[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Hufflepuff
Challenge: Kink – Joker, Betteln von der Sommerchallenge 2015 – fürs Team
Fandom: Fast and Loud
Titel: Tote Kühe erzählen keine Geschichten
Inhalt: Aaron und Richard sind zusammen in Minnesota und müssen sich ein Bett teilen.
Anmerkung: Das ist die unterste Schublade der Klischeekiste, man sieht praktisch nur noch meine Beine raus ragen, so tief stecke ich darin und das Ende passt nicht zum Anfang und alles ist Endkampf, nur die Wurst hat zwei.

Tote Kühe erzählen keine Geschichten

"Wieso fahren wir andauernd nach Minnesota?"

"Du fährst andauernd nach Minnesota. Ich muss aus irgendeinem Grund immer mit."

"Willst du etwa kein Geld machen?"

"Ich werd nur fürs Schrauben bezahlt."

Aaron grinst, als Richard entnervt aufstöhnt und den Mietwagen etwas ruppiger als unbedingt nötig auf die nächste Straße lenkt. Draußen herrschen minus zweiundzwanzig Grad und der Motor ihres soliden, total langweiligen Jeeps beschwert sich mit jeder Minute mehr. Eigentlich wollten sie längst wieder auf dem Heimweg sein, in warme, texanische Gefilde, aber ein Blizzard, zwei erfrorene Kühe auf der Landstraße und ein katastrophal zähes Verhandlungsgespräch haben ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Richard kocht vor Wut, weil sie Zeit und Geld verschwendet haben, um mit leeren Händen wieder nach Hause zu kommen und schimpft die ganze Zeit über grauenhafte Straßen und unfreundliche Hinterwäldler. Aaron nimmt alles mit einem Lächeln und ab und zu einem zustimmenden Geräusch entgegen und konzentriert sich weiterhin darauf, nicht zu erfrieren.

Die toten Kühe kommen ihm überhaupt nicht mehr abwegig vor: wenn er gezwungen wäre, bei diesem Wetter über eine Wiese zu latschen, würde er sich auch in den Graben legen und auf den Kuh-Sensenmann warten.

"Die vom Filmteam hätten sich bestimmt über die Kühe gefreut", sagt Aaron.

"Total", knurrt Richard zurück. "Die freuen sich immer über mein Elend."

"Hätten viel zensieren müssen."

"Hmpfh."

Richard lächelt nicht und Aaron beschließt, ihn in Ruhe zu lassen. Er beschließt außerdem, dass er sowieso nie Kinder wollte und dreht den Regler der Sitzheizung noch ein bisschen höher.

Als Richard den Wagen um die letzte zugeschneite Kurve prügelt, tauchen endlich die Lichter der Kleinstadt vor ihnen auf. Sie hätten bereits vor Stunden im einzigen Hotel einchecken sollen, aber Richard hatte angerufen und gesagt, dass es später würde, als klar war, dass sie die Kühe nicht allein von der Straße ziehen konnten und die Feuerwehr rufen mussten. Fast zwei Stunden hatten sie gewartet und Aaron freut sich auf eine heiße Dusche und ein Bett.

"Du hast im Hotel angerufen und gesagt, dass es später wird, oder?", fragt Richard da.

Minnesota ist zum Kotzen.


So schlimm sieht das Zimmer gar nicht aus. Zwar steht nur ein Bett darin und auf dem Fernseher scheint sich eine feine Frostschicht gebildet zu haben, aber wenn man Aaron die Wahl überlässt zwischen "in einem Jeep erfrieren" und "in einem Bett erfrieren", dann nimmt er das Bett (außer man stellt ihm sein Race Car zur Auswahl).

Könnte also schlimmer sein, denkt Aaron, doch Richard bleibt trotzdem im Türrahmen stehen, als wäre es das Tor zu Hölle.

"Ich dachte echt, ich bin zu alt und zu reich dafür, um noch mit dir in einem Bett schlafen zu müssen", sagt er schließlich und lacht.

"Zurück zu den Anfängen", meint Aaron nur, und fängt an zu grinsen, als er sieht, wie Richards Blick durchs ganze Zimmer huscht und an Aarons Körper hängen bleibt, bevor er sich durch die Haare streicht und erst dann das Zimmer betritt, wie andere Leute einen Galgen erklimmen.

"Das zählt nicht", sagt er. "Damals hatten wir keine Kohle."

"Und trotzdem hat keiner von uns je auf dem Boden geschlafen. Dafür kuschelst du viel zu gern."

Richard reißt den Kopf herum und starrt ihn voller Empörung an, doch es gibt überhaupt nichts, was er zu seiner Verteidigung sagen könnte. Richard kuschelt gern. Das ist eine Tatsache und in Aarons Augen überhaupt keine schlimme, doch mit solche Ansagen kann man Richard, der sich nie gern in die Karten gucken lässt, wunderbar aus dem Konzept bringen.

Richard liebt es zu flirten und die Leute um seinen Finger zu wickeln, aber wehe irgendwer dreht den Spieß mal um. Er wird zickig, wenn er die Kontrolle nicht behalten kann und es ist beinah unmöglich, ihm mal was Gutes zu tun, weil er sich so ungern überraschen lässt.

Aaron verzieht sich unter die Dusche und würde sich gern ein bisschen ins Fäustchen lachen, weil er Richard durch die sperrhölzerne Badezimmertür seufzen, fluchen und murmeln hören kann. Aber die Wassertemperatur liegt bei genau anderthalb Grad über Eiswürfel und Aaron ist mit Schreien beschäftigt.

Minnesota wird sie umbringen.

Sieben Minuten lang bietet er dem Wasser wortwörtlich die Stirn, dann gibt er auf und stapft zähneklappernd ins Zimmer zurück.

Richard liegt in Jacke und Schal auf dem Bett und starrt die Wand an.

"Das Wasser ist kalt", verkündet Aaron. "Liegt aber nicht an mir."

"Die Heizung geht auch nicht."

"Oh."

Aaron folgt Richards ausgestreckter Hand und sieht den kleinsten, vergilbtesten Radiator der Welt sich in einer Ecke zusammenkauern. Er spuckt ab und zu eine Wolke trockener Luft aus, als würde er nach vierzig Jahren endlich seiner geteerten Raucherlunge erliegen.

"Charmant", sagt Aaron.

"Beschissen", erwidert Richard, dann steht er auf und begibt sich ins Badezimmer. Er macht dabei einen Bogen um Aaron, der so groß ist, dass er ihn eigentlich einmal um ganz Minnesota herum hätte führen können, doch Aaron tut so, als hätte er nichts gemerkt und schlüpft in Ermangelung von Alternativen in Pulli, Socken und Hose unter die klamme Decke.

Es ist tatsächlich eine Weile her, dass sie zusammen in einem Bett geschlafen haben und wenn Aaron ehrlich ist, dann vermisst er das ein bisschen. Richard ist nicht der einzige, der gern kuschelt (und ein paar andere Dinge gern macht. Da ist er wirklich nicht der einzige). Seit sie nicht mehr zusammen durchs ganze Land fahren, um ihre Marke auf Autoshows bekannt zu machen, sind sie voneinander weggedriftet und an getrennten Haustüren angeschwemmt worden und wenn Aaron nicht so unsicher wäre, was genau sie überhaupt sind, würde er Richard öfters bitten, bei ihm zu übernachten.

Er hat ein bisschen Angst davor, dass Richard verwirrt blinzeln und fragen würde: "Wofür?"

Sein Herz beginnt schneller zu schlagen, gegen die Kälte und gegen die plötzliche Nervosität, die seine Hände versteift. Er möchte Richard so gern anfassen, aber er weiß, dass er, wenn er einmal anfängt, nicht mehr in der Lage sein wird, damit aufzuhören.

Als Richard aus dem Bad kommt, fluchend und zähneklappernd, kneift Aaron die Augen zusammen.

"Ich schlafe schon", murmelt er. "Ich will nicht gestört werden, Frühstück bitte um halb zehn."

Keine Antwort. Richard schnaubt nur und Aaron hört, wie er um das Bett herumgeht.

Dann passiert gar nichts – bis ihm plötzlich die Decke entrissen wird und bitterkalte Luft in Aarons Hals beißt.

"Hey!"

"Wir haben nur eine", erklärt Richard. Er trägt den Hotelbademantel über seiner Jeans und seinem Pulli. "Also her damit."

