der_jemand: (Default)
[personal profile] der_jemand posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original. (Lies, Damn Lies.)
Challenge: Vergeudete Talente
Wörter: 848
Warnung: Nö, eigentlich nicht.
Charaktere: Frank und Karl Degener.
Widmung: Nana. – Weil sie ja offenbar nicht ohne Frank kann. ;)
A/N: Hm... Ja. Ich denke, ich sage besser nichts dazu. ...Obwohl ich doch beinahe froh bin, die Degeners wiedergefunden zu haben.
...Außerdem sollte ich das dringend noch mal korrekturlesen, bin aber zu faul. – Hiermit entschuldige ich mich für alle Tippfehler, Zeichendreher und vergessene/überflüssige Wörter.



Er war das gewohnt. Das enttäuschte Kopfschütteln seines Vaters genauso wie den verständnislosen Blick seines Bruders.
Sie machten ihm nichts aus.
Mit einem leichten Grinsen griff er nach seinem Matheheft und ging in sein Zimmer.


Gähnend ließ er sich auf sein Bett fallen, das Heft landete ignoriert auf dem Boden. – Das einzige, was ihn wirklich daran störte, schon wieder eine Fünf kassiert zu haben, war die Tatsache, dass Renard natürlich wieder mit 92 von 85 möglichen Punkten aus dieser Arbeit gegangen war.

Aber ansonsten? – Himmel, es war Mathe. Er war grade fünfzehn geworden, spielte Fußball, hatte eine Freundin... und das hier war Mathe. – Gut, er war nicht so naiv zu glauben, dass niemand Mathe brauchte, dafür wusste er zu gut, womit sein Vater sein Geld verdiente, aber das... war ewig weit weg.

Jemand klopfte an seine Zimmertür. „Frank, darf ich stören?“

„Komm rein!“

Karl schob die Zimmertür vorsichtig auf und grinste ihn schräg an.

„Was gibt’s?“

„Es ist nur wegen deiner Arbeit... Meinst du, du brauchst Mathenachhilfe?“

„Nö.“

Sein Bruder zog eine Augenbraue hoch und Frank schüttelte entschieden den Kopf. „Karl! Das ist nur Mathe.“

„Ja, und du wirst sitzen bleiben, wenn du so weiter machst.“

„Ich kann die eine Fünf ausgleichen. Mit Englisch, zum Beispiel.“ Okay, wenn Frank ehrlich war, war Englisch auch das einzige Fach, das irgendwie als Ausgleich in Frage kam, Sport zählte schließlich nicht. – Aber das war Schule und nichts in der Welt würde ihn dazu bringen, Goethes Geschwafel zu verstehen – oder überhaupt zu lesen. – Er hatte etwas vor mit seinem Leben, solange er noch jung war.

Karl setzte sich auf den Schreibtischstuhl, der mitten in Franks Zimmer stand. „Ach? Was kriegst du denn in Englisch?“

„Eine Zwei.“

Karl verzog das Gesicht. „Du weißt, dass du locker die Eins haben könntest, oder?“
Desinteressiert zuckte Frank mit den Achseln. „Kann schon sein. Aber was soll ich damit?“

Irgendwie schien Karl den Sinn der Frage nicht zu verstehen. Natürlich nicht, schließlich hatte der seinen glatten Einserschnitt, war Stufenbester und verkroch sich den halben Tag in seinen Geschichtsbüchern. Oder den Mathebüchern.

„Gute Noten sind wichtig“, setzte er an und klang auf einmal mehr wie sein Vater als wie der Achtzehnjährige, der er eigentlich sein sollte.

„Wofür?“

„Für deinen Job? – Du musst dir Gedanken darüber machen, was du willst, Frank.“

Er verzog das Gesicht. „Vielleicht weiß ich ja, was ich will? Vielleicht will ich einfach für den Rest meines Lebens Fußball spielen?“

„Du bist wirklich zu alt für solche Tagträume.“

Stimmt. Das war er. Frank liebte Fußball und er hätte liebend gerne den Rest seines Lebens damit verbracht zu spielen, aber er wusste besser als jeder andere, dass er nie über ‚gut’ hinwegkommen würde. Und mit ‚gut’ verdiente man sich nicht seinen Lebensunterhalt.

Karl verschränkte die Finger ineinander und legte den Kopf schief. – Eine Geste, die bei jedem anderen merkwürdig gewirkt hätte, aber zu ihm irgendwie passte.

„Weißt du, was ich an dir nicht verstehe, Frank?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein.“ Natürlich nicht.

„Du kannst das doch. – Du bist genial in Englisch. Du hast einen Kopf für Zahlen, sag nichts, das weiß ich, wir haben früher zusammen gelernt. – Du wärest wahrscheinlich auch in Deutsch gut, wenn du nur wolltest. ...Wahrscheinlich bräuchtest du nicht einmal halb so viel lernen wie ich, um so gut zu sein. Du müsstest doch wirklich nur mal einfach im Unterricht zuhören und das dann in der Arbeit auch schreiben!“

Er klang... enttäuscht. Vielleicht sogar wütend. Frank starrte seinen großen Bruder an.

„Warum nutzt du die verdammten Talente nicht, die du doch hast?“

Es war wahrscheinlich das erste mal, dass er Karl fluchen hörte.

„Weil ich nicht will. Das ist nur Schule. Das ist witzlos. – Könntest du mich jetzt vielleicht endlich in Ruhe lassen?“



Frank sah anderen nicht gerne beim Fußball zu. Genauer gesagt hasste er fast nichts so sehr... Renard vielleicht, doch, aber nicht viel mehr.

Trotzdem... es war wohl so eine Sache, die man machte. Man ging zum Finale der Schulmeisterschaft, wenn die eigene Schule der absolute Favorit war. Und wenn der eigene Bruder im Tor stand, wohl erst recht.

Er stand neben Carola, die eine Hand auf ihren runden Bauch gelegt hatte und die andere in die Luft gestreckt hatte, als ihr Stiefsohn einen Elfmeter hielt.

Bei ihm sah das so verflucht leicht aus.

Frank biss die Zähne zusammen. Bislang hatte er nur im Garten ab und an ein bisschen mit seinem Bruder gekickt, er hatte nie ein Spiel von ihm gesehen. – Wieso auch? Schließlich meinte Karl immer, dass das nur ein „Zeitvertreib“ sei. Weil Sport gesund war und beim Denken half, oder so einen Scheiß. – Niemand, der so dachte, konnte tatsächlich Fußball spielen.

Doch. Konnte er.

Es hatte vielleicht zehn Minuten gedauert, bis Frank das erkannte. – Karl war nicht bloß ‚gut’. Karl war genial. Karl hätte sein verdammtes Scheißleben mit Fußballspielen verbringen können und wäre reich geworden.

Stattdessen sagte er, dass das hier sein letztes Spiel sein würde, weil er sich danach aufs Abitur vorbereiten musste und wollte Archäologie studieren.

Und Frank hatte eine vage Ahnung davon, was Karl gemeint hatte, als er ihn vor ein paar Wochen so angemacht hatte.

Date: 2007-10-26 02:49 pm (UTC)
From: [identity profile] nana989.livejournal.com
Karl, Frank, Brüder... ahhh. *_______* Karl!
Karl ist toll. Sehr sympatisch.
Und der 15-jährige Frank... einerseits möchte ich mich neben ihn setzen und mich auf seine Seite schlagen, anderseits möchte ich ihm einen Arschtritt verpassen. Obwohl... da das Karl erledigt... bleibe ich bei Frank. *wuschel*
Es ist toll, dem eigenen Bruder beim Spielen zuzusehen und zu sehen, dass er gut ist. Frank tut mir in dem Moment ein bisschen leid, aber Karl studiert Archäologie und lebt damit meinen Traum. Das ist so... toll. Ich liebe Karl. v__v

Danke. <3

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios