Männer und Frauen zweifeln
Oct. 28th, 2007 04:51 pmFandom: Kimi wa petto
Challenge: #1 Ohrwurm
Personen: Sumire, Momo
Kommentar: Eigentlich wollte ich damit nur zeigen, dass Ohrwürmer nicht nur Lieder sind.
Sie hatte den gesamten Tag damit zugebracht.
Es erschien ihr weitaus schlimmer als chinesische Wasserfolter, schlimmer als Geschwüre und fürchterlicher als die Zeiten, in denen sie in der Schule vor der gesamten Klasse hingefallen ausgelacht worden war.
Diese Worte, die Fukushima ihr entgegengehaucht hatte. Und Fukushima hatte Talent darin, jemandem so böse Worte ins Ohr zu flüstern, ganz leise und heimlich wie ein unbekanntes Gift.
„Meinst du wirklich, dass du so wie du bist, eine Frau bist, die die Männer wollen?“
Es war ein ganz einfacher Satz gewesen, völlig zusammenhangslos und völlig aus der Luft gegriffen, doch er ließ Sumire den gesamten Tag nicht los.
Er hallte ihr in den Ohren nach, während der Redaktionssitzung, beim Mittagessen, beim Schreiben und auf dem Heimweg. Sie stopfte die Kopfhörerchen ihres I-Pods so tief in ihre Gehörgänge, dass es zu krachen begann.
Und doch, diese Satzmelodie, die Worte verschwanden einfach nicht.
Wahrscheinlich hatte Fukushima Recht.
Wer wollte so ein Kampfweib haben, eine verkappte Kettenraucherin, die nachts schnarchte und morgens so geschwollene Augen hatte, dass man glauben konnte, sie habe sich geprügelt?
Männer wollten ihre Weibchen beschützen. Männer sollten neben ihren Frauen nicht aussehen wie bloße Kleiderständer.
Kurz vor ihrer Haustür zweifelte Sumire so an sich selbst, dass sie am Rande eines Nervenzusammenbruches stand.
Und dann war da Momo.
„Sumire-chan, du bist spät!“, kläffte er und sie nahm ihn nur flüchtig wahr. Wie aus einem fernen Sternennebel drang er durch sie hindurch und schien zu verpuffen.
Sie stand im Flur und konnte sich nicht bücken um die Schuhe auszuziehen. Es ging einfach nicht.
„Momo...ich habe einen Ohrwurm.“, murmelte sie, die Lippen blutleer.
Er kam näher und strich ihr so langsam und sanft eine wirre Strähne aus dem Gesicht, dass sie nicht zurückzuckte.
„Gefällt er dir nicht?“
Die Worte geisterten Sumire durch den Kopf.
“Glaubst du wirklich...? Glaubst du...? Wie kannst du dir das nur einbilden!“
„Nein.“, sie senkte müde den Kopf.
„Ich hasse ihn!“
Momo schaute sie mit einem Gesicht an, das sich ein wenig verschloss und ihr doch entgegenkam.
Sie spürte seine warmen Finger, seinen fruchtigen Gummitier-Atem.
Für einen Augenblick lang konnte sie sein ganzes Wesen fühlen.
„Wenn man einen Ohrwurm hat, muss man sich ablenken.“, sagte er lächelnd und legte den Kopf schief. Mittlerweile beherrschte er die Geste tatsächlich wie ein Hund.
„Wenn man sich darauf versteift, wird er nie weggehen.“
Sie zog ihn an sich und verharrte.
Fukushimas Stimme war noch vorhanden.
Aber zum ersten Mal an diesem unendlich langen, lauten Tag klang sie nicht mehr ganz so bissig.
„Was weißt du schon?“, murmelte Sumire.
„Du bist nur der Hund.“
Fandom: Original Papierflugzeuge
Challenge: #2 "Sowas hörst du?"
#3 "Yesterday"
Personen: Sammy, Rufus, Vivian und Markus
Kommentar: Thema verfehlt, aber was soll´s.
Samuel hasste dieses Lied eigentlich. Es klang nach Spinnenweben, schmierig und übertrieben kitschig.
Ein richtiges Schmalzstullenlied.
Die Beatles, tze. Einer von denen war schon längst tot, einer bekriegte sich mit seiner Bonzenfrau und von den anderen beiden hatte er schon seit Ewigkeiten nichts mehr gehört.
Dieser Song kultivierte seine Kopfschmerzen, die er seit dem Aufwachen heute Morgen hatte.
Er fraß sich ein in sein Gehirn, zerwaberte die pochende Masse, machte ihn kirre.
„Sowas hörst du?“, hatte Rufus ganz unschuldig gefragt, als Samuel dennoch den Repeat-Knopf seines Autoradios gedrückt hatte.
Mittlerweile wusste er, dass sein Freund auf Musik mit viel Beat stand, heftigen Tönen, guter Laune. Musik hörte man, um sich zu entspannen und nicht um depressiv zu werden oder über irgendwelchen hirnverbrannten Scheiß nachzudenken. Das taten Emos und Gothics- und was auch denen wurde, sah man ihnen ja schon von weitem an. Sie wurden immer grauer im Gesicht und stürzten sich kopfüber in irgendwelche Komplexe.
War die Welt so schon nicht kompliziert genug?
„Fahr mal hier ran!“, hatte Rufus nach einer Weile gesagt, als „Yesterday“ also schon zwanzigmal gelaufen war und Samuels Kopf immer mehr pochte.
„Vielleicht brauchst du nur etwas zu trinken. Ich kauf dir ein Wasser, ja?“
Sein strahlender Blick hatte es nicht gerade leichter gemacht.
Samuel dachte nicht daran, seinem Freund zu erzählen, dass er die Kopfschmerzen ja nur hatte, weil er die Nacht wachgelegen und.. ja.. sich den Kopf zerbrochen hatte.
Und dass Rufus daran Schuld war.
„Sieh an, sieh an!“, hatte Vivian heute Morgen gesagt, als er sie aus der Schlaflosigkeit entsprungener Langeweile am Bahnhof abgefangen und zum philosophischen Institut gefahren hatte.
„Der Vollproll macht sich Gedanken? Du wirfst mein Weltbild durcheinander!“
Er hasste sie.
Ganz ehrlich.
Er hasste diese Hippie-Zicke, die so etwas wie Rufus´ beste Freundin war, weil sie mit ihm zusammen bei der Post Pakete sortierte.
Und doch. Sie schien in diesem Moment der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der ihm vielleicht helfen konnte. Und das wusste Samuel.
„Okay, angenommen, du gehst zu deiner Wasserstoffblondine zurück.“
Vivian hatte dagesessen und ihre Unterlagen sortiert während er mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt gerast war und versucht hatte, den Kopfschmerzen zu entkommen.
„Das ist doch dein Problem, oder? Du willst klare Verhältnisse, normal sein, weil du nicht damit klarkommst, dass du Rufus dem Hirni vorziehst.“
„Ich habe kein Problem mit Rufus!“, hatte er geblafft und sich Respekt gegenüber Ariane ausgebeten. Vivians Hass auf seine Subkultur- konnte man das überhaupt so nennen- ging ihm gehörig auf den Zeiger.
Dann hatte Vivian dagesessen, ihren Kaffeebecher ratlos geschwenkt und verwirrt geblinzelt.
Ganz langsam.
„Warte mal.“
Und da hatte Samuel zum ersten Mal „Yesterday“ eingelegt.
„Das hier ist kein Ich-habe-ein-Problem-damit-auf-Männer-abzufahren-Gespräch?“
Nun saß er hier, streichelte geistesabwesend das Lenkrad seines Golfes und sang, ohne es zu merken, beim Lied mit.
Er sang nicht oft, es klang unbeholfen, blechern und die englischen Silben machten ihm zu schaffen, doch es fühlte sich ein wenig so an, als würde es die Migräne lindern.
„Ich habe keine Ahnung, was mein Problem ist, okay?“, hatte er zu Vivian gesagt, als er vor dem Unigebäude gehalten hatte.
„Ich konnte nur nicht schlafen.“
„Jetzt lügst du.“
Es war das erste Mal, dass sie ihn unverwandt und gänzliche ohne Spott angesehen hatte. Es zeigte ihm, dass er mittlerweile etwas höher stehen musste in ihrer Gunst. Es zeigte ihm, dass sie echt heiß sein konnte.
„Nein, nein.“, hatte er gemurmelt.
„Ich habe ein Problem, aber ich habe keine Ahnung, was es ist.“
Vivian hatte niedergeblickt.
„Vielleicht weil du nicht weißt, wie´s weitergehen soll?“
Er hatte sachte nicken wollen, doch dann hatte hinter ihm ein Lastwagen gehupt, weil er im Parkverbot gestanden hatte.
„Weißt du, du machst doch sonst immer alles aus dem Affekt heraus.“, hatte sie ihn dann geneckt als sie ausgestiegen war.
„Warum überträgst du das nicht auf dein Leben?“
Er hatte ihr ein böses Wort hinterherrufen wollen, doch der Fahrer des Lasters hatte zu sehr gedrängelt.
Man konnte doch nicht aus dem Affekt heraus leben.
Da gab es viele Dinge, die geplant werden mussten. Und überhaupt.
Konnte es denn ewig so weitergehen wie jetzt?
Wäre das nicht zu herrlich?
War sein einziger Konflikt bei der Sache, dass er keinen Konflikt hatte?
Samuel schüttelte den Kopf beim Singen.
Aus dem Ausgang des Supermarktes trat Rufus mit zwei Flaschen und einer gefurchten Stirn. Er kam auf den Golf zu, sehr schnell, zu schnell für Samuels Geschmack, und dann sah Samuel Markus.
Durch die geschlossene Fensterscheibe konnte er den Typen brüllen hören und war plötzlich mit einem Mal aus dem Gestern ins Hier und Jetzt geschleudert.
Er schwang die Autotür auf und konnte beim Aussteigen sehen, wie Markus Rufus einholte, ihn am Jackenärmel packte und herumriss.
Eine der Flaschen rutschte dem Jungen aus der Hand, das Plastik machte ein klirrendes, bauchiges Geräusch auf dem Asphalt.
„Du kleiner räudiger...!“
Markus schnappte aufgebracht nach Luft.
„Was verfolgst du mich schon wieder! Hat es nicht gereicht, mich in die Schuldenfalle zu petzen?!“
„Ich wollte doch nicht..“, japste Rufus. Er versuchte, sich loszumachen.
„Ich hab hier doch nur eingekauft!“
Markus war der Verflossene von Samuels Schwester. Es war richtig, Rufus hatte ihn ausspioniert als es um Kasimir gegangen war. Kasimir hatte das Pech, Markus zum Vater zu haben.
Und Rufus hatte das Pech, nicht in der Lage zu sein, ordentlich nachzudenken, bevor er etwas tat.
In dem Moment, in dem Markus ihm einen Kinnhaken verpasste, verschwanden Samuels Kopfschmerzen mit einem Schlag;
Nämlich mit dem Schlag, den er seinem Widersacher verpasste.
Und da wurde ihm zumindest ein klein wenig klar, was Vivian heute Morgen gemeint hatte.
Es war ganz einfach.
Da war Rufus.
Rufus war unglaublich, schier unglaublich.
Rufus regte ihn und war doch ein ganz eigener Mensch, eine Persönlichkeit ohnegleichen.
„Du warst ganz schön heftig.“, sagte Rufus ein wenig später im Auto und nuckelte an seiner Cola.
„Was ist, wenn er dich nun anzeigt?“
Samuel hatte das Radio ausgemacht. Sie rauschten über eine verschlafene Landstraße, kurz hinter Fredersdorf und der Golf schnurrte vergnügt.
„Warum sollte er denn das?“, schnurrte Samuel mit.
„Ich hab ihm doch nicht die Nase gebrochen oder sowas. Ihm geht´s doch gut.“
„Naja.“
Rufus fuhr mit der freien Hand über den Gurt von der Brust bis zum Bauch und schaute aus dem Fenster.
Im Nebel standen Rehe und starrten dem Auto misstrauisch hinterher.
„Du hast zu ihm gesagt ´Krümm Rufus noch ein Haar und ich breche dir alle Knochen!´ Das ist doch eine Drohung.“
„Achso, das.“
Samuel lachte ein bisschen.
„Ich fand es einfach cool, das zu sagen. Wie in den Actionfilmen.“
Sie tauchten ein in Nebenbänke und er schaltete das Licht ein.
„Mach das nicht.“, murmelte Rufus leise.
„Du hast nicht genug Muskeln, um sowas sagen zu können.“
Challenge: #1 Ohrwurm
Personen: Sumire, Momo
Kommentar: Eigentlich wollte ich damit nur zeigen, dass Ohrwürmer nicht nur Lieder sind.
Sie hatte den gesamten Tag damit zugebracht.
Es erschien ihr weitaus schlimmer als chinesische Wasserfolter, schlimmer als Geschwüre und fürchterlicher als die Zeiten, in denen sie in der Schule vor der gesamten Klasse hingefallen ausgelacht worden war.
