[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Hufflepuff
Challenge: Crack – Du bist so peinlich – fürs Team
Fandom: mein Alien-AU, aka neun junge Menschen mit Mutantenkräften wohnen in einem Haus und bauen Mist
Titel: Der Eichhörnchenschreck
Inhalt: Cookie hat sein Teleportierproblem immer noch nicht im Griff
Anmerkung: Das schrabt eher an der H/C-Tabelle, aber sie sind trotzdem fluffig und süß. Hoffentlich.


Der Eichhörnchenschreck

Es passiert zu Beginn immer wieder, weswegen sich auch niemand Sorgen macht.
In der einen Sekunde steht Cookie in der Küche und schält Kartoffeln, in der nächsten klatscht das Messer auf den Boden und Cookie ist weggeblitzt, teleportiert und ward nicht mehr gesehen.

"Der macht das doch mit Absicht!", stöhnt Takuya, weil er dann meistens Kartoffeln schälen muss, bis Cookie wieder auftaucht, manchmal nach ein paar Minuten, oft erst nach zwei Stunden.

Er taucht dann im Flur wieder auf, oder im Garten, einmal sogar im Badezimmer, als Marike gerade dabei war zu duschen, was für beide mehr als unangenehm war.

"Tut mir Leid", sagt er dann und grinst ein bisschen schräg. "Weiß nicht, was los war."

Als Wiedergutmachung bringt er dann meistens Süßigkeiten mit, von dort wo er nach so einem Teleport landet. Wenn sie Glück haben, ist es Schokolade aus Zürich, ab und zu Mangos oder anderes, was er eben greifen kann.

"Wo hast du das Geld her?", fragt Marike eines Abends, als Cookies unfreiwilliger Ausflug fast den ganzen Nachmittag gedauert hat.

Cookies Grinsen wird breiter. "Dollar geht immer."

"Das beantwortet nicht meine Frag…"

"Halt die Klappe, Marike", antwortet Billy. "Du willst es doch gar nicht wissen."

Marike seufzt und schüttelt den Kopf, bevor sie den anderen hilft, den gigantischen Fisch, den Cookie von Kuba mitgebracht hat, zu filetieren.

Der einzige, der sich von Anfang an Sorgen macht, ist Sean.

Er schleicht sich neben Cookie, während die anderen mit dem Fisch kämpfen.
"Alles okay?"

"Hm? Ja klar." Cookie lacht und stößt Sean leicht mit der Schulter an. "Mach dir keine Sorgen."

"Mach ich aber", sagt Sean und dann leiser: "In Berlin ist dir das nie passiert."

"Stimmt", sagt Cookie. Er reißt die Augen auf und Sean kann förmlich sehen, wie er im Kopf all ihre gemeinsamen Tage durchgeht. Er ist damals nicht ein einziges Mal unabsichtlich teleportiert.

"Du bist in meiner Wohnung aufgetaucht und als ich dich angesprochen und mit dem Feuerlöscher bedroht habe, bist du nicht geblitzt." Sean räuspert sich und vergräbt die Hände in den Taschen, denn er fühlt den trägen Eisschollenfluss, den er statt Blut im Körper hat, langsam schneller werden.

Er hat Angst um Cookie. Und Cookie lacht wie immer und legt den Kopf schief und schüttelt sich, als sei es überhaupt nicht schlimm, dass er stundenlang barfuß durch fremde Orte spazieren muss.

"Ich weiß auch nicht, warum ich manchmal wegblitze. Es passiert einfach, wie bei den anderen auch." Er macht eine ungenaue Bewegung hinüber zu dem riesigen Brandfleck, den Takuya an der Decke hinterlassen hat, als er sich beim Kochen in den Finger geschnitten hatte. "Ich bringe niemanden in Gefahr."

"Doch, dich selbst", murmelt Sean und kaum hat er das gesagt, walzt Eis aus seinen Fingern und breitet sich in seinen Taschen aus. Er schämt sich, so, als hätte vor aller Augen in die Hose gemacht, auch wenn niemand es mitbekommen hat, nicht mal Cookie, der neben ihm steht und ihm nur einen halb sanften, halb spöttischen Blick zuwirft.

"Was soll mir schon passieren?", sagt er leise. "Wenn es brenzlig wird, hau ich ab. So wie immer." Er zwinkert Sean zu und gesellt sich dann zu den anderen, die mittlerweile alle den Fisch anschreien und ihn durch die Luft schwenken wie ein Lichtschwert.

"So wie immer", wiederholt Sean, ton- und kraftlos, und bleibt zurück mit kalten Beinen und tauben Fingern.



