[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Aschenputtel
Challenge: Crack – passend zur Bettwäsche – fürs Team
Fandom: Original/Kpop
Titel: Die Stiftebeißerin
Inhalt: Min Yoonji hält wenig von dem verrückten Mädchen in ihrer Klasse – aber sie hilft ihr trotzdem, als sie ihr Kuschelkissen verloren hat.
Anmerkung: Es ist schwierig zu erklären, wo die Charaktere herkommen, aber die Boyband BTS hat diverse Sketche gedreht, in denen zwei der Band crossdressen mussten, um die entzückendsten Mädels der Welt zu spielen. Hier und hier. Um diese beiden weiblchen Charaktere geht es. Für Merle.



Die Stiftebeißerin

Montage waren schlimm genug, ohne dass Yoonji ein heulendes Mädchen über den Weg lief und ihr dabei fast die Tür zum Klo ins Gesicht rammte, aber natürlich passierte genau das.

Sie machte den Mund auf, um der blöden Kuh die Meinung zu sagen, aber das Mädchen drängte sich bloß an ihr vorbei, stürzte in eine Kabine und begann dann ein Geheule, als würde sie ein ganzes Wolfsrudel anführen.

Es war ein Schauspiel für die Götter und Yoonji war so fasziniert, dass sie die Türklinke weiterhin festhielt und zuhörte: das Schniefen, das Quietschen der Schuhsohlen, als die Füße des Mädchens vom Klositz runterrutschen, das Nasehochziehen und das anschließende Ratschen, als sie ihre Tasche aufriss, fallen ließ und sich der Inhalt über den gesamten Boden des Mädchenklos verteilte.

Ein angekauter und mit Stickern beklebter Bleistift blieb genau vor Yoonjis Füßen liegen.

Zeit zu gehen, dachte sie. Das Schluchzen und Fluchen aus der Kabine wurde leiser, aber regelmäßiger – das Mädchen wollte anscheinend eine ganze Weile flennend auf dem Klo hocken bleiben.

Yoonji betrachtete den Bleistift. Das dünne Blech um den Radiergummi war voller Kerben und die Sticker ausgeblichen und abgekratzt von Zähnen oder Fingernägeln und ihr grinsten demnach nur die halben Gesichter vollkommen überschminkter Jungs mit wilden Haarfarben entgegen.

Yoonji fragte sich, ob sie sich wirklich mit so jemandem abgeben wollte.

Nein, definitiv nicht.

„Jetzt hau schon ab!“, rief das Mädchen plötzlich und schluchzte erneut. „Ich weiß, dass du da stehst.“

„Pff“, machte Yoonji, doch anstatt endlich zu gehen, schloss sie die Tür und sammelte die Stifte und Lineale und Zettelchen und all den anderen Klimbim auf.

Niemand sagte Min Yoonji, was sie tun sollte.

Das Mädchen putzte sich geräuschvoll die Nase, als Yoonji den letzten Radiergummi aufhob.

„Komm raus“, sagte sie.

„Warum sollte ich?“, folgte die trotzige, heiser geweinte Antwort.

„Weil ich sonst die Tür eintrete.“

„Als ob.“

Yoonji verdrehte die Augen und donnerte ihren Fuß gegen die türkise Sperrholztür.

Das Mädchen kiekste – und ein paar Augenblicke später öffnete sie die Tür und Yoonji musste den Kopf heben, um einer breitschultrigen, eins achtzig großen schwarzhaarigen Heulsuse ins Gesicht zu sehen.

Sie hatte halblanges Haar mit einem albernen Zöpfchen und einen breiten, dusseligen Mund, der ihr wahrscheinlich im grinsenden Zustand eingebaut worden war, ohne dass sich irgendwer Gedanken darum gemacht hatte, wie es wohl aussehen würde, wenn sie damit ernst gucken musste. Ihre Augen waren rotgeädert und sie trug unter dem Rock der Schuluniform eine schwarze Sporthose, was Yoonji wie jeglicher Autoritätswiderstand tief beeindruckte.

Leider wurde das Bild ein bisschen verdorben, weil sie eine zerrissene Plastikfolie an ihre Brust drückte, aus der eine Pappe hervorlugte, die über und über mit Schimpfworten bekritzelt war, sodass man den aufgedruckten Jungen kaum noch sehen konnte.

Yoonji hatte das dumpfe Gefühl, die Geschichte, die nun unweigerlich folgen würde, schon in tausend Variationen gehört zu haben.

„Du bist völlig irre“, sagte das Mädchen und zog ein letztes Mal die Nase hoch.

Yoonji schwieg und hielt ihr das Mäppchen hin. Die andere betrachtete es so angeekelt, als habe Yoonji in die Stifte gebissen.

„Wenn du sie nicht willst, behalte ich die Sachen“, sagte sie und das Mädchen schrie und riss ihr das Mäppchen aus den Händen.

„Niemals!“

„Aber ich bin die Irre, ja?“

Das Mädchen schnaubte und lächelte ein bisschen und endlich passte ihr Mund in ihr Gesicht. Yoonji ignorierte geflissentlich, wie gut ihr das gefiel.

„Wie heißt du?“, fragte sie stattdessen.

„Kim Army.“

„Cooler Name.“

„Du bist Min Yoonji, oder? Die Schlägerin aus der C?“

Yoonji schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Genau die.“

Army grinste. „Du bist cool.“

Das war nicht ganz die Reaktion, die Yoonji erwartet hatte – normalerweise schluckten die Leute und wichen mehr oder minder unauffällig vor ihr zurück, aber das hier war um Längen besser.

Vielleicht war die Stiftebeißerin und Heulsuse doch nicht so blöd.

Army trat vor den verschmierten Spiegel über den Waschbecken und drehte das Wasser auf, während sie traurig mit dem Finger unter ihre verschmierten Augen piekste.

„Sieht schlimm aus“, sagte Yoonji. „Aber immer noch besser als dein Kerl da.“ Sie deutete auf Armys verunstaltete Plastikfolie und hoffte, dass Army den Hinweis verstand. Sie wollte nicht direkt fragen, was passiert war.

Niemand sagte Min Yoonji, was sie tun sollte, nicht einmal Min Yoonji selbst.

Army schaute sich im Spiegel an, drückte an ihrer Stirn und an ihrem Kinn herum und sagte nichts.

Yoonji wartete. Sie konnten weder vor noch zurück und Yoonji wusste, dass sie hätte gehen sollen, um jetzt keine Entscheidung treffen zu müssen. Neugier zählte nicht zu ihren Eigenschaften und mit einem nervigen Helfer-Syndrom musste sie sich Gott sei Dank auch nicht herumschlagen – aber tief drinnen war Yoonji eben genau so einsam, wie man nur sein konnte, wenn man neu an der Schule war und gleich am ersten Tag ein paar Typen vermöbelte, weil sie einfach nicht wussten, was Nein bedeutete.

Aber Yoonji wollte ja auch gar keine Freundinnen haben, weil sie allein viel besser zurecht kam.

Und am allerwenigstens wollte sie eine riesengroße Boyband-Fanatikerin zur Freundin, die plötzlich beim Nachziehen ihres Lidstrichs wieder mit Heulen anfing, die Hände vors Gesicht schlug und auf dem feuchten Fußboden zusammensank wie ein sterbender Apatosaurus.

„Sie haben mein Kissen geklaut!“, schrie sie. Sie strampelte mit den Füßen und schlug mit den Händen neben sich auf die Fliesen, so fest, dass Yoonji fürchtete, sie würde sich verletzen. „Mein Rapmonster-Kuschelkissen!“

Das war etwas mehr Information als Yoonji verarbeiten konnte. Was war ein Rapmonster? Wieso schleppte Army ein Kuschelkissen mit zur Schule und warum sollte sich irgendwer die Mühe machen, es ihr zu stehlen und die Pappverpackung zu beschmieren?

Und wie zur Hölle schaffte es Kim Army einen Wutanfall auf der Mädchentoilette zu bekommen, weil jemand ihr peinliches Boyband-Kissen geklaut hatte, und dabei nicht komplett lächerlich zu wirken sondern als sei ihr tatsächlich das schlimmste, menschenmögliche Unrecht widerfahren?

Yoonji schaute auf den großen, verheulten Mädchenberg vor sich und schüttelte den Kopf.

„Wie sieht das Kissen aus?“

Army schniefte und sagte dann todernst: „Es ist hundertfünfzig mal fünfzig Zentimeter groß, besteht aus 98 Prozent Polyester und ist verziert mit einem hochwertigen Druck von Rapmonster und es ist außerdem eine limitierte Edition für Mitglieder des Fanclubs.“

Yoonji blinzelte und Army wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht. „Und Soohyun hat es mir gestohlen.“

„Warum?“

„Keine Ahnung“, sagte Army. „Sie mag BTS nicht mal. Nur EXO.“

„Seid ihr befreundet?“

„Mit einem EXO-Fan? Seh ich aus, als wär ich bescheuert?“

„Soll ich das wirklich beantworten?“

Army lachte und warf den Kopf zurück, bis sie gegen das Waschbecken krachte, das sofort einen Sprung bekam.

Yoonji zuckte zusammen, aber Army schüttelte sich bloß und stand dann auf, als sei nichts gewesen und bevor sie sich davon abhalten konnte, hatte Yoonji die Hand ausgestreckt.

„Ich helf dir. Dein doofes Kissen wiederzufinden, mein ich.“

Diese Entscheidung war definitiv von ihrem Rock und nicht ihrem Kopf ausgegangen.

Army schlug nicht sofort ein, doch sie betrachtete Yoonji auch nicht mit totalem Misstrauen.

„Was willst du dafür?“ fragte sie stattdessen.

Es gab viele Antworten auf diese Frage und alle, die in Yoonjis Kopf auftauchten, waren schlüpfriger Natur, also zuckte sie bloß die Schultern und sagte: „Nichts.“

„Okay!“

Army schlug ein, so schnell und fest, dass Yoonji nicht mal dran denken konnte, ihre Hand wieder zurückzuziehen.


Soohyun war nicht sonderlich subtil vorgegangen, denn sie fanden den Kissenbezug kaum dass sie Armys Klassenzimmer wieder betraten.

Es saß nämlich auf Armys Stuhl: zerschnitten, beschmiert und mit nassem Papier ausgestopft. Eine tropfende, traurige Masse aus Polyester und verzerrtem Boyband-Jungen-Gesicht.

Army schrie und stürmte auf ihren Platz zu, riss zwei Schultaschen und eine Mitschülerin um, die sich lautstark beschwerte, doch Yoonji warf ihr einen Blick zu und fuhr sich mit dem Finger über die Kehle, bis das Mädchen die Augen verdrehte.

„Blöde Kuh“, zischte sie, doch Yoonji ließ sie gehen, denn Army war weinend auf dem Fußboden zusammengebrochen, in ihren Armen das misshandelte Kissen, das sie wie ein Kind an sich presste. Es war das schlimmste Elend, das Yoonji je gesehen hatte, wie auch immer das möglich war.

Sie sollte wahrscheinlich etwas sagen, doch weil ihr nicht einfiel legte sie bloß die Hand auf Armys Schulter. Army heulte auf, umklammerte Yoonjis Beine und presste ihr Gesicht in ihren Rock und so blieb sie und weinte, bis es zur nächsten Stunde klingelte.



Als Yoonji an diesem Abend nach Hause kam waren ihre Beine schwer wie Blei und ihr Schädel pochte, doch sie fiel trotzdem nicht ins Bett. Sie starrte ihr Handy an und tippte schließlich eine Nachricht an Army hinein.

warum hast du das kissen mit in die schule genommen

Vielleicht schlief sie schon, dachte Yoonji und eigentlich war es ja auch vollkommen egal. Sie hatte nur versprochen, Army dabei zu helfen, ihr Kissen zurückzubekommen und das hatte sie getan. Alles andere konnte ihr egal sein, auch wenn Army den ganzen Schultag durch geheult hatte.

Ihr Handy vibrierte und Yoonji fuhr viel zu schnell herum.

ich hab mich so drüber gefreut. ich liebe ihn.

Yoonji starrte lange auf ihr Display, weil ihr zu so viel realitätsfremder Ehrlichkeit nicht sofort einfiel. Kim Army war völlig durch.

es ist nur ein kissen schrieb sie schließlich.

Augenblicklich kam eine Reihe lachend-weinender Smileys zurück gefolgt von einem

weiß ich doch. ich habs trotzdem geliebt

Und Yoonji war verloren.



Es dauerte eine Woche, bis sie Soohyun und ihren lausigen Freundinnen endlich genug Geld geklaut hatte – natürlich so, dass es niemand merkte oder Yoonji verdächtigte – um ein Boyband-Kissen kaufen zu können. Auf ebay überschlugen sich die Ereignisse. Yoonji hatte noch nie so oft ihren Monitor angeschrien, weil sie von dreizehnjährigen Gören aus Spanien bei einem Polyesterkissenbezug überboten wurde, doch nach einigen quälenden Stunden hatte sie endlich ein ordentliches, völlig überteuertes, grinsendes Kissen gefunden und das Geld auf die virtuelle Theke geknallt, bevor es ihr irgendwer wegschnappen konnte.

