Macallan 1939
May. 13th, 2017 03:29 pmFandom: Avengers/Doctor Strange
Challenge: Irrenhaus/Psychiatrie vom 06.03.2015
Personen: Stephen, Loki, Thor
Anmerkung: Das spielt in der "Keiner hat Superkräfte"-Wohnblock-AU von Rei und ich hoffe, ich gebe diese AU anschließend unbeschädigt an sie zurück. Ich bin gerade zu faul zum Linksetzen, aber ihr findet Ihre Fics dazu im selben tag. *hust*
Er will nichts mit ihnen zu tun haben.
In seinem Penthouse in Manhattan ist er nicht einmal sicher gewesen, ob er Nachbarn gehabt hat. Er konnte in aller Ruhe in seinem Wohnzimmer auf und ab gehen, durch das Esszimmer schlendern, die lange, elegante Diele entlang, durch die Küche mit ihrer großzügigen Inneneinrichtung...
Hier steht er auf, schiebt mit dem Fuß einen noch vollen Umzugskarton zur Seite und tut drei Schritte. Dann steht er an der Wand.
Er hat den Vermieter nicht gefragt, wie groß dieses Loch ist, das sich jetzt sein Zuhause schimpft. Es war zu empörend. Die Wände gähnen ihn an, scheinen stetig auf ihn zuzukommen. Er müsste sie streichen – neben dem Fenster klebt ein blassrosa Fleck, der vermutlich von Rotwein herrührt, neben der Heizung ist die Tapete in streifigen Fetzen abgerissen (wahrscheinlich war einer Katze hier langweilig) und überall kleben Tesafilmreste von Postern.
Stephen verbringt seine Tage auf der Couch.
In seinem Schoß hält er eine Flasche Whiskey umarmt wie ein Baby. Es ist das allerletzte aus seiner Sammlung, aus seiner alten Bar. Das kühle Glas lenkt ihn davon ab, dass seine Finger immerwährend zittern, dass ihre Nerven zerstört sind; zerfetzt, zerrissen, unbrauchbar, nutzlos, nutzlos, nutzlos.
Er müsste sich die Haare kämmen, sich rasieren, Wäsche waschen, sich etwas anderes anziehen.
Seit zwei Wochen wohnt er hier und er kann sich nicht erinnern, ob er seine Socken gewechselt hat.
Alles, was ihm geblieben ist, steckt in zehn Pappkartons. Seine Zertifikate und Zulassungen schauen scheu aus einer Kiste direkt neben der Wohnungstür heraus. Stephen kann sie nicht anrühren, weil er Angst hat, dass er sie sonst sofort aus dem Fenster wirft.
Er hat seine Couch mitgenommen (die kleine aus dem Esszimmer, die große würde die gesamte Wohnung einnehmen) und Mordo hat ihm ein schmales Bett zum Umzug geschenkt. Ein klappriger Schrank steht daneben, zwei Lampen, ein Stuhl und ein Couchtisch.
In Manhattan bezieht gerade zweifellos irgendein reicher Schnösel sein Apartment.
Es ist erbärmlich.
Er möchte gerade wieder in einen Fuseltraum dämmern als er das Geschrei von draußen hört.
Irgendetwas rumst und eine Tür wird geknallt.
Nicht, dass das etwas Besonderes wäre. Der Pöbel, zu dem Stephen jetzt gehört, hat anscheinend nie gelernt, sich leise und diskret zu verhalten. Dauernd heulen irgendwelche Kinder, bellen Hunde, streiten Paare im Hausflur.
Aber das hier ist anders. Das hier... geschieht direkt vor seiner Tür.
Stephen schlurft zur Wohnungstür und schaut durch den Spion nach draußen.
Die Wohnung ihm gegenüber steht offen – es ist ein Chaos zu sehen, gegen das sein Umzug wie eine geordnete Militärparade wirkte. Stoffbeutel mit Klamotten liegen auf dem Boden herum, eine Luftmatratze hängt halb aufgepumpt daneben, ein Klappstuhl und ein zerschlissener Koffer.
„Verpiss dich!“, brüllt jemand und tritt denn auch ins Bild.
Es ist ein langer, hagerer Mann mit langen, zerzausten schwarzen Haaren und hellen, wütenden Augen.
„Was soll denn das alles?“
Eine andere Stimme. Tiefer, bäriger.
Stephen kann nicht anders. Seine bebenden Finger drücken unkoordiniert die Klinke herunter und er späht durch den Spalt ins Freie.
