[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Rapunzel
Challenge: H/C: "Wo ist er?!", für das Team
Fandom: RPS, I guess
Wörter: 850
Personen: iBlali/Julien Bam (Viktor/Ju)
Anmerkung: Ja, ich bin völlig durchgedreht und slashe Youtube-Menschen. Ich bin hinabgestiegen in die absolute RPS-Hölle. Allein schien es derzeit das einzige zu sein, das ich zu schreiben imstande bin.
Das Ganze ist eher AU und inspiriert von iBlalis Spiel auf Youtube, wo man sich selbst durch eine Geschichte durchklicken kann:
https://www.youtube.com/watch?v=8DkJtJFwMGE
Es ist creepy und heartbreaking und ich kann es tatsählich empfehlen. Wer für das Ende der Videos nicht gespoilert werden möchte, sollte die FF erst danach lesen.


Viktor ist noch nie nicht blass gewesen.
Das ist der erste Gedanke, den du fassen kannst, als die Tür aufgeht und das winzige Zimmer betrittst, in dem er auf dem Bett sitzt.

Jetzt aber ist er weiß wie das Laken, das seine Hände gerade zerknüllen.
Es ist früher Morgen, kurz nach acht Uhr und in in der Klinik stehen Menschen auf. Es klirrt und klappert und redet und tappert in den Zimmern, auf den Gängen und in den Fahrstühlen. Die Sonne scheint sogar ein klein wenig zum Fenster herein und wirft unbarmherzige Schatten auf die dunklen, halbmondförmigen Ringe unter seinen Augen.

„Sie haben mich angerufen“, sagst du und hoffst, dass das Erklärung genug ist.
Eigentlich hattest du gerade schlafen gehen wollen, lagst in den letzten Zügen einer Videobearbeitung, selbst todesmüde und heillos überarbeitet.

Aber wer soll schlafen, wenn die Nervenklinik dich anruft und dir am anderen Ende eine übernächtigte Pflegerin berichtet, dass dein Freund den gesamten Ostflügel mit „Wo ist er?!“ zusammenbrüllt?

„Hey. Vik. Hörst du zu?“

Er blinzelt und es sieht aus wie aus einem Emo-Musikvideo. Langsam, wie in Zeitlupe, gespenstisch mit diesem weißen Gesicht, mit diesem leeren Blick.
Du kennst die Art gar nicht, wie er den Kopf schieflegt und prüfend schaut, sich zu überlegen scheint, ob er gerade nicht vielleicht durch dich hindurchschaut.
Was er wohl für Pillen hier bekommt? Definitiv nicht die guten, wenn er so ist.

Ein Zombie seiner selbst.

Du setzt dich neben ihn und wünschst dir, dass Tony hinter der Tür hervorspringt und „Hahaa, geprankt!“ schreit, dass Nia grinsend unter dem kleinen Tisch hervorkrabbelt und auf seine sanft spöttelnde Art kichert.

„Ju?“, sagt er endlich und klingt so ratlos, dass es dir beinahe die Schuhe auszieht.

Tony ist tot. Nia ist tot. Du solltest nicht genauso anfangen wie Viktor. Du solltest nicht auch anfangen, verstorbene Freunde herbeizuhalluzinieren.
Wenigstens einer sollte klar bleiben.

„Bist du..“ Worte und Gedanken flimmern über sein Gesicht und er kneift die Augen zusammen, als er sie wieder verliert. Sein gesamtes Gehirn scheint in Zeitlupe zu laufen.

„Sorry, aber... bist du echt?“

Und du schluckst und du spürst all den vielen fehlenden Schlaf. Deinen und nun auch seinen noch dazu. Die Erschöpfung sitzt so tief in den Knochen, dass sie darin vibriert.
Entweder es ist das oder dein Herz bricht ein klein wenig.

Du möchtest den alten Viktor zurück, möchtest mit ihm bescheuerte Dönerbuden-Songs singen, Stand-up-Comedy der schlimmsten Sorte drehen, mit ihm darüber sprechen, wie man sich vor dem Burnout bewahrt.

„Oder schlafe ich schon wieder?“, redet er weiter, als du nicht antwortest. Zögernd betrachtet er seine Hände, ballt sie zu Fäusten, entspannt sie wieder. Unter den Rändern seiner Fingernägel klebt getrocknetes Blut.
„War ich jemals wach?“

„Nein, Vik“, beeilst du dich zu sagen und rutscht näher.

„Komm her.“
Seine Hand ist kühl, aber fest. Vielleicht hast du dich gefragt, ob er nicht auch langsam verschwindet; ein Mensch, der bei lebendigem Leib zum Geist wird.
Aber seine Haut ist weich und irgendwo unter ihr schlägt ein Puls, der sich weigert, der Zeitlupe nachzugeben.

„Du konntest du beiden nicht anfassen, wenn du sie gesehen hast, oder? Hier.“
Du drückst sanft zu.

„Vielleicht seh' ich ja auch aus wie der wandelnde Tod, aber nur, weil ich die Nacht durchgemacht habe.“

„Die Nacht durchgemacht?“, wiederholt sein zeitlupengeplagter Mund.

„Ein Video musste noch rendern“, entgegnest du.
Was eigentlich die bekloppteste Antwort ist, die du einem Patienten mit einer shizophrenen Psychose, der sich die ganze Nacht lang die Seele aus dem Leib gebrüllt hat, sagen kannst. Aber er lacht tatsächlich ein wenig durch die Nase und schaut dich an. Also, schaut dich tatsächlich zum ersten Mal so richtig an.

„Du bist nicht tot“, sagt er und klingt so sachlich, dass sich dir der Magen umdreht.
„Das ist gut. Das ist...“

Sein Gesicht verzieht sich; langsam und schmerzvoll. Zuerst denkst du, ihm tut irgendetwas weh. Ist es eine Attacke, eine Nebenwirkung von seinen Medikamenten?
Es mag daran liegen, dass du vollkommen übermüdet bist. Vielleicht auch daran, dass du ihn zwar gut kennst, aber noch nie so gesehen hast. Im Prinzip könnte er nackt sein und es wäre weniger intim.
Aber dann bemerkst du, dass auch sein Versuch, nicht loszuweinen, in Zeitlupe abläuft.

Es ist ein Glück, dass deine Arme sich bewegen können, als würde dich jemand vorspulen. Du legst sie um ihn und ziehst ihn an dich.
„Mach dir keine Sorgen“, nuschelst du in halb in seinen Nacken und traust dich sogar, kurz seinen Rücken zu streicheln.

„Ich bin so lebendig, bald werde ich dir wieder gehörig auf die Nerven gehen. Und alle anderen auch. Okay?“

Er nickt in Zeitlupe, anscheinend nicht zu mehr fähig. Seine Hände drücken dich an sich und das ist in Ordnung. Du würdest seine Finger an den bebenden Puls deines Halses drücken, wenn es helfen würde. Du hältst ihn und die Zeit vergeht ebenfalls in Zeitlupe, staubt Sonnenlicht um euch herum.

Wenn du ihn festhältst, wird er nicht verschwinden, wird sein Kopf ihn nicht umbringen.

Hoffentlich.

Date: 2017-07-23 05:05 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich bin hinabgestiegen in die absolute RPS-Hölle. Allein schien es derzeit das einzige zu sein, das ich zu schreiben imstande bin.
Hauptsache, es inspiriert ;)

Und wie - mir fehlt jeglicher Kontext, aber es ist sehr intensiv. Und gruselig (dem Link folge ich mal lieber nicht ...)

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