Team: Slytherin
Challenge: Crack/Humor – Nachricht an die falsche Person schicken (für mich)
Fandom: Original
Inhalt: Rasia und Bethany sehen sich mit unerwarteten Nachrichten konfrontiert.
Anmerkung: Teil 7 von 8
(Teil 1) - (Teil 2) - (Teil 3) - (Teil 4) - (Teil 5) - (Teil 6)
Ich war in meinem Leben noch nicht sehr vielen Engeln begegnet.
Eigentlich auch keine Kunst, da unsere beiden Rassen, die im Grunde nicht unterschiedlicher hätten sein können, sich grundsätzlich voneinander fernhielten. Teufel waren von der Reinheit und weißen Aura der Engel abgeschreckt, während diese wiederum mit unserer Verderbtheit und unserem allgemeinen Mangel an Nettigkeit nicht allzu viel anzufangen vermochten.
Ganz am Anfang, in schrecklich grauer Vorzeit, soll es Erzählungen zufolge tatsächlich Versuche der Engel gegeben haben, uns zu bekehren und uns die Fehler unserer Wege aufzuzeigen, aber selbstredend war das Ganze am Ende eine total fruchtlose Aktion gewesen, die ihnen bloß Spott und Gelächter eingebracht hatte.
Seitdem mieden wir uns gegenseitig – abgesehen von einigen globalen Ereignissen, die eine oberflächliche Kooperation erforderten, und gewissen interkulturellen Zusammenstößen – und waren auch sehr glücklich damit.
Der Nachteil war aber auch, dass wir die Präsenz des jeweils anderen natürlich nicht gewohnt waren.
Hätte ich tagein tagaus Engel zu Gesicht bekommen, hätte ich wahrscheinlich jetzt nur milde gelächelt, aber da meine letzte Begegnung mit einem Engel gut tausend Jahre zurücklag, erschauerte ich unweigerlich, als mich diese ganze reine Energie, die dieses Ding wie verrückt ausstrahlte, unvorbereitet erwischte. Ich wich sogar einige Schritte zurück und meine Instinkte schrien mich an, endlich das Weite zu suchen. Es war einfach mehr als unnatürlich, diese vollkommene Unverdorbenheit.
Es fühlte sich an, als würde jemand kontinuierlich mit seinen langen Fingernägeln über eine Tafel kratzen.
Ich bemerkte jedoch rasch, dass es dem Engel offenbar auch nicht viel besser erging. Er wirkte mehr als unbehaglich, vermutlich durch meine Anwesenheit durchaus aus dem Konzept gebracht, und für einen Augenblick zögerte er, sich uns zu nähern. Ich rechnete sogar halb damit, dass er mir aus der Entfernung zurufen würde, ich sollte mich doch bitte entfernen.
Letztlich aber schluckte er seinen Widerwillen herunter, straffte seine Schultern und trat in einer majestätischen Art und Weise auf uns zu.
Ich hörte, wie Bethany neben mir nach Luft schnappte. Sie starrte den Engel mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination an, offensichtlich nicht sicher, ob sie vor Begeisterung nun ausflippen oder doch lieber schnell das Weite suchen sollte.
„Er ist hier, um mich in den Himmel mitzunehmen, nicht wahr?“, wisperte sie mir zu.
Ich neigte meinen Kopf ein wenig zur Seite. „Vermutlich“, sagte ich ihr völlig unverblümt. „Zumindest bezweifle ich, dass er gekommen ist, um dir zum Geburtstag zu gratulieren und mit deinen idiotischen Gästen ein Bier zu trinken.“
Bethany rückte näher an mich heran und ihre Hand umklammerte immer noch die meine. Ich versuchte halbherzig, mich aus ihrem Griff zu entwinden, doch die Todesangst verlieh ihr ungeahnte Kräfte und sie schnürte schnell meine Blutzufuhr ab.
„Vergiss nicht unser Abkommen“, zischte sie mir leise zu. „Du tust alles in deiner Macht stehende, um mich am leben zu halten, verstanden?“
Ich erwiderte nicht, dass es voraussichtlich außerhalb meiner Möglichkeiten war, einen Engel, der sicherlich im Auftrag des Himmels hier aufgetaucht war, irgendwie aufzuhalten.
„Bethany Marie Sheridan“, säuselte der Engel mit seiner zarten Stimme, als er schließlich vor uns stand. „Darf ich mich vorstellen? Ich bin Saphiel, Bote des Himmels.“
Er verbeugte sich sogar, was mich dazu brachte, genervt meine Augen zu verdrehen.
„Es freut mich sehr, deine Bekanntschaft zu machen“, fuhr er ungerührt fort. „Herzlichen Glückwunsch zu deinem achtzehnten Geburtstag!“
Bethany biss sich auf die Unterlippe und murmelte: „Danke schön!“ wie ein verschrecktes Kleinkind.
Der Engel lächelte sie zuversichtlich an, bevor er seine babyblauen Augen auf mich richtete. „Und du bist Rasia, Tochter von Tyaria und Shimo, Teufel des siebten Bezirks.“
Ich hob meine Augenbrauen. „Du bist gut informiert.“
„Der Himmel ist stets sehr gründlich“, meinte er bloß und mir lief dabei ein eisiger Schauer über den Rücken. Irgendwie gefiel mir sein Tonfall ganz und gar nicht und ich war schon kurz davor, nachzuhaken, was er damit denn andeuten wollte, doch Saphiel drehte sich wieder zu Bethany, mich völlig ignorierend. „Und du weißt sicher, weswegen ich hier bin, nicht wahr?“
Bethany zuckte augenblicklich zusammen und starrte den Engel einfach nur an, anscheinend völlig sprachlos.
Dann aber presste sie hervor: „Du bist hier, um mein Leben zu beenden, und erwartest wahrscheinlich von mir, dass ich das einfach so akzeptiere, nicht wahr?“
Ich war durchaus von ihrem Wagemut beeindruckt. Ihre Stimme zitterte zwar noch stärker als ihr Körper, aber normalerweise reagierten Menschen in der Gegenwart von Engel immer recht kleinlaut und demütig.
„Bethany --“, begann Saphiel.
„Nein, nein, nein!“, unterbrach sie ihn und für einen Sekundenbruchteil schien sie entsetzt angesichts ihrer Leichtsinnigkeit, doch sie schüttelte rasch den Kopf und streifte das von sich ab. Sie hatte im Grunde auch nichts zu verlieren. „Ich habe es nicht verdient, jetzt schon zu sterben, okay? Ich bin jung und ich habe noch so viel vor mir. Ich wollte die Welt bereisen, studieren, irgendwann einmal heiraten und eine Familie gründen. Aber stattdessen soll ich hier und heute sterben? Wieso?“
„Bethany, hör zu --“
„Es ist ja wirklich ganz nett, dass ihr mich in eurem Himmel haben wollt … denke ich“, fuhr sie ungebremst fort. „Ich fühle mich wirklich geschmeichelt. Oder was man auch immer in solch einer Situation sagen sollte. Aber ich verspreche dir, ich werde nicht kampflos untergehen! Ich habe einen Teufel und ich werde ihn auch benutzen!“
Sie warf mir einen entschlossenen Blick zu und für einen Moment war ich wirklich überzeugt, sie würde mich nun in Richtung des Engels schubsen und es uns beide hemmungslos austragen lassen.
„Es ist einfach nicht fair, okay?“ meinte sie, ihr Tonfall nun ein wenig tränenerstickt. „Ich will noch nicht gehen!“
Wow, jetzt tat sie mir wirklich ein kleines bisschen leid.
Ich war offenbar schon zu lange von Menschen und verfluchten Gefühlen umgeben. Das konnte selbst einen gestandenen Teufel wie mich durcheinanderbringen.
Saphiel hatte in der Zwischenzeit tief Luft geholt – und das natürlich nur für den dramatischen Effekt, Engel brauchten selbstverständlich keinen Funken Sauerstoff – und verkündete schließlich: „Das ist alles ein Missverständnis.“
Und dann senkte er plötzlich seinen Blick.
Beschämt.
Ich war mir ziemlich sicher, dass in der langen Geschichte von Himmel und Hölle nur sehr wenige Teufel Zeuge eines solchen unvergleichlichen Ereignisses gewesen waren.
Bethany schien angesichts dessen ebenso irritiert wie ich. „Was?“
„Es ist wirklich bedauerlich“, meinte Saphiel, „aber es wurde dir offensichtlich eine falsche Nachricht zugestellt.“
Bethany blickte ihn einfach nur wortlos an.
Für mehrere, sehr lange Augenblicke.
Bis sie schließlich fragte: „Was?“
„Das Schicksal … hat sich in der Adresse geirrt“, erklärte Saphiel, immer noch seine Fußspitzen betrachtend, als gäbe es gerade nichts Aufregenderes auf der Welt. „Vor achtzehn Jahren wurde ein schwerer Fehler begangen und unglücklicherweise ist uns das erst vor kurzem aufgefallen, als wir das Archiv aufgeräumt haben.“
Bethany starrte ihn mit großen Augen an. Es war mehr als klar, dass sie kein Wort davon glauben konnte.
„Es war damals eine sehr schwierige Zeit für das Schicksal“, versuchte sich Saphiel irgendwie herauszureden. „Sie hatte ein intensives Glücksspielproblem und war wie besessen. Und da sie ständig verlor, entwickelte sie über kurz oder lang auch noch eine unschöne Alkoholsucht. Alles sehr tragisch.“ Er seufzte schwer. „Aber inzwischen geht es ihr wieder gut. Sie hat eine intensive Therapie hinter sich gebracht und fühlt sich nun besser denn je.“
Bethany war es immer noch unmöglich, irgendwie darauf zu reagieren.
Ich hingegen beäugte den Engel skeptisch. „Das Schicksal hat beim Glücksspiel verloren?“
Saphiels Mundwinkel zuckten kurz. „Es klingt wie ein schlechter Scherz, nicht wahr?“, gab er zu. „Das Schicksal und das Glück haben sich für eine lange Zeit nicht ausstehen können und waren immer wieder versucht, den anderen irgendwie auszustechen. Niemand weiß, was genau vorgefallen ist, aber manche vermuten, dass sie einst eine lodernde Affäre gehabt hätten, die sehr spektakulär geendet ist. Es gibt aber auch Gerüchte, dass das Pech ebenso mit von der Partie war.“
Interessant.
Was man so alles lernte, wenn man mit Engeln sprach.
In der Zwischenzeit hatte Bethany ihre Sprache wiedergefunden: „Das alles … ist also einfach nur ein blöder Fehler?!“
Saphiel nickte zerknirscht. „Ja, tut uns allen ehrlich leid. Die Todesnachricht war für deinen Nachbarn bestimmt.“
Bethany verzog ihr Gesicht. „Redest du etwa von dem Drogen- und Mafiaboss, dessen Hunde ständig auf unseren Rasen pinkeln?“ Sie stöhnte. „Dass der nicht schon längst tot ist, verwundert mich sowieso.“
„Tja, ab morgen belästigt der euch nicht mehr“, erklärte Saphiel, nun wieder etwas heiterer. „Seine Seele wird in die Hölle wandern und alle sind wieder glücklich. Na ja, abgesehen von dem Mafiaboss, verständlicherweise.“
Bethany schloss ihr Augen und ihre Beine schienen kurz davor zu stehen, unter ihr nachzugeben. Die ganze Anspannung der letzten Stunden hatte anscheinend ihren Tribut gefordert.
„Als Entschuldigung kann ich dir eine kleine Voraussagung anbieten, die wirklich hundertprozentig für dich bestimmt ist“, bot der Engel lächelnd an. „Ich vermag dir mitzuteilen, dass du unbesorgt sein kannst – du wirst all das tun, was du dir vorgenommen hast. Du wirst reisen und studieren. Du wirst heiraten und viele laute und energiegeladene Kinder bekommen.“
Und bei diesen Worten zwinkerte er plötzlich mir zu und ich hatte keine Ahnung, wie ich darauf hätte reagieren sollen.
„Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft“, meinte Saphiel. „Ich hoffe, du kannst uns das kleine Missverständnis verzeihen und wirst keine Beschwerde bei den oberen Behörden einreichen. Die Erzengel werden immer so garstig, wenn man sie mit so etwas belästigt.“ Er verdrehte seine Augen. „Also gehabt euch wohl.“
Und damit löste er sich vor unseren Augen schlagartig in Luft auf und zurück blieb nur eine kleine Nebelschwade aus Reinheit und Glückseligkeit.
Ich zog sofort eine Grimasse und trat hastig zurück.
„Ist das gerade wirklich passiert?“, wunderte sich Bethany nach einem Moment des Schweigens. Sie schien sich nicht ganz sicher zu sein, ob sie dies gerade geträumt hatte oder nicht.
„Glaub mir, Schätzchen, ich sag es mir immer wieder“, meinte ich seufzend. „Der Himmel und ganz besonders Engel sind sehr merkwürdig.“
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Challenge: Crack/Humor – Nachricht an die falsche Person schicken (für mich)
Fandom: Original
Inhalt: Rasia und Bethany sehen sich mit unerwarteten Nachrichten konfrontiert.
Anmerkung: Teil 7 von 8
(Teil 1) - (Teil 2) - (Teil 3) - (Teil 4) - (Teil 5) - (Teil 6)
Ich war in meinem Leben noch nicht sehr vielen Engeln begegnet.
Eigentlich auch keine Kunst, da unsere beiden Rassen, die im Grunde nicht unterschiedlicher hätten sein können, sich grundsätzlich voneinander fernhielten. Teufel waren von der Reinheit und weißen Aura der Engel abgeschreckt, während diese wiederum mit unserer Verderbtheit und unserem allgemeinen Mangel an Nettigkeit nicht allzu viel anzufangen vermochten.
Ganz am Anfang, in schrecklich grauer Vorzeit, soll es Erzählungen zufolge tatsächlich Versuche der Engel gegeben haben, uns zu bekehren und uns die Fehler unserer Wege aufzuzeigen, aber selbstredend war das Ganze am Ende eine total fruchtlose Aktion gewesen, die ihnen bloß Spott und Gelächter eingebracht hatte.
Seitdem mieden wir uns gegenseitig – abgesehen von einigen globalen Ereignissen, die eine oberflächliche Kooperation erforderten, und gewissen interkulturellen Zusammenstößen – und waren auch sehr glücklich damit.
Der Nachteil war aber auch, dass wir die Präsenz des jeweils anderen natürlich nicht gewohnt waren.
Hätte ich tagein tagaus Engel zu Gesicht bekommen, hätte ich wahrscheinlich jetzt nur milde gelächelt, aber da meine letzte Begegnung mit einem Engel gut tausend Jahre zurücklag, erschauerte ich unweigerlich, als mich diese ganze reine Energie, die dieses Ding wie verrückt ausstrahlte, unvorbereitet erwischte. Ich wich sogar einige Schritte zurück und meine Instinkte schrien mich an, endlich das Weite zu suchen. Es war einfach mehr als unnatürlich, diese vollkommene Unverdorbenheit.
Es fühlte sich an, als würde jemand kontinuierlich mit seinen langen Fingernägeln über eine Tafel kratzen.
Ich bemerkte jedoch rasch, dass es dem Engel offenbar auch nicht viel besser erging. Er wirkte mehr als unbehaglich, vermutlich durch meine Anwesenheit durchaus aus dem Konzept gebracht, und für einen Augenblick zögerte er, sich uns zu nähern. Ich rechnete sogar halb damit, dass er mir aus der Entfernung zurufen würde, ich sollte mich doch bitte entfernen.
Letztlich aber schluckte er seinen Widerwillen herunter, straffte seine Schultern und trat in einer majestätischen Art und Weise auf uns zu.
Ich hörte, wie Bethany neben mir nach Luft schnappte. Sie starrte den Engel mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination an, offensichtlich nicht sicher, ob sie vor Begeisterung nun ausflippen oder doch lieber schnell das Weite suchen sollte.
„Er ist hier, um mich in den Himmel mitzunehmen, nicht wahr?“, wisperte sie mir zu.
Ich neigte meinen Kopf ein wenig zur Seite. „Vermutlich“, sagte ich ihr völlig unverblümt. „Zumindest bezweifle ich, dass er gekommen ist, um dir zum Geburtstag zu gratulieren und mit deinen idiotischen Gästen ein Bier zu trinken.“
Bethany rückte näher an mich heran und ihre Hand umklammerte immer noch die meine. Ich versuchte halbherzig, mich aus ihrem Griff zu entwinden, doch die Todesangst verlieh ihr ungeahnte Kräfte und sie schnürte schnell meine Blutzufuhr ab.
„Vergiss nicht unser Abkommen“, zischte sie mir leise zu. „Du tust alles in deiner Macht stehende, um mich am leben zu halten, verstanden?“
Ich erwiderte nicht, dass es voraussichtlich außerhalb meiner Möglichkeiten war, einen Engel, der sicherlich im Auftrag des Himmels hier aufgetaucht war, irgendwie aufzuhalten.
„Bethany Marie Sheridan“, säuselte der Engel mit seiner zarten Stimme, als er schließlich vor uns stand. „Darf ich mich vorstellen? Ich bin Saphiel, Bote des Himmels.“
Er verbeugte sich sogar, was mich dazu brachte, genervt meine Augen zu verdrehen.
