Farben - Weiß
Jul. 28th, 2017 06:59 pmTeam: Schneewittchen
Challenge: Farben - Weiß (unbeschriebenes Blatt)
Fandom: Original - Nocturne Whispers
Charaktere: Chloe Levinas, Aidan Harper (andere laufen durchs Bild, haben aber wenig zu sagen)
Wörter: 1460
Anmerkung: Es ist eher der Versuch, einen neuen Charakter besser kennenzulernen. Bitte nicht zu viel erwarten. *hüstel*
Eines war Chloe auf dem ersten Blick klar: Ihr Vater würde aus Prinzip im Dreieck springen, wüsste er, dass sie an so einem Ort war. Egal, dass sie erwachsen war. Dass sie in einer Welt aufgewachsen war, von der sie immer gewusst hatte, wie gefährlich sie sein konnte. Er würde sich auch dann noch Sorgen machen, hätte sie sich dafür entschieden, dem Erbe ihrer Mutter zu folgen. Eine Werwölfin zu werden.
Ziemlich sicher war das Nocturne Whispers ein Ort, bei dem derartige Sorgen auf dem ersten Blick berechtigt waren. Chloe wäre es aber nie eingefallen, Angst zu bekommen. Selbst als Mensch. Sie kannte diese Welt. Und sie wusste, hier hielt man sich an die Regeln. Jedenfalls solange nicht jemand so sträflich dämlich war, sich von einem Vampir abschleppen zu lassen, wie der junge Mann, der einer auffallend blassen Frau aus dem Club folgte. Als sie ihn küsste, war Chloe sich sicher, die verräterischen Zähne zu sehen. Ob ihr Begleiter wusste, worauf er sich eingelassen hatte? Mit einem innerlichen Schulterzucken näherte sie sich dem Eingang, wo ein Türsteher im Hawaiihemd mit seiner Kollegin diskutierte. Wer der Meinung war, mit Fremden sonstwo hin zu gehen, musste mit dem Risiko leben. Menschen konnten jemanden genauso umbringen wie Monster.
Mr. Geschmacksverirrung und seine Kollegin machten ihr keine großen Probleme. Entweder sah man ihr an, dass sie wusste, worauf sie sich hier einließ, oder zumindest dass sie sich behaupten konnte. “Lass dir da drinnen nichts gefallen, ja?”, meinte die Türsteherin noch und Chloe war sich nicht sicher, ob das eine Warnung oder einfach nur ein guter Rat war. Sie jedenfalls musterte Mr. Geschmacksverirrung und verkniff sich einen Kommentar. Vielleicht etwas zu sehr, denn als sie durch die Tür ging, hörte sie hinter sich ein Lachen. Oder so etwas ähnliches. Ein halb ersticktes Prusten, vermutlich weil es im Dienst nicht so gut ankam, wenn man einen Lachanfall bekam.
Der Club selbst war gut besucht, aber nicht wirklich voll. Chloe wusste nicht, ob das Normalzustand war, oder sie einfach nur einen schlechten Tag erwischt hatte. Beschweren würde sie sich jedenfalls nicht, so kam sie wenigstens schnell an ihr Bier. Am anderen Ende der Bar entdeckte sie Rick, aber der unterhielt sich mit einem anderen Gast. Schade. Sie fragte sich ja, ob er sie überhaupt wiedererkennen würde. Immerhin war es Ewigkeiten her, dass sie sich gesehen hatten. Und jetzt sah er jünger aus als sie, was nur ein kleines bisschen frustrierend war.
Neugierig musterte sie die anderen Gäste, vielleicht etwas zu neugierig. Ein junger Mann, dessen Begleitung gerade sonstwohin verschwunden war, grinste sie an und kam zu ihr. Er sah nicht schlecht aus, wenn man ignorierte, dass das verwaschene T-Shirt, dass kundtat, dass er bei einem Rockkonzert dabeigewesen war, absolut nicht seine Farbe hatte. Wie schlimm der Anblick gewesen war, als es noch neu war, darüber wollte sie lieber nicht nachdenken. Der andere Typ war das genaue Gegenteil gewesen. Stilvoll, beinahe etwas overdressed. Aber vielleicht hatte der ja auch noch einen Termin gehabt.
“Hey.”
“Hi.” Abwartend sah Chloe den Mann an und versuchte einzuschätzen, was er war. Vampir? Nein, seine Hautfarbe war etwas zu gesund dafür. Also Werwolf oder Mensch. “Ich muss zugeben, so schnell wurde ich in einem Club noch nie angesprochen.”
Das brachte den anderen zum Lachen. “Verstehe ich gar nicht. Ich bin Aidan. Und keine Sorge, das ist keine Anmache. Ich bin nur… neugierig.”
“Aha? Jetzt bin ich doch wieder enttäuscht.”
Aidans Augen glitzerten amüsiert, als er meinte: “Ich würde mir nie anmaßen, eine so schöne Frau anzuflirten.” Gleich darauf wurde er aber wieder ernster. “Es gibt da Leute, die sich Sorgen machen, weil du hier bist.” Seine Stimme war gerade laut genug, dass ihre leider nur zu menschlichen Ohren die Worte verstehen konnten. Und bei den ganzen Hintergrundgeräuschen und vor allem der Musik, würden selbst Vampire und Werwölfe Schwierigkeiten haben, etwas zu verstehen.
Oha… “Warum?” Sie konnte es sich zwar denken, aber… “Selbst wenn meine Mutter persönlich hier aufkreuzen würde, heißt das nicht, dass jemand in Schwierigkeiten ist. Oder gibt es da welche, die Grund zur Sorge haben?” Und da hatte sie gehofft, der Monsterpolitik entkommen zu sein. Vermutlich war sie selbst Schuld, weil sie hierhergekommen war. Vor allem wenn man bedachte, wer ihre Mutter war.
Aidan zuckte mit den Schultern. “Möglich. Es gibt immer welche, die Dreck am Stecken haben. Aber diejenigen, die halbwegs was im Kopf haben, können das verheimlichen.”
“Und du?”
“Wie gesagt, ich bin nur neugierig. Außerdem hat es gewisse Vorteile, immer auf dem Laufenden zu sein.”
So lief der Hase also. “Zu welchem Rudel gehörst du?” Es war ein Schuss ins Blaue, aber er traf.
“Zu gar keinem. Aber ich bin ein braves Hündchen, daher lässt man mich in Ruhe.” Aidans Mundwinkel hoben sich wieder zu einem Grinsen. Chloe lachte. “Soso. Und lass mich raten, die Simmons haben auch was davon, wenn sie dich einfach machen lassen?”
“Hin und wieder…” Mehr würde sie nicht aus ihm herausbekommen, damit konnte Chloe aber leben. “Und woher weißt du, wer ich bin?”
Gespielt empört antwortete er: “Erwartest du wirklich, dass ich meine Quellen preisgebe?”
“Nen Versuch wars wert, oder? War es der Typ, der vorhin raus ist?”
Sein Gesicht verriet nichts, als nachdenklich den Kopf wiegte. “Wer weiß… Du bist meiner Frage übrigens ausgewichen.”
“Fragst du jeden so offensiv aus?”
“Nur diejenigen, die den Eindruck machen, es lieber direkt zu haben.”
Womit er sie richtig eingeschätzt hatte. Also tat Chloe ihm den Gefallen, sie hatte ohnehin nichts zu verbergen. “Ich bin schon länger in New York, weil ich etwas von der ganzen Rudelpolitik weg wollte. Mehr auf eigenen Beinen stehen. Ein paar Jahre hats geklappt, mich rauszuhalten, einfach so tun als wäre ich ganz normal, aber… Scheiße, es ist langweilig geworden.” Sie lachte. Vor allem, als sie ihren Abschluss gemacht hatte und sich nicht mehr damit rausreden konnte, dass sie lernen musste. Leiser fügte sie hinzu: “Ich dachte, es wäre schön, als vollkommen unbeschriebenes Blatt hier reinzukommen, aber das kann ich wohl vergessen.” Sie würde immer die Tochter ihrer Mutter bleiben. Inoffizielles Mitglied eines Rudels, das beinahe fanatisch war, wenn es um die Einhaltung des Vertrages ging.
“Wenn es dich beruhigt: Nur wenige wissen überhaupt, dass es Leute wie deine Mutter gibt. Die denken, das lokale Rudel oder die einflussreichen Vampire geben ihnen den Rest, wenn sie gegen den Vertrag verstoßen. Aber das heißt nicht, dass du nicht aufpassen solltest.”
“Ist das eine Warnung oder eine Drohung?”
“Ein Rat. Sonst nichts. Ich halte den Vertrag und dessen Einhaltung für wichtig. Mit Vampiren habe ich kein Problem. Meistens.” Kurz schien ein Schatten über Aidans Gesicht zu fliegen, aber dann war der Eindruck schon wieder weg. “Aber ich erzähle dir wohl nichts neues, wenn ich sage, dass es nicht jedem so geht.”
Nein. Das ganz sicher nicht. Chloe nahm einen Schluck von ihrem Bier. “Ich halte die Augen offen.” Und auch wenn er in Ordnung schien, Aidan würde sie ebenfalls im Auge behalten. Ehrlich, warum war ihre Familie nur so verdammt kompliziert? “Und ich habe nicht vor, irgendjemandem Schwierigkeiten zu machen. Solange man mir keinen Ärger macht.”
“Ist das eine Warnung oder eine Drohung?”, wiederholte Aidan grinsend ihre Frage von vorher.
“Eine Warnung an deine besorgten Kontakte.” Chloe drehte ihr Glas zwischen den Händen und beobachtete, wie ein Tropfen Kondenswasser nach unten lief. “Nur weil ich eigentlich nichts mit den Geschäften meiner Mutter oder ihres Rudels zu tun haben will, bedeutete das nicht, dass ich die Hände in den Schoß lege, wenn jemand glaubt, Scheiße bauen zu können. Und ebenso wenig hab ich ein Problem damit, mich an sie zu wenden, wenn mir jemand blöd kommt.”
Aidan nickte. “Okay. Jetzt, wo die Fronten geklärt sind… soll ich mich wieder verziehen, damit jemand, der wirklich mit dir flirten will, eine Chance bekommt?”
Wieder musste Chloe lachen. “Bitte nicht. Von Kerlen habe ich die Nase erstmal voll.”
“Und Frauen?” Wow, das war direkt. Chloe schüttelte den Kopf. “Nicht meine Zielgruppe. Und ich will einfach nur einen schönen Abend haben. Also falls du nicht eigentlich total unlustig und verklemmt bist, nehme ich gerne mit dir vorlieb.”
Eine von Aidans Augenbrauen verschwand halb unter dem etwas zu langem Pony. Wieso konnten das alle um sie herum? Chloe fand das sehr unfair. “Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Beleidigung oder ein Kompliment war.”
“Was immer dir lieber ist.”
“Ich kann dir zumindest versichern, dass ich alles andere als verklemmt bin. Aber über meinen Humor scheiden sich die Geister. Bei der Arbeit kommt er nicht immer gut an. Manche Leute verstehen einfach keinen Sarkasmus…”
“Das ist auch eher was für jemanden mit einer gewissen Intelligenz. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass sehr viele da Defizite haben.” Wenigstens schien das nicht für Aidan zu gelten. Sie hob ihr Glas und prostete ihm zu. “Auf einen schönen Abend.”
Challenge: Farben - Weiß (unbeschriebenes Blatt)
Fandom: Original - Nocturne Whispers
Charaktere: Chloe Levinas, Aidan Harper (andere laufen durchs Bild, haben aber wenig zu sagen)
Wörter: 1460
Anmerkung: Es ist eher der Versuch, einen neuen Charakter besser kennenzulernen. Bitte nicht zu viel erwarten. *hüstel*
Eines war Chloe auf dem ersten Blick klar: Ihr Vater würde aus Prinzip im Dreieck springen, wüsste er, dass sie an so einem Ort war. Egal, dass sie erwachsen war. Dass sie in einer Welt aufgewachsen war, von der sie immer gewusst hatte, wie gefährlich sie sein konnte. Er würde sich auch dann noch Sorgen machen, hätte sie sich dafür entschieden, dem Erbe ihrer Mutter zu folgen. Eine Werwölfin zu werden.
Ziemlich sicher war das Nocturne Whispers ein Ort, bei dem derartige Sorgen auf dem ersten Blick berechtigt waren. Chloe wäre es aber nie eingefallen, Angst zu bekommen. Selbst als Mensch. Sie kannte diese Welt. Und sie wusste, hier hielt man sich an die Regeln. Jedenfalls solange nicht jemand so sträflich dämlich war, sich von einem Vampir abschleppen zu lassen, wie der junge Mann, der einer auffallend blassen Frau aus dem Club folgte. Als sie ihn küsste, war Chloe sich sicher, die verräterischen Zähne zu sehen. Ob ihr Begleiter wusste, worauf er sich eingelassen hatte? Mit einem innerlichen Schulterzucken näherte sie sich dem Eingang, wo ein Türsteher im Hawaiihemd mit seiner Kollegin diskutierte. Wer der Meinung war, mit Fremden sonstwo hin zu gehen, musste mit dem Risiko leben. Menschen konnten jemanden genauso umbringen wie Monster.