Zwei Wochen später klingelt mitten in der Nacht Seans Handy. Er hat noch nicht geschlafen und nur im Dunkeln am Fenster gegessen und hinaus gestarrt, doch er schreckt trotzdem zusammen und überzieht die Scheibe mit zentimeterdicken Eisblumen.

"Scheiße", flucht er und sucht in wilder Panik nach seinem Headset, das Marike ihm geschenkt hat, damit er sein Handy so wenig wie möglich berühren muss, denn Eisfinger und Touchscreens vertragen sich nicht so gut (und ein Headset kostet zumindest weniger als ein Handy).

Es liegt auf dem Nachttisch, so wie immer, aber Sean findet es in der Stockfinsternis nicht sofort und als er es endlich einschalten und aufsetzen kann, rast sein Herz so sehr, dass er dem Anrufer am liebsten entgegen schreien würde, dass er zurückruft, weil er sich erst mal von dem Schreck, einen Anruf bekommen zu haben, erholen muss.

Macht er aber nicht. Denn das erste was er nach seinem gekeuchten "Hallo?!" hört, ist Rauschen, Donner und ein ganz weit entferntes, schwaches Stimmchen, das fragt

"Sean?"

"Wer ist…", setzt Sean an, doch mitten im Wort steigt ein Bild von Cookies verlassenem Bett vor ihm auf, so klar, als hätte er soeben dessen Zimmertür aufgestoßen.

"Cookie. Wo steckst du?", fragt er. Seine Stimme zittert noch mehr als seine Hände und er krallt die Hände in seinen Wollpulli. Frost kriecht bis zu seinem Hals herauf, doch es schert ihn nicht.

"Ich weiß es nicht", sagt Cookie. "Ich steh auf einer Klippe und hier ist ein Ufer, aber ich kann nicht mal erkennen, ob das ein kleines Meer oder nur ein sehr großer See ist."

Ein gewaltiger Donnerschlag zerreißt ihr Gespräch und Cookie schreit auf, dass Seans Herz einen Schlag aussetzt.

"Komm wieder her!", brüllt er in sein Mikro. "Komm zu mir!"

"Ich kann nicht", schreit Cookie zurück. Die Verbindung wird mit jeder Sekunde schlechter, das Rauschen nimmt zu, bis Sean das Gefühl hat, dass den Regen aus dem Kopfhörer sprüht. "Ich kann nicht teleportieren, wenn ich nicht weiß, wo ich bin!"
Sean ballt die Faust und schießt voller Absicht einen Eiszapfen quer durchs ganze Zimmer.

Cookie hat ihnen nie viel darüber erzählt, wie seine Fähigkeiten funktionieren, doch sie haben immerhin rausgefunden, dass er nur teleportieren kann, wenn er eine ganz genaue Vorstellung von Start- und Zielpunkt hat. Er muss wissen, wo auf der Erde er sich befindet, weswegen er ständig einen riesigen, uralten zerfledderten und mottenzerfressenen Atlas in seinem Rucksack rumgeschleppt hat, weil Papier zumindest nicht von der Netzabdeckung im brasilianischen Dschungel abhängig ist.

Aber seit sie zusammen hier wohnen schläft Cookie nicht mehr mit seinem Rucksack auf dem Rücken, weswegen er jetzt irgendwo an einem See-Meer steht und Sean am liebsten nach Hilfe schreien würde.

"Ich kann nicht mal hier weg", sagt Cookie. "Ich sehe nichts, es ist alles schwarz und ich habe Angst, abzustürzen, wenn ich mich bewege."

"Scheiße."

Sean starrt auf seine nutzlosen Hände, zwischen deren Fingern sich Eiskrusten gebildet haben.

"Ich musste dich anrufen." Cookie ist kaum zu verstehen, obwohl er wahrscheinlich gegen einen Gewittersturm anbrüllt. Er klingt, als würde er sich entschuldigen wollen, dafür, dass er einen Unfall hatte. "Ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte."

Ein entsetzliches Gefühl durchströmt Sean, ein Mix aus Hitze, Liebe und totaler Ohnmacht, der gegen das Eis in seiner Brust ballert wie ein Presslufthammer.

Oh Gott.

"Geh so weit es geht vom Rand weg", sagt Sean.

Seine Gefühle sind scheißegal. Er muss Cookie retten, irgendwie.

"Hinter mir ist ein Wald", erwidert Cookie. "Ich dachte, man darf bei Gewittern nicht unter Bäumen stehen."

"Verbrennungen überlebt man eher als einen Genickbruch."

"Stimmt."

Die Geräusche nehmen zu, er hört Cookie keuchen, es knackt und rauscht und Sean überlegt verzweifelt, wie er ihn orten kann ohne beim Geheimdienst anrufen zu müssen.

"Siehst du irgendwelche Schilder? Oder Straßen?"