Diese Worte, die Fukushima ihr entgegengehaucht hatte. Und Fukushima hatte Talent darin, jemandem so böse Worte ins Ohr zu flüstern, ganz leise und heimlich wie ein unbekanntes Gift.
„Meinst du wirklich, dass du so wie du bist, eine Frau bist, die die Männer wollen?“
Es war ein ganz einfacher Satz gewesen, völlig zusammenhangslos und völlig aus der Luft gegriffen, doch er ließ Sumire den gesamten Tag nicht los.
Er hallte ihr in den Ohren nach, während der Redaktionssitzung, beim Mittagessen, beim Schreiben und auf dem Heimweg. Sie stopfte die Kopfhörerchen ihres I-Pods so tief in ihre Gehörgänge, dass es zu krachen begann.
Und doch, diese Satzmelodie, die Worte verschwanden einfach nicht.
Wahrscheinlich hatte Fukushima Recht.
Wer wollte so ein Kampfweib haben, eine verkappte Kettenraucherin, die nachts schnarchte und morgens so geschwollene Augen hatte, dass man glauben konnte, sie habe sich geprügelt?
Männer wollten ihre Weibchen beschützen. Männer sollten neben ihren Frauen nicht aussehen wie bloße Kleiderständer.
Kurz vor ihrer Haustür zweifelte Sumire so an sich selbst, dass sie am Rande eines Nervenzusammenbruches stand.
Und dann war da Momo.
„Sumire-chan, du bist spät!“, kläffte er und sie nahm ihn nur flüchtig wahr. Wie aus einem fernen Sternennebel drang er durch sie hindurch und schien zu verpuffen.
Sie stand im Flur und konnte sich nicht bücken um die Schuhe auszuziehen. Es ging einfach nicht.
„Momo...ich habe einen Ohrwurm.“, murmelte sie, die Lippen blutleer.
Er kam näher und strich ihr so langsam und sanft eine wirre Strähne aus dem Gesicht, dass sie nicht zurückzuckte.
„Gefällt er dir nicht?“
Die Worte geisterten Sumire durch den Kopf.
“Glaubst du wirklich...? Glaubst du...? Wie kannst du dir das nur einbilden!“
„Nein.“, sie senkte müde den Kopf.
„Ich hasse ihn!“
Momo schaute sie mit einem Gesicht an, das sich ein wenig verschloss und ihr doch entgegenkam.
Sie spürte seine warmen Finger, seinen fruchtigen Gummitier-Atem.
Für einen Augenblick lang konnte sie sein ganzes Wesen fühlen.
„Wenn man einen Ohrwurm hat, muss man sich ablenken.“, sagte er lächelnd und legte den Kopf schief. Mittlerweile beherrschte er die Geste tatsächlich wie ein Hund.
„Wenn man sich darauf versteift, wird er nie weggehen.“
Sie zog ihn an sich und verharrte.
Fukushimas Stimme war noch vorhanden.
Aber zum ersten Mal an diesem unendlich langen, lauten Tag klang sie nicht mehr ganz so bissig.
„Was weißt du schon?“, murmelte Sumire.
„Du bist nur der Hund.“
Fandom: Original Papierflugzeuge
Challenge: #2 "Sowas hörst du?"
#3 "Yesterday"
Personen: Sammy, Rufus, Vivian und Markus
Kommentar: Thema verfehlt, aber was soll´s.
Samuel hasste dieses Lied eigentlich. Es klang nach Spinnenweben, schmierig und übertrieben kitschig.
Ein richtiges Schmalzstullenlied.
Die Beatles, tze. Einer von denen war schon längst tot, einer bekriegte sich mit seiner Bonzenfrau und von den anderen beiden hatte er schon seit Ewigkeiten nichts mehr gehört.
Dieser Song kultivierte seine Kopfschmerzen, die er seit dem Aufwachen heute Morgen hatte.
Er fraß sich ein in sein Gehirn, zerwaberte die pochende Masse, machte ihn kirre.
„Sowas hörst du?“, hatte Rufus ganz unschuldig gefragt, als Samuel dennoch den Repeat-Knopf seines Autoradios gedrückt hatte.