Die zweite Stimme gehört zu einem blonden Hünen mit Bart und ebenso langen Haaren. Prima, denkt Stephen – Ehekrach zwischen zwei Death Metalern kann er nicht gebrauchen.
„Mom macht sich Sorgen“, sagt der Blonde nun etwas leiser und beugt sich in die Chaoswohnung hinein.
„Tu ihr das nicht an. Tu mir das nicht an, okay?“
„Das war ja so klar, dass es wieder nur um dich gehen muss“, zischt der Schwarzhaarige.
Wie eine wütende Eidechse schlängelt er sich zur Wohnungstür und schubst den blonden Kerl ungestüm vom Rahmen weg.
„So wie immer! Soll ich jetzt weinen? Buhu! Es geht immer nur um Thor, macht Platz für den Vorzeigesohn!“
„Loki...“
„Schnauze! Das hier ist meine Wohnung! Ich will dich nicht mehr sehen!“
Einen Moment ist es still. Die beiden – ganz offensichtlich Brüder, die ihre Auseinandersetzungen anscheinend nicht im stillem Kämmerlein unter sich klären können – starren sich an. Stephen hält die Luft an.
Dann sackt die Anspannung aus den breiten Schultern des blonden Kerls und er sieht ein bisschen aus wie ein nasser Hund. Ein riesiger nasser Hund.
„Es tut mir leid, Loki. Wenn du etwas brauchst, lass es mich wissen, okay? Und du weißt, du kannst jederzeit nach Hause kommen. Dad hat es sicher nicht so gemeint.“
Sein Gegenüber – Loki – lehnt sich mit verschränkten Armen gegen die Tür und schaut ihn verächtlich an.
„Es ist mir egal, was Dad zu dir sagt. Leibliche Kinder bekommen bei ihm ja offenbar was anderes zu hören als jemand wie ich.“
„Loki...“
Der blonde Hüne sieht aus, als wollte er noch etwas sagen, aber anscheinend fällt ihm mehr als der Name seines Bruders nicht ein. Stephen kann sein Gesicht nicht sehen, aber die Körpersprache sagt alles: Reue, Sorge, schließlich Resignation. Der verlorene (und offensichtlich irgendwie adoptierte) Sohn will nicht mitkommen und lieber in diesem Irrenhaus bleiben.
Beim Bodensatz der Gesellschaft.
Also dreht er sich um und zieht leise schlurfend ab. Seine Schultern wirken zu breit für den in schmutzigem Grün gestrichenen Hausflur.
Loki sieht ihm mit zornigen Augen hinterher und erst, als sich die Fahrstuhltür öffnet und wieder schließt, lässt er die Arme sinken. Dann sieht er müde und matt aus und sein Blick rutscht zur Seite.
Bis er an Stephen hängenbleibt.
„Was glotzt du denn so, du Penner?“, ranzt er an.
„Noch nie 'nen Streit gesehen?“
Stephen rollt die Worte stumm durch seinen Mund bis er sie ausspricht.
„Wenn man nicht zu überhören ist...“
Er stellt fest, dass es seine ersten Worte seit zwei Wochen sind und dass er heiser und hohl klingt.
Loki beäugt ihn mit einem unlesbaren Blick.
Er trägt eine schwarze Lederhose und ein dramatisch ausgearbeitetes dunkelgrünes Oberteil. Er ist hübsch. So rein objektiv.
Stephen kann nicht weiter darüber nachdenken, weil der Typ plötzlich sehr nah in seinem Gesichtsfeld ist. Er riecht nach Staub und Zorn und als er Stephen unmittelbar die Whiskeyflasche entreißt, ist dieser zu abgelenkt um auch nur darüber nachzudenken, warum seine verzögerten Reflexe zu nutzlos sind um sein Eigentum festzuhalten.
Loki scheint gar nicht zu bemerken, dass er versucht, mit zitternden Fingern danach zu greifen.
„Macallan. 1939“, liest er neugierig von der Flasche ab.
„Nie gehört.“
Er zuckt mit den Schultern und grinst Stephen schließlich bösartig an.
„Du siehst aus, als müsstest du eh ausnüchtern. Bye.“
Und damit ist er mit einem Mal weg.
Nicht mit einem Mal, nein. Er schreitet wahrscheinlich elegant davon. Aber Stephen weiß, dass er Aussetzer hat. Nicht nur vom Alkohol.
Als er es bemerkt, steht er schon allein in seinen alten, stinkenden Klamotten auf dem Hausflur und das einzige, was ihn mit seinem alten Leben verbunden hat, ist ihm genauso entrissen worden wie sein Leben selbst.
Challenge: Irrenhaus/Psychiatrie vom 06.03.2015
Personen: Stephen, Loki, Thor
Anmerkung: Das spielt in der "Keiner hat Superkräfte"-Wohnblock-AU von Rei und ich hoffe, ich gebe diese AU anschließend unbeschädigt an sie zurück. Ich bin gerade zu faul zum Linksetzen, aber ihr findet Ihre Fics dazu im selben tag. *hust*
Er will nichts mit ihnen zu tun haben.
In seinem Penthouse in Manhattan ist er nicht einmal sicher gewesen, ob er Nachbarn gehabt hat. Er konnte in aller Ruhe in seinem Wohnzimmer auf und ab gehen, durch das Esszimmer schlendern, die lange, elegante Diele entlang, durch die Küche mit ihrer großzügigen Inneneinrichtung...
Hier steht er auf, schiebt mit dem Fuß einen noch vollen Umzugskarton zur Seite und tut drei Schritte. Dann steht er an der Wand.
Er hat den Vermieter nicht gefragt, wie groß dieses Loch ist, das sich jetzt sein Zuhause schimpft. Es war zu empörend. Die Wände gähnen ihn an, scheinen stetig auf ihn zuzukommen. Er müsste sie streichen – neben dem Fenster klebt ein blassrosa Fleck, der vermutlich von Rotwein herrührt, neben der Heizung ist die Tapete in streifigen Fetzen abgerissen (wahrscheinlich war einer Katze hier langweilig) und überall kleben Tesafilmreste von Postern.
Stephen verbringt seine Tage auf der Couch.
In seinem Schoß hält er eine Flasche Whiskey umarmt wie ein Baby. Es ist das allerletzte aus seiner Sammlung, aus seiner alten Bar. Das kühle Glas lenkt ihn davon ab, dass seine Finger immerwährend zittern, dass ihre Nerven zerstört sind; zerfetzt, zerrissen, unbrauchbar, nutzlos, nutzlos, nutzlos.
Er müsste sich die Haare kämmen, sich rasieren, Wäsche waschen, sich etwas anderes anziehen.
Seit zwei Wochen wohnt er hier und er kann sich nicht erinnern, ob er seine Socken gewechselt hat.
Alles, was ihm geblieben ist, steckt in zehn Pappkartons. Seine Zertifikate und Zulassungen schauen scheu aus einer Kiste direkt neben der Wohnungstür heraus. Stephen kann sie nicht anrühren, weil er Angst hat, dass er sie sonst sofort aus dem Fenster wirft.
Er hat seine Couch mitgenommen (die kleine aus dem Esszimmer, die große würde die gesamte Wohnung einnehmen) und Mordo hat ihm ein schmales Bett zum Umzug geschenkt. Ein klappriger Schrank steht daneben, zwei Lampen, ein Stuhl und ein Couchtisch.
In Manhattan bezieht gerade zweifellos irgendein reicher Schnösel sein Apartment.
Es ist erbärmlich.
Er möchte gerade wieder in einen Fuseltraum dämmern als er das Geschrei von draußen hört.
Irgendetwas rumst und eine Tür wird geknallt.
Nicht, dass das etwas Besonderes wäre. Der Pöbel, zu dem Stephen jetzt gehört, hat anscheinend nie gelernt, sich leise und diskret zu verhalten. Dauernd heulen irgendwelche Kinder, bellen Hunde, streiten Paare im Hausflur.
Aber das hier ist anders. Das hier... geschieht direkt vor seiner Tür.
Stephen schlurft zur Wohnungstür und schaut durch den Spion nach draußen.
Die Wohnung ihm gegenüber steht offen – es ist ein Chaos zu sehen, gegen das sein Umzug wie eine geordnete Militärparade wirkte. Stoffbeutel mit Klamotten liegen auf dem Boden herum, eine Luftmatratze hängt halb aufgepumpt daneben, ein Klappstuhl und ein zerschlissener Koffer.
„Verpiss dich!“, brüllt jemand und tritt denn auch ins Bild.
Es ist ein langer, hagerer Mann mit langen, zerzausten schwarzen Haaren und hellen, wütenden Augen.
„Was soll denn das alles?“
Eine andere Stimme. Tiefer, bäriger.
Stephen kann nicht anders. Seine bebenden Finger drücken unkoordiniert die Klinke herunter und er späht durch den Spalt ins Freie.
