Schwingungsbilder
Aug. 3rd, 2017 10:44 amTeam: Aschenputtel
Prompt: Küsse (nicht auf den Mund) (Romantik, für mich)
Original: Uhrwerkträume
Charaktere: Kasimir Ennart, Vinzent Schlüssel
Wörter: 1.043
Kommentar: Okay, also, es sollte zu Küssen kommen, aber wie das so ist, die Charaktere waren dann doch nicht so kooperativ, wie ursprünglich erhofft. Es sei denn man definiert Küsse vulkanisch ;)
Das Chrononomische Institut, Frühjahr 1903
Im Frühjahr 1903 beginnt eine neue Ära der Forschung am Chrononomischen Institut. Endlich trifft der neue Harmonograph ein, schon vor Institutsgründung von dem forschenden Uhrmachermeister Anker entworfen, nach drei Jahren endlich in der Manufaktur des herstellenden Uhrmachermeisters Pendel fertig gestellt.
Bis jetzt hatten sich die Uhrmachermeister der Forschung mit den Messergebnissen klassischer Harmonographen zufrieden geben müssen, was ihre Arbeit äußerst umständlich oder unpräzise oder beides sein ließ.
Der klassische Harmonograph, wie er auch in der Wartung seine Verwendung findet ist nicht viel mehr als ein Pendel, das mit einer Graphitspitze versehen, über einem Blatt Papier hängt. Will man die allgemeine Schwingung in einem Raum aufzeichnen, so leistet diese Apparatur ohne Frage solide Arbeit. Wer allerdings an die individuellen Schwingungen einzelner Lebewesen glaubt, und sie erforschen will, der wird mit einem klassischen Harmonographen nicht weit kommen. Selbst wenn er das zu untersuchende Individuum, zusammen mit dem Harmonographen, in einem Raum isoliert, ist doch nicht sicher zu sagen, woher die Schwingungen stammen, die hinterher ausgelesen werden.
Der neue Harmonograph arbeitet nicht mit einem Pendel, sondern mit einer Membran, die in einem Knopf liegt, und punktuell Schwingungen erfassen kann. Mit diesem Gerät, so die Uhrmachermeister Feder, Anker und Zahn, soll es endlich möglich sein, die Existenz individueller Schwingungen zu beweisen, zu erforschen und (wie sie ihren Kollegen im Zunftrat mehrfach versprochen haben), mit der bestehenden Vorstellung eines einheitlichen Zeitflusses der Welt in Einklang zu bringen.
Die ersten Wochen mit dem neuen Harmonographen verbringen Feder und seine zwei Lehrlinge Schlüssel und Ennart damit alte Messergebnisse, die die Eigenschwingung von Pflanzen und Nagetieren beschreiben sollten, zu verifizieren oder zu widerlegen. Zu Feders großer Erleichterung bestätigen sich sowohl die Vermutung als auch die Beobachtung, dass alle von ihm beobachteten Lebewesen eigene Schwingungen erzeugen, dass ein Herzschlag dazu nicht notwendig ist, und dass äußere Einflüsse die individuelle Schwingung verändern.
Als sie endlich alle Zahlen aus dem letzten Jahr korrigiert und alle Beobachtungen gegengerechnet haben, erklärt Feder seinen beiden Lehrlingen, nun sei es an der Zeit ein wenig Spaß mit ihrem neuen Spielzeug zu haben. Sie sollten beide einen Apparat mit hinaus in die Natur nehmen und sehen, welche Schwingungen und vor allem, welche Interferenzen sie dort beobachten könnten.
Schlüssel und Ennart machen sich also auf den Weg. Sie sind sich einig, dass man wenig Spaß haben kann, in der konstanten Angst die neuen, kostbaren Geräte, kaputt zu machen. Aber je länger sie durch den Wald stapfen und ihre Taschen mit Messergebnissen füllen, um so mehr vergessen sie diese Sorge. Vor allen Dingen Schlüssel gerät bald in einen solchen Zustand neugieriger Aufregung, bei jeder etwas anderen Kurve die sein Harmonograph ihm ausgibt, dass Ennart ihn kaum wiedererkennt.
Gegen Mittag kehren sie ins Institut zurück, aber Feder ist nicht in seiner Werkstatt.
„Dann können wir jetzt auch aufhören“, meint Ennart und legt ihre Messergebnisse auf Feders Tisch ab.
„Oder wir könnten noch etwas probieren“, erwidert Schlüssel, indem er die Tasche mit seinem Harmonographen auf einem Stuhl absetzt. Seine blauen Augen funkeln voller Tatendrang hinter den Brillengläsern.
Ennart beschreibt mit seinen Händen die Versuchaufbauten um sie her.
Es gäbe nichts mehr in der Werkstatt, dessen Schwingungen sie nicht mindestens drei Mal gemessen haben.
Das Funkeln in Schlüssels Augen wird nur heller und Ennart macht unwillkürlich einen Schritt zurück.
„Wir könnten messen, wie wir schwingen“, schlägt Schlüssel vor.
Ennart verzieht die Mundwinkel. Das sei doch Unsinn, murmelt er, wenn die Eigenschwingung von Menschen für Feders Forschung relevant wäre, dann hätten sie sich ja längst damit befasst.
„Aber bist du nicht neugierig?“, erwidert Schlüssel und beginnt schon damit sein Hemd aufzuknöpfen.
Ennart murmelt, dass er ganz eigentlich viel neugieriger sei, wie das Buch, das er im Moment liest, zu Ende geht, aber dann zuckt er doch nur mit den Schultern und befestigt, Schlüssels Beispiel folgend, den Fühler seines Harmonographen ebenfalls an seiner Brust. Er legt eine leere Karte in den Harmonographen und wartet schweigend die fünf Minuten ab, die es braucht, um ein klar lesbares Schwingungsbild zu erstellen.
„Sind wir jetzt fertig?“, fragt er, indem er Schlüssel seine Karte in die Hand drückt.
Schlüssel legt die beiden Bilder nebeneinander. Die eine (Schlüssel) ist eng verschlungen, als würden die Linien sich nicht trauen die ganze Karte einzunehmen. Es kippt ein wenig zur linken Seite, wo einzelne weitere Kurven aus der Form ausbrechen. Ennarts Schwingungsbild ist breiter, die Linien umkreisen einander in weiten Bögen, eine beinah gleichmäßige Form, nur an den Rändern verliert sie sich in blassen, sternartigen Zacken. Bei Mäusen hatten solche Muster mit einer gewissen Aufregung korreliert.
Mit seinem Zeigefinger verfolgt Schlüssel die Linien der zwei so unterschiedlichen Formen, mit nachdenklicher, beinah zärtlicher, Miene.
Ennart räuspert sich.
„Wir sehen uns später?“
Er greift nach dem Fühler des Harmonographen an seiner Brust um den zu entfernen. Da hebt Schlüssel seine Hand.
„Warte“, sagt er und hält Ennart mit einer Hand am Arm, während die andere neue Karten in ihre Harmonographen legt.
„Was willst du denn jetzt noch?“
„Interferenzen erforschen“, antwortet Schlüssel ganz sachlich und greift dabei nach Ennarts Hand.
Ennart schließt seine Augen, während Schlüssel ihre Finger miteinander verwebt.
„Glaubst du das reicht dafür?“, fragt er dann und staunt über seine Worte ungefähr genauso wie über das verschmitze Lächeln mit dem er sie über die Lippen bringt.
Vinzent sieht Ennart verwirrt an. Was sie denn sonst tun sollten, fragt er.
„Wir könnten schauen, was passiert wenn-“, Ennart kommt nicht dazu, den Satz zu ende zu bringen.
In diesem Moment kehrt Uhrmachermeister Feder in seine Werkstatt zurück.
Mit einem amüsierten Lächeln sieht er seine beiden Lehrlinge an.
„Ihr seid noch an der Arbeit?“, fragt er.
Ennart zieht eilig seine Hand aus der von Schlüssel. Er streicht seine Haare zurecht.
„Vinzent wollte noch was ausprobieren“, sagt er und zupft dabei den Fühler seines Harmonographen von seiner Haut.
Schlüssel sieht ihn entgeistert an.
„Die Messergebnisse…“
Ennart gibt ein leises „Oh“ von sich. Da habe er gar nicht mehr dran gedacht, behauptet er und entschuldigt sich.
„Wir versuchen das ein andermal noch mal“, verspricht er und ehe Schlüssel oder Feder noch etwas darauf antworten können, hat er die Werkstatt verlassen.
Uhrmachermeister Feder hebt eine Augenbraue.
„Haben Sie sich gestritten?“, fragt er, indem er den halbfertigen Ausdruck aus Ennarts Harmonographen nimmt und das aufgeregt verworrene Zickzack der Linien betrachtet.
Schlüssel schüttelt seinen Kopf.
„Ich glaube nicht.“
Prompt: Küsse (nicht auf den Mund) (Romantik, für mich)
Original: Uhrwerkträume
Charaktere: Kasimir Ennart, Vinzent Schlüssel
Wörter: 1.043
Kommentar: Okay, also, es sollte zu Küssen kommen, aber wie das so ist, die Charaktere waren dann doch nicht so kooperativ, wie ursprünglich erhofft. Es sei denn man definiert Küsse vulkanisch ;)
Das Chrononomische Institut, Frühjahr 1903
Im Frühjahr 1903 beginnt eine neue Ära der Forschung am Chrononomischen Institut. Endlich trifft der neue Harmonograph ein, schon vor Institutsgründung von dem forschenden Uhrmachermeister Anker entworfen, nach drei Jahren endlich in der Manufaktur des herstellenden Uhrmachermeisters Pendel fertig gestellt.
Bis jetzt hatten sich die Uhrmachermeister der Forschung mit den Messergebnissen klassischer Harmonographen zufrieden geben müssen, was ihre Arbeit äußerst umständlich oder unpräzise oder beides sein ließ.
Der klassische Harmonograph, wie er auch in der Wartung seine Verwendung findet ist nicht viel mehr als ein Pendel, das mit einer Graphitspitze versehen, über einem Blatt Papier hängt. Will man die allgemeine Schwingung in einem Raum aufzeichnen, so leistet diese Apparatur ohne Frage solide Arbeit. Wer allerdings an die individuellen Schwingungen einzelner Lebewesen glaubt, und sie erforschen will, der wird mit einem klassischen Harmonographen nicht weit kommen. Selbst wenn er das zu untersuchende Individuum, zusammen mit dem Harmonographen, in einem Raum isoliert, ist doch nicht sicher zu sagen, woher die Schwingungen stammen, die hinterher ausgelesen werden.
Der neue Harmonograph arbeitet nicht mit einem Pendel, sondern mit einer Membran, die in einem Knopf liegt, und punktuell Schwingungen erfassen kann. Mit diesem Gerät, so die Uhrmachermeister Feder, Anker und Zahn, soll es endlich möglich sein, die Existenz individueller Schwingungen zu beweisen, zu erforschen und (wie sie ihren Kollegen im Zunftrat mehrfach versprochen haben), mit der bestehenden Vorstellung eines einheitlichen Zeitflusses der Welt in Einklang zu bringen.
Die ersten Wochen mit dem neuen Harmonographen verbringen Feder und seine zwei Lehrlinge Schlüssel und Ennart damit alte Messergebnisse, die die Eigenschwingung von Pflanzen und Nagetieren beschreiben sollten, zu verifizieren oder zu widerlegen. Zu Feders großer Erleichterung bestätigen sich sowohl die Vermutung als auch die Beobachtung, dass alle von ihm beobachteten Lebewesen eigene Schwingungen erzeugen, dass ein Herzschlag dazu nicht notwendig ist, und dass äußere Einflüsse die individuelle Schwingung verändern.
Als sie endlich alle Zahlen aus dem letzten Jahr korrigiert und alle Beobachtungen gegengerechnet haben, erklärt Feder seinen beiden Lehrlingen, nun sei es an der Zeit ein wenig Spaß mit ihrem neuen Spielzeug zu haben. Sie sollten beide einen Apparat mit hinaus in die Natur nehmen und sehen, welche Schwingungen und vor allem, welche Interferenzen sie dort beobachten könnten.
Schlüssel und Ennart machen sich also auf den Weg. Sie sind sich einig, dass man wenig Spaß haben kann, in der konstanten Angst die neuen, kostbaren Geräte, kaputt zu machen. Aber je länger sie durch den Wald stapfen und ihre Taschen mit Messergebnissen füllen, um so mehr vergessen sie diese Sorge. Vor allen Dingen Schlüssel gerät bald in einen solchen Zustand neugieriger Aufregung, bei jeder etwas anderen Kurve die sein Harmonograph ihm ausgibt, dass Ennart ihn kaum wiedererkennt.
Gegen Mittag kehren sie ins Institut zurück, aber Feder ist nicht in seiner Werkstatt.
„Dann können wir jetzt auch aufhören“, meint Ennart und legt ihre Messergebnisse auf Feders Tisch ab.
„Oder wir könnten noch etwas probieren“, erwidert Schlüssel, indem er die Tasche mit seinem Harmonographen auf einem Stuhl absetzt. Seine blauen Augen funkeln voller Tatendrang hinter den Brillengläsern.
Ennart beschreibt mit seinen Händen die Versuchaufbauten um sie her.
Es gäbe nichts mehr in der Werkstatt, dessen Schwingungen sie nicht mindestens drei Mal gemessen haben.
Das Funkeln in Schlüssels Augen wird nur heller und Ennart macht unwillkürlich einen Schritt zurück.
„Wir könnten messen, wie wir schwingen“, schlägt Schlüssel vor.
Ennart verzieht die Mundwinkel. Das sei doch Unsinn, murmelt er, wenn die Eigenschwingung von Menschen für Feders Forschung relevant wäre, dann hätten sie sich ja längst damit befasst.
„Aber bist du nicht neugierig?“, erwidert Schlüssel und beginnt schon damit sein Hemd aufzuknöpfen.
Ennart murmelt, dass er ganz eigentlich viel neugieriger sei, wie das Buch, das er im Moment liest, zu Ende geht, aber dann zuckt er doch nur mit den Schultern und befestigt, Schlüssels Beispiel folgend, den Fühler seines Harmonographen ebenfalls an seiner Brust. Er legt eine leere Karte in den Harmonographen und wartet schweigend die fünf Minuten ab, die es braucht, um ein klar lesbares Schwingungsbild zu erstellen.
„Sind wir jetzt fertig?“, fragt er, indem er Schlüssel seine Karte in die Hand drückt.
Schlüssel legt die beiden Bilder nebeneinander. Die eine (Schlüssel) ist eng verschlungen, als würden die Linien sich nicht trauen die ganze Karte einzunehmen. Es kippt ein wenig zur linken Seite, wo einzelne weitere Kurven aus der Form ausbrechen. Ennarts Schwingungsbild ist breiter, die Linien umkreisen einander in weiten Bögen, eine beinah gleichmäßige Form, nur an den Rändern verliert sie sich in blassen, sternartigen Zacken. Bei Mäusen hatten solche Muster mit einer gewissen Aufregung korreliert.
Mit seinem Zeigefinger verfolgt Schlüssel die Linien der zwei so unterschiedlichen Formen, mit nachdenklicher, beinah zärtlicher, Miene.
Ennart räuspert sich.
„Wir sehen uns später?“
Er greift nach dem Fühler des Harmonographen an seiner Brust um den zu entfernen. Da hebt Schlüssel seine Hand.
„Warte“, sagt er und hält Ennart mit einer Hand am Arm, während die andere neue Karten in ihre Harmonographen legt.
„Was willst du denn jetzt noch?“
„Interferenzen erforschen“, antwortet Schlüssel ganz sachlich und greift dabei nach Ennarts Hand.
Ennart schließt seine Augen, während Schlüssel ihre Finger miteinander verwebt.
„Glaubst du das reicht dafür?“, fragt er dann und staunt über seine Worte ungefähr genauso wie über das verschmitze Lächeln mit dem er sie über die Lippen bringt.
Vinzent sieht Ennart verwirrt an. Was sie denn sonst tun sollten, fragt er.
„Wir könnten schauen, was passiert wenn-“, Ennart kommt nicht dazu, den Satz zu ende zu bringen.
In diesem Moment kehrt Uhrmachermeister Feder in seine Werkstatt zurück.
Mit einem amüsierten Lächeln sieht er seine beiden Lehrlinge an.
„Ihr seid noch an der Arbeit?“, fragt er.
Ennart zieht eilig seine Hand aus der von Schlüssel. Er streicht seine Haare zurecht.
„Vinzent wollte noch was ausprobieren“, sagt er und zupft dabei den Fühler seines Harmonographen von seiner Haut.
Schlüssel sieht ihn entgeistert an.
„Die Messergebnisse…“
Ennart gibt ein leises „Oh“ von sich. Da habe er gar nicht mehr dran gedacht, behauptet er und entschuldigt sich.
„Wir versuchen das ein andermal noch mal“, verspricht er und ehe Schlüssel oder Feder noch etwas darauf antworten können, hat er die Werkstatt verlassen.
Uhrmachermeister Feder hebt eine Augenbraue.
„Haben Sie sich gestritten?“, fragt er, indem er den halbfertigen Ausdruck aus Ennarts Harmonographen nimmt und das aufgeregt verworrene Zickzack der Linien betrachtet.
Schlüssel schüttelt seinen Kopf.
„Ich glaube nicht.“