Damit schlüpft er ebenfalls unter die Decke, sie zerren an dem Laken und an den Kissen, bis sie beide ganz am Rand der Matratze liegen und Aaron aus dem Bett fallen wird, wenn er nur heftig ausatmet.

Richard liegt mit dem Rücken zu ihm und das Licht vom Handyscreen scheint über seine Schultern hinauf an die Wände.

Eindeutiger geht es wohl nicht. Aaron sollte sich ebenfalls umdrehen und sich darauf konzentrieren, nicht zu erfrieren, doch seine Finger zucken über die Handbreit Platz zwischen ihnen hinweg und berühren Richard leicht an der Schulter.

Er weiß nicht mal, was er sagen soll, als Richard sich umdreht und ihn fragend anschaut.

"Du… kannst du ... wir könnten…" Aaron stammelt, wird rot und unruhig, und wie immer, wenn er irgendetwas für sich allein haben will, kriegt er den Mund nicht auf.

Richard blinzelt ein paar Mal, lässt ihn zappeln – und grinst dann, weil er ein gottverdammter Mistkerl ist und genau weiß, was Aaron möchte. Von wegen, ihn aus dem Konzept bringen. Aaron atmet zitternd aus und traut sich nicht, seine Hand von Richards Schulter zu nehmen oder irgendetwas anderes damit zu machen.

"Was gibt’s?"

Aaron würde gerne antworten. Irgendetwas kluges, cleveres, damit Richard lacht und ihn zu sich zieht, doch er bleibt nur hilflos liegen. "Ich…"

"Ja? Spucks aus."

Er sieht das Glitzern in Richards Augen, sieht, wie er den Mund verzieht und er spürt, dass er sich bewegt, aber nur, um noch ein bisschen mehr Abstand zwischen sie zu bringen.

Ein kleines, unwilliges Geräusch schlüpft aus Aarons Mund, bevor er die Zähne wieder aufeinander beißen kann. Richard hört es natürlich und sein Lächeln wird gefährlich.

"Du weißt, was ich will", murmelt Aaron. Seine Finger bewegen sich, graben sich in Richards Schulter, aber Richard rührt sich nicht.

"Sag es", befiehlt er.

"Was soll ich machen? Betteln?"

"Wer hat denn angefangen?"

Aaron stöhnt, doch als er seine Hand wegziehen will, weil Richard eine unerträgliche blöde Kuh ist, wird sie festgehalten und Richard umfängt ihn mit beiden Armen. "Hast mich vermisst, hm?", haucht Richard ihm zu.

"Klappe", murmelt Aaron, doch seine Hände wühlen sich schon durch Bademantel, Pulli und T-Shirt, bis sie auf eisigkalte Haut treffen. Richard beginnt zu zittern.

"Ist das dein Ernst? Es herrschen Minusgrade und wir sind im schäbigsten Hotel der Welt!"

"Aber…"

Aaron schluckt und verbannt damit aus Versehen alle Argumente tief in seinen Bauch zurück. Was soll er schon sagen?

Du bist endlich mal wieder in meiner Nähe.
Wir haben Zeit.
Ich vermisse dich.


Er kriegt den Mund nicht auf. Er hat alles, was er will, direkt vor sich, Richard schaut hoch zu ihm, wartet und lächelt, als wisse er genau, was in Aarons Kopf vorgeht.

Dass er nicht anfangen will, weil er dann nie mehr satt wird.

"Du hättest nur was sagen müssen", murmelt Richard schließlich, als Aaron bis auf kehliges Luftholen nichts zu Stande bringt. Richard zieht Aarons Finger unter seinem Shirt hervor, und haucht einen Kuss darauf, bevor er sie auf seine Brust presst. "Zuhause ist es wenigstens warm. Und das Bett ist größer."

"Wusste nicht, wie", nuschelt Aaron und betrachtet Richards Ringe, die auf dem Nachttisch vor sich hin funkeln. "Wusste nicht, ob du wolltest."

"Und dann sagst du lieber gar nichts? Was ist aus No risk no fun geworden?"

Wieso klingt alles immer so verdammt einfach, wenn Richard es sagt? Frustriert lässt Aaron den Kopf hängen, malt Formen auf Richards Brust – und dann richtet Richard sich auf, um Aaron auf den Mund zu küssen.

"Heute passiert nichts mehr", sagt er leise. Aaron hört ihn kaum, doch er nickt. Er würde alles für ihn tun, hier und jetzt. "Aber ich vergesse das nicht, versprochen."

"Okay."

"Idiot", sagt Richard liebevoll und dann umarmt er ihn und lässt sich zurück in die Kissen fallen. "Und jetzt komm her, es ist wirklich schweinekalt."

Minnesota wird sie nicht umbringen.

Aber verdient hat es sie auch nicht.

Date: 2016-09-25 11:03 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
DAS IST DIE ALLERSCHÖNSTE SCHUBLADE DER KLISCHEEKISTE!!! HÖRST DU!!! DU DA DRIN IN DER KISTE!!! HALLO!!! :)))))

sharing body heat I am :))) SO :)))) HAPPY :::)))))) YES!!! GOOD!!! Ich wäre wirklich sehr traurig gewesen, wenn du dieses wunderschöne Klischee einfach so übergangen hättest nACH DEN GANZEN STEILVORLAGEN DIE DIESE SENDUNG UND ALLES WAS DAMIT ZUSAMMENHÄNGT DIR LIEFERN!

wenn er gezwungen wäre, bei diesem Wetter über eine Wiese zu latschen, würde er sich auch in den Graben legen und auf den Kuh-Sensenmann warten.
quasi die... Sensenkuh.

Die erfrorenen Kühe töten mich ja ein bisschen, ngl, warum ist das so witzig. Tote Kühe sollten nicht so witzig sein. Aber HEY. WIE SCHÖN DASS SIE VON DEN TOTEN KÜHEN SO ABGELENKT WAREN (und dass ihnen der Kopf ganz schön eingefroren ist) UND AM ENDE KEINER IM HOTEL ANGERUFEN HAT WIEEEE SCHÖÖÖÖÖÖÖN, having to share a bed because of CONVENIENT PLOT REASONS ist sooooo ein guter trope. SO. EIN. GUTER. TROPE. THANKS FOR USING IT!!

ich bin zu alt und zu reich dafür, um noch mit dir in einem Bett schlafen zu müssen
:))) Richard bitte, nutz dein Alter und deinen Reichtum, um dir und dem TOTALLY NOT A BOYFRIEND ein anständiges warmes Bett zu besorgen, wenn ihr wieder daheim seid. Ich weiß gar nicht warum aber "zu alt und zu reich dafür" gefällt mir so gut?? MWAH ♥

bevor er sich durch die Haare streicht
ICH LIEBE DAS. NERVÖSER RICHARD JAJA JAJA :) KANN KEINEM WAS VORMACHEN. UND DAS TROTZ DER VERKÄUFERGENE.

Richard kuschelt gern.
MIMIMIMIMIMIIIMIIIIIIIII SJFSJDFSKDFSKDFJSDF

Er spuckt ab und zu eine Wolke trockener Luft aus, als würde er nach vierzig Jahren endlich seiner geteerten Raucherlunge erliegen.
Ich kann nicht, ist das großartig

UND DANN WIRD AARON SO NERVÖS UND ICH STERBE EINFACH. AARON. BABE. ALS OB RICHARD DIE DECKE EINFACH NUR SO WEGNEHMEN WÜRDE, UM EINE GANZE DECKE FÜR SICH ZU HABEN. WAS FÜR EINE MASCHE!!!

wie immer, wenn er irgendetwas für sich allein haben will,
KREISCH

"Klappe", murmelt Aaron, doch seine Hände wühlen sich schon durch Bademantel, Pulli und T-Shirt
NOCH MEHR KREISCH!!! ich höre einfach gar nicht mehr auf zu kreischen, wenn das in Ordnung ist.

Dass er nicht anfangen will, weil er dann nie mehr satt wird.
ICH KREISCHE EINFACH SO WEITER AUCH WENN ES NICHT IN ORDNUNG IST

HAAAAAAAAAACH, deine Richard/Aaron-Fics machen mich sehr glücklich, wirklich. UND ICH FREU MICH DASS DU SCHON SO VIELE DAVON GEPOSTET HAST IN DIESEM ARMEN FANFICLOSEN FANDOM! ♥ ♥ ♥

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