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Team: Slytherin
Challenge: JOKER (Fantasy/Mystery) – „Was hast du dir dabei gedacht?“ (für mich) (Sommer-Challenge 2013 – Aussagen/Sätze)
Fandom: Original
Inhalt: Bethany sieht langsam ein, dass sie sich ihrem Schicksal zu stellen hat.
Anmerkung: Teil 5 von 7


(Teil 1) - (Teil 2) - (Teil 3) - (Teil 4)



Es stellte sich heraus, dass Olivia zu der Art Verwandten gehörte, die wohl jeder in seiner Familie hatte.

Schräg, sonderbar, immer nach Lavendel riechend und jederzeit eine Prophezeiung griffbereit.

Bei Olivia hingegen stellten sich die Voraussagen offenbar als wahr heraus. Ob sie nun Monate vorher prophezeite, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten (wer auch immer diese Person sein mochte??) in einen sexuellen Skandal verwickeln würde, über den man noch Jahrzehnte später sprach, oder ob sie erklärte, dass ihr Sohn einen chronischen Schlucklauf entwickeln und für fünf Monate hicksend durch die Gegend wandeln würde, niedergeschlagen und hundsmiserabel, bis sie endlich die Hexe fänden, die den armen Kerl vorher verflucht hatte – es schien wohl letztens Endes alles Realität zu werden.

Wirklich faszinierend.

Es passierte recht selten, dass man übernatürliche Wesen menschlichen Ursprungs fand, die sich in einem solchen Einklang mit den Schwingungen der Zeit befanden. Es war eine sehr seltene Gabe (und wahrscheinlich auch eine recht frustrierende – ständig die Zukunft sehen und doch nichts daran ändern zu können) und ich grübelte bereits, ob ich sie nach der Geburtstagsparty nicht einfach mal eben schnell in die Hölle entführen und sie meiner neugierigen Mutter für intensive Experimente zur Verfügung stellen sollte.

Es war schon viel zu lange her, dass ich Tyaria ein nettes Geschenk vorbeigebracht hatte.

„Du weißt also seit dem Tag meiner Geburt, dass ich heute sterben werde?“, zischelte Bethany, sich die Haare raufend. „Und du bist nie auf den Gedanken gekommen, mir vielleicht mal Bescheid zu sagen? Was hast du dir dabei gedacht?“

„Wie ich bereits sagte --“, begann Olivia, wurde aber sogleich wieder von einer äußerst ungeduldigen Bethany unterbrochen: „Ja, ja, das Schicksal ist nicht mehr zu ändern, bla bla bla. Trotzdem wäre es nett gewesen, es zu wissen!“

„Meine süße Bethany, es hat mich wirklich innerlich zerrissen --“

„Oh ja, die Kuchenkrümel an deinem Mund zeigen sehr deutlich, wie erschüttert du bist!“, entgegnete Bethany aufgebracht. „Hast du auch vorsorglich ein paar Taschentücher mitgebracht, um hinterher angemessen trauern zu können?“

Olivia wirkte nicht einmal ansatzweise vor den Kopf gestoßen. Stattdessen tätschelte sie den Arm ihrer Nichte, murmelte etwas für mich Unverständliches und sagte schließlich, an mich gewandt: „Pass bitte gut auf sie auf.“

Und mit diesen Worten trippelte sie in Richtung Buffet davon.

Bethany starrte ihr hinterher, ihre Augen zu engen Schlitzen zusammengepresst, und sie schien sich nicht ganz sicher zu sein, ob sie vor Wut schreien und randalieren oder lieber weinen und zusammenbrechen sollte. Auf jeden Fall waren ihre Emotionen derart aufgewühlt, dass es selbst mir, die ein paar Schritte von ihr entfernt stand, beinahe die Luft zuschnürte.

