen Wonho und seiner verhassten Hellblauleuchte, um Linderung zu verschaffen.

„Wo ist eigentlich Changkyun?“, fragt Hyungwon irgendwann, als die Maskenbildnerin auch mit seinem Makeup fertig geworden ist, obwohl es da überhaupt nichts zu verbessern gab – findet Wonho, aber er sitzt auch ein gutes Stück entfernt von Hyungwon und ist vielleicht nicht die vertrauenswürdigste Quelle wenn es darum geht, die Schönheit seiner Bandmitglieder treffend einzuschätzen.

„Sterne gucken“, antwortet Shownu achselzuckend.

„Was soll das denn heißen?“

Shownus schafsköpfiger Gesichtsausdruck spricht Bände darüber, wie viele Gedanken er sich über Changkyuns Aussage gemacht haben muss, aber Wonho scheint es so charmant, dass er schon losprustet, bevor Shownu überhaupt irgendetwas erklärt hat. Es dauert ziemlich genau eine Sekunde, bis er Shownu mit seinem Lachen angesteckt hat, und auch er grinst.

Sterne gucken, na klar.

„Keine Ahnung. Hat er gesagt“, erklärt Shownu und fügt dann hinzu: „Er ist bestimmt aufs Klo oder so.“

„Dann geh ich auch mal eben.“ Wonho klettert unbeholfen aus seinem Campingstuhl und streckt sich, bis es kracht. „Sterne gucken, meine ich.“

Hyungwons halbherziges Johlen begleitet ihn bis hinter die Grenze aus Lampen, Kameras und geschäftig umhereilenden Produktionsmitarbeitern, wo es stockdunkel ist.

Bis auf die kleinen tanzenden Punkte im Winkel seines rechten Auges, von denen er bestimmt noch träumen wird diese Nacht.

Es dauert eine Weile, bis Wonho sich an die Dunkelheit gewöhnt hat und daran, dass es hier wesentlich kühler ist als am Lagerfeuer unter den vielen Lichtern, aber es tut gut, ein bisschen frische Luft zu schnappen und die Beine zu strecken, ohne sich beinahe die Gummisohlen am Lagerfeuer zu versengen.

Zu spät fällt ihm ein, dass er überhaupt keine Ahnung hat, wo er die Toiletten finden kann, aber er hat auch keine Lust, zurückzulaufen und einen Mitarbeiter zu fragen.

Außerdem hat er den anderen doch sowieso erzählt, dass er Sterne gucken geht.

Sterne gucken.

Shownus verdutzter Gesichtsausdruck lässt ihn wieder grinsen, aber bevor er den Kopf in den Nacken legen kann, um den Sternenhimmel zu bewundern, der doch sicherlich ganz wundervoll sein muss hier so weit weg von der nächsten großen Stadt, überrascht ihn eine Bewegung etwas abseits auf der Wiese.

„Hier bist du ja“, sagt er in die Stille hinein und muss sich ein Lachen verkneifen, als Changkyun zusammenzuckt. Wonho hält es ihm zugute, dass er nicht kreischt oder sich panisch auf den Boden wirft oder sonst irgendwas tut, was Wonho bestimmt getan hätte, wenn ihn jemand von hinten alleine im Dunkeln überrascht hätte.

Er ist bezaubernd, ihr süßer tapferer Changkyun, und sogar noch bezaubernder, wenn er unter einem sternenklaren Himmel steht und Wonho ihn ganz für sich alleine hat, fast so, als wären sie gar nicht mehr in ihrer Welt, sondern in irgendeiner ganz anderen von den vielen, vielen Welten über ihnen.

„Du hast mich erschreckt, hyung“, sagt Changkyun schließlich, aber für Wonho klingt es nicht wie ein Vorwurf, nicht, wenn alles so still ist und er nach Changkyuns Hand greifen kann, ohne, dass fünf andere Jungs sich auf sie stürzen, weil jeder plötzlich unbedingt Changkyuns Hand halten muss.

Wenn er Changkyun umarmen kann wie in einem schnulzigen Liebesdrama im Fernsehen, während Changkyun wieder in den Sternenhimmel schaut, aber vielleicht ein bisschen bequemer als vorher, weil er sich gegen Wonho lehnen kann und Wonho ihn gerne festhält. Es ist so kitschig romantisch, dass er beinahe anfangen muss, laut loszulachen.

„Die Sterne sind wunderschön heut Nacht, oder?“, flüstert er stattdessen und fühlt Changkyun nicken.

„Stimmt.“

Bestimmt hat er gemerkt, dass Wonho ein Lachen unterdrückt, oder vielleicht kennt er Wonho einfach zu gut, aber bevor er noch irgendwas erwidern kann, ächzt Changkyun leidgeprüft.

„Boah, hyung. Sag es einfach, dann haben wir’s hinter uns.“

„Tschuldigung“, flüstert Wonho in Changkyuns Nacken, aber es ist zu spät, er muss schon lachen. „Aber du bist halt wirklich echt schön.“

„Du siehst mich ja gar nicht“, murmelt Changkyun mit gespieltem Trotz, aber Wonho kann hören, dass er sich ein Grinsen auch nicht verkneifen konnte.

Total kitschig romantisch.

Wonho überlegt kurz, ob er von Shownu erzählen soll und von der Verwirrung, die Changkyuns Ausrede gestiftet hat, aber Changkyun lehnt so zufrieden und warm gegen ihn, den Blick so fest auf die Sterne gerichtet, dass Wonho es nicht über sich bringen kann, überhaupt irgendetwas zu sagen.

Es wäre sowieso nur Blödsinn, denn was soll er antworten auf „du siehst mich ja gar nicht“? Klar sieht er Changkyun nicht richtig; es ist schließlich stockfinster. Aber Wonho muss ihn doch nicht sehen können, um zu wissen, dass er wunderschön ist.

Dazu reicht es schon, einfach hier zu stehen, Changkyuns Rücken an seiner Brust, das Kinn auf Changkyuns Schulter, die Arme um seine Hüften, während sich über ihnen ein endloses Meer von Sternen ausbreitet; viel mehr, als sie seit langem gesehen haben, obwohl doch das Produktionsteam irgendwo hinter ihnen mit so vielen Scheinwerfern die Dunkelheit vertreibt.

Er fühlt ein Lachen in sich aufsteigen, sprudelnd und echt und mindestens so groß und weit wie der ganze Sternenhimmel und alle Universen zusammengenommen.

Selbst wenn er wollte, könnte er das zufriedene Grinsen auf seinem Gesicht nicht mehr wegwischen.

Changkyun packt seine Arme und zieht sie fester um sich herum, sodass Wonho das Kinn nicht mehr auf seiner Schulter ablegen kann, dafür aber von Changkyuns Haaren an der Wange gekitzelt wird, was mindestens genauso schön ist.

Er seufzt zufrieden, die Arme eng um Changkyun geschlungen, und schaut eine ganze Zeit nur zu den vielen funkelnden Sternen hinauf.

Wann war er zuletzt so rundum glücklich mit der Welt?

„Hyung?“

Changkyun dreht den Kopf ein wenig, sodass ihre Wangen sich berühren, warm und weich und kitzlig.

Wann war er zuletzt so rundum glücklich mit der Welt?

„Kannst du Sternbilder erkennen oder sowas?“

Vielleicht liegt es daran, dass sie so eng aneinandergeschmiegt dastehen, oder vielleicht daran, dass alles so wahnsinnig kitschig und romantisch ist, aber aus irgendeinem Grund ist das, findet Wonho, das süßeste, was ihn jemals jemand gefragt hat.

„Nee“, antwortet Wonho, aber Changkyun summt nur und lehnt den Kopf gegen Wonhos.

Wonho möchte ihn dringend küssen.

„Schade“, sagt Changkyun schließlich. „Sonst hätten wir uns das Teleskop von vorhin geschnappt und Sternbilder gesucht.“

Changkyuns Stimme vibriert durch Wonhos ganzen Körper, obwohl er gar nicht laut spricht.

Dringend, dringend küssen.

„Ich glaub, das war sowieso nur ‘ne Requisite“, sagt er stattdessen. „Ich hab gar nichts erkannt, als ich durchgeguckt hab.“

Changkyun schnalzt mit der Zunge; Wonho grinst.

„Bestimmt hast du’s einfach nur falsch gemacht.“

„Ich schwöre! Frag Hyungwon, der hat auch nichts gesehen.“

‚Pff‘, macht Changkyun. Pff.

Doof findet Wonho die entstandene Stille, ganz doof. Er stupst Changkyun mit der Wange an.

Keine Reaktion.

Er stupst ein bisschen fester, nochmal und nochmal, bis Changkyun den Kopf wegdreht und seine Arme loslässt (das wollte Wonho nun auch wieder nicht), aber nur, um sich umzudrehen, die Arme um Wonhos Schultern zu schlingen und ihre Wangen wieder aneinanderzudrücken.

„Du bist gemein“, murmelt er, warmer Atem an Wonhos Ohr.

„Du bist niedlich“, erwidert Wonho und hakt die Daumen in Changkyuns Hosenbund, um ihn fester an sich zu drücken.

Warmer Atem.

„Ach echt?“

Changkyun löst die Arme ein bisschen, sieht ihn an. Es ist viel einfacher, etwas zu erkennen im Dunkeln, wenn Changkyun so nah vor ihm steht, findet Wonho. Und er hatte wohl recht: Changkyun ist wirklich, wirklich, wirklich schön.

Und niedlich.

„Ja, echt“, antwortet Wonho und drückt ihm einen kleinen, flüchtigen Kuss auf die Lippen, bevor er den Mut doch wieder verliert.

Weil sie so nah stehen, kann er Changkyun sogar mit den Augen rollen sehen.

Niedlich, denkt er, und dann sind Changkyuns Lippen wieder auf seinen, Changkyuns Hände in seinen Haaren, Wonhos Hände in Changkyuns Shirt vergraben, und Wonho denkt so lange gar nichts, bis sie beide außer Atem sind und er ganz genau merkt, wie rot sein Gesicht und seine Ohren sein müssen.

„Die anderen dachten, ‚Sterne gucken‘ heißt aufs Klo gehen oder so. Das hier gefällt mir entschieden besser.“

„Boah, hyung, du bist so, so doof.“

Aber Changkyun grinst. Wonho hat es genau gesehen.

„Lass uns lieber mal zurückgehen. Sonst denken die noch, du bist ins Klo gefallen und sie müssen dich retten.“

Wonho nickt. Er will gar nicht zurück, erst recht nicht zu der verhassten hellblauen Lampe, wegen der er wieder Sterne sehen wird, die überhaupt nichts gemeinsam haben mit den Sternen, die er viel lieber weiter anschauen würde.

Wenigstens wird er so schnell aus dem breiten Grinsen nicht mehr rauskommen. Dann sieht er immerhin aus, als ob er Spaß hätte an ihrem kleinen Lagerfeuer.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios