[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Aschenputtel
Prompt: "Tu' mir das nicht an!" (H/C - für mich)
wörter: 916
Ort/Zeit: Chronomisches Institut, 1906
Charaktere: Wendora Feder, Kasimir Ennart, Sidean Feder, Emmit Feder
Inhalt: Wendora und Kasimir werden vor zukunftsweisende Entscheidungen gestellt.
Kommentar: Nimmt Bezug zu dieser und dieser auf.


Als Wendora Feder an ihrem elften Geburtstag aufsteht, findet sie die Stube außergewöhnlich belebt vor. Statt der üblichen drei, sind es an jenem Morgen fünf Gesichter, die sie begrüßen. Ihr Vater, und dessen zwei Lehrlinge Vinzent und Kasimir, aber auch ihre Tante Luzie ist da. Und ihre Mutter.

Wendora ist so überrascht von diesem Besuch, dass sie im Türrahmen stehen bleibt, einige Sekunden lang verharrt, sich dann umdreht und schleunigst wieder in ihrem Zimmer verschwindet. Hätte sie gewusst, dass es Besuch gibt, sie wäre doch nicht so, ungekämmt und im Nachthemd hinaus gekommen. Überhaupt.

Sie wandert zwischen Schrank und Bett hin und her. Sie hatte sich schon sehr genau ausgemalt, wie sie zu ihrem Geburtstag mit ihrem Vater und mit Vinzent und mit Kasimir gemeinsam frühstücken würde. Und jetzt ist plötzlich alles anders.

Wendora kauert sich auf den Boden vor ihrem Kleiderschrank, zieht die Knie dicht an ihren Körper und verschränkt die Arme vor dem Gesicht, als es an der Tür klopft.

Es ist Kasimir, der vorsichtig einen Arm um sie legt und fragt, was denn los sei.

„Ihr habt mir nicht gesagt, dass es Besuch gibt“, erklärt Wendora durch ihre Ellbogen hindurch.

In der Stube sagt ihre Mutter etwas, aber zu leise, als dass Wendora es verstehen könnte.

„Ich dachte, es wäre eine schöne Überraschung“, rechtfertigt ihr Vater sich.

„Du hast noch gar nicht mit ihr geredet, oder?“, stellt ihre Mutter darauf hin fest.

Wendora hebt ihren Kopf ein wenig um die beiden zu sehen. Gerade jetzt packt Emmit ihren Mann am Arm und zieht ihn aus Stube und in sein Büro.


Die Stille, die auf Sidean und Emmit Feders Verschwinden folgt, wird endlich von Luzie gebrochen.

„Alles Gute zum Geburtstag!“, ruft sie, quer durch die Stube in Wendoras Zimmer hinein und fügt dann hinzu:

„Schnell, so lange die beiden weg sind, können wir uns über den Kuchen her machen!“

Wendora schnieft. Es bedarf noch ein wenig guten Zuredens, aber schließlich sitzt sie mit Luzie, Kasimir und Vinzent am Tisch und lauscht, während Luzie von ihrer Konzertreise erzählt, und dass sie im Herbst ein festes Engagement am Regener Opernhaus antreten werde.

„Regen?“, wiederholt Vinzent und rückt seine Brille zurecht.

„Ist das nicht sehr weit?“

„Ein-zwei Tage ist man da schon unterwegs“, stimmt Luzie ihm zu.

„Das heißt, Sie werden mir gar keinen Unterricht mehr geben?“, fragt er.

Luzie stellt ihre Kaffeetasse ab.

„Vinzent, wenn Sie nicht vorhaben, sich am Konservatorium zu bewerben, kann ich Ihnen nicht mehr viel beibringen, das Sie nicht eben so gut allein üben können“, sagt sie und wendet sich dann Wendora zu.

Wie es ihr ginge, jetzt mit elf Jahren, will sie wissen, und da Wendora darauf nur mit einem Schulterzucken antwortet, fragt sie gleich weiter, ob Wendora sich denn schon Gedanken gemacht habe, wie es jetzt weiter geht, wo sie mit der Grundschule fertig ist.

Vor lauter Schreck über diese Frage lässt Wendora ihre Kuchengabel fallen. Nicht ein einziges Mal hatte sie bisher daran gedacht, dass ihr Leben nach diesen Sommerferien anders weiter gehen könne als zuvor.

„Gibt es Grünwinter kein Gymnasium?“, erkundigt sie sich, aber sie hat den Satz kaum zu Ende gesprochen da gibt Kasimir schon ein „Nicht für Mädchen“ zurück.

Wendora pickt in ihrem Kuchen herum.

„Könnte ich nicht hier bleiben und Uhrmacher werden?“, fragt sie.

Die anderen lachen.

„Na, damit kannst du ja kaum direkt nach der Grundschule anfangen“, sagt Kasimir.


Am Nachmittag machen sie alle zusammen einen Spaziergang. Hinter dem Institut den Berg hinauf. Wendora hat sich inzwischen ganz von dem Schreck des unangekündigten Besuchs erholt. Sie läuft neben dem Weg, sammelt Blüten und Blätter und Insekten und rennt immer wieder mit vollen Händen zu ihrer Mutter, dass die ihre Fundstücke bestimmen kann.

Als sie auf halbem Weg an einem Rastplatz anhalten und ihre Butterbrote auspacken, nimmt Emmit ihre Tochter zur Seite.

„Wendora, was würdest du davon halten, wieder zu mir nach Blenstett zu ziehen?“, fragt sie.

Wendora denkt darüber nach.

„Gibt es da ein Gymnasium für Mädchen?“, errät sie.

Ihre Mutter nickt.

Wendora wiegt ihren Kopf hin und her.

„Aber ich kenne gar niemanden in Blenstett“, sagt sie schließlich.

„Das ändert sich, wenn du da zur Schule gehst“, verspricht ihre Mutter.

„Außerdem haben wir überlegt, dass Kasimir, wenn er im Herbst Uhrmacher wird, auch zu uns kommt.“

Als Kasimir seinen Namen hört, reckt er den Kopf, dem Gesicht, das er macht, nach zu urteilen, hat er von diesem Plan bisher noch nichts gehört.

„Was soll ich denn da?“, fragt er und blickt von Emmit zu Feder zu Luzie und wieder zurück.

„Ich brauche einen Assistenten, der in der Chrononomie versiert ist, und dem ich vertrauen kann“, erklärt Emmit, „Die Auswahl ist da reichlich klein. Sidean kann nicht weg von hier und wenn ich Vinzent zu mir holen würde, hätte ich tausend Fragen von seinem Vater am Hals.“

Kasimirs Augen werden immer größer.

„Du willst, dass ich nach Blenstett komme um dir im Krankenhaus zu helfen?“, fragt er ungläubig.

Emmit öffnet ihren Mund um etwas zu sagen, so genau sei das alles noch nicht entschieden und überlegt, doch da ist Kasimir schon aufgesprungen, den Kopf schüttelnd. Auf keinen Fall, deklariert er, alles, nur das nicht, und ehe irgend jemand noch etwas sagen kann, rennt er davon, zurück in Richtung des Instituts.
„Was ist passiert?“, fragt Vinzent, nachdem sie alle einige Zeit damit zugebracht haben Kasimir hinterher zu schauen.

Luzie Feder seufzt. Sie zeigt mit dem Finger erst auf ihren Bruder, dann auf Emmit.

„Die beiden haben eben nur Verstand für ihre Arbeit“, sagt sie.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios