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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Schneewittchen
Challenge: Lebensmittel/Getränke - Cocktail mit Schirmchen
Fandom: Original - Our Own World
Charaktere: Sabine, Nathalie
Wörter: 1428


Es dauerte ein paar Minuten, bis Sabine klar wurde, dass sie keine weitere Erklärung von Nathalie bekommen würde. Was entweder bedeutete, dass sie nachbohren musste oder aber direkt abblitzen würde. In beiden Fällen gab es nur einen Weg, es herauszufinden. “Ich weiß. Darum stelle ich sie.”
Immer noch ließ eine Antwort auf sich warten, dafür aber gönnte Nathalie sich einen großen Schluck von ihrem Cocktail. Zu groß, wie sie gleich darauf hustend bekanntgab. Hoffentlich würde am Ende nicht doch eine Reanimation erforderlich werden. Tod durch Bloody Mary… das wäre nichts, was sich gut in einer Todesanzeige machen würde. Allein deswegen passte es zu Nathalie. “Vergiss es, so leicht ziehst du dich nicht aus der Affäre.” Der trockene Kommentar brachte ihr einen wütenden Blick ein, der aber nicht lange anhielt. Kein Wunder. Er hätte niemanden überzeugt.
Mit einem leisen Fluch lehnte Nathalie sich zurück und legte einen Moment lang den Kopf in den Nacken. Dann sah sie Sabine wieder an. “Das sollte eigentlich das Stichwort sein… Affäre. Aber… Scheiße, irgendwie…”
“Irgendwie?” Die Strategie der Wahl war also nachbohren und die Details dann aus der Nase ziehen. Auch dafür brauchte man eine fast chirurgische Präzision, sonst ging es nach hinten los.
“Ja, irgendwie!” Nathalies Ellenbogen knallten etwas zu kräftig auf den Tisch und die Cocktails wackelten. Sicherheitshalber (und unnötigerweise) hielt Sabine ihr Glas fest und sah fast sehnsüchtig auf die bunten Getränke, die ein Kellner an ihren vorbeitrug. Die hatten Schirmchen! Warum hatte ihr Cuba Libre keins? Und nein, sie war noch nicht betrunken. Ehrlich. Aber ihr Glas war schon fast leer und Schirmchen waren toll!
“Ich fürchte, ich kann dir noch ganz folgen.” Gut, der Alkohol begann doch schon Wirkung zu zeigen. Vielleicht sollte sie den nächsten alkoholfrei nehmen.
“Ich weiß es ja selbst nicht…” Die Bloody Mary wurde auch immer weniger. “Nadine ist super. Ich finde sie super. Aber… das ist doch nicht fair ihr gegenüber.”
“Was ist nicht fair? Ich dachte, du bist in sie verliebt?” Oder hatte sie da etwas falsch verstanden? Von Nadines Seite aus schien die Sache ja ziemlich klar zu sein. Und alle dachten, die beiden wären ein Paar.
Jetzt schwieg Nathalie lange. “Ich bin nicht sicher. Sie ist einfach toll.” Dabei erschien ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht. Als wäre es sich selbst nicht sicher, ob es wirklich da war, aber es veränderte Nathalies ganze Ausstrahlung auf eine subtile Art und Weise, die selbst Sabine beinahe übersah. Und anscheinend bemerkte Nathalie sie selbst nicht einmal. Dann verschwand der Eindruck schon wieder. So schnell, als wäre dieses besondere Lächeln selbst erschrocken über seine Existenz. “Das ist halt nicht so einfach.”
“Was ist daran nicht einfach?” Sabine hatte selbst eine eher komplizierte Geschichte am Laufen. Dabei war aber eher das Problem, dass sie sich einfach nicht sicher war, was in Stephan vorging. Und so lange wollte sie sich keine Gedanken darüber machen, wie sie zu ihm stand. Warum konnte der Kerl nicht einfach mal Klartext reden? Etwas mehr wie Oliver, der Liang ziemlich schnell und ziemlich unmissverständlich klargemacht hatte, was er wirklich für ihn empfand. Aber solche Männer hatten anscheinend nur die anderen.
