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Team: Slytherin
Challenge: Fantasy – „Ich habe es in den Karten gesehen.“ (für mich)
Fandom: Original
Anmerkung: Rasia und Bethany wurde auch schon hier eingeführt. Und das hier wird mehrere Teile beinhalten, vermutlich drei, vielleicht sogar vier.
Warnung: Sarkasmus, schwarzer Humor – das übliche eben ;)





Der Notruf erreichte mich mitten während meiner Abendessensvorbereitung.

Normalerweise hätte ich es einfach ignoriert, da im Grunde genommen einfach absolut gar nichts wichtiger war als eine leckere und herzhafte Mahlzeit, aber unglücklicherweise war Bethany unglaublich hartnäckig und schaffte es, ihr menschliches Gesicht auf jeder spiegelnden Oberfläche in meiner Küche erscheinen zu lassen und mich geradezu anzuschreien, endlich meinen lahmen Hintern in Bewegung zu setzen.

Wer war nochmal auf die Idee gekommen, dieser nervigen Hexe Magie beizubringen?

Zugegeben, sie war selbst über ein Jahr später allerhöchstens mittelprächtig in der Ausübung ihrer übernatürlichen Fähigkeiten, aber manche Dinge beherrschte sie doch ganz gut und Belästigung stand bei ihr ganz weit oben auf der Prioritätenliste.

Einmal mehr verfluchte ich meine herzlose Mutter, dass sie mich gezwungen hatte, Bethany unter meine Fittiche zu nehmen.

„Bitte, bitte, du musst unbedingt kommen“, flehte mich mein Kochtopf an. „Wenn es nicht dringend wäre, würde ich bestimmt nicht stören.“

Ich verdrehte meine Augen. „Du bist letztes Mal wie ein aufgeregter Ochse auf meiner Türschwelle erschienen, als ein Junge dir gesagt hat, deine Haut wäre trocken. Also vergib mir, wenn ich dir das nicht glauben kann.“

Wer hatte überdramatische Teenager eigentlich erfunden?

Der gehörte wirklich bestraft!

„Diesmal geht es um Leben und Tod“, beharrte Bethanys Spiegelbild auf meinem Esslöffel energisch.

Ich schnaubte. „Hat dir diesmal ein Junge gesagt, dass deine Augen zu eng beieinander stehen?“

Bethany knirschte hörbar mit den Zähnen. „Nein, das ist --“ Sie hielt inne und holte einmal tief Luft. „Würdest du bitte einfach vorbeikommen? Sonst könnte ich natürlich auch einfach deine Mutter fragen ...“

Natürlich würde das kleine Miststück Tyaria ins Gespräch bringen.

Meine absolut grausame Mutter, die mir höchstwahrscheinlich den Schädel kahl rasieren würde, sollte sie hören, dass ich Bethany einfach ignorierte.

„Ich hasse dich“, informierte ich die Hexe. „Eines Tages wird dir die Erwähnung meiner Mutter auch nichts mehr nützen.“

Ich kannte genügend kreative Wege, jemanden umzubringen und es wie einen Unfall aussehen zu lassen.

Nichtsdestotrotz legte ich mein Abendessen beiseite und machte mich auf den Weg, während ich die Liste von Gründen in meinem Kopf, warum Bethany einen langsamen und qualvollen Tod verdiente, um einen Punkt erweiterte.

Mithilfe von Magie und einem absolut gelangweilten Wächter, der seinen Dienst an dem meinem Haus am nächstgelegenen Höllentor schob und offenbar keinerlei Bedürfnis verspürte, meine Personalien zu überprüfen, kam ich relativ schnell vor Bethanys protziger Riesenvilla an. Sie erwartete mich bereits, bevor ich die Chance hatte, an der Haustür zu klopfen, packte mein Handgelenk und zog mich in Innere.

