[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Hufflepuff
Challenge: Humor – Der Kunde ist nicht immer König – fürs Team
Fandom: Fast and Loud, ein AU
Titel: Zwanzig Minuten
Inhalt: Ein AU, in dem Richard bei Home Depot arbeitet und Aaron und er sich dolle lieb haben.
Anmerkung: Ich habe ein Einzelhandels-AU geschrieben. Ich liebe den Endkampf

Zwanzig Minuten

"Das ist doch logisch, man, warum kapierst du das nicht?"

"Richard…"

"Mach eine einzige Kiste mit dem billigen Bänderkram fertig und ich versichere dir, wir werden mehr Zusatzkäufe beim Geschenkpapier haben als jeder andere Laden!"

Dennis besitzt die gottverdammte Dreistigkeit, die Augen zu verdrehen, so als würde Richard hier das Problem machen und nicht Dennis' eigener blöder Sturkopf. Sie stehen in Gang Nummer vierzehn, an der gefährlich verwischten Linie zwischen Halloweendekorationen und Weihnachtssachen und Richard wird gleich einen Plastikkürbis in die eine und einen gläsernen Schneemann in die andere Hand nehmen und Dennis beides über den Schädel ziehen. Sie streiten sich seit zehn Minuten wegen der neuen Lieferung an Dekoartikeln, Dennis mit einem Klemmbrett unter dem Arm und Richard mit Visionen im Kopf.

"Es ist ein ganz einfaches Konzept", versucht er es nochmal, bevor er handgreiflich wird. "Die Bänder stehen am Ende vom Gang. Bis die Leute mit ihrem Geschenkpapier dort angekommen sind, haben sie schon wieder vergessen, dass sie welches brauchen. Aber hier, direkt daneben, kaufen sie vielleicht sogar zwei Stück, weil sie direkt die Farben vergleichen können. Das ist doch total logisch!"

"Wir haben keinen Platz dafür", sagt Dennis. Er streicht sich die Haare zurück (einen Tick, den er eindeutig von Richard geklaut hat) und rückt sein Namensschild zurecht, wahrscheinlich nur, damit er Richard nicht anschauen muss, weil er genau weiß, dass er recht hat. Richard stöhnt und zeigt auf den Stapel Geschenkpapierrollen, der wie ein besonders hässlicher, geschenkbandloser Blumenstrauß aus seinem Plexiglasquader lugt.

"Es geht um eine einzige Kiste!", schreit Richard.

"Ja, ich weiß!", schreit Dennis zurück. Er nimmt das Klemmbrett in beide Hände und hält es Richard unter die Nase, sodass Times New Roman, Schriftgröße 12 in einem Affenzahn auf ihn zugerast kommt. Wenn er ihm die Nase mit diesem Klemmbrett bricht, wird sich Richard im Dezember Urlaub nehmen und alle Aushilfen entlassen, denkt er, doch da hat sich Dennis schon wieder im Griff und seufzt nur brunnentief. "Du hast recht, ich weiß das doch. Aber ich muss mich an die Vorgaben der Hauptfiliale halten und die sagen nun mal, dass alle Bänder zusammen am Ende des Ganges stehen sollen."

Da ist es also wieder. Das gottverdammte Todschlagargument, das jeden Streit jedes Mal für Dennis entscheidet und Richard die Wände hochtreibt.

"Die haben keine Ahnung!", schreit er, doch es ist zwecklos, auch wenn Dennis nickt und ihm mitfühlend auf die Schulter klopft.

"Nein, haben sie nicht. Aber die machen die Regeln."

"Ich hasse alles", sagt Richard, dann schnappt er seinen Karton mit Geschenkband und macht sich auf den langen Weg der Schande zurück ins Lager. Immerhin sind so früh am Morgen kaum Kunden unterwegs und er kann sich voller Eifer in seinen Ärger hineinsteigern.

Er arbeitet seit zwei Jahren hier, zusammen mit Dennis, der ihm den Job besorgt hat, nachdem einige Dinge bei Richard nicht so funktioniert hatten, wie sie sollten (und er schon wieder bei seiner Schwester auf der Couch schlafen musste). Es tut ihm gut, endlich wieder zu arbeiten, auch wenn der Einzelhandel nie sein Metier sein wird und er den verkappten Idioten in der Zentrale gerne mal die Meinung geigen würde, aber momentan halten ihn sein Rücken und dessen Erinnerung an die Couch noch davon ab. Er weiß, wie es besser laufen würde. Dennis hat ihn über die Umsatzzahlen schauen lassen (und selbst auch nur den Kopf geschüttelt). Es wäre so einfach, wenn sie ihnen freie Hand lassen und ein winziges bisschen mehr Budget zur Verfügung stellen würden, zwanzigtausend Dollar, mehr nicht, um den Laden so richtig auf Vordermann zu bringen.