“Es ist einfach so, okay?”, murmelte Nathalie etwas entnervt und holte Sabine damit wieder zu dem eigentlichen Thema zurück. Nadine. Nicht Stephan. Der war ohnehin kein Thema, das Nathalie besonders gerne diskutierte.
“Sorry, aber damit speist du mich nicht ab. Wo genau liegt das Problem?” Ja, es war nicht sehr nett, weiter nachzubohren und es konnte immer noch richtig nach hinten losgehen. Sabine leerte endgültig ihr Glas und sah sich nach dem Kellner um. Sie brauchte Nachschub. Und Nathalie sicher auch, so wie sie sich an ihrem Cocktail festhielt. Der auch kein Schirmchen hatte. Inzwischen wäre Sabine sehr dankbar für ein Spielzeug, einfach nur um ihre nervös werdenden Finger zu beschäftigen.
“Sie hat mich schon ihrem Vater vorgestellt… und ihrer Stiefmutter.”
Oha. Das klang, als wäre die Sache für Nadine schon sehr ernst. Sabine hatte mitbekommen, wie wichtig ihre Familie für Nadine war. “Okay…”, war alles, was sie erstmal zu sagen wusste.
“Ehrlich, ich finde sie total toll. Sie ist intelligent, lustig, verlässlich, etwas zu durchorganisiert, okay…. sieht super aus. Und ganz nebenbei ist ihre Zukunft schon ziemlich durchgeplant. Was bin ich denn dagegen? Ich werde nach dem Studium ganz sicher erstmal beim Jobcenter anklopfen und dann in nem verdammten Callcenter oder so enden. Ich bin total chaotisch… das passt doch vorne und hinten nicht zusammen.”
“Wo passt das denn nicht zusammen? Ehrlich, schau dir Liang und Oliver an, die beiden sind auch ziemlich unterschiedlich aber gerade darum passen sie so gut zusammen. Und was deine Jobaussichten angeht… na und? Ehrlich. Scheiß drauf. Wenn du dich davon runterziehen lässt, schmeiß dein Studium hin und mach ne Ausbildung.”
“Spinnst du?!” Kurz flammte alles an Nathalie wütend auf, dann war es schon wieder verschwunden. Zusammen mit dem Rest der Bloody Mary. “Scheiße, du hast ja Recht. Ich weiß ja inzwischen, worauf ich mich mit dem Fach eingelassen habe. Aber ich liebe es einfach. Und ich werde es auf jeden Fall durchziehen. Und hey, Thomas hat ja schon erzählt, dass es ziemlich viele Akademiker in den Callcentern des Landes gibt.” Sie verzog das Gesicht und grinste. “Dann habe ich wenigstens auf jeden Fall intelligente Kollegen.”
Sabine musste lachen. “Okay, ganz so hab ich das jetzt nicht gemeint, aber… ehrlich… lass dir so einen Quatsch nicht in Quere kommen. Erstmal willst du ja eh den Master machen. Und wer weiß, vielleicht öffnen sich dir noch ganz andere Türen.”
“Ich hasse dich, weißt du das?”
“Nein, du liebst mich.” Sabine grinste und entdeckte endlich den Kellner, den sie sofort auf sich aufmerksam machte. Nachdem er ihr signalisiert hatte, dass er gleich zu ihnen kommen würde, wandte sie sich wieder Nathalie zu, die sie plötzlich sehr merkwürdig ansah. “Was ist los?”
“Ich… weißt du, der eigentlich Grund, warum… es so kompliziert ist, ist etwas anderes.”
Verwirrt zog Sabine ihre Augenbrauen etwas zusammen. “Aha? Und was?”
“Kann ich euch noch was bringen?” Wow, der Kellner war schnell. Für Nathalie sicherlich eine willkommene Schonfrist. “Welche Cocktails haben bei euch Schirmchen?”