Die zweite Stimme gehört zu einem blonden Hünen mit Bart und ebenso langen Haaren. Prima, denkt Stephen – Ehekrach zwischen zwei Death Metalern kann er nicht gebrauchen.
„Mom macht sich Sorgen“, sagt der Blonde nun etwas leiser und beugt sich in die Chaoswohnung hinein.
„Tu ihr das nicht an. Tu mir das nicht an, okay?“
„Das war ja so klar, dass es wieder nur um dich gehen muss“, zischt der Schwarzhaarige.
Wie eine wütende Eidechse schlängelt er sich zur Wohnungstür und schubst den blonden Kerl ungestüm vom Rahmen weg.
„So wie immer! Soll ich jetzt weinen? Buhu! Es geht immer nur um Thor, macht Platz für den Vorzeigesohn!“
„Loki...“
„Schnauze! Das hier ist meine Wohnung! Ich will dich nicht mehr sehen!“
Einen Moment ist es still. Die beiden – ganz offensichtlich Brüder, die ihre Auseinandersetzungen anscheinend nicht im stillem Kämmerlein unter sich klären können – starren sich an. Stephen hält die Luft an.
Dann sackt die Anspannung aus den breiten Schultern des blonden Kerls und er sieht ein bisschen aus wie ein nasser Hund. Ein riesiger nasser Hund.
„Es tut mir leid, Loki. Wenn du etwas brauchst, lass es mich wissen, okay? Und du weißt, du kannst jederzeit nach Hause kommen. Dad hat es sicher nicht so gemeint.“
Sein Gegenüber – Loki – lehnt sich mit verschränkten Armen gegen die Tür und schaut ihn verächtlich an.
„Es ist mir egal, was Dad zu dir sagt. Leibliche Kinder bekommen bei ihm ja offenbar was anderes zu hören als jemand wie ich.“
„Loki...“
Der blonde Hüne sieht aus, als wollte er noch etwas sagen, aber anscheinend fällt ihm mehr als der Name seines Bruders nicht ein. Stephen kann sein Gesicht nicht sehen, aber die Körpersprache sagt alles: Reue, Sorge, schließlich Resignation. Der verlorene (und offensichtlich irgendwie adoptierte) Sohn will nicht mitkommen und lieber in diesem Irrenhaus bleiben.
Beim Bodensatz der Gesellschaft.
Also dreht er sich um und zieht leise schlurfend ab. Seine Schultern wirken zu breit für den in schmutzigem Grün gestrichenen Hausflur.
Loki sieht ihm mit zornigen Augen hinterher und erst, als sich die Fahrstuhltür öffnet und wieder schließt, lässt er die Arme sinken. Dann sieht er müde und matt aus und sein Blick rutscht zur Seite.
Bis er an Stephen hängenbleibt.
„Was glotzt du denn so, du Penner?“, ranzt er an.
„Noch nie 'nen Streit gesehen?“
Stephen rollt die Worte stumm durch seinen Mund bis er sie ausspricht.
„Wenn man nicht zu überhören ist...“
Er stellt fest, dass es seine ersten Worte seit zwei Wochen sind und dass er heiser und hohl klingt.
Loki beäugt ihn mit einem unlesbaren Blick.
Er trägt eine schwarze Lederhose und ein dramatisch ausgearbeitetes dunkelgrünes Oberteil. Er ist hübsch. So rein objektiv.
Stephen kann nicht weiter darüber nachdenken, weil der Typ plötzlich sehr nah in seinem Gesichtsfeld ist. Er riecht nach Staub und Zorn und als er Stephen unmittelbar die Whiskeyflasche entreißt, ist dieser zu abgelenkt um auch nur darüber nachzudenken, warum seine verzögerten Reflexe zu nutzlos sind um sein Eigentum festzuhalten.
Loki scheint gar nicht zu bemerken, dass er versucht, mit zitternden Fingern danach zu greifen.
„Macallan. 1939“, liest er neugierig von der Flasche ab.
„Nie gehört.“
Er zuckt mit den Schultern und grinst Stephen schließlich bösartig an.
„Du siehst aus, als müsstest du eh ausnüchtern. Bye.“
Und damit ist er mit einem Mal weg.
Nicht mit einem Mal, nein. Er schreitet wahrscheinlich elegant davon. Aber Stephen weiß, dass er Aussetzer hat. Nicht nur vom Alkohol.
Als er es bemerkt, steht er schon allein in seinen alten, stinkenden Klamotten auf dem Hausflur und das einzige, was ihn mit seinem alten Leben verbunden hat, ist ihm genauso entrissen worden wie sein Leben selbst.