"Nächstes Jahr", murmelt Richard (und sein Rücken seufzt erleichtert auf), als er in die Abteilung mit den Bohrmaschinen läuft. Es klingt in seinen eigenen Ohren wie ein Blutschwur und er wird ihn auf gar keinen Fall brechen.

"Was ist nächstes Jahr?", tönt es da von der Seite.

Richard lässt fast die Box mit bunten Bändern fallen und dreht sich empört um, doch schon aus dem Augenwinkel sieht er, wer da steht und ihn angrinst.

Am Schrank mit den Schlagbohrmaschinenaufsätzen lehnt Aaron.

Das einzig Gute, was Richard im ganzen letzten Jahr passiert ist.

Schlagartig sind ihm alle Bänder und alle Zahlen und Geschenkpapiere der Welt vollkommen egal. Er klemmt die Kiste unter den Arm, fängt an zu grinsen und streicht sich ganz automatisch die Haare zurück, lässt seinen Blick an Aarons schmalem, buntbedrucktem Shirt und seinen Jeansshorts entlang gleiten bis hin zu den ausgelatschten Chucks.

"Hey Aaron. Keine Schule heute?"

"Und bei dir? Hat das Altenheim wieder Freigang?"

Sie schauen sich in die Augen, und Richard verliert, weil er zuerst lacht und mit der Faust nach Aaron schlägt, der ihm elegant ausweicht und dabei wie zufällig näher an Richard herantreten muss.

Aaron ist vor ein paar Monaten mit seinem wortkargen, ziemlich miesgelaunten Vater in den Laden gekommen, um dem älteren Herrn ein modernes Schweißgerät und eine Schleifmaschine zu kaufen.

"Deine ist von vorm Krieg, Dad", war das erste, was Richard ihn je hatte sagen hören, bevor er sich in die richtige Position für "emotional-aktives, umsatzorientiertes Verkaufen" gebracht, gelächelt und sich dann massiv ins Zeug gelegt hatte. Er hatte Aaron und seinem Vater alle Wünsche erfüllt, wie ein Flaschengeist, und am Ende ihres einstündigen Beratungsgesprächs hatte der ältere Herr sogar ein wenig gelächelt und Richard "ein ausreichendes Fachwissen" attestiert und Aaron hatte ihm einen Fetzen Papier mit seiner Nummer drauf zugesteckt, für "spätere Rückfragen, kann ja sein", weil das Schicksal Richard doch noch nicht vollständig hasst, und ihm seinen Seelenverwandten inmitten von Poliermittel und Außenlacken vorgestellt hat.

Seitdem kommt Aaron regelmäßig, kurz vor oder kurz nach seiner Schicht in der Autowerkstatt drei Blocks weiter, die immer mit Richards Schichten kollidiert, aber sie sehen sich, reißen Witze über ihren Altersunterschied und dann versucht Richard, wenigstens zehn Minuten Pause rauszuschinden, damit sie ungestört im Lager … ein Gespräch führen können.

Richard weiß, dass er in Aaron verknallt ist, so bescheuert ist er nicht, egal, was Dennis behauptet. Ihm ist auch klar, dass er Aaron gerade am langen Arm verhungern lässt. Er hat einfach nicht den Mut, um ihn um ein richtiges Date zu bitten, solange Richard nur ein mickriger "Department Manager – Baumaschinen und Saisonware" ist, der sogar im Sommer das langärmlige Uniformhemd tragen muss, damit man seine Tattoos nicht sieht.

"Alles okay?", fragt Aaron und lugt in die Box mit dem Flitterkam unter Richards Arm.

"Jetzt schon", sagt Richard. Er lächelt und Aaron zieht den Kopf zwischen die Schultern und versucht, sein Grinsen zu verbergen. "Du bist früh heute."

"Nix zu tun. Und du?"

"Ich verteile Weihnachtsdeko."

"Es ist September."

Normalerweise würde Richard die Augen verdrehen, weil das so offensichtlich ein Spruch von jemandem ist, der die vier Jahreszeiten nur aus Kinderliedern und nicht aus der Perspektive des Einzelhandels kennt – aber Aaron darf sowieso alles und außerdem wird der verdammte Kasten voller Geschenkband jetzt als Richards Ausrede dienen und Dennis kann ihn mal gern haben.

"Ja", sagt Richard also und grinst und beugt sich ein bisschen zu Aaron runter. "Weswegen der auch wieder zurück ins Lager muss, wohin ich gerade unterwegs bin. Kommst du mit?"

Aarons Augen fangen an zu leuchten und er streckt blitzschnell die Hand aus, um Richard kurz über die orange Schürze zu streicheln, nur eine Sekunde lang, damit sie keiner sieht. "Klar doch. Kannst mir gleich die neue Ware zeigen. Muss schließlich wissen, in was ich die Geschenke einwickeln kann, dieses Jahr."

Ein perfekter Plan mit perfekten Codewörtern und dämlicher Flirterei garniert und Richard fühlt seine Laune in unendliche Höhen steigen – bis er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter fühlt.

"Ich tu so, als hätte ich das alles nicht gehört", sagt Dennis und nickt Aaron zu. Der schmerzhafte Griff um Richards Schulter straft seinen freundlichen Ton Lügen, aber Richard kann sich das Grinsen trotzdem nicht vom Gesicht wischen. "Und danach tu ich so, als hätte ich nie gesagt, dass ich dir genau zwanzig Minuten Zeit gebe, um diese Bänder im Lager zu verstauen, weil wir danach nämlich ein Teammeeting haben, was du offensichtlich vergessen hast."

Ach Scheiße.

"Ach Scheiße", sagt Richard. Er hat es tatsächlich vergessen, weil sein Kopf voll mit Bärten und funkelnden Augen ist.

"Ich reiß dir den Arsch auf, wenn du zu spät kommst", murmelt Dennis.

"Wollte ich eigentlich gleich machen", sagt Aaron schulterzuckend und kann sich das Grinsen ganze zwei Sekunden lang verkneifen. Richard dreht den Kopf weg, damit Dennis ihm keine runterhaut (und damit er nicht sieht, wie rot er wird), aber Dennis ist sowieso damit beschäftigt, den Mund aufzuklappen, Aaron völlig entsetzt anzustarren und dann fluchend den Kopf zu schütteln. "Ich hasse euch beide so sehr", sagt er, dann klopft er Richard auf die Schulter, sagt "Zwanzig Minuten!" und rauscht von dannen.

"Der kann ja gar keinen Stress ab", meint Aaron, doch Richard hat keine Zeit, um noch länger über Dennis zu diskutieren. Er packt Aaron am Handgelenk und zieht ihn mit sich.

"Arsch aufreißen, hm?", murmelt er.

"Ich dachte, der Kunde ist König", erwidert Aaron. Er grinst schon wieder.

"Nicht immer", antwortet Richard und dann holt er tief Luft und schaut Aaron in die Augen und obwohl sein Herz rast und sein ganzer, rationaler Zahlenkopf "Nein!" und "Noch nicht" und "Department Manager!" schreit, fragt er: "Am Sonntag. Frühstück bei mir und danach Demolition Derby. Einverstanden?"

Aaron reißt die Augen auf, stolpert, fängt sich an Richards Oberkörper ab und starrt ihm fast ein bisschen misstrauisch ins Gesicht. Sein Mund steht offen, er leckt sich die Lippen und schaut sich hastig um, als müsste er sicher gehen, dass das hier keine versteckte Kamera ist. Richard ist der schlechteste Mensch der Welt, aber er wird das alles wieder gut machen.

"Ehrlich?", haucht Aaron.

"Der Kunde ist König", sagt Richard und dann haben sie endlich das Lager erreicht, was ganz gut ist, denn Aarons Hände sind plötzlich überall, dicht gefolgt von seinem Mund und um ihre Füße verteilt sich schillerndes Geschenkband.

Date: 2016-09-25 03:30 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
Awwwwwww!

Sie stehen in Gang Nummer vierzehn, an der gefährlich verwischten Linie zwischen Halloweendekorationen und Weihnachtssachen und Richard wird gleich einen Plastikkürbis in die eine und einen gläsernen Schneemann in die andere Hand nehmen und Dennis beides über den Schädel ziehen.
Spätestens hier war ich nicht mehr kohärent, aber hach. XD

Mit deinem Schreibstil klingt selbst Einzelhandel amüsant. <3

Date: 2016-09-26 04:42 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
Ich bin begeistert, dass du trotz deinem ganzen Hass auf Arbeit im Einzelhandel immer noch so UNHEIMLICH NIEDLICHE SCHÖNE AUs DARÜBER SCHREIBEN KANNST ♥ (jaja, ich weiß, romanticising the past, aBER TROTZDEM! ICH BLEIBE DABEI DASS ES EINE FORTSETZUNG MIT FLIRTING OVER PAYBACKKARTEN GEBEN MUSS) (IT IS NOT AN EINZELHANDELS AU OHNE PAYBACKKARTEN)

Dennis und Richard, die sich über die Platzierung von Geschenkbändern streiten, geben mir Leben. Es gibt mir auch Leben, dass Richard nicht gewinnt, obwohl natürlich die odds ganz schön fies gegen ihn sind. Wenn die Hauptfiliale das nunmal beschlossen hat, DENNIS, EY, SEI MAL EIN BISSCHEN MEHR PUNK ROCK UND STELL DIE GESCHENKBÄNDER ZUM GESCHENKPAPIER; GESCHENKBÄNDER GEGEN DAS ESTABLISHMENT!!! Nein, ohne Mist, Dennis besorgt ihm einen Job omgfgksdkfjsklf ist das schööööön

Am Schrank mit den Schlagbohrmaschinenaufsätzen lehnt Aaron.
Richard ist plötzlich ein riesiger Fan von Schlagbohrmaschinenaufsätzen.

streicht sich ganz automatisch die Haare zurück
THERE IT IS AGAIN MY FAVOURITE THING I LOVE THIS THING SOOO MUUUCHHHH DAMN

"Hey Aaron. Keine Schule heute?"
"Und bei dir? Hat das Altenheim wieder Freigang?"

:)))) WE TALKED ABOUT IT. I JUST WANTED TO QUOTE IT AGAIN BECAUSE I HAVE FEELINGS. LOTS OF THEM.

ES IST ÜBRIGENS GANZ GANZ WUNDERVOLL DASS RICHARD SEIN GANZES VERKAUFSTALENT DAFÜR EINSETZEN KONNTE DASS AARONS VATER NE SUPI SCHLEIFMASCHINE HAT......... UND UM AARONS NUMMER ZU BEKOMMEN WHICH I'M SURE IS A NICE BONUS :))))))

Er hat einfach nicht den Mut, um ihn um ein richtiges Date zu bitten, solange Richard nur ein mickriger "Department Manager – Baumaschinen und Saisonware" ist, der sogar im Sommer das langärmlige Uniformhemd tragen muss, damit man seine Tattoos nicht sieht.
ERSTENS IST DAS WUNDERSCHÖN FORMULIERT UND ZWEITENS AUUU MEIN HEEEERZ. Regelmäßig im Lager rummachen ist okay, aber auf Dates gehen TRAUT MAN SICH NICHT WEIL WEGEN DEPARTMENT MANAGER UND WAS TUT MAN NUR MIT SEINEM LEBEN, oh GOTT MEIN HERZZZ MEEEIN HEEERZ

Ach Scheiße.
"Ach Scheiße", sagt Richard.

All meine Liebe.

"Wollte ich eigentlich gleich machen", sagt Aaron schulterzuckend
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! AARON WOAH THERE WOAH WOAH WOAH

sein ganzer, rationaler Zahlenkopf "Nein!" und "Noch nicht" und "Department Manager!" schreit
I'M SO HAPPY THAT RICHARD GOES FOR IT I MEAN WHAT'S THE DEAL ANYWAY IT'S NOT LIKE THEY'RE GONNA HAVE TO FINANCE A BIG COUNTRY WEDDING AND A HOUSE AND TEN KIDS' COLLEGE TUITION AFTER THE FIRST DATE RIGHT :)) Und außerdem ist es sonntags nachm Frühstück auch bestimmt viel ruhiger, stressfreier und bequemer als in zwanzig Minuten im Lager.

MWAHHHHHH SCHÖÖHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖNES AU SEHR SCHÖN ICH MAG ES SEHR!!!

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios