Fantasy - unsichtbares Objekt - fürs Team
Sep. 30th, 2016 10:49 pmTeam: Hufflepuff
Challenge: Fantasy – Unsichtbares Objekt- fürs Team
Fandom: die Mutantenkinder
Titel: Quadrantensprung
Inhalt: Cookie blitzt schon wieder wild durch die Gegend und diesmal endet es unschön.
Anmerkung: Ein letzter Streich!
Quadrantensprung
Nachdem Cookie mitten in der Nacht verschwunden ist, hat Sean sich angewöhnt, sein Headset maximal drei Zentimer von seiner Hand entfernt mit sich herumzuschleppen und Cookie hat sich angewöhnt, das Handy am Arm festzubinden.
"Letztes Mal bin ich mit dem Teil in der Hand eingeschlafen, Glück gehabt", erklärt er, als er tatsächlich eine halbe Stunde nach seinem Telefonat mit Sean im Vorgarten aufgetaucht, (zitternd, hustend, halbnackt und klatschnass) und sie ihn auf einen Stuhl in der Küche bugsiert und mit Decken umwickelt hatten.
"Wahrscheinlich nicht das einzige Teil, was du beim Schlafen in der Hand hattest", meint Billy und es dauert tatsächlich ein paar Sekunden, bevor alle stöhnen und Marike entnervt den Kopf schüttelt. Nur Takuya lacht wie ein überdrehtes Spielzeugäffchen.
"Halt die Klappe", sagt Cookie, doch er grinst und sein Blick geht automatisch zu Sean hinüber, der sich in eine Ecke der Küche verzogen hat und einen Tee umklammert hält, der sich langsam aber sicher in einen tassengroßen Eiswürfel verwandelt. Sean schaut nicht zurück und Cookie seufzt und senkt den Blick. "Ich hab gezockt und bin eingeschlafen."
"Zocken nennt man das heutzutage also", sagt Billy und erwidert Takuyas Highfive noch bevor Marike damit fertig ist, die Augen zu verdrehen.
"Wie auch immer. Das war jedenfalls kein sonderlich schöner Vorfall", meint sie dann und legt Cookie die Hand auf die Schulter.
"Was du nicht sagst", murmelt Susi. "Sean hat mich aus dem Bett geholt, dass ich dachte, es sei ein Krieg ausgebrochen. Und dabei weiß ich nicht mal, was ich hier soll. Cookie trockenpusten?"
"Bitte nicht", sagt Cookie und dann lacht die ganze Bande schon wieder, bis auf Sean, der rot anläuft und seinen Eisklotztee in der Spüle abstellt.
"Red keinen Mist", murmelt er, doch niemand hört auf ihn und Cookie bemüht sich, ihm das schönste Grinsen zuzuwerfen, zu dem er fähig ist.
"Ist doch kein Ding", meint er dann und gräbt sich aus seiner Decke aus, bis er nur in Shorts in der Küche steht und die Arme über den Kopf streckt. "Ich bin doch wieder da."
Und dann blitzt er sich weg, ins Badezimmer, wie sie Dodos Schrei entnehmen und Sean würde ihm gern direkt nachlaufen, ihn aus der Dusche zerren und an seiner Brust festfrieren.
Drei Wochen lang haben sie Ruhe. Cookie teleportiert sich kaum noch unabsichtlich und wenn dann nur in den Garten oder aufs Dach, was ganz normal ist.
Seans Sorge hat sich in seinen Hinterkopf verzogen, zu all dem anderen Ärger, der ihn tagtäglich belastet und fällt ihm kaum noch auf, weswegen es ihm beinah den Boden unter den Füßen wegreißt, als mitten im Supermarkt sein Handy klingelt.
Cookie klingt zum ersten Mal seit Sean ihn kennt ein wenig aus der Ruhe gebracht.
"Ich bin schon wieder weg", sagt er. Es rauscht und knackt in der Leitung, doch Sean kann diesmal wenigstens kein Wetter hören.
"Okay", sagt Sean und stellt die Nudeln wieder ins Regal. Er schaut sich um, ob im Supermarkt auch niemand auf ihn lauscht, doch es ist elf Uhr mittags, niemand geht um diese Zeit einkaufen, außer arbeitslosen Gefahren für die Allgemeinheit wie er. "Was siehst…"
"Es schneit. Und ich hab nur ein T-Shirt an."
"Oh."
"Es ist dunkel und hier ist gar nichts."
Oh Gott. "Dass du dich auch nie nach Paris blitzen kannst", murmelt Sean. "Warum immer die Tundra?"
"Oh nein, sag das nicht."
"Hä? Das war nur ein Witz."
"Ja, aber jetzt hab ich eine Vorstellung von der Tundra im Kopf und wenn ich jetzt anfange zu blitzen und nicht in der Tundra bin… dann weiß ich nicht, was passiert, um ehrlich zu sein."
"Scheiße. Tut mir leid!"
"Schon gut. Konntest du ja nicht wissen."
Wie endlos bescheuert es ist, dass Cookie ihn tröstet während er sich irgendwohin verirrt hat und wahrscheinlich gerade einen Zeh nach dem anderen an Erfrierungen verliert.
"Okay, wenn du keine Richtung hast, dann geh einfach in irgendeine. Du musst irgendetwas sehen."
"Nur eine Geröllwüste. Aber ich versuch's."
Sean hat schon wieder keine Ahnung, was er tun soll, denn obwohl sie sich fest vorgenommen hatten, auch für Cookie einen Notfallplan zu basteln (wie die Feuerlöscher und schweren Decken in jedem Zimmer, falls Takuya einen Aussetzer hat, oder die Gummihandschuhe, die an einem festgelegten Platz im Flur hängen, wenn Chen sich nicht mehr im Griff hat und sie alle frittieren will wie Pikachu Team Rocket), ist es nie dazu gekommen.
Wie soll man Luft und Wanderlust auch wieder einfangen.
Sean weiß es nicht, aber er wird nicht aufgeben und wenn er den ganzen Planeten absuchen muss. Er hat sich Uhren für sämtliche Zeitzonen aufs Handy gezogen, um wenigstens irgendetwas zu tun, aber "dunkel" kann natürlich alles heißen.
"Versuch eine Pflanze zu finden. Vielleicht ist es etwas seltenes, was nur an einem Ort wächst", sagt er, obwohl er weiß, wie sehr an den Haaren herbeigezogen das ist. "Du kannst nicht allzu weit weg von der Zivilisation sein, wenn du noch Empfang auf dem Handy hast."
"Ne Pflanze. Alles klar."
"Du musst ruhig bleiben, okay? Du findest wieder nach Hause." Cookie reißt keine Witze mehr und das macht Sean am allermeisten Sorgen. Er bleibt vor dem Regal mit den Molkereiprodukten stehen und atmet tief durch. "Du bist okay."
"Mir ist so kalt, Sean ", flüstert Cookie und Sean fühlt sich, als sei er selbst schuld daran, dass es dort, wo Cookie steckt, schneit und schneit."Ich fühle meine Finger schon nicht mehr. Dein Eis ist viel besser."
"W-Was?"
"Na, wenn du mich aus Versehen einfrierst tut das nie weh. Ich habe schon vergessen, wie sich richtige Kälte anfühlt, weil ich das immer mit dir in Verbindung bringe. Und du bist nie kalt. Nur kühl, wie ein Bett, in das man hineinschlüpft und das immer die richtige Temperatur hat."
Wenn Cookie so weitermacht, wird Sean inmitten von Joghurt und Käse zum Sensationspreis anfangen zu heulen. Er schluckt und lauscht auf seinen Atem, zählt langsam von eins bis zehn, damit er seine zitternde Stimme wieder im Griff hat.
"Hast du schon eine Pflanze gefunden?"
"Nur Gras. Tut mir leid."
Nach ein paar Minuten wird die Verbindung noch schlechter, denn jetzt rauscht nicht nur die Übertragung sondern Cookies Zähneklappern ist so heftig, dass Sean ihn kaum versteht.
"Das wird so nichts", sagt er schließlich. "Du wirst erfrieren, bevor du etwas findest."
"Ja", flüstert Cookie. "Was soll ich machen?"
Sean zermartert sich das Hirn, aber die Panik blockiert ihn. Er kann keinen klaren Gedanken fassen.
"Tundra", sagt er schließlich.
"Was?", fragt Cookie.
"Du tust jetzt so, als wüsstest du ganz genau, dass du in irgendeiner Tundra bist. Sibirien, vierter Quadrant Seite siebenundachtzig in deinem Atlas. Stell es dir vor. Unendlich weites Land, viele flache Ebenen, Sträucher, die nur bis zum Knie gehen und der scharfe, saure Geruch nach unberührter Natur."
"Das...ich weiß nicht."
"Stell es dir vor. Versuch es wenigstens. Du bist in der Tundra. Ich weiß das. Vertrau mir."
"Immer", keucht Cookie und Sean jagt ein Schauer über den Rücken. Er schaut hastig auf seine Schuhe und tatsächlich, um seine Fersen und Zehen hat sich ein kleines Eismeer gebildet, in dem sich das Schild mit der glücklich lachenden Kuh von der Supermarktwerbung spiegelt.
"Okay. Und jetzt stellst du dir vor, dass du zu mir kommst. In mein Zimmer. Oder in die Küche, ich weiß nicht…"
"Nein", sagt Cookie. Er klingt wie in Trance. "In dein Zimmer. Mit dem Eis überall, und wie es aus dem Fenster glitzert, wenn die Sonne aufgeht, und wie kalt deine Holztür ist, wenn man im Flur dran vorbei geht. Sie passt gar nicht zum Rest, als würdest du in einer Juwelenschachtel wohnen und wir nur in unverputzten Backsteinzimmern."
"Cookie…" Sean zittert und beginnt zu schluchzen. Zum ersten Mal seit Jahren wird ihm plötzlich kalt. "Komm nach Hause."
"Okay."
Und dann reißt die Verbindung ab.
Sean schmeißt seine Einkaufstasche auf den Boden und rennt aus dem Laden wie von der Tarantel gestochen.
Der Fußweg nach Hause dauert normalerweise zwanzig Minuten, doch Sean überwindet ihn in acht. Hinter ihm entstehen Schneemänner mit aufgeschlitzten Mündern, wie eine Mahnwacht.
"Aus dem Weg", schreit er, als er Susi und Dodo vor der Eingangstür rumhampeln sieht und schickt aus Versehen eine Welle kalter Luft in ihre Richtung. Susi springt erschrocken zurück und Dodo flucht und schimpft, aber Sean ist bereits auf der Treppe und rennt und rennt und stößt die Tür zu seinem Zimmer auf.
Eis begrüßt ihn, Kälte und was das Schlimmste ist: gähnende Leere.
"Cookie!" Sean schreit, bis ihm übel wird und sinkt auf die Knie. In Sekundenschnelle ist der Flur mit Frost überzogen, aber das ist ihm scheißegal. "Cookie, Cookie, Cookie …"
Er hat ihn umgebracht. Er ist verloren irgendwo in den Dimensionen, die ihn für Bruchteile von Sekunden verschlucken, wenn er teleportiert und Sean hat ihn für immer dort hinein verbannt. Er heult schon wieder, und das Eis beißt sich auf seinen Wangen fest.
"Ich bin hier", tönt es da und Sean reißt den Kopf hoch.
Da ist niemand vor ihm.
"Cookie?"
"Ja. Ich bin hier. Ich sehe dich."
In Windeseile rappelt Sean sich auf und rennt mit ausgestreckten Armen durchs Zimmer. "Hör auf, mich zu verarschen, wo bist du?"
"Ich… weiß es nicht. Ich sehe dich und hör dich sprechen, aber gleichzeitig sehe ich das Feld vor mir, von dem ich weggeblitzt bin. Ich … hänge fest."
Im ersten Moment begreift Sean überhaupt nichts, sein Kopf ruckt von einer Ecke in die andere, weil er Cookie doch hört, er mussdoch hier sein. Aber da ist nichts. Nur ein leichtes Flimmern über seinem Bett, das genauso gut ein Sonnenfleck sein kann und nicht etwa sein unsichtbarer bester Freund.
"Ich glaube, ich war doch nicht in Sibirien", sagt Cookie."Nicht mal annähernd."
"Nein", erwidert Sean. Sein Mund friert langsam ein. Die Eisschicht auf seinen Zähnen drückt gegen seine Lippen. "Nein, das warst du nicht."