„Es freut mich sehr, deine Bekanntschaft zu machen“, fuhr er ungerührt fort. „Herzlichen Glückwunsch zu deinem achtzehnten Geburtstag!“
Bethany biss sich auf die Unterlippe und murmelte: „Danke schön!“ wie ein verschrecktes Kleinkind.
Der Engel lächelte sie zuversichtlich an, bevor er seine babyblauen Augen auf mich richtete. „Und du bist Rasia, Tochter von Tyaria und Shimo, Teufel des siebten Bezirks.“
Ich hob meine Augenbrauen. „Du bist gut informiert.“
„Der Himmel ist stets sehr gründlich“, meinte er bloß und mir lief dabei ein eisiger Schauer über den Rücken. Irgendwie gefiel mir sein Tonfall ganz und gar nicht und ich war schon kurz davor, nachzuhaken, was er damit denn andeuten wollte, doch Saphiel drehte sich wieder zu Bethany, mich völlig ignorierend. „Und du weißt sicher, weswegen ich hier bin, nicht wahr?“
Bethany zuckte augenblicklich zusammen und starrte den Engel einfach nur an, anscheinend völlig sprachlos.
Dann aber presste sie hervor: „Du bist hier, um mein Leben zu beenden, und erwartest wahrscheinlich von mir, dass ich das einfach so akzeptiere, nicht wahr?“
Ich war durchaus von ihrem Wagemut beeindruckt. Ihre Stimme zitterte zwar noch stärker als ihr Körper, aber normalerweise reagierten Menschen in der Gegenwart von Engel immer recht kleinlaut und demütig.
„Bethany --“, begann Saphiel.
„Nein, nein, nein!“, unterbrach sie ihn und für einen Sekundenbruchteil schien sie entsetzt angesichts ihrer Leichtsinnigkeit, doch sie schüttelte rasch den Kopf und streifte das von sich ab. Sie hatte im Grunde auch nichts zu verlieren. „Ich habe es nicht verdient, jetzt schon zu sterben, okay? Ich bin jung und ich habe noch so viel vor mir. Ich wollte die Welt bereisen, studieren, irgendwann einmal heiraten und eine Familie gründen. Aber stattdessen soll ich hier und heute sterben? Wieso?“
„Bethany, hör zu --“
„Es ist ja wirklich ganz nett, dass ihr mich in eurem Himmel haben wollt … denke ich“, fuhr sie ungebremst fort. „Ich fühle mich wirklich geschmeichelt. Oder was man auch immer in solch einer Situation sagen sollte. Aber ich verspreche dir, ich werde nicht kampflos untergehen! Ich habe einen Teufel und ich werde ihn auch benutzen!“
Sie warf mir einen entschlossenen Blick zu und für einen Moment war ich wirklich überzeugt, sie würde mich nun in Richtung des Engels schubsen und es uns beide hemmungslos austragen lassen.
„Es ist einfach nicht fair, okay?“ meinte sie, ihr Tonfall nun ein wenig tränenerstickt. „Ich will noch nicht gehen!“
Wow, jetzt tat sie mir wirklich ein kleines bisschen leid.
Ich war offenbar schon zu lange von Menschen und verfluchten Gefühlen umgeben. Das konnte selbst einen gestandenen Teufel wie mich durcheinanderbringen.
Saphiel hatte in der Zwischenzeit tief Luft geholt – und das natürlich nur für den dramatischen Effekt, Engel brauchten selbstverständlich keinen Funken Sauerstoff – und verkündete schließlich: „Das ist alles ein Missverständnis.“
Und dann senkte er plötzlich seinen Blick.
Beschämt.
Ich war mir ziemlich sicher, dass in der langen Geschichte von Himmel und Hölle nur sehr wenige Teufel Zeuge eines solchen unvergleichlichen Ereignisses gewesen waren.
Bethany schien angesichts dessen ebenso irritiert wie ich. „Was?“
„Es ist wirklich bedauerlich“, meinte Saphiel, „aber es wurde dir offensichtlich eine falsche Nachricht zugestellt.“
Bethany blickte ihn einfach nur wortlos an.
Für mehrere, sehr lange Augenblicke.