"Nein. Ich weiß aber nicht, ob es an der Dunkelheit liegt oder daran dass hier nichts ist."

"Es gibt kein Nichts am Meer. Wo Meere sind, sind Menschen."

"Das ist aber philosophisch."

"Halt die Klappe und lauf weiter."

Sean kann ihn lachen hören, über Gewitter und das Rauschen in der Verbindung hinweg.
Ihm fällt ein Eisklotz vom Herzen, auch wenn er weiß, dass es für Erleichterung zu früh ist.

Sie sprechen fast eine Stunde lang miteinander. Ihre Verbindung hängt am seidenen, vollgeregneten Faden, aber sie hält und nach einer Weile verzieht sich sogar das Gewitter.

"Die Sonne geht auf", sagt Cookie.

Sean sieht aus dem Fenster und auf die Uhr: vier Uhr früh bei ihm, und die Sonne rührt sich nicht.

"Das bringt mir nicht viel", seufzt er. "Du könntest auf der anderen Hälfte der Erde sein und ich würde es nicht merken."

"Hey, aber in der Sonne seh ich mehr. Ich kann erkennen, wo ich hinlaufe und bin bald zuhause."

"Okay."

"Wärs nicht total lustig, wenn ich die ganze Zeit in unserem Garten gewesen wäre?"

"Es wäre total bescheuert und ich würde dich umbringen", murmelt Sean. Cookie lacht schon wieder, aber dann fängt er an zu husten und zu niesen.

"Geht’s dir gut? Cookie!"

"Ja. Ich hab mir nur eine fiese Erkältung eingefangen. Ich muss mir abgewöhnen nackt zu schlafen."

"Du schläfst nackt?" Vielleicht ist jetzt nicht die beste Zeit, um Cookie diese Frage zu stellen, wenn sie nicht wissen, wo er steckt und er offensichtlich krank ist und Sean spürt, wie er errötet.

"Nee, ich hab Unterwäsche an. Aber sonst nicht viel. Hoffentlich erschreckt sich nicht irgendein Eichhörnchen, oder was auch immer hier heimisch ist."

"Du bist so peinlich." Er kann es nicht fassen. Cookie quatscht mit ihm, als sei Sonntagnachmittag und sie beide auf dem gleichen Kontinent in gesitteten Jobs untergebracht. Von seiner Panik ist nichts mehr zu spüren und Sean fragt sich, nicht zum ersten Mal, wie Cookie solche Situationen so gut wegstecken kann. Sean kann Leuten ja nicht einmal die Hand geben, ohne sich mindestens eine Viertelstunde darauf vorzubereiten, und Cookie wacht nackt am Meer auf und lacht und reißt anzügliche Witze mit Eichhörnchen.

"Oh, ich glaube, da vorn ist eine Straße", sagt Cookie auf einmal. "Ich bin bald zuhause, okay? Oder im Knast. Dann ruf ich aber nochmal an."

"Mach das."

Und dann legt Cookie auf und Sean bleibt völlig erschöpft in seinem Zimmer sitzen. Er kann nichts machen, außer warten, wie er in Berlin gewartet hat, eingeschlossen in Eis und Einsamkeit.

Er könnte rausgehen und Marike wecken. Ihr sagen, was geschehen ist, weil Marike sowas wissen will, weil sie sowas wissen müssen, um schlimmere Unfälle zu verhindern.

Aber Sean kann sich noch nicht bewegen.

Cookie hat ihn angerufen, weil er nicht mehr heimkam, weil er mitten in der Nacht an Orten aufgetaucht ist, die ihn fast umgebracht hätten.

Sean spürt sein Herz schlagen und als er sich endlich umsieht, stellt er fest, dass er sein ganzes Zimmer verwüstet hat. Eiszapfen schießen wie schräge Wurzeln aus allen Ecken, seine Decke ist ein Brett aus starrem Frost und vor seiner Tür hat sich eine Schneewehe gebildet.

Er hat es nicht einmal bemerkt, weil er nur an Cookie gedacht hat, der die Türen in ihm aufstößt und alles rausreißt, was er eingesperrt lassen möchte.

"Komm heim", flüstert Sean in sein Mikro, obwohl Cookie natürlich längst aufgelegt. "Komm heim und dann sorgen wir dafür, dass du auch hier bleibst."

Eine Sekunde später fängt Sean an zu heulen.

Date: 2016-09-30 01:09 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
Du, meine Liebe, hast eine merkwürdige Vorstellung von Crack. Dermaßen merkwürdig.
Sie sind so süß. Und es macht nur ein klitzekleines bisschen traurig.

Date: 2016-10-01 03:45 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Die anzüglichen Witze mit den Eichhörnchen waren schon lustig :D

Der Rest allerdings ... *schluck*

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Die Uhr läuft ... jetzt!

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