„Ich hoffe, dass ich wirklich wichtig“, knurrte ich. „Ich habe gerade mein Essen dafür zurückgelassen.“

Bethany rollte ihre Augen, als wäre es absolut lächerlich, sich in solch einem Moment Gedanken um Nahrung zu machen. „Ich habe noch einen Eintopf in der Küche. Da kannst du dich gerne dran bedienen, wenn du willst.“

Ich verzog mein Gesicht. „Menschennahrung bekommt mir nicht.“

Bethany schnaubte. „Dann tut es mir sehr leid“, sagte sie und klang dabei alles andere als ernsthaft. „Aber meine ganze Zukunft steht auf dem Spiel!“

Offenbar hatte ihr wirklich ein Junge gesagt, dass ihr Augen zu nahe beieinander standen.

„Was ist denn so wichtig?“, wollte ich zähneknirschend wissen.

„Mein Tod.“

Ich blinzelte einige Male verdutzt und legte letztlich meinen Kopf schief. „Ich gebe zu, dass das wirklich ein wichtiges Ereignis ist, aber trotzdem verstehe ich nicht, was ich hier soll.“

Sie zog mich in den spärlich möblierten Raum am anderen Ende ihres Monsterhauses, den wir gewöhnlich für ihre jämmerlichen Versuche in der Kunst der Magie verwendeten, und deutete auf einen kleinen Tisch in der hinteren Ecke, auf dem sich haufenweise bebilderte Karten tummelten.

„Mein Tod“, wiederholte Bethany und klang plötzlich den Tränen nahe. „Ich habe es in der Karten gesehen.“

Ich runzelte die Stirn. „Die Karten haben dir prophezeit, dass du bald den Löffel abgibst?“

Tarot war noch nie meine Stärke gewesen oder von Teufeln generell. Die Zukunft war zu unbeständig und verwirrend und uns fehlte einfach die Geduld, um uns damit auseinanderzusetzen. Zumal diese dummen Dinger sowieso nur zu einem gewissen Prozentsatz zuverlässig waren und kein Teufel sich mit einem „Vielleicht“ abspeisen wollte.

Interessanterweise hatte ich hingegen früh erfahren, dass es wohl ein Hobby von Bethany war und sie erstaunlich gut darin geworden war. Wie gesagt, im Großen und Ganzen keine beeindruckende Meisterleistung, aber ich war ehrlich verwundert gewesen, dass sie für irgendetwas ein winzig kleines bisschen Talent besaß.

Es war zwar kümmerlich und lachhaft, doch immerhin besser als gar nichts.

„In achtundvierzig Stunden werde ich den Tod finden“, erklärte Bethany in einem düsteren Tonfall.

Ich hob meine Augenbraue. „Soll ich vielleicht schon mal die Beerdigung ausrichten?“

Das wäre mir sogar ausnahmsweise ein wahres Vergnügen gewesen.

Bethany hingegen schien von meinem Vorschlag nicht angetan. Sie schlug mir grummelnd gegen den Oberarm und einzig der wohlbegründete Respekt gegenüber meiner Mutter hielt mich davon zurück, sie in einen Floh zu verwandeln und unter meiner Schuhsohle zu zerquetschen.

„Hör bloß auf mit deinen dummen Scherzen!“, zischte sie. „Ich will noch nicht sterben. Und ganz recht nicht einen Tag vor meinem achtzehnten Geburtstag!“

Gerade der letzte Punkt schien ihr ehrlich zuzusetzen und ich fragte mich, was an diesem Alter so besonders war.

Durften dann Menschen offiziell die Weltherrschaft an sich reißen?

„Was willst du denn jetzt von mir hören, Herzchen?“, fragte ich genervt nach. „Dass mir das alles furchtbar leid tut? Dass ich dich extrem vermissen werde?“ Ich schnaubte abfällig. „Niemand schätzt Lügen in der Stunde seines Todes.“

Bethany wurde ein wenig blasser um die Nase bei diesen Worten, fing sich aber schnell wieder und schnappte hastig nach Luft. „Nein, ich will dir ein Geschäft vorschlagen.“

Ich hob meine Augenbraue und musterte sie kritisch. „Ein Geschäft?“

„Ich will, dass du mir hilfst, dem Tod zu entkommen.“

Ihr Tonfall war absolut dramatisch und unheilschwanger, es hätte wirklich nur noch entsprechende Hintergrundmusik gefehlt, um den Augenblick perfekt zu machen.

Ich seufzte tief. „Und wie, bitte schön, soll ich dir helfen? Ich kenne den Tod nämlich nicht persönlich, also werde ich ihn kaum mit einem netten Lächeln dazu überreden können, dich auf seiner Liste einfach zu überspringen.“

Nicht dass ich so oder so irgendwie dazu in der Lage gewesen wäre, auch nur ein einigermaßen nettes Lächeln zustande zu bringen.

Da lag nicht in meinen Genen.

„Ich will, dass du mir für die nächsten achtundvierzig Stunden nicht mehr von der Seite weichst“, erklärte Bethany mit Nachdruck. „Ich verlange, dass du dem Schicksal einen Strich durch die Rechnung machst!“

Eindeutig ein Einzelkind.

Und noch dazu der Spross reicher und einflussreicher Idioten, die ihre Tochter von vorne bis hinten verwöhnten und offenbar rein gar nichts von Erziehung verstanden.

„Du verlangst?“ Ich lachte spöttisch aus. „Hör zu, Liebes, manchmal scheinst du wirklich zu vergessen --“

„Und wenn du das für mich tust, wirst du mich danach nie wieder sehen müssen“, unterbrach Bethany mich rasch. „Kein Magie-Nachhilfeunterricht mehr. Keine Hilferufe zu später Stunde. Sobald die achtundvierzig Stunden um sind, kannst du von mir aus für immer meinen Namen vergessen.“

Ich musste zugeben, das Angebot hatte durchaus etwas Verlockendes.

Etwas sehr Verlockendes.

Dennoch blieb ich wachsam. „Hast du die Autorität, mir so etwas zu versprechen?“

„Natürlich!“, versicherte sie mir sofort. „Meine Mutter hat alle Autoritären auf mich übertragen. Darüber hinaus werde ich morgen achtzehn und damit rundum mündig. Ich verspreche dir hoch und heilig, dass nach achtundvierzig Stunden unser Arrangement gestorben ist. Ich kann's dir auch gerne schriftlich mit Siegel geben, falls dir das lieber ist.“

Ich schüttelte meinen Kopf und ergriff stattdessen ihre Hand. „Das hier reicht einem Teufel schon“, erwiderte ich und drückte fest zu. „Damit haben wir einen Deal. Und ich rate dir, dich daran zu halten. Es endet schmerzhaft, wenn man ein Geschäft mit einem Teufel bricht.“

Bethany wirkte angesichts dessen wenig beeindruckt. Sie lächelte bloß selig, offenbar hochzufrieden, dass sie für die nächsten zwei Tage einen Bodyguard zur Seite hatte.

Dummes, naives Kind.

„Darf ich dir aber noch ein Frage stellen, Schätzchen?“, hakte ich nach.

Bethany nickte. „Natürlich.“

Ich setzte mein absolut dämonischestes Grinsen auf. „Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, dass ich diejenige bin, die für deinen grausamen und blutigen Tod verantwortlich sein wird?“

Bethanys Augen weiteten sich in Schock. Es war mehr als offensichtlich, dass sie diese Möglichkeit gar nicht in Betracht gezogen hatte.

Ich zwinkerte ihr zu und lachte laut, als sie daraufhin gleichzeitig weiß und rot anlief.

Dies könnten durchaus amüsante zwei Tage werden.


-

Date: 2016-09-16 08:12 pm (UTC)
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From: [personal profile] servena
Jaa, sie sind zurück! Und es ist wieder mal absolut fantastisch. Ich weiß gar nicht, was ich zuerst zitieren will.

„Diesmal geht es um Leben und Tod“, beharrte Bethanys Spiegelbild auf meinem Esslöffel energisch. - Herrlich!

Ich hob meine Augenbraue. „Soll ich vielleicht schon mal die Beerdigung ausrichten?“ - :D

Durften dann Menschen offiziell die Weltherrschaft an sich reißen? - XD

Ich brauche unbedingt diese 48 Stunden noch!

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