[identity profile] aislingde.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Lügengeflecht
Autor: Aisling
Fandom: Blood Ties
Personen: Mike Celluci, Kate Lam
Spoiler: 1.07 + 1.08 Heart of Ice & Heart of Fire
Kategorie: Missing Scene, Drama, gen
Inhalt: Mike schließt einen Fall ab.
Disclaimer: Blood Ties gehört Tanya Huff & Kaleidoscope Entertainement. Ich verdiene mit der Story nicht einen einzigen Cent.
Kommentar: Antwort auf die 120_minuten Challenge Prompt Weltungergang
Es hat mich selbst überrascht, dass ich es geschafft habe, in der vorgegebenen Zeit fertig zu werden.



Kritisch betrachtete sich Mike Celluci im Spiegel. Wenn er sein Hemd zuknöpfte, war von dem Pflaster, das Vicki über die Bisswunde geklebt hatte, nichts zu sehen.
Er hatte sich rasiert und geduscht, doch jetzt war er von dieser kleinen Anstrengung so erschöpft, dass er am liebsten wieder ins Bett gegangen wäre.
Doch das ging nicht.
Niemand durfte erfahren, was in der letzten Nacht passiert war und deswegen musste er heute im Revier auftauchen und versuchen, ganz normal zu arbeiten.
Solange man ihn nicht zu einem neuen Mordopfer rief, das in das Schema seines aktuellen Falls passte, war Mike optimistisch, seinen Schreibtisch nicht verlassen zu müssen.
Vorausgesetzt Henry hatte die Leiche von Mendoza so versteckt, dass niemand ihn finden würde.
Was war aus ihm geworden, dass er bereit war, einen Mord zu vertuschte? Schlimmer noch, er hatte es gebilligt und Henry keinen Vorwurf gemacht, als er ihn danach gesehen hatte..
War es, weil er mit eigenen Augen gesehen hatte, wie brutal Mendoza den anderen Vampir umgebracht hatte? Oder war es, weil er selbst gesehen hatte, wie brutal Henry gefoltert worden war? Oder war es, weil Mendoza Vicki in Gefahr gebracht hatte?
Mike wollte nicht darüber nachdenken. Zudem wusste er immer noch nicht, wie er zu Henry stand. Eigentlich sollte er wütend sein, dass er ihn als ‚Mahlzeit’ genommen hatte, doch irgendwie konnte er es nicht.
Er war einfach zu froh, dass Vicki Henry richtig eingeschätzt hatte. Dass Henry kein Killer war und ihn blutleer zurückgelassen hatte.
Zudem war da noch sein Gewissen.
Mike wollte den Kopf schütteln, um diese Gedanken zu vertreiben, aber ein stechender Schmerz an seinem Schulteransatz verriet ihm, dass es keine gute Idee war.
„Ahhhh. Verdammt.“
Es dauerte nicht lange, bis die Sterne mit ihrem wilden Reigen um seinen Kopf aufhörten. Als er sein Spiegelbild wieder klar sehen konnte, grinste er es verwegen an, dann löste er seine verkrampften Finger vom Rand des Waschbeckens.
Ihm war nur ein wenig schwindlig geworden und seine Beine hatten nicht nachgegeben. Alles ganz normal nach einem größeren Blutverlust.
Mike entschied sich, nicht mit dem Auto zum Revier zu fahren, sondern ein Taxi zu rufen.

Als er gerade den Taxifahrer bezahlt hatte und ganz vorsichtig auf den Eingang zuging, begegnete er Kate.
„Hallo Mike! Alles in Ordnung mit Ihnen?“
Er hörte ihre Besorgnis und zwang sich zu einem Grinsen.
„Ohne Kaffee geht bei mir im Moment gar nichts. Bitte lassen Sie uns ein Gespräch auf später vertagen.“
Als Gentleman öffnete er ihr die Tür – gleichzeitig diente sie als Stütze. Ihrem scharfen Polizeiauge entging es nicht.
„Zu wenig Schlaf? Sie hätten ihn gebraucht, so wie Sie die letzten Tage durchgearbeitet haben.“
„Nicht nur. Zu viel Alkohol.“
„Was war los?“
„Bitte, Kate. Ich brauche meinen Kaffee, danach werde ich Ihnen alles erzählen.“
Sein gequältes Lächeln war überzeugend.
„Setzten Sie sich hin, Mike. Ich hol den Kaffee. Vor Crowley sind Sie heute Morgen auch sicher, sie hat einen Termin bei Gericht.“
Zu gerne folgte er ihrer Anweisung und ließ sich in seinen Sessel fallen.
„Für diese Nachricht könnt ich Sie küssen, Kate. Ich hätte meinen Boss jetzt nicht ertragen.“
„So sehen Sie auch aus.“
Bevor Mike etwas entgegnen konnte, war Kate gegangen. Sie hatte sich genauso schnell wie Henry bewegt.
Alles tat Mike weh. Nicht nur die Bisswunde und er war so unendlich müde.
Aber um diese Uhrzeit durfte er nicht an seinem Arbeitsplatz einschlafen. Schon gar nicht, wo er noch nicht einmal seinen Computer hochgefahren hatte.
Er bückte sich, um ihn einzuschalten und bewegte sich zu schnell. Ein Schwindelanfall war die Belohnung.
Mike hielt sich an der Schreibtischkante fest, um nicht auf den Boden zu fallen. Zwei konzentrierte Atemzüge später, ging es wieder und er konnte sich langsam und ganz vorsichtig aufrichten.
„Das war aber wirklich viel Alkohol.“
Kate hatte den Zwischenfall mitbekommen und hielt ihm eine Kaffeetasse hin.
Dankbar griff Mike danach. Sie hatte genau soviel Milch hinein getan, wie er es mochte.
Da der Kaffee aus den Thermoskannen nie wirklich heiß war, leerte Mike die Tasse in einem Zug.
„Möchten Sie noch mehr?“
„Ja, aber ich werde selber gehen.“
Mike stemmte sich hoch, als Kate ihm die Tasse wegnahm.
„Erst wenn Sie etwas Farbe im Gesicht haben. Haben Sie schon gefrühstückt?“
„Kate, Sie hören sich an wie meine Mutter und Vicki zusammen. Ich bin Mann genug, um mir aus dem Automaten etwas zu essen zu organisieren.“
„Ich mach es nicht gerne, aber heute muss ich Vicki und Ihrer Mutter Recht geben. Ab und zu wissen Männer halt nicht, wenn gut ist. Bleiben Sie sitzen. Ich kümmere mich um alles.“
Mit einem gequälten Lächeln setzte Mike sich wieder hin. Er bezweifelte, dass Vicki ihn nach dem Vorfall mit Henry je wieder bemuttern würde. Er hatte ihr Vertrauen verloren. Es würde harte Arbeit bedeuten, es zurück zu bekommen.
Was hatte er sich nur dabei gedacht, als er Mendoza – einen Mann, den er überhaupt nicht kannte – vertraut hatte? War es wirklich Eifersucht gewesen, wie Vicki ihm vorgeworfen hatte?
Es dauerte nicht lange, da kam Kate mit einer Tasse Kaffe und einem Truthahnsandwich zurück. Sein Magen knurrte, noch bevor sie ihm das Essen reichte.
Solange Mike aß, ließ Kate ihn in Ruhe und setzte sich an ihren Schreibtisch, erst als er die Serviette in den Mülleimer schmiss, nahm sie einen Stuhl und setzte sich zu ihm.
Mike trank noch einen Schluck und räusperte sich.
„Sie wollen die Wahrheit wissen?“
Kate nickte nur.
„Ich bin am Ende. Ich habe keine Ahnung, wer die Prostituierte umgebracht hat. Kein Beweis, keine Idee, nichts.“
„Was ist mit diesem Mendoza? Der war doch ganz oben auf Ihrer Liste.“
„Vergessen Sie ihn. Er war zum Tatzeitpunkt bei einer anderen Prostituierten. Sie konnte sich so gut an ihm erinnern, weil er für ungewöhnliche Praktiken sehr viel gezahlt hat.“
Kate unterdrückte ein Schaudern.
„Und was ist mit den alten Mordfällen?“
„Sie meinen das.“ Mike zeigte auf seine Tafel, wo die Bilder von den Morden aus längst vergangenen Zeiten hingen. Kate nickte. „Vergessen Sie es. Wie Crowley es so schön sagte, der Täter von damals müsste ein Altenheim verlassen, um sich an der Nutte von heute vergreifen zu können. Er hätte gar nicht die Kraft für diesen Mord gehabt. Das war eine ganz dumme Idee von mir. Und deswegen hatte ich letzte Nacht ein Rendezvous mit einer Flasche Rum. Ich musste den Frust ertränken.“
„Sie waren damals derjenige der mir gesagt hat, dass die Welt nicht untergeht, nur weil man einen Fall nicht lösen kann.“
„Das tat sie gestern auch nicht. Nur heute Morgen, als ich versuchte aufzustehen.“
Kate lächelte ihn mitfühlend an.
„Das kann ich gut verstehen. Doch sie können es nicht ändern, dass wir nicht immer den Täter finden.“
„Das weiß ich auch. Nur ich dachte gestern, dass ich so nah dran wäre. Und dann kam das Alibi.“
Aufstöhnend verbarg Mike den Kopf in seinen Händen. Er konnte hören, wie Kate aufstand und dann fühlte er ihre Hand auf seiner Schulter. Nur ganz kurz.
„Ich kann Ihnen nicht weiter helfen, damit müssen Sie alleine klar kommen. Aber ich kann dafür sorgen, dass man Sie heute in Ruhe lässt.“
„Danke, Kate. Sie haben mir in den letzten Tagen sehr den Rücken frei gehalten. Ich werde mich bei Gelegenheit revanchieren.“
„Machen Sie das.“
Er hörte an ihren Schritten, dass sie sich entfernte.
Eigentlich sollte er ein schlechtes Gewissen haben, dass er seine Kollegin belogen hatte. Dass Mendoza tatsächlich für den Tod der jungen Frau verantwortlich war und noch viele andere Gräueltaten begangen hatte..
Doch er war es nicht.
Er war froh, dass seine Lügen überzeugt hatten. Denn die Wahrheit war zu fantastisch, als dass sie sie jemals glauben würde.
Wer glaubt schon daran, dass es einen Inquisitor aus dem siebzehnten Jahrhundert gab, der das Blut der Vampire verwendete, um selbst unsterblich zu sein?
Systematisch aber sehr langsam suchte er alle Unterlagen zusammen, um diesen Mord als ‚ungelöst’ zu den Akten legen zu können
Crowley würde darüber nicht glücklich sein.

