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Team: Slytherin
Challenge: Crack/Humor – „Ja, genau so! Nur ganz anders ...“ (für mich)
Fandom: Original
Inhalt: Rasia stellt fest, dass sie nicht die einzige ist, die Geburtstagspartys nicht sonderlich leiden kann.
Anmerkung: Ein kleiner Filler für zwischendurch – ich will ja meine Tabelle noch fertig kriegen ;p


(Teil 1) - (Teil 2)




„Ja, genau so! Nur ganz anders ...“

Bethanys Stimme klang viel zu amüsiert, als sie versuchte, mir zu erklären, wie ich die Frucht in meiner Hand – offenbar etwas mit dem Namen Kiwi, das aber ehrlich gesagt wie haarige Affenhoden aussah – zu verspeisen hatte.

„Du solltest die Schale nicht mitessen“, informierte sie mich lachend. „Glaub mir, das macht keinen Spaß. Schneide sie auf und hole dann das Innere heraus.“

Sie grinste breit und ich machte mir rasch eine mentale Notiz, dass ich ihr dafür die Nase brechen würde, sobald unser Deal erledigt war.

„Also im Grunde wie ein Zombie?“, fragte ich nach, während ein gehässiges Lächeln meine Lippen umspielte. „Man bricht den Schädel auf und löffelt das Gehirn heraus?“

Bethany verzog, wie nicht anders zu erwarten, angewidert das Gesicht. „Unglücklicherweise … ja,“ gab sie widerwillig zu.

Ich schmunzelte. „Wundervoll.“

Im Endeffekt schmeckte die Kiwi auch nicht sonderlich abstoßend. Was aber wahrscheinlich zum großen Teil damit zu tun hatte, dass mich Bethany die ganze Zeit über mit einem seltsamen Ausdruck beobachtete und sich offenbar vorstellte, wie ich genüsslich ein Gehirn aß.

Ich ließ währenddessen unauffällig meinen Blick schweifen. Die Anzahl der versammelten Menschen schien immer weiter zu steigen und es war mehr als unmöglich, dort einen Überblick zu behalten, selbst für einen Teufel wie mich. Bethanys Eltern begrüßten jedermann überschwänglich, lachten und umarmten jeden einzelnen Neuankömmling, als hätte Jesus persönlich sich zu ihrer kleinen Feierlichkeit verirrt. Die aufgesetzten Lächeln und das oberflächliche Getue taten innerhalb kürzester Zeit meinen Augen weh.

Und auch wenn es immer hieß, Teufel wären grausam und schrecklich, so verschwendeten wir unsere kostbare Lebenszeit nicht damit, uns hinter irgendwelchen Masken zu verstecken. Ein Teufel sagte einen immer geradeheraus, was ihm durch den Kopf ging – und das war meistens selbstredend nicht unbedingt ein Verlangen nach Blumen und Kuschelhäschen. Menschen waren in dieser Hinsicht viel hinterhältiger – sie taten stets so aufopferungsvoll und nett, aber im Grunde waren sie zerstörerischer als alle Höllenbewohner zusammengenommen.

Fast schon bewundernswert.

„Sag mir, ist das eigentlich deine Party oder die deiner Eltern?“, erkundigte ich mich bei Bethany, die gerade auf ihrem Teller ein Stück Fleisch zerriss wie ein Raubtier. „Ich sehe nämlich nicht viele Gören deines Alters hier.“

Sie zog ihre Mundwinkel nach unten. „Meine Eltern haben sehr genaue Vorstellungen, wie das hier heute ablaufen soll. Ich versuche, mich nicht einzumischen.“

War wahrscheinlich sogar besser so. Ihre Mutter war nicht umsonst eine Freundin von Tyaria und ihr Vater sah aus, als würde er Babys ihr Spielzeug stehlen.

„Zumindest gibt’s jede Menge Geschenke.“ Bethany setzte ein breites Lächeln auf, aber es wirkte genauso falsch wie das ihrer Eltern. „Ich wollte schon immer zweihundert verschiedene Weine besitzen.“

Ich lehnte mich zurück und betrachtete den riesigen Gabentisch, der in der Tat beinahe überquoll mit den unterschiedlichen Arten von alkoholischen Getränken.

„Du stehst nicht auf Wein?“ hakte ich nach.

„Ich hasse ihn aus dem tiefsten Inneren meiner Seele!“

Ich hob meine Augenbrauen. „Was hältst du denn dann davon, nach dieser überflüssigen Party alle Flaschen zu schnappen und sie im Hinterhof zu zertrümmern, bis nur noch Millionen traurige Scherben zurückbleiben?“

Bethany starrte mich einen Moment wortlos an und für eine Sekunde war ich überzeugt, dass sie ablehnen und meinen Vorschlag als verrückt bezeichnen würde, dann aber beugte sie sich näher zu mir und wisperte: „Das klingt nach der besten Idee aller Zeiten!“

Na ja, vielleicht etwas übertrieben, da die beste Idee aller Zeiten wahrscheinlich gewesen wäre, das Gebäude mit allen Insassen in die Luft zu sprengen oder diese zumindest alternativ allesamt mit einer üblen Form des Brechdurchfalls zu verfluchen, aber im Großen und Ganzen war es ein hübscher Gedanke.

„Wenn das so ist“, sagte ich schmunzelnd, „dann ist das mein Geburtstagsgeschenk an dich.“

Bethany legte ihren Kopf schief. „Sinnlose Zerstörung im großen Stil?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Hey, ich bin ein Teufel. Meine Schwester hat mir vor ein paar Monaten zu meinem Geburtstag eine Apokalypse geschenkt. Da sind ein paar zerbrochene Flaschen nun wirklich nichts Besonderes.“

Bethany wirkte, als würde sie gerade wegen des Apokalypse-Kommentars noch weiter nachhaken wollen, doch stattdessen schob sie sich ein weiteres Stück Fleisch in den Mund und kaute eine Zeit wortlos darauf herum. Dabei behielt sie, so bemerkte ich, stets ihre Eltern unauffällig im Blick, die gerade einen bärtigen Mann derart freudig begrüßten, als wäre er der Weihnachtsmann.

Nun ja, er brachte wenigstens Geschenke. Und es sah verdächtig nach einer weiteren Flasche Wein aus.

Letztlich ergriff Bethany wieder das Wort. „Können wir auch den teuren Kronleuchter meiner Mutter zerstören. Ich hasse das Teil wie die Pest!“

Ich hatte offenbar ein sehr schlechten Einfluss auf das Mädchen.

Ich wandte meinen Blick an die Decke und in der Tat war diese Kreation noch glitzernder und hässlicher, als man sich das je in seinen düstersten Träumen hätte ausmalen können. Wie man so etwas aufhängen konnte, ohne dabei gleichzeitig ironisch zu sein, war mir vollkommen schleierhaft.

Es würde jedoch wunderschön werden, diese Monstrosität zu zertrümmern.

Somit warf ich Bethany ein breites Lächeln zu und versprach: „Alles, was du willst, Herzchen!“


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