„Sieh es positiv“, meinte ich. „Die wenigsten kennen den Zeitpunkt ihres Todes. Und deine schrullige Tante hat Recht, du hast nun die nächsten“, ich warf einen raschen Blick auf die nächstgelegene Uhr, „zwei Stunden die Gelegenheit, all das zu tun, was du dir immer verkniffen hast. Iss die ungesündesten Sachen, die du finden kannst. Schreie mal so richtig deine Eltern an. Such dir jemanden, mit dem du wilden und hemmungslosen Sex in der Besenkammer haben kannst.“ Ich legte meinen Kopf schief und fügte noch hastig hinzu: „Aber nicht mich.“

Bethany funkelte mich an. „Du bist hier, um mich zu beschützen. Hast du das schon vergessen?“

Ich verdrehte meine Augen.

Teufel vergaßen nie etwas.

„Dem bin ich mir absolut bewusst“, stellte ich klar. „Und ich werde mich auf jeden Fall an unseren Deal halten, sei dir dessen gewiss. Sollte also jetzt ein Yeti durch die Tür stürmen und sich auf dich stürzen wollen, werde ich ihn auf jeden Fall daran hindern.“

Das würde wenigstens diese dumme Feier mal etwas in Schwung bringen.

„Und womöglich passiert rein gar nichts“, fuhr ich fort. „Wahrsagerei ist eine unzuverlässige Kunst und auch wenn deine entzückenden Karten und deine merkwürdige Tante unabhängig voneinander dasselbe von sich geben, muss es noch lange nicht wahr sein.“

Auch wenn es relativ unwahrscheinlich war. Eine Quelle mochte unter Umständen falschliegen, aber gleich zwei unterschiedliche? Das konnte man kaum als Zufall bezeichnen.

Und das Schicksal war niemals aufzuhalten.

Tja, dann würde Bethany wohl wirklich heute Abend den Löffel abgeben.

Hoffentlich würde es tatsächlich so schön grausam und blutig vonstatten gehen wie versprochen.

„Und was mache ich jetzt?“, fragte Bethany, plötzlich ziemlich kleinlaut und unsicher. Sie beobachtete ihre Tante, die sich fröhlich summend den Teller volllud und offenbar nicht das Bedürfnis verspürte, in tiefe Depressionen zu verfallen, und ich wunderte mich unweigerlich, wie wohl der Rest der Familie reagieren würde. Würden sich ein paar vielleicht sogar freuen, weil dann das riesige Vermögen von Bethanys Eltern an sie übergehen würde?

Irgendwie ein trauriger Gedanke.

Meine eigene Familie war zwar eine reinste Katastrophe, selbst bei Höllenstandards, aber wenigstens hatten wir uns doch alle ein kleines bisschen gern.

Zumindest genug, um bei solch einem Ereignis tatsächlich ein paar Taschentücher mitzubringen.

„Rasia?“

Ich blickte auf. „Ja?“

Bethany biss sich auf die Unterlippe. „Lass uns die Weinflaschen jetzt zerstören!“

Ich konnte mich eines Grinsens nicht erwehren. „Und was ist mit dem Kronleuchter? Ich könnte ihn auf die Köpfe der Gäste donnern lassen.“

Bethany zögerte und sah auf die gelassen schnatternde und sich hemmungslos betrinkende Ansammlung an Menschen, die ihr zum Großteil wahrscheinlich gar nicht mal bekannt war.

„Vielleicht später.“

Ich lächelte zufrieden.

Ja, mein Einfluss auf das Mädchen war nicht gerade der beste.

Und irgendwie konnte ich mich nicht dazu aufraffen, dass auch nur ansatzweise zu bereuen.


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Date: 2016-09-29 03:53 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Ich hab noch kein Wort gelesen, aber ich wollte dir nur sagen, dass ich mich WIRKLICH drauf freue, nach dem Endkampf-Fieber und meiner doofen nächsten Arbeitswoche, endlich Zeit zu haben, hier alle Teile MIT GEBÜHRENDER AUFMERKSAMKEIT ZU LESEN, denn der allererste hat es mir SO SEHR angetan, echt, ich liebe die Idee und die Charas UND ICH FREU MICH HART DRAUF <33333333

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