Der arme Kellner musste sie für vollkommen verrückt halten. Aber er hatte sein Skepsis schnell überwunden und antwortete: “Der Mai Tai zum Beispiel… aber wenn du unbedingt ein Schirmchen willst, kriegen wir das bei jedem hin.”
Das war doch mal Service. Aber: “Mai Tai ist super. Nehme ich.”
“Alles klar.” Er tippte mit seinem Touchpen auf seinem Pseudo-Notizblock herum und sah Nathalie an. “Und du?”
“Noch eine Bloody Mary”, antwortete Nathalie etwas abwesend.
“Okay, bringe ich euch gleich. Wollt ihr auch was essen?”
Entweder hatten die inzwischen eine Verkaufsquote oder der junge Mann spekulierte auf ein hohes Trinkgeld. So oder so, das war kein schlechter Gedanke. Sabine tippte auf die Karte, die am Tisch lag und sagte: “Wir schauen gleich mal.”
“Okay.” Der Kellner verschwand und Sabine klappte die Karte auf. Backcamenbert war eigentlich immer gut. Oder Pommes… Klassisch und langweilig aber… “Sie haben Pommes aus Süßkartoffeln.” Nicht Sabines Fall, aber sie wusste, dass Nathalie auf Süßkartoffeln stand.
“Ich hab keinen Hunger.”
“Du willst dich lieber auf nüchternen Magen weiter betrinken?” Klang sie jetzt zu sehr nach einer Glucke? Hoffentlich nicht. Nathalie zuckte nur mit den Schultern und Sabine beugte sich vor, um sie genauer anzusehen. “Okay. Raus mit der Sprache.”
Erstmal spielte Nathalie aber nur mit ihrer Selleriestange herum und sah überall hin, nur nicht zu Sabine. “Ich bin nicht fair zu Nadine. Und das hat sie nicht verdient.”
“Inwiefern?”
“Ich… war ziemlich lange in jemand anderen verliebt. Keine Ahnung, ob ich wirklich über sie hinweg bin.”
Langsam verstand Sabine. So etwas war wirklich kompliziert. “Kenne ich sie?” Vielleicht war das jetzt zu neugierig, aber Nathalie hatte ja anscheinend wirklich Redebedarf. Im ersten Moment schien es auch so, als würde sie antworten, aber dann schüttelte sie den Kopf. “Ist egal. Ich hatte nie eine Chance bei ihr, sie steht nicht auf Frauen.”
“Autsch… scheiße…” Mitfühlend verzog Sabine das Gesicht. Aber… wenigstens war die Sache dann ziemlich schnell klar, wenn man so deutlich nicht in die Zielgruppe passte, oder nicht?
“Ja. Scheiße. Können wir jetzt bitte das Thema wechseln?”
“Okay… bist du sicher, dass du keine ekligen Süßkartoffelpommes haben willst?”
Wieder schwieg Nathalie einen Moment, bevor man ihr richtig ansehen konnte, dass sie alle unliebsamen Gedanken weit von sich schob. “Zeig mal die Karte.”
“Wusste ich doch, dass du Hunger hast.”
“Ich habe immer Hunger, sieht man mir das nicht an?”
“Hey, ich bin selbst eine Frau. Auf solche Fangfragen reagiere ich gar nicht erst.”
Endlich lachte Nathalie. Es klang nicht ganz ehrlich, aber es war ein Anfang.

Date: 2017-08-12 07:45 pm (UTC)
From: [identity profile] leiyahime.livejournal.com
Awww Ich hoffe, dass dieses Gespräch der armen Nathalie etwas geholfen hat... Und dass sie irgendwie über Sabine hinwegkommt und mit ihrer Nadine glücklich werden kann!
Auch wenn Sabine nicht weiß, dass sie es ist, in die Nathalie so unglücklich verschossen war...
Ich mag die Dynamik deiner charas sooooo unglaublich!!!! <3 Die sind einfach toll!!

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