[identity profile] enjoy-the-chaos.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Slytherin
Challenge: Reverse Challenge – Apokalypse (fürs Team)
Fandom: Original
Anmerkung: Den Charakter Rasia habe ich auch schon hier eingeführt, aber man kann das Ganze unabhängig lesen. Man muss eigentlich nur wissen, dass sie ein Teufel ist und in der Hölle lebt.
Und danke an [livejournal.com profile] peterhforalpha für diese Idee!!
Warnung: Crack, schwarzer Humor, aber gleichzeitig irgendwo noch innige zwischenmenschliche (oder besser gesagt: zwischenteuflische) Beziehungen – das ist ein wildes Durcheinander :D




Ich war noch sonderlich scharf darauf gewesen, meinen Geburtstag zu feiern.

Viel zu viele Idioten, die das Bedürfnis hatten, mich anzulächeln, mich zu berühren, mich in irgendwelche sinnlosen und unnötigen Umarmungen zu ziehen und mir für mein neues Lebensjahr so überschwänglich zu gratulieren, als wäre es ein wahres Wunder, dass ich überhaupt noch am leben war.

Gut, zugegeben, wenn man die Hölle sein Zuhause nannte, war das durchaus schon eine kleine Meisterleistung.

Aber jeder kannte mein aufbrausendes Temperament und den schrecklichen Ruf meiner Mutter, sodass nur die wenigsten wagten, sich großartig mit mir anzulegen. Höchstens ein paar Lebensmüde und die aggressiven Trolle in meinem Garten, sonst ließ man mich eigentlich relativ in Ruhe.

Zumindest was Körperverletzung anging.

Mit Aufmerksamkeit hatte ich leider Lucifers eine Menge zu kämpfen.

Und das war an meinem Geburtstag unglücklicherweise noch einmal dreifach so schlimm. Das kam davon, wenn man einfach eine viel zu große Familie vorzuweisen und bisher traurigerweise noch nicht die Zeit gefunden hatte, sie alle mit einem gigantischen Feuerball spektakulär auszulöschen.

Das hatte ich nun davon, dass ich mit fortschreitenden Alter immer fauler wurde.

Gleich in den allerfrühsten Morgenstunden, zu der Zeit, wo normalerweise selbst Babys schliefen, hatte mich mein Vater bereits mit einem schrillen Geburtstagslied aus dem Bett geworfen, in der unglaublichen Annahme, ich würde das in irgendeiner Form rührend und nett finden. Bis zum heutigen Tage hatte ich echt keine Ahnung, wo der seine ganzen Fantasien hervorholte, aber offenbar war er als Kind einmal zu oft von seiner Mutter in einen Lavasee geworfen worden.

Und Shimo folgte leider eine riesige Parade von Verwandten und Bekannten über den ganzen Tag verteilt, die irgendeinen Blödsinn von Liebe und Zusammenhalt predigten und mich mit Geschenken überhäuften, die unnützer nicht hätten sein können. Was zur Hölle sollte man denn mit Blumen und Schmuck anfangen?

Ich konnte das Ende dieser Tortur wirklich kaum noch erwarten.

Natürlich kam meine Schwester Alymara und ihre Brut von 47 oder 48 Kindern ganz spätabends gegen Ende, wo ich schon fast zu wagen gehofft hatte, dass mein Elend endlich vorbei wäre. Mehr als typisch!

Bei ihrem Anblick konnte ich nichts anderes tun, als genervt meine Augen zu verdrehen. „Hättest du mich nicht in Frieden sterben lassen können?“

Sie lachte auf, nicht im Mindesten beeindruckt. „Du bist immer so melodramatisch, Ras. Aber keine bange, wir werden nicht lange hier sein. Ich weiß doch, wie sehr du dieses ganze Theater verabscheust.“

Ich verzog mein Gesicht. Selbst zwei Minuten waren viel zu viel, besonders dann, wenn sie ihre nervige Bälger mitbrachte. Kaum dass sie über die Türschwelle getreten waren, hatte sich der Großteil von ihnen in alle Himmelsrichtungen verteilt wie ein Schwarm von Höllenbienen, die so schnell wie möglich ihr neues Territorium in Beschlag nehmen wollten. Ich hörte von überall Gelächter und sehr verdächtige Geräusche, die darauf schließen ließen, dass sie mein gesamtes Mobiliar vollkommen auseinandernahmen.

Kein Wunder, dass ich niemals für sie babysittete.

„Okay, lass es schnell hinter uns bringen“, meinte ich zähneknirschend. „Umarme mich, sag mich, wie sehr du mich liebst und all der ganze Mist, der dazugehört, und dann verschwinde wieder!“

„Und vergiss nicht dein Geschenk!“ warf eines von Alymaras Mädchen ein.

Ich starrte sie nur an und versuchte, mich an ihren Namen zu erinnern. Anfangs hatte ich es noch geschafft, einigermaßen auf dem neusten Stand zu bleiben, aber nachdem meine werte Schwester immer mehr Kinder innerhalb kürzester Zeit produziert hatte – zum großen Teil auch noch Drillings- oder Vierlingsgruppen, die sich kaum voneinander unterschieden –, hatte ich irgendwann den Faden verloren.

Diese Brut brauchte dringend ein paar Namensschilder!

„Genau, dein Geschenk“, stimmte Alymara zu, ihren Tochter einen warmen Blick zuwerfend. „Wir haben uns dieses Jahr eine Menge Gedanken darum gemacht, immerhin ist es dein 3333. Geburtstag!“

Ich seufzte. Alymara war noch nie ein besonders einfallsreiche Geschenkgeberin gewesen und auch diesmal setzte ich meine Hoffnung nicht allzu hoch. Nicht mal eine komplett neue Möbelgarnitur hätte meine Stimmung heben können.

„Gebt es mir einfach und verschwindet!“, knurrte ich.

Alymara ließ sich von meinem Tonfall nicht entmutigen. „Es ist in dem Sinne nichts Materielles.“

Sie schaute hinüber zu einer Gruppe ihrer Kinder, die gleich darauf zu kichern begannen und offenbar ganz aufgeregt auf meine Reaktion warteten.

„Was ist es?“

Je schneller wir das Ganze hinter uns brachten, desto besser.

Alymara grinste breit und verkündete: „Eine Apokalypse!“

Was?

Ich blinzelte einige Male verdutzt und überlegte, ob ich mich vielleicht verhört hatte. Es war immerhin gerade laut genug in meinem Haus, da konnte man gewisse Dinge schon mal missverstehen.

Was?“, hakte ich deshalb verwirrt nach.

„Eine Apokalypse!“, wiederholte Alymara mit einem selbstzufriedenen Lächeln. „Du weißt schon – Feuerregen, Geschrei, Schmerzen, Zerstörung, Tod. Das volle Programm!“

Meine Augen weiteten sich, als langsam ihre Worte in mein Gehirn vordrangen.

„Du … wirklich?“

Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wann mir das letzte Mal etwas die Sprache verschlagen hatte.

„Du schenkst mir … eine Apokalypse?“

Alymara nickte. „Allerdings nicht das Jüngste Gericht. Da sind die Damen und Herren sowohl in der Hölle als auch im Himmel ziemlich strikt. Offenbar ist dieser Termin schon fett in deren Kalendern markiert, irgendetwas von „göttlicher Programmplanung“ und was weiß ich.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Aber ich konnte dir eine kleinere Apokalypse in einem alternativen Universum organisieren. Alles wird unter deinem Namen ablaufen und die Lebewesen dort werden den Zorn der Göttin Rasia ordentlich zu spüren bekommen.“

Immer noch starrte ich sie einfach ungläubig an. „Eine … Apokalypse?“

„Sie wäre so oder so über die Bühne gegangen“, erklärte Alymara. „Aber ich habe ein paar Fäden gezogen und nun kannst du die Propaganda und die Organisation der Vorboten übernehmen. Und selbstverständlich bekommst du einen Platz in der ersten Reihe für das eigentliche Spektakel.“

Ich spürte, wie sich mein Körper von selbst bewegte, und ehe ich mich versah, hatte ich meine Schwester plötzlich in eine innige Umarmung gezogen.

Sehr wahrscheinlich zum allerersten Mal in meinem Leben.

Am Rande meines Bewusstseins nahm ich wahr, wie die Kinder auf und ab hüpften und begeistert quietschten, offenbar sehr angetan von meiner Reaktion.

Ich ignorierte sie einfach und wisperte Alymara stattdessen in Ohr: „Ich habe das noch niemals zuvor gesagt und werde es auch vermutlich nie mehr wieder tun, aber gerade im Moment liebe ich dich ein kleines bisschen.“

Alymara drückte mich enger an sich und ich fühlte nicht einmal ansatzweise das Bedürfnis, sie davon abzuhalten. Nicht mal das Geschrei und das eindeutige Geräusch von zerschmetternden Geschirr im Nebenzimmer konnte meine Laune trüben.

„Ich liebe dich auch ein ganz kleines bisschen“, flüsterte Alymara. „Alles Gute zum Geburtstag, Ras.“

Date: 2016-08-10 07:37 pm (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Ah, sie ist so herrlich, ich will jetzt unbedingt auch diese Apokalypse sehen! :D

Date: 2016-08-10 08:29 pm (UTC)
From: [identity profile] peterhforalpha.livejournal.com
Hach, herrlich!
Genau so hatte ich es mir doch vorgestellt. Rasia halb zu Tränen gerührt, weil man ihr eine Apokalypse schenkt.
Und die Kleine von Alymara war ja zu süß, wie auch immer ihr Name ist (vielleicht wäre durchnummerieren noch einfacher. Jeder kriegt einfach ein Shirt mit einer Zahl drauf ;) )
Bitte, bitte, noch mehr von Rasia, ganz ganz viel!

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