H/C - Bist du nicht müde - fürs Team
Sep. 29th, 2016 06:41 amTeam: Hufflepuff
Challenge: H/C – Bist du nicht müde– fürs Team
Fandom: Gas Monkey
Titel: Er kann es
Inhalt: Jason ist gestresst und Mike muntert ihn auf.
Anmerkung: Zwei weitere aus der Gas-Monkey –Truppe, die ich unfassbar sehr liebe. Wer noch nie eine Gas Monkey Folge geschaut hat, dem empfehle ich dieses Interview mit Jason. Allein für Dennis' Schulterpolster.
Er kann es
"Mike, komm mal."
"Ich hab zu tun."
"Du hast Pause und mampfst einen Speckburger."
"Sag ich doch."
Dustin verdreht die Augen und Mike lacht.
Klar könnte er rübergehen. Er sitzt ja eh in der Werkstatt, weil seine Pause genau so lang ist wie dieses Brötchen mit Fleisch drauf, aber Mike hat gelernt, dass, wenn man sich hier die Finger an der Hose abwischt und fragt "Ja, was ist?", schneller ein Schweißgerät in der Hand hält als einem lieb ist.
Mike hat also alle halber-Burger-Zeit der Welt, beschließt er.
Er hat nur nicht mit Dustin gerechnet, der tatsächlich bis auf eine Metallstange alles fallen lässt und zu Mike hinüber gewatschelt kommt.
"Junge, ich sags dir gern auch nochmal von Nahem, aber ich bewege mich erst, wenn Richard ein Auto kauft, das nicht völlig durchgerostet ist."
"So viel Zeit hab ich nicht", erwidert Dustin und lässt sich neben Mike auf die Bank fallen. "Jetzt guck doch mal."
Mike guckt - und sieht das gleiche wie seit drei Wochen: im vorderen Teil der Werkstatt stehen zwei Pontiac Firebirds, die ihre Eingeweide überall hingespuckt haben und ihnen allen gehörig auf die Nerven gehen.
Inmitten dieser chaotischen Blech- und Schraubenlandschaft flitzt Jason wie ein nervöses Eichhörnchen von A nach B, wühlt in Kisten, sortiert Kabel und wenn seine rotgeäderten Augen irgendwelche Schlüsse zulassen, dann zählt er die Stunden, die er in den letzten Wochen geschlafen hat mit negativem Vorzeichen.
Jason ist der Neue. Richard hat ihn extra eingestellt, weil er jemanden brauchte, der sich mit der Restauration von Pontiacs auskennt (und Aaron beim Wort "Restauration" die Augen verdreht und geschmollt hat).
Es ist nie schön, in ein etabliertes Team zu kommen und dann alle für einen Job anleiten zu müssen, den niemand kann und auf den niemand Lust hat, bis auf Richards Geldbeutel.
Jason schlägt sich tapfer, wie Mike findet. Er versteht sein Handwerk und packt genauso gut mit an wie alle anderen und wenn ihn diese Pontiac-Restauration nicht ins Grab bringt, dann hat er mit Sicherheit eine große Karriere vor sich.
Das einzige, was ihm fehlt, ist Humor.
"Ich hab keine Ahnung, was du meinst", sagt Mike und beißt in seinen Burger.
Dustin verdreht die Augen. "Du weißt genau was ich meine." Er grinst wie der verkappte Kobold, der er ist und zeigt dann auf Jason, der mittlerweile stehen geblieben ist und zitternd Luft holt.
Wahrscheinlich hat er kurz den Überblick verloren. Passiert schon mal. Mike weiß das, denn wenn du lange genug auf auszuwuchtende Kotflügel schaust, schauen sie irgendwann zurück und gackern.
Dann muss man kurz einen Schritt zurück treten, Luft holen und zehn Minuten was anderes machen (egal wie sehr Richard faucht, weil sie alle Zeit und Geld verschwenden).
Jason hingegen überbrückt diese zehn Minuten, indem er sich noch mehr Stress macht als sowieso schon, alles dreimal in die Hand nimmt und wenn dann noch Aaron kommt, sich eine Sekunde lang alles anschaut und mit einem einzigen Wort die Lösung des Problems präsentiert, wird Jason bleich, fängt an zu stottern und die zehn Minuten verlängern sich auf eine halbe Stunde, in denen er seufzt und verschreckt aus der Wäsche guckt.
Es ist zum Steinerweichen.
Dustin dreht die Metallstange hin und her, klopft sie rhythmisch auf seinen Oberschenkel und summt ein Liedchen dazu.
Alle in dieser Werkstatt müssen dringend schlafen.
"Du musst dringend mit Jason reden", sagt Dustin. "Ich ertrage diesen traurigen Anblick nämlich nicht mehr."
"So schlecht sieht er nicht aus", antwortet Mike und Dustin lacht tatsächlich.
"Aus deiner Perspektive sind wir alle Topmodels, das weiß ich. Aber trotzdem. Er ist einer von den Guten. Wär doch schade, wenn er geht. Ich mag ihn. Und du magst ihn auch."
"Hm", sagt Mike.
"Also machst dus? Mit ihm reden? Ihn aufmuntern?"
Mike hat genau zwei Sekunden Zeit bevor Dustin anfängt, ihn mit der Metallstange zu pieksen.
"Ist ja gut! Ich red mit ihm, lass mich endlich in Ruhe!"
Dustin grinst, als hätte Mike versprochen, dass er seinen Brief an den Weihnachtsmann persönlich abgibt und gerade als er den Mund aufmacht - wahrscheinlich um seinen Sieg so richtig schön auszukosten - taucht Richard vor ihnen auf und flucht und schreit und zetert.
Scheißpontiacs.
Er erwischt Jason nach ihrem erzwungenen Feierabend um kurz vor Mitternacht. Es fehlen mal wieder Teile und die Pontiac-Zombies werden eine weitere Nacht rumstehen und alle um den Schlaf bringen.
Jason lehnt neben dem weißen Rolltor an der Wand und sieht aus wie ein Blümchen, auf das jemand draufgetreten ist. Richard hatte ihn fünf Minuten vor Schluss nochmal ins Büro geordert, was einem schon an guten Tagen die Laune verderben kann.
Das ist wirklich kein schöner Anblick, denkt Mike, dann seufzt er und lehnt sich neben Jason.
"Langer Tag, was?"
"Hm", macht Jason. Dann schreckt er auf und reißt den Kopf herum, doch als er sieht, wer da mit ihm redet, fällt er wieder in sich zusammen und gegen das Tor.
"Hi. Ja. War etwas umfangreicher als gedacht", murmelt Jason und ringt sich ein bröseliges Lächeln ab. "Es wird bestimmt besser werden."
"Hm", sagt Mike. "Oder du kippst übermorgen aus den Latschen."
"Danke für dein unerschütterliches Vertrauen in meine Fähigkeiten", erwidert Jason tonlos und dann hört er sogar auf zu lächeln, als hätte ihn dieser dämliche Spruch tatsächlich tief getroffen.
Mike tut es leid, doch bevor er noch etwas sagen kann, hebt Jason den Kopf und schaut dem Logo auf dem Werkstatttor in die toten Affenaugen.
"Ich werde nach dem Pontiac-Projekt gehen."
Er sagt es so beiläufig, als trage er diese Entscheidung schon seit Wochen mit sich herum (so lange arbeitet er hier noch nicht mal) und Mike sollte nicht überrascht sein, genau deswegen wollte er doch mit ihm reden. Jason klappt den Mund wieder zu und schüttelt kurz den Kopf. Er wollte das wahrscheinlich gar nicht erzählen.
Aber es fühlt sich trotzdem zum Kotzen an.
"So'n Scheiß", sagt Mike. "Warum das denn?"
Jason reißt den Kopf herum und schaut ihn verblüfft an. "Weil mir der Stress zu viel wird? Ich dachte, das sei ziemlich offensichtlich."
"Wir sind alle gestresst", erklärt Mike.
"Ja. Aber ich stecke es nicht so gut weg wie ihr." Jasons Lächeln wird schief und tut weh.
"Hast du es dir anders vorgestellt?" Mike rückt seine Brille zurecht und wenn er einen Notizblock hätte, würde er den zücken und Jason auf irgendeine Couch setzen. Jason blinzelt, als ginge ihm ein ähnliches Bild durch den Kopf.
"Nein", sagt er nach einer Weile. "Richard meinte, dass der Zeitrahmen meistens unmöglich und manchmal absolut lächerlich ist. Ich hab ein paar Folgen der Sendung geguckt."
"Immerhin", sagt Mike und dann muss er grinsen, weil Jason in Erinnerungen zu schwelgen scheint. Richard hats ihm angetan, wie so vielen (Mike eingeschlossen sonst wär er nicht hier).
"Was ist es dann? Das Filmteam?"
Hier kommt Jasons Antwort wie aus der Pistole geschossen. "Nein! Die sind großartig!" Er verschluckt sich fast, so eilig hat er es und Mike hätte sich auch gewundert wenn es anders gewesen wäre. Jason ist klasse vor der Kamera. Er grinst und kann seinen Text aufsagen, ohne alle fünf Sekunden zu stocken, was mehr ist als Mike am Anfang konnte und alle finden ihn rundherum sympathisch.
Mike kapiert es also nicht.
"Wo liegt dein Problem, Jason?", fragt er nochmal. "Die Arbeit ist stressig, aber glaub mir, wenn ich dir sage, dass es auch mal ruhiger wird und wir auch Zeit für Blödsinn haben und…"
Mike merkt erst zu spät, dass er Jason mit seiner Rede buchstäblich in die Ecke gedrängt hat, denn Jason ballt auf einmal die Fäuste und schlägt gegen das Rolltor.
Es scheppert als hätte er einen der Pontiacs dagegen gefahren und Mike ist froh, dass sie keine direkten Nachbarn haben.
Jason starrt auf seine Faust, dann in Mikes Gesicht - und sackt dann wieder gefühlt einen Meter in sich zusammen.
Wow, denkt Mike. Das ist das meiste an Gefühl, was er je von ihm gesehen hat. Er hofft, dass er
"Ich bin nicht so gut wie ich sein muss", murmelt Jason da.
"Was?"
"Ich bin nicht gut genug." Sein Gesicht verkrampft, als würde er sich mit den Worten die Zähne ziehen. "Das ist mein Problem. Deshalb will ich nicht bleiben."
Mike blinzelt und wartet darauf, dass Jason noch irgendetwas anderes erklärt, zum Beispiel, was zur Hölle er meint, doch er wartet vergeblich. Jason bleibt festgefroren stehen und wagt es nicht mehr, den Blick zu heben.
"Du hast doch nicht mehr alle Latten am Zaun", murmelt Mike, doch weil er ein lieber guter Mensch ist, räuspert er sich und sagt: "Du lieferst gute Arbeit ab, das muss dir doch klar sein, sonst wärst du nicht mehr hier. Wenn wir was versauen, dann versauen wir es alle zusammen."
"Ja", sagt Jason. Es hört sich an wie Verarschen kann ich mich selbst.
"Aber?"
"Ich bin nicht so gut wie Aaron."
Dieses letzte Geständnis dreht dem Licht in Jasons Augen endgültig den Saft ab (das, und die Werkstattbeleuchtung ist soeben in den nächtlichen Sparmodus gewechselt, weil es viel zu spät und viel zu kalt ist und sie immer noch hier draußen stehen) und er schaut völlig unglücklich und verschämt auf den Boden.
Aber immerhin weiß Mike jetzt, was los ist und kann entsprechend reagieren.
Indem er laut und heftig lacht.
"Jason. Niemand ist so gut wie Aaron", sagt er und japst nach Luft. "Heilige Scheiße, wenn wir alle so gut wären wie Aaron gäbs zehn Werkstätten wie unsere!"