Die Post konnte gar nicht schnell genug kommen und als sie das Paket endlich in den Händen hielt, machte Yoonji sich nicht einmal die Mühe es aufzureißen, sondern rannte mit dem Karton zur Schule und stürmte noch vor der ersten Stunde in Armys Klasse.

„Hier“, sagte sie und tat so, als würde sie gar nicht merken, dass sie völlig außer Atem war.

Army fragte nicht einmal nach sondern jauchzte „Geschenke!“ und riss das Paket auf.

Yoonji wusste nicht so genau, was sie erwartet hatte. Vielleicht einen Engelschor und ein goldenes Licht und Rosenblüten, die um sie beide herum auftauchen würden – oder wie auch immer die nichtkitschige Variante davon aussah.

Vielleicht erwartete sie auch, dass Army aufsprang, Yoonji an sich zog und sie vor aller Augen auf ihr Pult hob und abknutschte.

Was sie nicht erwartet hatte, war, dass Armys Grinsen gefror, kaum, dass sie den Bezug aus der Verpackung geholt hatte (geschweige denn den wütenden Schrei von Soohyun, deren Existenz Yoonji kurzzeitig vergessen hatte).

„Oh“, sagte Army. Ihre Stimme war ganz leise. „Aber das ist ja Suga.“

„Was?“, fragte Yoonji.

„Das ist ein anderer aus der Band“, erklärte Army und ließ das Kissen wieder sinken.

Scheiße, dachte Yoonji, doch bevor sie in Panik geraten konnte, begann Army zu lächeln, stand auf und umarmte Yoonji samt Kissen und Knisterfolie.

„Der passt viel besser zu meiner Bettwäsche“, hauchte sie und drückte ihr einen feuchten Schmatzer auf die Wange.

Und das war fast genau so gut wie alles was Yoonji erwartet hatte.

Date: 2019-02-03 10:13 am (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
ICH FÜHLE MICH GANZ SCHÖN BESCHEUERT EINEINHALB JAHRE SPÄTER REGENBÖGEN KOTZEND GLITZER STREUEND DIESE FIC ZU LESEN AND YET HERE WE ARE

min yoonji ist wahrlich das coolste toughste mädchen auf dem ganzen schulhof ich liebe sie von herzen mit mEINEM GANZEN DASEIN the type Kerlen eine fiese Abfuhr zu erteilen und sie zu vermöbeln wenn sie dumm sind, egal ob sie drei köpfe größer sind als yoonji oder nicht, und sich dANN VON EINEM RIESIGEN BOYBAND NERD MÄDCHEN NOCH VOR DER ERSTEN STUNDE KNUTSCHEN LASSEN WOLLEN

SHE IS SO WHIIIIIIIIIIIPPED (gerechtfertigterweise)

meine Lieblingsabsatz habe ich dir zwar schon gequotet aber ich quote ihn hier nochmal weil er so WUNDERZAUBERSCHÖN ist und ich weiß ich sage das jedes Mal aber ich l i e b e einfach wie du solche Dinge beschreibst and i wish i could TELL YOU IN DETAIL WHAT IT IS THAT I LOVE ABOUT IT BUT I HONEST TO GOD DON'T KNOW IT'S JUST SO GOOD

Sie hatte halblanges Haar mit einem albernen Zöpfchen und einen breiten, dusseligen Mund, der ihr wahrscheinlich im grinsenden Zustand eingebaut worden war, ohne dass sich irgendwer Gedanken darum gemacht hatte, wie es wohl aussehen würde, wenn sie damit ernst gucken musste. Ihre Augen waren rotgeädert und sie trug unter dem Rock der Schuluniform eine schwarze Sporthose, was Yoonji wie jeglicher Autoritätswiderstand tief beeindruckte.

WARGHSDFHSKDJFHSDF I LOVE

ich hoffe sie gehen nach der Schule ein Eis essen und weil das Eis so schnell aufgegessen ist gehen sie noch spazieren und dann schleppt Army sie in einen Laden mit Merch und am Ende laufen sie nicht nur Händchen haltend bis zur Bushaltestelle weil es schon dunkel geworden ist sondern Yoonji hat auch jetzt einen eigenen BTS-Bleistift

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