Mittlerweile wusste er, dass sein Freund auf Musik mit viel Beat stand, heftigen Tönen, guter Laune. Musik hörte man, um sich zu entspannen und nicht um depressiv zu werden oder über irgendwelchen hirnverbrannten Scheiß nachzudenken. Das taten Emos und Gothics- und was auch denen wurde, sah man ihnen ja schon von weitem an. Sie wurden immer grauer im Gesicht und stürzten sich kopfüber in irgendwelche Komplexe.
War die Welt so schon nicht kompliziert genug?
„Fahr mal hier ran!“, hatte Rufus nach einer Weile gesagt, als „Yesterday“ also schon zwanzigmal gelaufen war und Samuels Kopf immer mehr pochte.
„Vielleicht brauchst du nur etwas zu trinken. Ich kauf dir ein Wasser, ja?“
Sein strahlender Blick hatte es nicht gerade leichter gemacht.
Samuel dachte nicht daran, seinem Freund zu erzählen, dass er die Kopfschmerzen ja nur hatte, weil er die Nacht wachgelegen und.. ja.. sich den Kopf zerbrochen hatte.
Und dass Rufus daran Schuld war.
„Sieh an, sieh an!“, hatte Vivian heute Morgen gesagt, als er sie aus der Schlaflosigkeit entsprungener Langeweile am Bahnhof abgefangen und zum philosophischen Institut gefahren hatte.
„Der Vollproll macht sich Gedanken? Du wirfst mein Weltbild durcheinander!“
Er hasste sie.
Ganz ehrlich.
Er hasste diese Hippie-Zicke, die so etwas wie Rufus´ beste Freundin war, weil sie mit ihm zusammen bei der Post Pakete sortierte.
Und doch. Sie schien in diesem Moment der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der ihm vielleicht helfen konnte. Und das wusste Samuel.
„Okay, angenommen, du gehst zu deiner Wasserstoffblondine zurück.“
Vivian hatte dagesessen und ihre Unterlagen sortiert während er mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt gerast war und versucht hatte, den Kopfschmerzen zu entkommen.
„Das ist doch dein Problem, oder? Du willst klare Verhältnisse, normal sein, weil du nicht damit klarkommst, dass du Rufus dem Hirni vorziehst.“
„Ich habe kein Problem mit Rufus!“, hatte er geblafft und sich Respekt gegenüber Ariane ausgebeten. Vivians Hass auf seine Subkultur- konnte man das überhaupt so nennen- ging ihm gehörig auf den Zeiger.
Dann hatte Vivian dagesessen, ihren Kaffeebecher ratlos geschwenkt und verwirrt geblinzelt.
Ganz langsam.
„Warte mal.“
Und da hatte Samuel zum ersten Mal „Yesterday“ eingelegt.
„Das hier ist kein Ich-habe-ein-Problem-damit-auf-Männer-abzufahren-Gespräch?“
Nun saß er hier, streichelte geistesabwesend das Lenkrad seines Golfes und sang, ohne es zu merken, beim Lied mit.
Er sang nicht oft, es klang unbeholfen, blechern und die englischen Silben machten ihm zu schaffen, doch es fühlte sich ein wenig so an, als würde es die Migräne lindern.
„Ich habe keine Ahnung, was mein Problem ist, okay?“, hatte er zu Vivian gesagt, als er vor dem Unigebäude gehalten hatte.
„Ich konnte nur nicht schlafen.“
„Jetzt lügst du.“
Es war das erste Mal, dass sie ihn unverwandt und gänzliche ohne Spott angesehen hatte. Es zeigte ihm, dass er mittlerweile etwas höher stehen musste in ihrer Gunst. Es zeigte ihm, dass sie echt heiß sein konnte.
„Nein, nein.“, hatte er gemurmelt.
„Ich habe ein Problem, aber ich habe keine Ahnung, was es ist.“
Vivian hatte niedergeblickt.
„Vielleicht weil du nicht weißt, wie´s weitergehen soll?“
Er hatte sachte nicken wollen, doch dann hatte hinter ihm ein Lastwagen gehupt, weil er im Parkverbot gestanden hatte.
„Weißt du, du machst doch sonst immer alles aus dem Affekt heraus.“, hatte sie ihn dann geneckt als sie ausgestiegen war.
„Warum überträgst du das nicht auf dein Leben?“
Er hatte ihr ein böses Wort hinterherrufen wollen, doch der Fahrer des Lasters hatte zu sehr gedrängelt.
Man konnte doch nicht aus dem Affekt heraus leben.
Da gab es viele Dinge, die geplant werden mussten. Und überhaupt.
Konnte es denn ewig so weitergehen wie jetzt?
Wäre das nicht zu herrlich?
War sein einziger Konflikt bei der Sache, dass er keinen Konflikt hatte?
Samuel schüttelte den Kopf beim Singen.
Aus dem Ausgang des Supermarktes trat Rufus mit zwei Flaschen und einer gefurchten Stirn. Er kam auf den Golf zu, sehr schnell, zu schnell für Samuels Geschmack, und dann sah Samuel Markus.
Durch die geschlossene Fensterscheibe konnte er den Typen brüllen hören und war plötzlich mit einem Mal aus dem Gestern ins Hier und Jetzt geschleudert.
Er schwang die Autotür auf und konnte beim Aussteigen sehen, wie Markus Rufus einholte, ihn am Jackenärmel packte und herumriss.
Eine der Flaschen rutschte dem Jungen aus der Hand, das Plastik machte ein klirrendes, bauchiges Geräusch auf dem Asphalt.
„Du kleiner räudiger...!“
Markus schnappte aufgebracht nach Luft.
„Was verfolgst du mich schon wieder! Hat es nicht gereicht, mich in die Schuldenfalle zu petzen?!“
„Ich wollte doch nicht..“, japste Rufus. Er versuchte, sich loszumachen.
„Ich hab hier doch nur eingekauft!“
Markus war der Verflossene von Samuels Schwester. Es war richtig, Rufus hatte ihn ausspioniert als es um Kasimir gegangen war. Kasimir hatte das Pech, Markus zum Vater zu haben.
Und Rufus hatte das Pech, nicht in der Lage zu sein, ordentlich nachzudenken, bevor er etwas tat.
In dem Moment, in dem Markus ihm einen Kinnhaken verpasste, verschwanden Samuels Kopfschmerzen mit einem Schlag;
Nämlich mit dem Schlag, den er seinem Widersacher verpasste.
Und da wurde ihm zumindest ein klein wenig klar, was Vivian heute Morgen gemeint hatte.
Es war ganz einfach.
Da war Rufus.
Rufus war unglaublich, schier unglaublich.
Rufus regte ihn und war doch ein ganz eigener Mensch, eine Persönlichkeit ohnegleichen.
„Du warst ganz schön heftig.“, sagte Rufus ein wenig später im Auto und nuckelte an seiner Cola.
„Was ist, wenn er dich nun anzeigt?“
Samuel hatte das Radio ausgemacht. Sie rauschten über eine verschlafene Landstraße, kurz hinter Fredersdorf und der Golf schnurrte vergnügt.
„Warum sollte er denn das?“, schnurrte Samuel mit.
„Ich hab ihm doch nicht die Nase gebrochen oder sowas. Ihm geht´s doch gut.“
„Naja.“
Rufus fuhr mit der freien Hand über den Gurt von der Brust bis zum Bauch und schaute aus dem Fenster.
Im Nebel standen Rehe und starrten dem Auto misstrauisch hinterher.
„Du hast zu ihm gesagt ´Krümm Rufus noch ein Haar und ich breche dir alle Knochen!´ Das ist doch eine Drohung.“
„Achso, das.“
Samuel lachte ein bisschen.
„Ich fand es einfach cool, das zu sagen. Wie in den Actionfilmen.“
Sie tauchten ein in Nebenbänke und er schaltete das Licht ein.
„Mach das nicht.“, murmelte Rufus leise.
„Du hast nicht genug Muskeln, um sowas sagen zu können.“
no subject
Date: 2007-10-28 04:46 pm (UTC)*____________________________________________*
no subject
Date: 2007-10-28 08:33 pm (UTC)...Ich würde dir jetzt unheimlich gerne einen anständigen Kommentar schreiben können, aber... Es geht nicht. Das ist einfach nur... *_______________*
...Vielleicht begrabe ich meinen Musikunterricht-geschürten Hass auf Yesterday jetzt.^^
no subject
Date: 2007-10-31 02:41 pm (UTC)Lass ihn ein Held sein, lass ihn Rufus verteidigen, dann ist alles viel einfacher. Lass ihn strahlen und für Rufus eintreten - ohh, so viel Liebe! *___*
Haha, und schon wieder bin ich voll kindlicher Freude, nachdem ich eine Papierflugzeuge-Story gelesen habe. Du kannst es zwar nicht sehen, aber ich habe gerade mein "Ich bin sooo happy~"-Lächeln aufgesetzt. ^o^