[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Hufflepuff
Challenge: Humor - "Ja genau so. Nur völlig anders…" – fürs Team
Fandom: Rush Hour, das High School AU
Titel: Pānfólùhng
Inhalt: Lee und Carter treffen sich zum Spielen.
Anmerkung: Das spielt einige Zeit nach dem ersten Treffen der beiden, wo sie sich schon näher aber noch nicht sehr gut kennen, aber da chronologisches Schreiben total für Schluffis ist… ja. Außerdem: HURRA ich hab mein Schreibtief überwunden und meine Verhackstückung der kantonesischen Sprache tut mir Leid. Künstlerische Freiheit!



Pānfólùhng

Lee würde sehr gerne lernen. Die Hausaufgaben hat er bereits erledigt, sauber übertragen, abgeheftet, die Mappe nach kurzem Zögern ganz nach vorn in seine Tasche gesteckt. Er hat außerdem alle Stifte angespitzt, Tintenpatronen erneuert, überprüft, welche Textmarker bald ersetzt werden müssen, und das Blättchen, auf dem er dafür gekritzelt hat, hat er auch schon ordnungsgemäß entsorgt.

Seine Kleidung für Montag hängt gebügelt an der Zimmertür, aber die wird er bestimmt noch einmal auffrischen müssen.

Ist schließlich erst Freitagabend um sechs.

Lee bleibt mitten im Zimmer stehen, als hätte man ihn beim Klauen erwischt und betrachtet seine Tasche.

Die Uhr auf seinem Schreibtisch tickt mit einem Mal viel langsamer vor sich hin. Lee fragt sich, wie lang er seiner leeren Freizeit wohl davonschlafen kann doch das Wochenende breitet sich wie eine 48spurige Autobahn vor ihm aus.

Er könnte sich zu seinem Onkel ins Wohnzimmer setzen und zusammen Fernsehen schauen. Aber sein Onkel ist nur noch eine halbe Stunde zuhause, dann wird er zu Mister Choi vom Gemüseladen gehen für ihren allwöchentlichen Kartenspielabend.

Lee überlegt. Eine halbe Stunde, die er in der abgeatmeten Luft im Wohnzimmer verbringen und versuchen müsste, mit der Couch zu verschmelzen, damit sein Onkel keinen Herzinfarkt kriegt, weil er seinen Neffen mal zu Gesicht bekommt.

Halbe Stunde stickige Peinlichkeit gegen halbe Stunde Einsamkeit in seinem Zimmer, gefolgt von weiteren zwei Tagen allein mit seinem Schreibtisch und seinen Schulbüchern.

Lee macht einen kleinen unentschlossenen Schritt nach vorne zur Zimmertür und dann klingelt sein Handy.

Sein erster Gedanke ist, dass das Kim sein muss. Kim, die ihn völlig aufgelöst anruft, heulend und lachend, um ihm zu sagen, dass das alles nur ein riesiges Missverständnis war, dass seine Eltern noch am Leben sind und er und Kim zuhause in Hongkong erwartet werden.

Lee schießt das Wasser in die Augen, doch er schüttelt den Kopf und atmet tief durch, streckt den Kopf bis sein Nacken schmerzt. Das wird nicht passieren. Und es ginge Lee so viel besser, wenn er sich nicht jedes Mal wieder auf diese Hoffnung einlassen würde. Er stürzt zu seinem Handy.

"Lee, na endlich, hör mal bist du zuhause, ich steh vor der Tür, mach mir mal auf!"

"C-Carter?"

"Ja man! Schwing die Hufe, ich habs eilig!"


Fünf Minuten später stehen er und Carter im Hinterhof und starren auf Luft. Lees Herz klopft wie wild, weil er alle dreizehn Treppen runtergerast und dann fast mit dem Kopf gegen die Glastür gedonnert ist, doch er konnte sich im letzten Moment abfangen und die Tür aufreißen.

Jetzt steht Carter in Flipflops, Shorts und guter Laune im Hof und dreht sich wild im Kreis.

"Zeig dich endlich, du Mistkerl!" In der linken Hand hält er ein Handy. "Es muss hier sein!"

"Was suchst du?"

"Ein Kadabra!"

Carter wendet Lee den Kopf und das Handy zu und grinst, als würde er im Irrenhaus sitzen.

"Jetzt sag mir nicht, dass du kein Pokemon kennst, das haben deine Leute doch praktisch erfunden!"

"Pokemon kommt aus Japan", sagt Lee, doch er hört sich selbst nicht mal richtig zu. Seine Augen kleben auf dem Handyscreen, wo eine lilablaue Welt vor sich hin rotiert und blinkt. Der Straßenverlauf gleicht der Realität bis aufs Haar, doch Lee ist im ersten Moment völlig orientierungslos.

"Das ist Pokemon Go, man!", schreit Carter nach ein paar Augenblicken, als Lee nur weiterhin auf sein Handy starrt. "Damit kann man Pokemon draußen fangen!"

Die Silhouette unten rechts auf dem Bildschirm blinkt plötzlich auf und die grüne Linie fährt Lee direkt durch den Kopf.

"Ein Yàuhgēinaahp", sagt er. Es fühlt sich an, als würde er beten.

Ein Wort, auf Kantonesisch, fremd in diesem Hinterhof in Westküstenamerika, fremd für Carter, dessen Augen sich vor Verwirrung zusammen ziehen, aber Lee fühlt sich überschwemmt von Nostalgie.

"Was?", fragt Carter.

Yàuhgēinaahp taucht plötzlich auf dem Bildschirm auf und Lee spürt sich grinsen, als er ganz automatisch mit der Fingerspitze drauf tippt. "Da ist es!"

Carter reißt das Handy an sich und tippt wie wild darauf herum, schreit "Los, bleib drin!" und "Argh, du verdammte löffelverbiegende Ratte!" und "Eine deiner Omas war ein Rattfratz!!" und Lee schaut ihm über die Schulter hinweg zu, doch Yàuhgēinaahp liefert ihnen einen erbitterten Kampf.

Ein weiterer Pokeball, Carter zittert vor Aufregung, der Ball zuckt einmal, zweimal… Yàuhgēinaahp springt wieder raus und dann fressen Carter und Lee virtuellen Staub.

Carter stöhnt. "Ich fass es nicht! Mistvieh!" Er bläst die Wangen auf und streckt seinem Handy die Zunge raus, aber seine schlechte Laune hält nur ein paar Sekunden an, bis er sich wieder zu Lee umdreht und ihn mit einem misstrauischen Blick fixiert.

"Sag nochmal den Namen von diesem Pokemon", befiehlt er.

"Yàuhgēinaahp", sagt Lee und lächelt, als Carters Stirn sich in Falten legt.

"Ja genau. Nur völlig anders…?"

Lee würde gerne noch ein bisschen länger dabei zusehen, wie Carter sich in höllische Kopfschmerzen denkt, doch er bekommt Mitleid.

"Das ist der kantonesische Name", erklärt er.

"Der was?"

Lee seufzt. "Der chinesische Name dieses Pokemons." Irgendwann wird er Carter den Unterschied zwischen Mandarin und Kantonesisch erklären, aber nicht heute und hier im Hinterhof seines Onkels und schon gar nicht am Beispiel von Pokemon. Das wäre unangemessen, findet Lee, und Carter sieht immer noch so aus, als hätte Lee ihm das Handy weggenommen und es auf dem Boden zertrümmert.

"Pokemon heißen anders bei euch?", fragt er schließlich mit hoher fiepsender Stimme und Lee hofft, dass er nicht plötzlich in Ohnmacht fallen wird.

"Ja", sagt er. "Es sind Wortspiele. Meistens."

Lee erinnert sich daran, wie er sich neben Kim gesetzt hat, als sie ihr allererstes Pokemonspiel begann und ihr alle hundertfünfzig Namensbedeutungen erklären wollte. Nach den ersten dreizehn ist sie aufgestanden, hat ihn in den Schwitzkasten genommen und ihn einen "verdammten, nervigen Nerd" genannt.

Carter schaut ihn an, als wolle er das gleiche tun und Lee hat zum ersten Mal seit er hier in Amerika wohnt, nicht das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, wenn er an Kim oder zuhause denkt. Das ist der schönste Abend seines Lebens und als Carter entsetzt den Kopf schüttelt, kann er ihm nur ein Grinsen zuwerfen.

"Das ist doch bescheuert. Yamanmapmap ist doch kein Wort!"

"Es heißt ja auch Yàuhgēinaahp", sagt Lee. "Dabei handelt es sich um eine Transliteration des japanischen Ursprungsbegriffs Yugerer, der sich auf Uri Geller zurückführen lässt."

"Was ist Uri Geller?"

"Ein Mann, der Löffel verbiegt", erklärt Lee und Carter ballt die Faust und boxt ihm gegen den Oberarm.

"Du verarschst mich doch!"

"Hast du wirklich geglaubt, Pokemon heißen überall gleich?"

"Ja man! Wegen der Globalisierung oder so!"

