Land des Herzens
Nov. 4th, 2007 05:54 pmTitel: Land des Herzens
Fandom: SGA
Charakter: Radek Zelenka
Challenge: #3
Wörter: 1153 (OMG! )
Kategorie: gen. Sehr gen.
Ein bißchen Hintergrundgeschichte für Radek. Was ist Familie?
Die Familie ist das Vaterland des Herzens.
Giuseppe Mazzini
*
Es ist nicht so, dass die Wissenschaft seine große Liebe ist, egal was die anderen denken.
Es ist aber auch nicht so, dass Jana seine große Liebe war.
Du fehlst ihr.
Als er ihre Nachricht liest, fühlt er sich schuldig, und als er Elizabeth davon erzählt, ist sie damit einverstanden, dass er nun endlich einmal an der Reihe ist, mit der Daedalus auf die Erde zurückzukehren. Rodney grummelt und murrt und ist der Meinung, nicht ohne jemanden auszukommen, der wenigstens nicht ein kompletter Vollidiot ist wie der Rest seiner Abteilung, aber Radek verschränkt die Arme, starrt ihn eisig an (und verspricht ihm eine Flasche Vodka und eine Menge Schokolade und mindestens drei Packungen Kaffee.)
Die Reise mit der Daedalus ist so lang, dass Radek fast umkommt vor Spannung und Langeweile und er kann es nicht fassen, als er die Erde sieht, als er den Boden berührt, als er aus dem Flugzeug steigt und um ihn herum eine bekannte Sprache schwirrt und er nicht mehr der komische Mann mit dem komischen Akzent ist.
Er ruft sie vom Flughafen aus an und sie ist so überrascht, dass er die Schuld herunterschlucken muss.
Sie treffen sich am nächsten Tag, nachdem Radek fast fünfzehn Stunden am Stück in seinem halbwegs akzeptablen Hotelzimmer in Prag verschlafen hat.
„Hallo“, sagt Kata, und sie schaut ihn an und ist genauso groß wie er. Sie hat seine Nase, und seine Augen, und lange braune Haare, die sie sich aus dem Gesicht streicht.
Sie lächelt und ist ihm so fremd.
„Hallo Papa.“
Sie ist seine Tochter, und sie ist es nicht, als er sie in den Arm nimmt. Sie gehen durch die Stadt, die er so vermisst hat, schauen in Schaufenster, kaufen Süßigkeiten und er schenkt ihr glitzernde, bunte Ohrringe, die sie mit großen Augen bestaunt hatte. Als sie über die Karlsbrücke gehen, kichert Kata über die Touristen und Radek lacht, als eine Gruppe junger Leute an ihnen vorbeikommt, Arm in Arm eingehakt und das Leitmotiv der „Moldau“ pfeifend.
“Deutsche,“ sagt Kata, verdreht die Augen, und nimmt seinen Arm.
Sie schweigen einen Moment, und Radek bleibt am Rand der Brücke stehen, starrt in die Tiefe, wo Elbe und Moldau aufeinander treffen. Wenn er die Augen schließt, sieht er eine andere Stadt, eine bedrohlichere Stadt, die vom Meer verschluckt wird, die aus dem Meer herausbricht. Eine andere Heimat, eine andere Welt.
„Wo warst du wirklich?“, fragt Kata. Sie hat die Hände in ihre Jackentasche gesteckt, ihre Wangen sind rot und er kann ihre Augen nicht sehen. „Ich habe dir Briefe geschrieben, aber – “
Radek seufzt. „Ich habe sie gelesen.“
„Aber du hast nie geantwortet.“
„Nein, es war – es war—“ Es gab immer etwas zu tun, wollte er sagen. Die Wraith, die Replikatoren, die Genii, Nanoviren und andere alltägliche Gefahren.
„Ich weiß schon“, sagt sie, und sie ist weit weg.
Er seufzt. Wer weiß, wie viele Emails ihm Rodney in der Zwischenzeit hat zukommen lassen mit Problemen, für die er jemanden braucht der sie abfängt. Wer weiß, was für Katastrophen sich in Atlantis ereignet haben.
„Es ist schon okay“, sagt sie und er mag die Resignation in ihrer Stimme nicht, aber was soll er machen? Sie gehen schweigend nebeneinander her, und als sie vor seinem Hotel stehen, sieht sie auf seine Füße, und dann auf und schaut ihm ins Gesicht.
„Hey Papa? Kommst du noch mit zu mir?“
Er nickt und folgt ihr zu ihrem Zuhause, ein kleines Zimmer unterm Dach. Es vollgestopfter als seine Studentenbude es je war, aber sie hat keinen Sessel, nur eine aufgeklappte Schlafcouch, einen kleinen Tisch, Bücher überall verstreut, mit Klamotten und halb verdursteten Pflanzen gemischt und einen großem Siebdruck von Edvard Munchs „Schrei“, bei dem ihm das Gruseln kommt.
Nachdem sie ihn das dritte Mal darum gebeten hat, ihm zu erzählen, wo er war, beschließt er, ihr die Wahrheit zu sagen. Am Anfang hat sie große Augen und sagt ihm „du spinnst, Papa“, aber als er ihr Details erklärt, Bilder zeigt, seine Zugangskarte zu den geheimen Laboratorien, glaubt sie ihm. Jedes Kind möchte glauben, dass sein Vater nicht vom Erdboden verschluckt war, weil er weg von ihm sein wollte, denkt er.
Er weiß nicht, was mit ihm passieren würde, wenn jemand erfahren würde, dass er Kata über Atlantis erzählt. Vermutlich würde er im besten Falle seinen Job loswerden – und im schlimmsten Fall?
Aber er hatte sich geschworen, dass er sich nie wieder einzwängen lassen würde, damals, als er zwanzig war und die Welt um ihn herum aufgebrochen ist und mit einem Male viel, viel größer und offener war.
Tomik ist Katas Freund, von dem er noch nichts gewusst hat, und als er auf einmal in Katas Zimmer steht, verschränkt Radek die Arme und versucht, ihn furchteinflößend anzuschauen. Offensichtlich misslingt ihm das, denn Kata kichert und stellt ihn vor, und dann trinken sie zu dritt Tee auf Katas großer Schlafcouch und schweigen.
„Du musst weitererzählen“, sagt Kata und Radek fragt sich, ob sie vielleicht aufholen möchte, dass er ihr nie Geschichten erzählt hatte als Kind. Jana hatte das immer viel besser gekonnt.
„Ich, ähm, --“ sagt er und blinzelt zu Tomik. Kata lacht in ihren Tee, und dann erklärt sie Tomik, dass ihr Vater Geschichten schreibt in seiner Freizeit, und dass er fremde Welten erfindet und Möglichkeiten, um durch Zeit und Raum zu reisen, und über Helden und Diebe und Außerirdische schreibt. Ingenieur am Tage, SciFi-Autor in der Nacht, sozusagend. Radek lächelt über die Lüge und erzählt weiter, von seinen Freunden und von ihren Erzfeinden, und wenn er Rodney ein bisschen verrückter, Ronon ein bisschen heldenhafter, Elizabeth ein bisschen schöner macht, wird das schon niemanden kümmern.
Kata und Tomik schauen ihn mit offenen Mündern an und Tomik meint, „Mann, das ist besser als jede Serie, Sie sollten einen Film draus machen“, und Kata ist ein bisschen stolz, und Radek ist stolzer, und es ist Abends, Nachts, sie trinken Katas billigen Früchtetee und essen Brot mit Käse und Schinken, und auch wenn Radek sich wirklich ein Glas Becherovka wünscht, ist er doch glücklicher als er es seit langer, langer Zeit war. Niemand will ihn töten, niemand will, dass er die Welt rettet, niemand will, dass er einen Puddlejumper innerhalb von zehn Minuten perfekt zusammenbaut.
Tomik hat DVDs von Serien mitgebracht, die Radek nicht kennt und er will aufstehen und gehen, aber Kata hält seinen Arm fest und Tomik lächelt und er bleibt.
Sie schauen Serien an und lachen und Radek ist müde, so müde. Er nimmt seine Brille von der Nase und stopft sich eines von Katas gelb bezogenen Kissen unter den Kopf und döst. Kerzen flackern, und als er kurz aus einem Traum voller Wärme und Wellen und Atlantis auftaucht, hat Kata seinen Arm um ihn gelegt, und er seinen Arm um seine Tochter und Tomiks Arm ist auch irgendwo in dem ganzen Knäuel.
Und er weiß auf einmal, dass er ein Zuhause hat, von dem er bis jetzt noch nichts geahnt hatte.
*
Fandom: SGA
Charakter: Radek Zelenka
Challenge: #3
Wörter: 1153 (OMG! )
Kategorie: gen. Sehr gen.
Ein bißchen Hintergrundgeschichte für Radek. Was ist Familie?
Die Familie ist das Vaterland des Herzens.
Giuseppe Mazzini
*
Es ist nicht so, dass die Wissenschaft seine große Liebe ist, egal was die anderen denken.
Es ist aber auch nicht so, dass Jana seine große Liebe war.
Du fehlst ihr.
Als er ihre Nachricht liest, fühlt er sich schuldig, und als er Elizabeth davon erzählt, ist sie damit einverstanden, dass er nun endlich einmal an der Reihe ist, mit der Daedalus auf die Erde zurückzukehren. Rodney grummelt und murrt und ist der Meinung, nicht ohne jemanden auszukommen, der wenigstens nicht ein kompletter Vollidiot ist wie der Rest seiner Abteilung, aber Radek verschränkt die Arme, starrt ihn eisig an (und verspricht ihm eine Flasche Vodka und eine Menge Schokolade und mindestens drei Packungen Kaffee.)
Die Reise mit der Daedalus ist so lang, dass Radek fast umkommt vor Spannung und Langeweile und er kann es nicht fassen, als er die Erde sieht, als er den Boden berührt, als er aus dem Flugzeug steigt und um ihn herum eine bekannte Sprache schwirrt und er nicht mehr der komische Mann mit dem komischen Akzent ist.
Er ruft sie vom Flughafen aus an und sie ist so überrascht, dass er die Schuld herunterschlucken muss.
Sie treffen sich am nächsten Tag, nachdem Radek fast fünfzehn Stunden am Stück in seinem halbwegs akzeptablen Hotelzimmer in Prag verschlafen hat.
„Hallo“, sagt Kata, und sie schaut ihn an und ist genauso groß wie er. Sie hat seine Nase, und seine Augen, und lange braune Haare, die sie sich aus dem Gesicht streicht.
Sie lächelt und ist ihm so fremd.
„Hallo Papa.“
Sie ist seine Tochter, und sie ist es nicht, als er sie in den Arm nimmt. Sie gehen durch die Stadt, die er so vermisst hat, schauen in Schaufenster, kaufen Süßigkeiten und er schenkt ihr glitzernde, bunte Ohrringe, die sie mit großen Augen bestaunt hatte. Als sie über die Karlsbrücke gehen, kichert Kata über die Touristen und Radek lacht, als eine Gruppe junger Leute an ihnen vorbeikommt, Arm in Arm eingehakt und das Leitmotiv der „Moldau“ pfeifend.
“Deutsche,“ sagt Kata, verdreht die Augen, und nimmt seinen Arm.
Sie schweigen einen Moment, und Radek bleibt am Rand der Brücke stehen, starrt in die Tiefe, wo Elbe und Moldau aufeinander treffen. Wenn er die Augen schließt, sieht er eine andere Stadt, eine bedrohlichere Stadt, die vom Meer verschluckt wird, die aus dem Meer herausbricht. Eine andere Heimat, eine andere Welt.
„Wo warst du wirklich?“, fragt Kata. Sie hat die Hände in ihre Jackentasche gesteckt, ihre Wangen sind rot und er kann ihre Augen nicht sehen. „Ich habe dir Briefe geschrieben, aber – “
Radek seufzt. „Ich habe sie gelesen.“
„Aber du hast nie geantwortet.“
„Nein, es war – es war—“ Es gab immer etwas zu tun, wollte er sagen. Die Wraith, die Replikatoren, die Genii, Nanoviren und andere alltägliche Gefahren.
„Ich weiß schon“, sagt sie, und sie ist weit weg.
Er seufzt. Wer weiß, wie viele Emails ihm Rodney in der Zwischenzeit hat zukommen lassen mit Problemen, für die er jemanden braucht der sie abfängt. Wer weiß, was für Katastrophen sich in Atlantis ereignet haben.
„Es ist schon okay“, sagt sie und er mag die Resignation in ihrer Stimme nicht, aber was soll er machen? Sie gehen schweigend nebeneinander her, und als sie vor seinem Hotel stehen, sieht sie auf seine Füße, und dann auf und schaut ihm ins Gesicht.
„Hey Papa? Kommst du noch mit zu mir?“
Er nickt und folgt ihr zu ihrem Zuhause, ein kleines Zimmer unterm Dach. Es vollgestopfter als seine Studentenbude es je war, aber sie hat keinen Sessel, nur eine aufgeklappte Schlafcouch, einen kleinen Tisch, Bücher überall verstreut, mit Klamotten und halb verdursteten Pflanzen gemischt und einen großem Siebdruck von Edvard Munchs „Schrei“, bei dem ihm das Gruseln kommt.
Nachdem sie ihn das dritte Mal darum gebeten hat, ihm zu erzählen, wo er war, beschließt er, ihr die Wahrheit zu sagen. Am Anfang hat sie große Augen und sagt ihm „du spinnst, Papa“, aber als er ihr Details erklärt, Bilder zeigt, seine Zugangskarte zu den geheimen Laboratorien, glaubt sie ihm. Jedes Kind möchte glauben, dass sein Vater nicht vom Erdboden verschluckt war, weil er weg von ihm sein wollte, denkt er.
Er weiß nicht, was mit ihm passieren würde, wenn jemand erfahren würde, dass er Kata über Atlantis erzählt. Vermutlich würde er im besten Falle seinen Job loswerden – und im schlimmsten Fall?
Aber er hatte sich geschworen, dass er sich nie wieder einzwängen lassen würde, damals, als er zwanzig war und die Welt um ihn herum aufgebrochen ist und mit einem Male viel, viel größer und offener war.
Tomik ist Katas Freund, von dem er noch nichts gewusst hat, und als er auf einmal in Katas Zimmer steht, verschränkt Radek die Arme und versucht, ihn furchteinflößend anzuschauen. Offensichtlich misslingt ihm das, denn Kata kichert und stellt ihn vor, und dann trinken sie zu dritt Tee auf Katas großer Schlafcouch und schweigen.
„Du musst weitererzählen“, sagt Kata und Radek fragt sich, ob sie vielleicht aufholen möchte, dass er ihr nie Geschichten erzählt hatte als Kind. Jana hatte das immer viel besser gekonnt.
„Ich, ähm, --“ sagt er und blinzelt zu Tomik. Kata lacht in ihren Tee, und dann erklärt sie Tomik, dass ihr Vater Geschichten schreibt in seiner Freizeit, und dass er fremde Welten erfindet und Möglichkeiten, um durch Zeit und Raum zu reisen, und über Helden und Diebe und Außerirdische schreibt. Ingenieur am Tage, SciFi-Autor in der Nacht, sozusagend. Radek lächelt über die Lüge und erzählt weiter, von seinen Freunden und von ihren Erzfeinden, und wenn er Rodney ein bisschen verrückter, Ronon ein bisschen heldenhafter, Elizabeth ein bisschen schöner macht, wird das schon niemanden kümmern.
Kata und Tomik schauen ihn mit offenen Mündern an und Tomik meint, „Mann, das ist besser als jede Serie, Sie sollten einen Film draus machen“, und Kata ist ein bisschen stolz, und Radek ist stolzer, und es ist Abends, Nachts, sie trinken Katas billigen Früchtetee und essen Brot mit Käse und Schinken, und auch wenn Radek sich wirklich ein Glas Becherovka wünscht, ist er doch glücklicher als er es seit langer, langer Zeit war. Niemand will ihn töten, niemand will, dass er die Welt rettet, niemand will, dass er einen Puddlejumper innerhalb von zehn Minuten perfekt zusammenbaut.
Tomik hat DVDs von Serien mitgebracht, die Radek nicht kennt und er will aufstehen und gehen, aber Kata hält seinen Arm fest und Tomik lächelt und er bleibt.
Sie schauen Serien an und lachen und Radek ist müde, so müde. Er nimmt seine Brille von der Nase und stopft sich eines von Katas gelb bezogenen Kissen unter den Kopf und döst. Kerzen flackern, und als er kurz aus einem Traum voller Wärme und Wellen und Atlantis auftaucht, hat Kata seinen Arm um ihn gelegt, und er seinen Arm um seine Tochter und Tomiks Arm ist auch irgendwo in dem ganzen Knäuel.
Und er weiß auf einmal, dass er ein Zuhause hat, von dem er bis jetzt noch nichts geahnt hatte.
*
no subject
Date: 2007-11-04 06:05 pm (UTC)Deins ist... hach, danach wird einem warm ums Herz.
Einfach eine schöne Story, von dieser Art möchte ich gerne mehr lesen.
no subject
Date: 2007-11-04 09:18 pm (UTC)Dankeschön! Freut mich total, dass sie dir gefällt. :)
no subject
Date: 2007-11-04 09:03 pm (UTC)no subject
Date: 2007-11-04 09:19 pm (UTC)no subject
Date: 2007-11-04 09:50 pm (UTC)no subject
Date: 2007-11-04 09:56 pm (UTC)no subject
Date: 2007-11-05 05:33 pm (UTC)(Und jetzt hab ich eine viel bessere Vorstellung von Radek!)
no subject
Date: 2007-11-05 05:50 pm (UTC)Oh, und danke das du die Geschichte überhaupt gelesen hast, obwohl du doch die Serie gar nicht kennst. :)