Mr. Geschmacksverirrung und seine Kollegin machten ihr keine großen Probleme. Entweder sah man ihr an, dass sie wusste, worauf sie sich hier einließ, oder zumindest dass sie sich behaupten konnte. “Lass dir da drinnen nichts gefallen, ja?”, meinte die Türsteherin noch und Chloe war sich nicht sicher, ob das eine Warnung oder einfach nur ein guter Rat war. Sie jedenfalls musterte Mr. Geschmacksverirrung und verkniff sich einen Kommentar. Vielleicht etwas zu sehr, denn als sie durch die Tür ging, hörte sie hinter sich ein Lachen. Oder so etwas ähnliches. Ein halb ersticktes Prusten, vermutlich weil es im Dienst nicht so gut ankam, wenn man einen Lachanfall bekam.
Der Club selbst war gut besucht, aber nicht wirklich voll. Chloe wusste nicht, ob das Normalzustand war, oder sie einfach nur einen schlechten Tag erwischt hatte. Beschweren würde sie sich jedenfalls nicht, so kam sie wenigstens schnell an ihr Bier. Am anderen Ende der Bar entdeckte sie Rick, aber der unterhielt sich mit einem anderen Gast. Schade. Sie fragte sich ja, ob er sie überhaupt wiedererkennen würde. Immerhin war es Ewigkeiten her, dass sie sich gesehen hatten. Und jetzt sah er jünger aus als sie, was nur ein kleines bisschen frustrierend war.
Neugierig musterte sie die anderen Gäste, vielleicht etwas zu neugierig. Ein junger Mann, dessen Begleitung gerade sonstwohin verschwunden war, grinste sie an und kam zu ihr. Er sah nicht schlecht aus, wenn man ignorierte, dass das verwaschene T-Shirt, dass kundtat, dass er bei einem Rockkonzert dabeigewesen war, absolut nicht seine Farbe hatte. Wie schlimm der Anblick gewesen war, als es noch neu war, darüber wollte sie lieber nicht nachdenken. Der andere Typ war das genaue Gegenteil gewesen. Stilvoll, beinahe etwas overdressed. Aber vielleicht hatte der ja auch noch einen Termin gehabt.
“Hey.”
“Hi.” Abwartend sah Chloe den Mann an und versuchte einzuschätzen, was er war. Vampir? Nein, seine Hautfarbe war etwas zu gesund dafür. Also Werwolf oder Mensch. “Ich muss zugeben, so schnell wurde ich in einem Club noch nie angesprochen.”
Das brachte den anderen zum Lachen. “Verstehe ich gar nicht. Ich bin Aidan. Und keine Sorge, das ist keine Anmache. Ich bin nur… neugierig.”
“Aha? Jetzt bin ich doch wieder enttäuscht.”
Aidans Augen glitzerten amüsiert, als er meinte: “Ich würde mir nie anmaßen, eine so schöne Frau anzuflirten.” Gleich darauf wurde er aber wieder ernster. “Es gibt da Leute, die sich Sorgen machen, weil du hier bist.” Seine Stimme war gerade laut genug, dass ihre leider nur zu menschlichen Ohren die Worte verstehen konnten. Und bei den ganzen Hintergrundgeräuschen und vor allem der Musik, würden selbst Vampire und Werwölfe Schwierigkeiten haben, etwas zu verstehen.
Oha… “Warum?” Sie konnte es sich zwar denken, aber… “Selbst wenn meine Mutter persönlich hier aufkreuzen würde, heißt das nicht, dass jemand in Schwierigkeiten ist. Oder gibt es da welche, die Grund zur Sorge haben?” Und da hatte sie gehofft, der Monsterpolitik entkommen zu sein. Vermutlich war sie selbst Schuld, weil sie hierhergekommen war. Vor allem wenn man bedachte, wer ihre Mutter war.
Aidan zuckte mit den Schultern. “Möglich. Es gibt immer welche, die Dreck am Stecken haben. Aber diejenigen, die halbwegs was im Kopf haben, können das verheimlichen.”
“Und du?”
“Wie gesagt, ich bin nur neugierig. Außerdem hat es gewisse Vorteile, immer auf dem Laufenden zu sein.”
So lief der Hase also. “Zu welchem Rudel gehörst du?” Es war ein Schuss ins Blaue, aber er traf.
“Zu gar keinem. Aber ich bin ein braves Hündchen, daher lässt man mich in Ruhe.” Aidans Mundwinkel hoben sich wieder zu einem Grinsen. Chloe lachte. “Soso. Und lass mich raten, die Simmons haben auch was davon, wenn sie dich einfach machen lassen?”
“Hin und wieder…” Mehr würde sie nicht aus ihm herausbekommen, damit konnte Chloe aber leben. “Und woher weißt du, wer ich bin?”
Gespielt empört antwortete er: “Erwartest du wirklich, dass ich meine Quellen preisgebe?”
