Team: Slytherin
Challenge: JOKER (Crack/Humor) – „Du hast keine Ahnung.“ (2013 – Aussagen/Sätze)
Fandom: Original
Inhalt: Es gibt noch so einige Dinge, die Bethany erledigen muss, bevor sie sich ihrem Schicksal stellt.
Anmerkung: Teil 6 von 8
(Teil 1) - (Teil 2) - (Teil 3) - (Teil 4) - (Teil 5)
Bethany schien in der Tat Wein abgrundtief zu hassen.
Zumindest deutete die leidenschaftliche Art und Weise, wie sie die unzähligen Weinflaschen auf dem harten Boden des Hinterhofs zerschmetterte und dann auch noch auf den Scherben herumtrampelte, als wäre sie von einer wilde Furie besessen, unmissverständlich darauf hin.
Sie war fast schon schön in ihrer rasenden Wut und Frustration.
Als ihr schließlich irgendwann der Wein ausging – in einer durchaus beeindruckenden Geschwindigkeit, die selbst meine 47 oder 48 Nichten und Neffen, die wahrscheinlich zerstörerischsten Individuen auf diesem Planeten, die Sprache verschlagen hätte – ging sie dazu über, andere Gegenstände aus dem Haus zu schleifen, für die sie über Jahre einen intensiven Hass entwickelt, jedoch nie den Mut gefunden hatte, irgendetwas dagegen zu unternehmen.
Da war zum Beispiel eine unglaublich hässliche Porzellanpuppe, die mich mit ihren unheimlichen Kulleraugen emotionslos anstarrte.
„Meine Mutter hat mir die zu meinem dritten Geburtstag gekauft und mir gleichzeitig verboten, damit zu spielen“, zischte Bethany, die das zarte Puppengesicht vorwurfsvoll anfunkelte. „Kannst du dir das vorstellen? Wer kauft einem Kleinkind so ein kostspieliges Ding, mit dem es überhaupt nichts anfangen kann?“
Und bereits einen Sekundenbruchteil später war das Püppchen auf dem Boden zerschellt und es blieb nichts zurück als Scherben, aufgestauter Ärger und Enttäuschung sowie das unansehnliche, mit Rüschen verzierte Puppenkleidchen.
Welches Bethany sofort in einem nahegelegenen Brunnen versenkte.
Offenbar hatte das Mädchen so einige tiefsitzende Probleme, die jetzt, kurz vor der Stunde ihres Todes, spektakulär zum Vorschein kamen.
Ungeniert ging sie dazu über, weitere Gegenstände – merkwürdige Tonfiguren nackter Menschen, große Krüge und allerlei anderer Gefäße, einige schwarz-metallischer Boxen, welche Bethany grummelnd als 'Vaters Highdefiniton-Entertainment Center' bezeichnete – gnadenlos ins Jenseits zu befördern.
Nachdem sie dadurch einigermaßen Befriedigung gefunden hatte – oder ihr einfach die Sachen, die sie womöglich noch hätte zerstören können, ausgegangen waren – zückte sie etwas aus ihrer Hosentasche, das, wie ich schon sehr früh im Umgang mit Menschen gelernt hatte, 'Handy' genannt wurde und selbst noch lebende Exemplare in Zombies zu verwandeln vermochte.
Magie, ohne Frage.
„Was hast du vor?“, erkundigte ich mich, ein wenig verwirrt. Ich wusste, dass Menschen eine seltsame, sehr intime Beziehung zu ihren Telefonen pflegten, und daher konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, dass sie vorhatte, dieses nun auch zu töten.
Nein, sie würde wahrscheinlich verlangen, damit begraben zu werden.
„Etwas, das ich schon lange tun wollte“, meinte Bethany zähneknirschend. Und anstatt das Ding auf den Boden zu donnern, wählte sie eine Telefonnummer und presste es gegen ihr Ohr. „Hallo, Donna“, sagte sie, sobald die andere Person – eine Klassenkameradin, wie ich unglücklicherweise durch das ständige Geschwafel Bethanys während unserer meist fruchtlosen Trainingsstunden bestens wusste – an den Hörer gegangen war, „es freut mich sehr, dass ich dich noch erwische. Und es tut mir wirklich leid, dich noch zu so später Stunde zu stören, aber ich habe leider nicht mehr viel Zeit und ich wollte dir unbedingt noch etwas mitteilen.“
Sie holte einmal tief Luft und ich rechnete bereits damit, dass sie sich für ein spektakuläres Liebesbekenntnis bereitmachte. Etwas, das man wirklich nur dann äußerte, wenn man nichts mehr zu verlieren hatte.
Doch stattdessen verkündete sie: „Donna, du bist mit Abstand die oberflächlichste, zickigste und selbstverliebteste Person, die mir je begegnet ist! Du hältst dich für die Königin der Welt, aber in Wahrheit bist du nur ein absolut trauriges und einsames Exemplar unserer Rasse und du würdest mir wirklich leidtun, würde ich dich nicht aus vollen Herzen verabscheuen! Dein Perlweißlächeln ist so furchtbar künstlich, dass du die Zahn-Korrektur, die dir dein reicher Daddy bezahlt hat, nicht verbergen kannst, und jedes Mal, wenn ich es sehe, möchte ich dir am liebsten einmal so richtig in die Fresse schlagen, bis dir alle deine funkelnden Zähne ausfallen. Ich träume sogar manchmal davon, wie du wimmerst und jammerst und dir die Augen ausheulst, und es erfüllt mich mit einer ungemeinen Befriedigung, du hast echt keine Ahnung! Du bist so entsetzlich erbärmlich, dass ich den Tag, an dem dir das selbst bewusst wird, schon gar nicht mehr erwarten kann! Und viel Spaß beim Rest deines traurigen Lebens.“
Und mit diesen dramatischen Worten legte Bethany auf, die Zähne knirschend, aber dennoch irgendwie zufrieden wirkend.
Und ich starrte sie einfach nur an.
„Was?“, fragte sie ungehalten, nachdem sie meinen Blick bemerkt hatte.
Ich legte meinen Kopf schief. „Ich gebe es wirklich ungern zu, aber ich bin gerade ein bisschen angetörnt.“
Einen Moment rührte sich Bethany nicht, offenbar nicht ganz sicher, wie sie darauf am besten reagieren sollte, aber am Ende schlich sich ein Schmunzeln auf ihre Lippen. „Meine sadistische Ader macht dich also an?“
Ich lachte auf. „Ich bin ein Teufel. Was denkst du?“
Sie grinste. „Dann warten wir mal ab, was du in zwanzig Minuten sagst.“
Und somit begann sie, jeden anzurufen, den sie nicht mal ansatzweise leiden konnte, und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sie erzählte ihrem ehemaligen ersten festen Freund (mit dem sie ganze drei Wochen zusammen gewesen war – ein Meilenstein für hormonelle Teenager), dass sein männliches Geschlechtsteil das absolut enttäuschendste gewesen war, das sie jemals gesehen hatte. Sie verkündete der Klassensprecherin, dass das weiße Pulver an ihrer Nase, welches inzwischen ihr ständiger Begleiter war, wirklich niemanden täuschte und dass sie den Direktor darüber informieren würde (was sie dann auch prompt tat). Sie sagte dem Jungen, der versucht hatte, sie bei einem Schulball zu begrabschen, dass er der armseligste Misthaufen auf dem Planeten wäre und sie aus vertraulicher Quelle wüsste, dass er früher oder später in der Hölle landen würde (selbstredend ein Bluff – ich hatte keinerlei Entscheidungsgewalt oder überhaupt Kenntnis, wer wo am Ende landen würde –, aber es brachte den Jungen zum betteln und weinen und das war wahrscheinlich das schönste, das ich seit langem gehört hatte).
Bethany kam richtig in Fahrt und sie wirkte absolut selbstzufrieden und gelassen, einfach mal ihre ungeblümte Meinung kundzutun und sich nicht um irgendwelche Konsequenzen zu scheren.
Und sie schien auch völlig zu übersehen, wie viel Zeit vergangen war.
Mitternacht rückte immer näher, aber anstatt in Panik zu verfallen und sich der vollkommenen Verzweiflung hinzugeben, konzentrierte sie sich lieber darauf, anderen Menschen über das Telefon in den Hintern zu treten, und irgendwie bewunderte ich sie dafür ein kleines bisschen.
Vielleicht steckte doch mehr in ihr, als ich immer gedacht hatte.