Jason sieht nicht beruhigt aus, im Gegenteil, er wird puterrot und verschränkt die Arme vor der Brust. "Aber…"
"Nichts aber", sagt Mike. "Erwartest du etwa von mir, dass ich so gut bin wie Aaron?"
"Natürlich nicht!"
"Oh, und warum nicht? Kann ich das etwa in deinen Augen nicht?"
"Ich… das meinte ich nicht…"
"Sondern? Warum erwartest du das nur von dir? Mach doch einfach deine Arbeit, dafür bist du hier! Richard hat dich eingestellt, weil Aaron keine Ahnung vom Restaurieren hat, hast du das schon vergessen?"
"Er kann es aber!", brüllt Jason. "Er sieht mit einem Blick, wofür ich zwei Tage brauche!"
"Ja, aber er hat keinen Nerv und keine Geduld dafür!", brüllt Mike zurück. "Deswegen brauchen wir dich!"
Jason macht den Mund auf, klappt ihn wieder zu, setzt nochmal an, aber ihm fällt offensichtlich nichts mehr ein. Mike atmet aus, erleichtert und völlig und total erledigt. Scheißpontiacs, Scheißangst und Scheißaaron, der Leute nervös macht, ohne es zu merken oder es überhaupt zu wollen, Scheißjason, der viel zu nett und zu bemüht für alles ist und Scheißdustin, der Mike zu dieser Nummer hier überredet hat, weil er weiß, dass Mike ein großes Herz hat.
"Ich… tut mir Leid", sagt Jason da. Er wringt die Hände und scheint am allerliebsten weglaufen zu wollen. "Ich wollte dich nicht anschreien."
"Ich dich schon", antwortet Mike, doch er grinst und Jason lächelt Gott sei Dank zurück.
"Wir sollten nach Hause gehen."
"Lohnt nicht mehr", sagt Mike. "Kommst du mit zum Burgerladen? Die machen erstaunlich guten Kaffee."
"Oh, ich weiß nicht, vielleicht sollte ich…"
"Jason."
"Ich äh… natürlich komme ich mit."
"Hervorragend."
Und ab da hört Mike nie wieder ein ernstgemeintes Wort über die Kündigung.
Challenge: H/C – Bist du nicht müde– fürs Team
Fandom: Gas Monkey
Titel: Er kann es
Inhalt: Jason ist gestresst und Mike muntert ihn auf.
Anmerkung: Zwei weitere aus der Gas-Monkey –Truppe, die ich unfassbar sehr liebe. Wer noch nie eine Gas Monkey Folge geschaut hat, dem empfehle ich dieses Interview mit Jason. Allein für Dennis' Schulterpolster.
Er kann es
"Mike, komm mal."
"Ich hab zu tun."
"Du hast Pause und mampfst einen Speckburger."
"Sag ich doch."
Dustin verdreht die Augen und Mike lacht.
Klar könnte er rübergehen. Er sitzt ja eh in der Werkstatt, weil seine Pause genau so lang ist wie dieses Brötchen mit Fleisch drauf, aber Mike hat gelernt, dass, wenn man sich hier die Finger an der Hose abwischt und fragt "Ja, was ist?", schneller ein Schweißgerät in der Hand hält als einem lieb ist.
Mike hat also alle halber-Burger-Zeit der Welt, beschließt er.
Er hat nur nicht mit Dustin gerechnet, der tatsächlich bis auf eine Metallstange alles fallen lässt und zu Mike hinüber gewatschelt kommt.
"Junge, ich sags dir gern auch nochmal von Nahem, aber ich bewege mich erst, wenn Richard ein Auto kauft, das nicht völlig durchgerostet ist."
"So viel Zeit hab ich nicht", erwidert Dustin und lässt sich neben Mike auf die Bank fallen. "Jetzt guck doch mal."
Mike guckt - und sieht das gleiche wie seit drei Wochen: im vorderen Teil der Werkstatt stehen zwei Pontiac Firebirds, die ihre Eingeweide überall hingespuckt haben und ihnen allen gehörig auf die Nerven gehen.
Inmitten dieser chaotischen Blech- und Schraubenlandschaft flitzt Jason wie ein nervöses Eichhörnchen von A nach B, wühlt in Kisten, sortiert Kabel und wenn seine rotgeäderten Augen irgendwelche Schlüsse zulassen, dann zählt er die Stunden, die er in den letzten Wochen geschlafen hat mit negativem Vorzeichen.
Jason ist der Neue. Richard hat ihn extra eingestellt, weil er jemanden brauchte, der sich mit der Restauration von Pontiacs auskennt (und Aaron beim Wort "Restauration" die Augen verdreht und geschmollt hat).
Es ist nie schön, in ein etabliertes Team zu kommen und dann alle für einen Job anleiten zu müssen, den niemand kann und auf den niemand Lust hat, bis auf Richards Geldbeutel.
Jason schlägt sich tapfer, wie Mike findet. Er versteht sein Handwerk und packt genauso gut mit an wie alle anderen und wenn ihn diese Pontiac-Restauration nicht ins Grab bringt, dann hat er mit Sicherheit eine große Karriere vor sich.
Das einzige, was ihm fehlt, ist Humor.
"Ich hab keine Ahnung, was du meinst", sagt Mike und beißt in seinen Burger.
Dustin verdreht die Augen. "Du weißt genau was ich meine." Er grinst wie der verkappte Kobold, der er ist und zeigt dann auf Jason, der mittlerweile stehen geblieben ist und zitternd Luft holt.
Wahrscheinlich hat er kurz den Überblick verloren. Passiert schon mal. Mike weiß das, denn wenn du lange genug auf auszuwuchtende Kotflügel schaust, schauen sie irgendwann zurück und gackern.
Dann muss man kurz einen Schritt zurück treten, Luft holen und zehn Minuten was anderes machen (egal wie sehr Richard faucht, weil sie alle Zeit und Geld verschwenden).
Jason hingegen überbrückt diese zehn Minuten, indem er sich noch mehr Stress macht als sowieso schon, alles dreimal in die Hand nimmt und wenn dann noch Aaron kommt, sich eine Sekunde lang alles anschaut und mit einem einzigen Wort die Lösung des Problems präsentiert, wird Jason bleich, fängt an zu stottern und die zehn Minuten verlängern sich auf eine halbe Stunde, in denen er seufzt und verschreckt aus der Wäsche guckt.
Es ist zum Steinerweichen.
Dustin dreht die Metallstange hin und her, klopft sie rhythmisch auf seinen Oberschenkel und summt ein Liedchen dazu.
Alle in dieser Werkstatt müssen dringend schlafen.
"Du musst dringend mit Jason reden", sagt Dustin. "Ich ertrage diesen traurigen Anblick nämlich nicht mehr."
"So schlecht sieht er nicht aus", antwortet Mike und Dustin lacht tatsächlich.
"Aus deiner Perspektive sind wir alle Topmodels, das weiß ich. Aber trotzdem. Er ist einer von den Guten. Wär doch schade, wenn er geht. Ich mag ihn. Und du magst ihn auch."
"Hm", sagt Mike.
"Also machst dus? Mit ihm reden? Ihn aufmuntern?"
Mike hat genau zwei Sekunden Zeit bevor Dustin anfängt, ihn mit der Metallstange zu pieksen.
"Ist ja gut! Ich red mit ihm, lass mich endlich in Ruhe!"
Dustin grinst, als hätte Mike versprochen, dass er seinen Brief an den Weihnachtsmann persönlich abgibt und gerade als er den Mund aufmacht - wahrscheinlich um seinen Sieg so richtig schön auszukosten - taucht Richard vor ihnen auf und flucht und schreit und zetert.
Scheißpontiacs.
Er erwischt Jason nach ihrem erzwungenen Feierabend um kurz vor Mitternacht. Es fehlen mal wieder Teile und die Pontiac-Zombies werden eine weitere Nacht rumstehen und alle um den Schlaf bringen.
Jason lehnt neben dem weißen Rolltor an der Wand und sieht aus wie ein Blümchen, auf das jemand draufgetreten ist. Richard hatte ihn fünf Minuten vor Schluss nochmal ins Büro geordert, was einem schon an guten Tagen die Laune verderben kann.