Bis sie schließlich fragte: „Was?“
„Das Schicksal … hat sich in der Adresse geirrt“, erklärte Saphiel, immer noch seine Fußspitzen betrachtend, als gäbe es gerade nichts Aufregenderes auf der Welt. „Vor achtzehn Jahren wurde ein schwerer Fehler begangen und unglücklicherweise ist uns das erst vor kurzem aufgefallen, als wir das Archiv aufgeräumt haben.“
Bethany starrte ihn mit großen Augen an. Es war mehr als klar, dass sie kein Wort davon glauben konnte.
„Es war damals eine sehr schwierige Zeit für das Schicksal“, versuchte sich Saphiel irgendwie herauszureden. „Sie hatte ein intensives Glücksspielproblem und war wie besessen. Und da sie ständig verlor, entwickelte sie über kurz oder lang auch noch eine unschöne Alkoholsucht. Alles sehr tragisch.“ Er seufzte schwer. „Aber inzwischen geht es ihr wieder gut. Sie hat eine intensive Therapie hinter sich gebracht und fühlt sich nun besser denn je.“
Bethany war es immer noch unmöglich, irgendwie darauf zu reagieren.
Ich hingegen beäugte den Engel skeptisch. „Das Schicksal hat beim Glücksspiel verloren?“
Saphiels Mundwinkel zuckten kurz. „Es klingt wie ein schlechter Scherz, nicht wahr?“, gab er zu. „Das Schicksal und das Glück haben sich für eine lange Zeit nicht ausstehen können und waren immer wieder versucht, den anderen irgendwie auszustechen. Niemand weiß, was genau vorgefallen ist, aber manche vermuten, dass sie einst eine lodernde Affäre gehabt hätten, die sehr spektakulär geendet ist. Es gibt aber auch Gerüchte, dass das Pech ebenso mit von der Partie war.“
Interessant.
Was man so alles lernte, wenn man mit Engeln sprach.
In der Zwischenzeit hatte Bethany ihre Sprache wiedergefunden: „Das alles … ist also einfach nur ein blöder Fehler?!“
Saphiel nickte zerknirscht. „Ja, tut uns allen ehrlich leid. Die Todesnachricht war für deinen Nachbarn bestimmt.“
Bethany verzog ihr Gesicht. „Redest du etwa von dem Drogen- und Mafiaboss, dessen Hunde ständig auf unseren Rasen pinkeln?“ Sie stöhnte. „Dass der nicht schon längst tot ist, verwundert mich sowieso.“
„Tja, ab morgen belästigt der euch nicht mehr“, erklärte Saphiel, nun wieder etwas heiterer. „Seine Seele wird in die Hölle wandern und alle sind wieder glücklich. Na ja, abgesehen von dem Mafiaboss, verständlicherweise.“
Bethany schloss ihr Augen und ihre Beine schienen kurz davor zu stehen, unter ihr nachzugeben. Die ganze Anspannung der letzten Stunden hatte anscheinend ihren Tribut gefordert.
„Als Entschuldigung kann ich dir eine kleine Voraussagung anbieten, die wirklich hundertprozentig für dich bestimmt ist“, bot der Engel lächelnd an. „Ich vermag dir mitzuteilen, dass du unbesorgt sein kannst – du wirst all das tun, was du dir vorgenommen hast. Du wirst reisen und studieren. Du wirst heiraten und viele laute und energiegeladene Kinder bekommen.“
Und bei diesen Worten zwinkerte er plötzlich mir zu und ich hatte keine Ahnung, wie ich darauf hätte reagieren sollen.
„Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft“, meinte Saphiel. „Ich hoffe, du kannst uns das kleine Missverständnis verzeihen und wirst keine Beschwerde bei den oberen Behörden einreichen. Die Erzengel werden immer so garstig, wenn man sie mit so etwas belästigt.“ Er verdrehte seine Augen. „Also gehabt euch wohl.“
Und damit löste er sich vor unseren Augen schlagartig in Luft auf und zurück blieb nur eine kleine Nebelschwade aus Reinheit und Glückseligkeit.
Ich zog sofort eine Grimasse und trat hastig zurück.
„Ist das gerade wirklich passiert?“, wunderte sich Bethany nach einem Moment des Schweigens. Sie schien sich nicht ganz sicher zu sein, ob sie dies gerade geträumt hatte oder nicht.
„Glaub mir, Schätzchen, ich sag es mir immer wieder“, meinte ich seufzend. „Der Himmel und ganz besonders Engel sind sehr merkwürdig.“
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