"Das würde keinen Sinn ergeben. Pokemonspiele werden für jüngere Kinder vermarktet, denen ein leichterer Zugang zur Fantasiewelt gegeben wird, indem die Namen auf Dingen basieren, die die Zielgruppe bereits kennt und…"

"Schon gut, schon gut, halt die Klappe, Google! Sowas behämmertes habe ich noch nie gehört, aber gut, du bist ja eh völlig von der Rolle."

Es ist eigentlich kein Kompliment (und Lee braucht immer noch ein paar Sekunden, um das Slangwort zu verstehen), aber Carter grinst und schaut Lee mit funkelnden Augen an.

"Was ist dein Lieblingspokemon?"

"Pānfólùhng", sagt Lee.

"Ja, und jetzt mal in ner Sprache, die ich auch verstehe?"

Lee hält inne. Er denkt an die Schriftzeichen und die Zeichnungen, die blecherne Musik, die aus seinem Gameboy schallte. "Feuerspeiender Drache?"

"Dragoran?"

"Was?"

Einen Moment lang starren sie sich in die Augen, dann prusten sie los und Carter schüttelt schließlich den Kopf und packt Lee am Handgelenk. "Ich fass dich nicht", sagt er. "Du kannst alle Bundesstaaten und ihre Hauptstädte aufzählen, aber keinen einzigen Pokemonnamen, mit dir kann sich ja kein Mensch unterhalten!"

Lee will protestieren, natürlich will er das, aber all seine Gedanken richten sich nur noch auf Carters Finger, die seine Hand umschließen. Ihm wird drachenfeuerheiß und er zieht den Arm zurück.

"Was ist dein Lieblingspokemon?", fragt er rasch und laut, um seinen Herzschlag zu übertonen.

"Wenn wir es fangen, zeig ich es dir."


Sie fangen es nicht. Aber dafür lernt Lee, wie Bōbō auf Englisch heißt (und dass es viel zu viele davon gibt), warum Carter unbedingt ein Gwáisī haben will und dass immerhin Pikachu überall Pikachu heißt.

An Hausaufgaben und sein Zimmer denkt er erst wieder, als er nachts um zwei nach Hause kommt, völlig erledigt, mit Sand in den Schuhen (sie wollten ein Hāgúlùhng am Strand fangen) und Lippen, die vom Lächeln schmerzen.

Er schläft ein mit dem Kopf voll gemalter Schuppen und Federn und Carters goldenem Versprechen, ihn am nächsten Tag wieder abzuholen.

Date: 2016-08-21 08:58 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Yep, Du bist zurück! \o/

Und ich mag dieses AU, die zwei sind so süß zusammen <3

"Hast du wirklich geglaubt, Pokemon heißen überall gleich?"
"Ja man! Wegen der Globalisierung oder so!"

rofl

Und gibt es wirklich ein Pokemon, das nach Uri Geller benannt ist?

Date: 2016-08-21 10:13 am (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Aww, das war so niedlich! <3
Ich komm ja mit den englischen Pokemonnamen auch nicht so gut klar, da gab es schon Verständnisschwierigkeiten...

Date: 2016-08-21 11:43 am (UTC)
From: [identity profile] peterhforalpha.livejournal.com
Awww, ja noch mehr Lee und Carter :D

Das war zu süß. Lee ist einfach nur zum knuddeln. Gut, dass er einen Freund wie Carter hat, der einfach unangekündigt auftaucht und ihn einfach mal entführt, um ein paar Pokemon zu sammeln (auch wenn Lee sie alle falsch ausspricht *haha*)

Mein Lieblingspokemon war übrigens Glutexo^^

Date: 2016-08-21 08:00 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
SKDFJSKLÖDFJLÖSKDFJSLKDFJLSDKFJSLKDFJSLKDFJSKLDFJLSKDFJLSKDJFLKDSFJSLKDFJSLDJF THIS IST EHCUTEHFSJKDFHJERSKJGHSKJHFskjdhsdkjfhsdkjfhSkdjfS FCUTES TST THCE CUTEST

OKAY DAS WEISST DU JETZT SCHON

Aber es ist einfach unheimlich niedlich, weil sie trotz AU soooo seeeehr sie sind und Pokemon Go außerdem wirklich das schönste Thema für ein High School AU (und überhaupt für alle AUs ever, danke) ist. Carter ist so aufgeregt! Lee ist so, naja, Lee, aber er kennt Pokemon trivia und sie gehen zusammen am Strand Pokemon fangen, oh Gott, mein Herz.

Das ist wunderzaubersüß und ich freue mich sehr, dass du wieder etwas geschrieben hast ♥

Ich will aber auch wissen, warum Carter unbedingt ein Gwáisī haben will :)

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