Das ist wirklich kein schöner Anblick, denkt Mike, dann seufzt er und lehnt sich neben Jason.
"Langer Tag, was?"
"Hm", macht Jason. Dann schreckt er auf und reißt den Kopf herum, doch als er sieht, wer da mit ihm redet, fällt er wieder in sich zusammen und gegen das Tor.
"Hi. Ja. War etwas umfangreicher als gedacht", murmelt Jason und ringt sich ein bröseliges Lächeln ab. "Es wird bestimmt besser werden."
"Hm", sagt Mike. "Oder du kippst übermorgen aus den Latschen."
"Danke für dein unerschütterliches Vertrauen in meine Fähigkeiten", erwidert Jason tonlos und dann hört er sogar auf zu lächeln, als hätte ihn dieser dämliche Spruch tatsächlich tief getroffen.
Mike tut es leid, doch bevor er noch etwas sagen kann, hebt Jason den Kopf und schaut dem Logo auf dem Werkstatttor in die toten Affenaugen.
"Ich werde nach dem Pontiac-Projekt gehen."
Er sagt es so beiläufig, als trage er diese Entscheidung schon seit Wochen mit sich herum (so lange arbeitet er hier noch nicht mal) und Mike sollte nicht überrascht sein, genau deswegen wollte er doch mit ihm reden. Jason klappt den Mund wieder zu und schüttelt kurz den Kopf. Er wollte das wahrscheinlich gar nicht erzählen.
Aber es fühlt sich trotzdem zum Kotzen an.
"So'n Scheiß", sagt Mike. "Warum das denn?"
Jason reißt den Kopf herum und schaut ihn verblüfft an. "Weil mir der Stress zu viel wird? Ich dachte, das sei ziemlich offensichtlich."
"Wir sind alle gestresst", erklärt Mike.
"Ja. Aber ich stecke es nicht so gut weg wie ihr." Jasons Lächeln wird schief und tut weh.
"Hast du es dir anders vorgestellt?" Mike rückt seine Brille zurecht und wenn er einen Notizblock hätte, würde er den zücken und Jason auf irgendeine Couch setzen. Jason blinzelt, als ginge ihm ein ähnliches Bild durch den Kopf.
"Nein", sagt er nach einer Weile. "Richard meinte, dass der Zeitrahmen meistens unmöglich und manchmal absolut lächerlich ist. Ich hab ein paar Folgen der Sendung geguckt."
"Immerhin", sagt Mike und dann muss er grinsen, weil Jason in Erinnerungen zu schwelgen scheint. Richard hats ihm angetan, wie so vielen (Mike eingeschlossen sonst wär er nicht hier).
"Was ist es dann? Das Filmteam?"
Hier kommt Jasons Antwort wie aus der Pistole geschossen. "Nein! Die sind großartig!" Er verschluckt sich fast, so eilig hat er es und Mike hätte sich auch gewundert wenn es anders gewesen wäre. Jason ist klasse vor der Kamera. Er grinst und kann seinen Text aufsagen, ohne alle fünf Sekunden zu stocken, was mehr ist als Mike am Anfang konnte und alle finden ihn rundherum sympathisch.
Mike kapiert es also nicht.
"Wo liegt dein Problem, Jason?", fragt er nochmal. "Die Arbeit ist stressig, aber glaub mir, wenn ich dir sage, dass es auch mal ruhiger wird und wir auch Zeit für Blödsinn haben und…"
Mike merkt erst zu spät, dass er Jason mit seiner Rede buchstäblich in die Ecke gedrängt hat, denn Jason ballt auf einmal die Fäuste und schlägt gegen das Rolltor.
Es scheppert als hätte er einen der Pontiacs dagegen gefahren und Mike ist froh, dass sie keine direkten Nachbarn haben.
Jason starrt auf seine Faust, dann in Mikes Gesicht - und sackt dann wieder gefühlt einen Meter in sich zusammen.