Challenge: Fantasy – Unsichtbares Objekt- fürs Team
Fandom: die Mutantenkinder
Titel: Quadrantensprung
Inhalt: Cookie blitzt schon wieder wild durch die Gegend und diesmal endet es unschön.
Anmerkung: Ein letzter Streich!
Quadrantensprung
Nachdem Cookie mitten in der Nacht verschwunden ist, hat Sean sich angewöhnt, sein Headset maximal drei Zentimer von seiner Hand entfernt mit sich herumzuschleppen und Cookie hat sich angewöhnt, das Handy am Arm festzubinden.
"Letztes Mal bin ich mit dem Teil in der Hand eingeschlafen, Glück gehabt", erklärt er, als er tatsächlich eine halbe Stunde nach seinem Telefonat mit Sean im Vorgarten aufgetaucht, (zitternd, hustend, halbnackt und klatschnass) und sie ihn auf einen Stuhl in der Küche bugsiert und mit Decken umwickelt hatten.
"Wahrscheinlich nicht das einzige Teil, was du beim Schlafen in der Hand hattest", meint Billy und es dauert tatsächlich ein paar Sekunden, bevor alle stöhnen und Marike entnervt den Kopf schüttelt. Nur Takuya lacht wie ein überdrehtes Spielzeugäffchen.
"Halt die Klappe", sagt Cookie, doch er grinst und sein Blick geht automatisch zu Sean hinüber, der sich in eine Ecke der Küche verzogen hat und einen Tee umklammert hält, der sich langsam aber sicher in einen tassengroßen Eiswürfel verwandelt. Sean schaut nicht zurück und Cookie seufzt und senkt den Blick. "Ich hab gezockt und bin eingeschlafen."
"Zocken nennt man das heutzutage also", sagt Billy und erwidert Takuyas Highfive noch bevor Marike damit fertig ist, die Augen zu verdrehen.
"Wie auch immer. Das war jedenfalls kein sonderlich schöner Vorfall", meint sie dann und legt Cookie die Hand auf die Schulter.
"Was du nicht sagst", murmelt Susi. "Sean hat mich aus dem Bett geholt, dass ich dachte, es sei ein Krieg ausgebrochen. Und dabei weiß ich nicht mal, was ich hier soll. Cookie trockenpusten?"
"Bitte nicht", sagt Cookie und dann lacht die ganze Bande schon wieder, bis auf Sean, der rot anläuft und seinen Eisklotztee in der Spüle abstellt.
"Red keinen Mist", murmelt er, doch niemand hört auf ihn und Cookie bemüht sich, ihm das schönste Grinsen zuzuwerfen, zu dem er fähig ist.
"Ist doch kein Ding", meint er dann und gräbt sich aus seiner Decke aus, bis er nur in Shorts in der Küche steht und die Arme über den Kopf streckt. "Ich bin doch wieder da."
Und dann blitzt er sich weg, ins Badezimmer, wie sie Dodos Schrei entnehmen und Sean würde ihm gern direkt nachlaufen, ihn aus der Dusche zerren und an seiner Brust festfrieren.
Drei Wochen lang haben sie Ruhe. Cookie teleportiert sich kaum noch unabsichtlich und wenn dann nur in den Garten oder aufs Dach, was ganz normal ist.
Seans Sorge hat sich in seinen Hinterkopf verzogen, zu all dem anderen Ärger, der ihn tagtäglich belastet und fällt ihm kaum noch auf, weswegen es ihm beinah den Boden unter den Füßen wegreißt, als mitten im Supermarkt sein Handy klingelt.
Cookie klingt zum ersten Mal seit Sean ihn kennt ein wenig aus der Ruhe gebracht.
"Ich bin schon wieder weg", sagt er. Es rauscht und knackt in der Leitung, doch Sean kann diesmal wenigstens kein Wetter hören.
"Okay", sagt Sean und stellt die Nudeln wieder ins Regal. Er schaut sich um, ob im Supermarkt auch niemand auf ihn lauscht, doch es ist elf Uhr mittags, niemand geht um diese Zeit einkaufen, außer arbeitslosen Gefahren für die Allgemeinheit wie er. "Was siehst…"
"Es schneit. Und ich hab nur ein T-Shirt an."
"Oh."
"Es ist dunkel und hier ist gar nichts."
Oh Gott. "Dass du dich auch nie nach Paris blitzen kannst", murmelt Sean. "Warum immer die Tundra?"
"Oh nein, sag das nicht."
"Hä? Das war nur ein Witz."
"Ja, aber jetzt hab ich eine Vorstellung von der Tundra im Kopf und wenn ich jetzt anfange zu blitzen und nicht in der Tundra bin… dann weiß ich nicht, was passiert, um ehrlich zu sein."
"Scheiße. Tut mir leid!"
"Schon gut. Konntest du ja nicht wissen."
Wie endlos bescheuert es ist, dass Cookie ihn tröstet während er sich irgendwohin verirrt hat und wahrscheinlich gerade einen Zeh nach dem anderen an Erfrierungen verliert.
"Okay, wenn du keine Richtung hast, dann geh einfach in irgendeine. Du musst irgendetwas sehen."
"Nur eine Geröllwüste. Aber ich versuch's."
Sean hat schon wieder keine Ahnung, was er tun soll, denn obwohl sie sich fest vorgenommen hatten, auch für Cookie einen Notfallplan zu basteln (wie die Feuerlöscher und schweren Decken in jedem Zimmer, falls Takuya einen Aussetzer hat, oder die Gummihandschuhe, die an einem festgelegten Platz im Flur hängen, wenn Chen sich nicht mehr im Griff hat und sie alle frittieren will wie Pikachu Team Rocket), ist es nie dazu gekommen.
Wie soll man Luft und Wanderlust auch wieder einfangen.
Sean weiß es nicht, aber er wird nicht aufgeben und wenn er den ganzen Planeten absuchen muss. Er hat sich Uhren für sämtliche Zeitzonen aufs Handy gezogen, um wenigstens irgendetwas zu tun, aber "dunkel" kann natürlich alles heißen.
"Versuch eine Pflanze zu finden. Vielleicht ist es etwas seltenes, was nur an einem Ort wächst", sagt er, obwohl er weiß, wie sehr an den Haaren herbeigezogen das ist. "Du kannst nicht allzu weit weg von der Zivilisation sein, wenn du noch Empfang auf dem Handy hast."
"Ne Pflanze. Alles klar."
"Du musst ruhig bleiben, okay? Du findest wieder nach Hause." Cookie reißt keine Witze mehr und das macht Sean am allermeisten Sorgen. Er bleibt vor dem Regal mit den Molkereiprodukten stehen und atmet tief durch. "Du bist okay."
"Mir ist so kalt, Sean ", flüstert Cookie und Sean fühlt sich, als sei er selbst schuld daran, dass es dort, wo Cookie steckt, schneit und schneit."Ich fühle meine Finger schon nicht mehr. Dein Eis ist viel besser."
"W-Was?"
"Na, wenn du mich aus Versehen einfrierst tut das nie weh. Ich habe schon vergessen, wie sich richtige Kälte anfühlt, weil ich das immer mit dir in Verbindung bringe. Und du bist nie kalt. Nur kühl, wie ein Bett, in das man hineinschlüpft und das immer die richtige Temperatur hat."
Wenn Cookie so weitermacht, wird Sean inmitten von Joghurt und Käse zum Sensationspreis anfangen zu heulen. Er schluckt und lauscht auf seinen Atem, zählt langsam von eins bis zehn, damit er seine zitternde Stimme wieder im Griff hat.
"Hast du schon eine Pflanze gefunden?"
"Nur Gras. Tut mir leid."
Nach ein paar Minuten wird die Verbindung noch schlechter, denn jetzt rauscht nicht nur die Übertragung sondern Cookies Zähneklappern ist so heftig, dass Sean ihn kaum versteht.
"Das wird so nichts", sagt er schließlich. "Du wirst erfrieren, bevor du etwas findest."
"Ja", flüstert Cookie. "Was soll ich machen?"
Sean zermartert sich das Hirn, aber die Panik blockiert ihn. Er kann keinen klaren Gedanken fassen.
"Tundra", sagt er schließlich.
"Was?", fragt Cookie.
"Du tust jetzt so, als wüsstest du ganz genau, dass du in irgendeiner Tundra bist. Sibirien, vierter Quadrant Seite siebenundachtzig in deinem Atlas. Stell es dir vor. Unendlich weites Land, viele flache Ebenen, Sträucher, die nur bis zum Knie gehen und der scharfe, saure Geruch nach unberührter Natur."