“Nen Versuch wars wert, oder? War es der Typ, der vorhin raus ist?”
Sein Gesicht verriet nichts, als nachdenklich den Kopf wiegte. “Wer weiß… Du bist meiner Frage übrigens ausgewichen.”
“Fragst du jeden so offensiv aus?”
“Nur diejenigen, die den Eindruck machen, es lieber direkt zu haben.”
Womit er sie richtig eingeschätzt hatte. Also tat Chloe ihm den Gefallen, sie hatte ohnehin nichts zu verbergen. “Ich bin schon länger in New York, weil ich etwas von der ganzen Rudelpolitik weg wollte. Mehr auf eigenen Beinen stehen. Ein paar Jahre hats geklappt, mich rauszuhalten, einfach so tun als wäre ich ganz normal, aber… Scheiße, es ist langweilig geworden.” Sie lachte. Vor allem, als sie ihren Abschluss gemacht hatte und sich nicht mehr damit rausreden konnte, dass sie lernen musste. Leiser fügte sie hinzu: “Ich dachte, es wäre schön, als vollkommen unbeschriebenes Blatt hier reinzukommen, aber das kann ich wohl vergessen.” Sie würde immer die Tochter ihrer Mutter bleiben. Inoffizielles Mitglied eines Rudels, das beinahe fanatisch war, wenn es um die Einhaltung des Vertrages ging.
“Wenn es dich beruhigt: Nur wenige wissen überhaupt, dass es Leute wie deine Mutter gibt. Die denken, das lokale Rudel oder die einflussreichen Vampire geben ihnen den Rest, wenn sie gegen den Vertrag verstoßen. Aber das heißt nicht, dass du nicht aufpassen solltest.”
“Ist das eine Warnung oder eine Drohung?”
“Ein Rat. Sonst nichts. Ich halte den Vertrag und dessen Einhaltung für wichtig. Mit Vampiren habe ich kein Problem. Meistens.” Kurz schien ein Schatten über Aidans Gesicht zu fliegen, aber dann war der Eindruck schon wieder weg. “Aber ich erzähle dir wohl nichts neues, wenn ich sage, dass es nicht jedem so geht.”
Nein. Das ganz sicher nicht. Chloe nahm einen Schluck von ihrem Bier. “Ich halte die Augen offen.” Und auch wenn er in Ordnung schien, Aidan würde sie ebenfalls im Auge behalten. Ehrlich, warum war ihre Familie nur so verdammt kompliziert? “Und ich habe nicht vor, irgendjemandem Schwierigkeiten zu machen. Solange man mir keinen Ärger macht.”
“Ist das eine Warnung oder eine Drohung?”, wiederholte Aidan grinsend ihre Frage von vorher.
“Eine Warnung an deine besorgten Kontakte.” Chloe drehte ihr Glas zwischen den Händen und beobachtete, wie ein Tropfen Kondenswasser nach unten lief. “Nur weil ich eigentlich nichts mit den Geschäften meiner Mutter oder ihres Rudels zu tun haben will, bedeutete das nicht, dass ich die Hände in den Schoß lege, wenn jemand glaubt, Scheiße bauen zu können. Und ebenso wenig hab ich ein Problem damit, mich an sie zu wenden, wenn mir jemand blöd kommt.”
Aidan nickte. “Okay. Jetzt, wo die Fronten geklärt sind… soll ich mich wieder verziehen, damit jemand, der wirklich mit dir flirten will, eine Chance bekommt?”
Wieder musste Chloe lachen. “Bitte nicht. Von Kerlen habe ich die Nase erstmal voll.”
“Und Frauen?” Wow, das war direkt. Chloe schüttelte den Kopf. “Nicht meine Zielgruppe. Und ich will einfach nur einen schönen Abend haben. Also falls du nicht eigentlich total unlustig und verklemmt bist, nehme ich gerne mit dir vorlieb.”
Eine von Aidans Augenbrauen verschwand halb unter dem etwas zu langem Pony. Wieso konnten das alle um sie herum? Chloe fand das sehr unfair. “Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Beleidigung oder ein Kompliment war.”
“Was immer dir lieber ist.”
“Ich kann dir zumindest versichern, dass ich alles andere als verklemmt bin. Aber über meinen Humor scheiden sich die Geister. Bei der Arbeit kommt er nicht immer gut an. Manche Leute verstehen einfach keinen Sarkasmus…”
“Das ist auch eher was für jemanden mit einer gewissen Intelligenz. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass sehr viele da Defizite haben.” Wenigstens schien das nicht für Aidan zu gelten. Sie hob ihr Glas und prostete ihm zu. “Auf einen schönen Abend.”