Wow, denkt Mike. Das ist das meiste an Gefühl, was er je von ihm gesehen hat. Er hofft, dass er
"Ich bin nicht so gut wie ich sein muss", murmelt Jason da.
"Was?"
"Ich bin nicht gut genug." Sein Gesicht verkrampft, als würde er sich mit den Worten die Zähne ziehen. "Das ist mein Problem. Deshalb will ich nicht bleiben."
Mike blinzelt und wartet darauf, dass Jason noch irgendetwas anderes erklärt, zum Beispiel, was zur Hölle er meint, doch er wartet vergeblich. Jason bleibt festgefroren stehen und wagt es nicht mehr, den Blick zu heben.
"Du hast doch nicht mehr alle Latten am Zaun", murmelt Mike, doch weil er ein lieber guter Mensch ist, räuspert er sich und sagt: "Du lieferst gute Arbeit ab, das muss dir doch klar sein, sonst wärst du nicht mehr hier. Wenn wir was versauen, dann versauen wir es alle zusammen."
"Ja", sagt Jason. Es hört sich an wie Verarschen kann ich mich selbst.
"Aber?"
"Ich bin nicht so gut wie Aaron."
Dieses letzte Geständnis dreht dem Licht in Jasons Augen endgültig den Saft ab (das, und die Werkstattbeleuchtung ist soeben in den nächtlichen Sparmodus gewechselt, weil es viel zu spät und viel zu kalt ist und sie immer noch hier draußen stehen) und er schaut völlig unglücklich und verschämt auf den Boden.
Aber immerhin weiß Mike jetzt, was los ist und kann entsprechend reagieren.
Indem er laut und heftig lacht.
"Jason. Niemand ist so gut wie Aaron", sagt er und japst nach Luft. "Heilige Scheiße, wenn wir alle so gut wären wie Aaron gäbs zehn Werkstätten wie unsere!"
Jason sieht nicht beruhigt aus, im Gegenteil, er wird puterrot und verschränkt die Arme vor der Brust. "Aber…"
"Nichts aber", sagt Mike. "Erwartest du etwa von mir, dass ich so gut bin wie Aaron?"
"Natürlich nicht!"
"Oh, und warum nicht? Kann ich das etwa in deinen Augen nicht?"
"Ich… das meinte ich nicht…"
"Sondern? Warum erwartest du das nur von dir? Mach doch einfach deine Arbeit, dafür bist du hier! Richard hat dich eingestellt, weil Aaron keine Ahnung vom Restaurieren hat, hast du das schon vergessen?"
"Er kann es aber!", brüllt Jason. "Er sieht mit einem Blick, wofür ich zwei Tage brauche!"
"Ja, aber er hat keinen Nerv und keine Geduld dafür!", brüllt Mike zurück. "Deswegen brauchen wir dich!"
Jason macht den Mund auf, klappt ihn wieder zu, setzt nochmal an, aber ihm fällt offensichtlich nichts mehr ein. Mike atmet aus, erleichtert und völlig und total erledigt. Scheißpontiacs, Scheißangst und Scheißaaron, der Leute nervös macht, ohne es zu merken oder es überhaupt zu wollen, Scheißjason, der viel zu nett und zu bemüht für alles ist und Scheißdustin, der Mike zu dieser Nummer hier überredet hat, weil er weiß, dass Mike ein großes Herz hat.
"Ich… tut mir Leid", sagt Jason da. Er wringt die Hände und scheint am allerliebsten weglaufen zu wollen. "Ich wollte dich nicht anschreien."
"Ich dich schon", antwortet Mike, doch er grinst und Jason lächelt Gott sei Dank zurück.
"Wir sollten nach Hause gehen."
"Lohnt nicht mehr", sagt Mike. "Kommst du mit zum Burgerladen? Die machen erstaunlich guten Kaffee."
"Oh, ich weiß nicht, vielleicht sollte ich…"
"Jason."
"Ich äh… natürlich komme ich mit."
"Hervorragend."
Und ab da hört Mike nie wieder ein ernstgemeintes Wort über die Kündigung.