„So, bist du immer noch angetörnt?“, erkundigte sie sich, nachdem sie den letzten Anruf erfolgreich beendet hatte. „Wenn ja, wir wäre es mit etwas Spaß in der Besenkammer? Ich bin für alles zu haben.“
Ich schob es auf das Menschenessen, welches mir immer noch was quer im Magen lag, und Bethanys unerwartetes Selbstbewusstsein, das sich in Zerstörung und Beleidigungen ausdrückte, dass ich ihr Angebot tatsächlich eine Millisekunde in Erwägung zog.
Doch bevor ich dazu kam, zu antworten, spürte ich plötzlich eine weitere Präsenz auf dem Hinterhof und mir lief sofort ein eisiger Schauer über den Rücken.
Ich wandte meinen Blick zur Seite und in der Tat, dort stand ein Mann, von oben bis unten in einen cremeweißen Anzug gehüllt, der uns aus der Entfernung unverhohlen anstarrte, still und regungslos, und dennoch solch eine Präsenz und Macht ausstrahlte, dass es mir die Kehle zuschnürte.
Verdammt!
Ich hatte mit einigem gerechnet, aber nicht mit so etwas!
„Wer ist das?“ Bethany war näher zu mir gerückt und der selbstsichere Ton in ihrer Stimme war vollends verschwunden. Unsicher betrachtete sie den Neuankömmling, leicht zitternd.
Selbst ihre unterentwickelten Sinne nahmen vermutlich die übernatürliche Kraft wahr, die von diesem Wesen ausging. Nichts und niemand konnte sich dem entziehen.
Bethany ergriff meine Hand und ich hatte nicht wirklich das Verlangen, sie daran zu hindern. „Ist das … der Tod?“
Ihre Stimme war nun kaum mehr ein Flüstern und allein meinen übermenschlichen Gehör hatte ich es zu verdanken, dass ich sie überhaupt verstehen konnte.
„Nein“, erwiderte ich. „Schlimmer.“
Bethany zuckte zusammen, offenbar zutiefst beunruhigt, wer oder was denn noch schlimmer sein könnte als der Tod.
„Was ist er dann?“, fragte sie verunsichert nach.
Ich holte einmal tief Luft und verkündete: „Ein Engel.“
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Challenge: JOKER (Crack/Humor) – „Du hast keine Ahnung.“ (2013 – Aussagen/Sätze)
Fandom: Original
Inhalt: Es gibt noch so einige Dinge, die Bethany erledigen muss, bevor sie sich ihrem Schicksal stellt.
Anmerkung: Teil 6 von 8
(Teil 1) - (Teil 2) - (Teil 3) - (Teil 4) - (Teil 5)
Bethany schien in der Tat Wein abgrundtief zu hassen.
Zumindest deutete die leidenschaftliche Art und Weise, wie sie die unzähligen Weinflaschen auf dem harten Boden des Hinterhofs zerschmetterte und dann auch noch auf den Scherben herumtrampelte, als wäre sie von einer wilde Furie besessen, unmissverständlich darauf hin.
Sie war fast schon schön in ihrer rasenden Wut und Frustration.
Als ihr schließlich irgendwann der Wein ausging – in einer durchaus beeindruckenden Geschwindigkeit, die selbst meine 47 oder 48 Nichten und Neffen, die wahrscheinlich zerstörerischsten Individuen auf diesem Planeten, die Sprache verschlagen hätte – ging sie dazu über, andere Gegenstände aus dem Haus zu schleifen, für die sie über Jahre einen intensiven Hass entwickelt, jedoch nie den Mut gefunden hatte, irgendetwas dagegen zu unternehmen.
Da war zum Beispiel eine unglaublich hässliche Porzellanpuppe, die mich mit ihren unheimlichen Kulleraugen emotionslos anstarrte.
„Meine Mutter hat mir die zu meinem dritten Geburtstag gekauft und mir gleichzeitig verboten, damit zu spielen“, zischte Bethany, die das zarte Puppengesicht vorwurfsvoll anfunkelte. „Kannst du dir das vorstellen? Wer kauft einem Kleinkind so ein kostspieliges Ding, mit dem es überhaupt nichts anfangen kann?“
Und bereits einen Sekundenbruchteil später war das Püppchen auf dem Boden zerschellt und es blieb nichts zurück als Scherben, aufgestauter Ärger und Enttäuschung sowie das unansehnliche, mit Rüschen verzierte Puppenkleidchen.
Welches Bethany sofort in einem nahegelegenen Brunnen versenkte.
Offenbar hatte das Mädchen so einige tiefsitzende Probleme, die jetzt, kurz vor der Stunde ihres Todes, spektakulär zum Vorschein kamen.
Ungeniert ging sie dazu über, weitere Gegenstände – merkwürdige Tonfiguren nackter Menschen, große Krüge und allerlei anderer Gefäße, einige schwarz-metallischer Boxen, welche Bethany grummelnd als 'Vaters Highdefiniton-Entertainment Center' bezeichnete – gnadenlos ins Jenseits zu befördern.
Nachdem sie dadurch einigermaßen Befriedigung gefunden hatte – oder ihr einfach die Sachen, die sie womöglich noch hätte zerstören können, ausgegangen waren – zückte sie etwas aus ihrer Hosentasche, das, wie ich schon sehr früh im Umgang mit Menschen gelernt hatte, 'Handy' genannt wurde und selbst noch lebende Exemplare in Zombies zu verwandeln vermochte.
Magie, ohne Frage.
„Was hast du vor?“, erkundigte ich mich, ein wenig verwirrt. Ich wusste, dass Menschen eine seltsame, sehr intime Beziehung zu ihren Telefonen pflegten, und daher konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, dass sie vorhatte, dieses nun auch zu töten.
Nein, sie würde wahrscheinlich verlangen, damit begraben zu werden.
„Etwas, das ich schon lange tun wollte“, meinte Bethany zähneknirschend. Und anstatt das Ding auf den Boden zu donnern, wählte sie eine Telefonnummer und presste es gegen ihr Ohr. „Hallo, Donna“, sagte sie, sobald die andere Person – eine Klassenkameradin, wie ich unglücklicherweise durch das ständige Geschwafel Bethanys während unserer meist fruchtlosen Trainingsstunden bestens wusste – an den Hörer gegangen war, „es freut mich sehr, dass ich dich noch erwische. Und es tut mir wirklich leid, dich noch zu so später Stunde zu stören, aber ich habe leider nicht mehr viel Zeit und ich wollte dir unbedingt noch etwas mitteilen.“
Sie holte einmal tief Luft und ich rechnete bereits damit, dass sie sich für ein spektakuläres Liebesbekenntnis bereitmachte. Etwas, das man wirklich nur dann äußerte, wenn man nichts mehr zu verlieren hatte.
Doch stattdessen verkündete sie: „Donna, du bist mit Abstand die oberflächlichste, zickigste und selbstverliebteste Person, die mir je begegnet ist! Du hältst dich für die Königin der Welt, aber in Wahrheit bist du nur ein absolut trauriges und einsames Exemplar unserer Rasse und du würdest mir wirklich leidtun, würde ich dich nicht aus vollen Herzen verabscheuen! Dein Perlweißlächeln ist so furchtbar künstlich, dass du die Zahn-Korrektur, die dir dein reicher Daddy bezahlt hat, nicht verbergen kannst, und jedes Mal, wenn ich es sehe, möchte ich dir am liebsten einmal so richtig in die Fresse schlagen, bis dir alle deine funkelnden Zähne ausfallen. Ich träume sogar manchmal davon, wie du wimmerst und jammerst und dir die Augen ausheulst, und es erfüllt mich mit einer ungemeinen Befriedigung, du hast echt keine Ahnung! Du bist so entsetzlich erbärmlich, dass ich den Tag, an dem dir das selbst bewusst wird, schon gar nicht mehr erwarten kann! Und viel Spaß beim Rest deines traurigen Lebens.“
Und mit diesen dramatischen Worten legte Bethany auf, die Zähne knirschend, aber dennoch irgendwie zufrieden wirkend.
Und ich starrte sie einfach nur an.
„Was?“, fragte sie ungehalten, nachdem sie meinen Blick bemerkt hatte.