"Das...ich weiß nicht."
"Stell es dir vor. Versuch es wenigstens. Du bist in der Tundra. Ich weiß das. Vertrau mir."
"Immer", keucht Cookie und Sean jagt ein Schauer über den Rücken. Er schaut hastig auf seine Schuhe und tatsächlich, um seine Fersen und Zehen hat sich ein kleines Eismeer gebildet, in dem sich das Schild mit der glücklich lachenden Kuh von der Supermarktwerbung spiegelt.
"Okay. Und jetzt stellst du dir vor, dass du zu mir kommst. In mein Zimmer. Oder in die Küche, ich weiß nicht…"
"Nein", sagt Cookie. Er klingt wie in Trance. "In dein Zimmer. Mit dem Eis überall, und wie es aus dem Fenster glitzert, wenn die Sonne aufgeht, und wie kalt deine Holztür ist, wenn man im Flur dran vorbei geht. Sie passt gar nicht zum Rest, als würdest du in einer Juwelenschachtel wohnen und wir nur in unverputzten Backsteinzimmern."
"Cookie…" Sean zittert und beginnt zu schluchzen. Zum ersten Mal seit Jahren wird ihm plötzlich kalt. "Komm nach Hause."
"Okay."
Und dann reißt die Verbindung ab.
Sean schmeißt seine Einkaufstasche auf den Boden und rennt aus dem Laden wie von der Tarantel gestochen.
Der Fußweg nach Hause dauert normalerweise zwanzig Minuten, doch Sean überwindet ihn in acht. Hinter ihm entstehen Schneemänner mit aufgeschlitzten Mündern, wie eine Mahnwacht.
"Aus dem Weg", schreit er, als er Susi und Dodo vor der Eingangstür rumhampeln sieht und schickt aus Versehen eine Welle kalter Luft in ihre Richtung. Susi springt erschrocken zurück und Dodo flucht und schimpft, aber Sean ist bereits auf der Treppe und rennt und rennt und stößt die Tür zu seinem Zimmer auf.
Eis begrüßt ihn, Kälte und was das Schlimmste ist: gähnende Leere.
"Cookie!" Sean schreit, bis ihm übel wird und sinkt auf die Knie. In Sekundenschnelle ist der Flur mit Frost überzogen, aber das ist ihm scheißegal. "Cookie, Cookie, Cookie …"
Er hat ihn umgebracht. Er ist verloren irgendwo in den Dimensionen, die ihn für Bruchteile von Sekunden verschlucken, wenn er teleportiert und Sean hat ihn für immer dort hinein verbannt. Er heult schon wieder, und das Eis beißt sich auf seinen Wangen fest.
"Ich bin hier", tönt es da und Sean reißt den Kopf hoch.
Da ist niemand vor ihm.
"Cookie?"
"Ja. Ich bin hier. Ich sehe dich."
In Windeseile rappelt Sean sich auf und rennt mit ausgestreckten Armen durchs Zimmer. "Hör auf, mich zu verarschen, wo bist du?"
"Ich… weiß es nicht. Ich sehe dich und hör dich sprechen, aber gleichzeitig sehe ich das Feld vor mir, von dem ich weggeblitzt bin. Ich … hänge fest."
Im ersten Moment begreift Sean überhaupt nichts, sein Kopf ruckt von einer Ecke in die andere, weil er Cookie doch hört, er mussdoch hier sein. Aber da ist nichts. Nur ein leichtes Flimmern über seinem Bett, das genauso gut ein Sonnenfleck sein kann und nicht etwa sein unsichtbarer bester Freund.
"Ich glaube, ich war doch nicht in Sibirien", sagt Cookie."Nicht mal annähernd."
"Nein", erwidert Sean. Sein Mund friert langsam ein. Die Eisschicht auf seinen Zähnen drückt gegen seine Lippen. "Nein, das warst du nicht."
no subject
Date: 2016-10-01 03:15 pm (UTC)Und die Fortsetzung läßt jetzt vermutlich bis zur nächsten Sommerchallenge warten, oder?
no subject
Date: 2016-10-09 05:19 pm (UTC)