Date: 2007-11-09 02:13 pm (UTC)
From: [identity profile] olli01a.livejournal.com
Das war sehr interessant. Ich habe schon die ersten 12 Folgen von Eva bekommen und sollte mir wirklich bald die zeit nehmen, sie zu schauen.

Date: 2007-11-10 02:07 pm (UTC)
From: [identity profile] olli01a.livejournal.com
Der nächste freie Tag kommt bestimmt.

Date: 2007-11-13 08:14 am (UTC)
From: [identity profile] counselor69.livejournal.com
Oh ja. Nach dieser Doppelfolge hatte Mike ziemlich viel zu verarbeiten - kein Wunder, dass Dich da ein Bunny angsprungen hat! Ich finde es gut, wie sich Mike aus Deiner Sicht da "durch" arbeitet - und "ja", ich kann mir auch vorstellen, dass Kate so reagiert, wie sie es in Deiner Story tut.

Zwei Kleinigkeiten, die mir persönlich aufgefallen sind:
- das Pflaster: NOPE. Da in Henrys Speichel eine Substanz ist, die zur Heilung beiträgt, sind seine Bissmale immer ruckzuck verheilt. Darum wäre kein Pflaster nötig
- Wenn ich mir die kollegiale Beziehung zwischen Mike und Kate betrachte, höre ich einfach kein "Sie". Bei mir sind die zwei eindeutig auf der "Du" Ebene. Aber das ist eben meine persönliche Meinung.

Vielen Dank für die Story! :o)

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