Ich legte meinen Kopf schief. „Ich gebe es wirklich ungern zu, aber ich bin gerade ein bisschen angetörnt.“
Einen Moment rührte sich Bethany nicht, offenbar nicht ganz sicher, wie sie darauf am besten reagieren sollte, aber am Ende schlich sich ein Schmunzeln auf ihre Lippen. „Meine sadistische Ader macht dich also an?“
Ich lachte auf. „Ich bin ein Teufel. Was denkst du?“
Sie grinste. „Dann warten wir mal ab, was du in zwanzig Minuten sagst.“
Und somit begann sie, jeden anzurufen, den sie nicht mal ansatzweise leiden konnte, und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sie erzählte ihrem ehemaligen ersten festen Freund (mit dem sie ganze drei Wochen zusammen gewesen war – ein Meilenstein für hormonelle Teenager), dass sein männliches Geschlechtsteil das absolut enttäuschendste gewesen war, das sie jemals gesehen hatte. Sie verkündete der Klassensprecherin, dass das weiße Pulver an ihrer Nase, welches inzwischen ihr ständiger Begleiter war, wirklich niemanden täuschte und dass sie den Direktor darüber informieren würde (was sie dann auch prompt tat). Sie sagte dem Jungen, der versucht hatte, sie bei einem Schulball zu begrabschen, dass er der armseligste Misthaufen auf dem Planeten wäre und sie aus vertraulicher Quelle wüsste, dass er früher oder später in der Hölle landen würde (selbstredend ein Bluff – ich hatte keinerlei Entscheidungsgewalt oder überhaupt Kenntnis, wer wo am Ende landen würde –, aber es brachte den Jungen zum betteln und weinen und das war wahrscheinlich das schönste, das ich seit langem gehört hatte).
Bethany kam richtig in Fahrt und sie wirkte absolut selbstzufrieden und gelassen, einfach mal ihre ungeblümte Meinung kundzutun und sich nicht um irgendwelche Konsequenzen zu scheren.
Und sie schien auch völlig zu übersehen, wie viel Zeit vergangen war.
Mitternacht rückte immer näher, aber anstatt in Panik zu verfallen und sich der vollkommenen Verzweiflung hinzugeben, konzentrierte sie sich lieber darauf, anderen Menschen über das Telefon in den Hintern zu treten, und irgendwie bewunderte ich sie dafür ein kleines bisschen.
Vielleicht steckte doch mehr in ihr, als ich immer gedacht hatte.
„So, bist du immer noch angetörnt?“, erkundigte sie sich, nachdem sie den letzten Anruf erfolgreich beendet hatte. „Wenn ja, wir wäre es mit etwas Spaß in der Besenkammer? Ich bin für alles zu haben.“
Ich schob es auf das Menschenessen, welches mir immer noch was quer im Magen lag, und Bethanys unerwartetes Selbstbewusstsein, das sich in Zerstörung und Beleidigungen ausdrückte, dass ich ihr Angebot tatsächlich eine Millisekunde in Erwägung zog.
Doch bevor ich dazu kam, zu antworten, spürte ich plötzlich eine weitere Präsenz auf dem Hinterhof und mir lief sofort ein eisiger Schauer über den Rücken.
Ich wandte meinen Blick zur Seite und in der Tat, dort stand ein Mann, von oben bis unten in einen cremeweißen Anzug gehüllt, der uns aus der Entfernung unverhohlen anstarrte, still und regungslos, und dennoch solch eine Präsenz und Macht ausstrahlte, dass es mir die Kehle zuschnürte.
Verdammt!
Ich hatte mit einigem gerechnet, aber nicht mit so etwas!
„Wer ist das?“ Bethany war näher zu mir gerückt und der selbstsichere Ton in ihrer Stimme war vollends verschwunden. Unsicher betrachtete sie den Neuankömmling, leicht zitternd.
Selbst ihre unterentwickelten Sinne nahmen vermutlich die übernatürliche Kraft wahr, die von diesem Wesen ausging. Nichts und niemand konnte sich dem entziehen.
Bethany ergriff meine Hand und ich hatte nicht wirklich das Verlangen, sie daran zu hindern. „Ist das … der Tod?“
Ihre Stimme war nun kaum mehr ein Flüstern und allein meinen übermenschlichen Gehör hatte ich es zu verdanken, dass ich sie überhaupt verstehen konnte.
„Nein“, erwiderte ich. „Schlimmer.“
Bethany zuckte zusammen, offenbar zutiefst beunruhigt, wer oder was denn noch schlimmer sein könnte als der Tod.
„Was ist er dann?“, fragte sie verunsichert nach.
Ich holte einmal tief Luft und verkündete: „Ein Engel.“
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